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Als „Metropolis“ 1927 uraufgeführt wurde, fiel er bei Kritik und Publikum durch und wurde danachh von Paramount radikal gekürzt und zusammengeschnitten. Die ursprüngliche Fassung galt seit dem als verschollen. Bis gestern.

Am Dienstag vergangener Woche reiste Paula Félix-Didier in geheimer Mission nach Berlin, um sich dort mit drei Filmgutachtern und mit Redakteuren des ZEIT-Magazins zu treffen. In Gepäck der Museumschefin aus Buenos Aires: eine Kopie einer Langfassung von Fritz Langs Metropolis, darin Szenen, die seit fast 80 Jahren als verschollen galten. Nachdem die drei Experten den Film begutachtet haben, sind sie sicher: Der Fund aus Buenos Aires ist ein echter Schatz, eine Weltsensation. Metropolis, der bedeutendste Stummfilm der deutschen Geschichte, darf seit diesem Tag als wiederentdeckt gelten.

Die Urfassung von Metropolis hatte Fritz Lang im Januar 1927 in Berlin präsentiert. Der Film spielt in der Zukunftsstadt Metropolis, sie wird von Joh Fredersen beherrscht, dessen Arbeiter unter der Erde leben. Sein Sohn verliebt sich in eine junge Frau aus der Arbeiterstadt – der Konflikt nimmt seinen Lauf. Es war der teuerste deutsche Film, den es bis dahin gegeben hatte. Es sollte ein Großangriff auf Hollywood werden. Doch bei Kritikern und Publikum fiel der Film durch. Die Vertreter der amerikanischen Paramount kürzten den Film radikal und schnitten ihn um. Sie vereinfachten die Handlung extrem, auch Schlüsselszenen schnitten sie heraus. Die Originalfassung war nur bis Mai 1927 in Berlin zu sehen – bis heute galt sie als verschollen. Wer den Film zuletzt in der restaurierten Fassung sah, las zu Beginn folgende Einblendung: „Über ein Viertel des Films muss als verschollen gelten.“

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6 Trackbacks

  1. 03.07.2008 - Metropolis - Fehlende Szenen entdeckt | FILMTERROR.DE
  2. 04.07.2008 - Xesier » Verschollene Szenen von Metropolis gefunden
  3. 07.07.2008 - Metropolis Directors Cut - Netzlogbuch
  4. 23.07.2008 - Metropolis Illustrationen und Fotos - Nerdcore
  5. 21.08.2008 - Minds Delight | Und wieder ein Mashup-Blog » Verschollene Szenen von Metro [...]
  6. 30.10.2009 - Metropolis – Wiedergefundene Schnittfassung hat Premiere auf der Berlinale | D [...]

13 Kommentare

  1. Wow, das sind fantastische Nachrichten. Bin gespannt, wie sie es der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Vielleicht ein Kinoastart als “Directors Cut” … das wäre doch was.

    Kommentar #1 von Peter am 03.07.2008 um 12:01 Uhr

  2. Yep, und dazu bitteschön noch eine Superdeluxe-DVD mit Maria Büste und eben habe ich bei Wikipedia gelesen, dass diese Ur-Version 210 (!) Minuten lang ist… whoooohooo!

    Kommentar #2 von Renington Steele am 03.07.2008 um 12:11 Uhr

  3. Ich fänd es noch total genial, wenn jemand wie Oren Ambarchi oder Daniel Menche einen massiven Soundtrack abliefern würde um die Brücke zwischen Uraufführung und Neuzeit nicht nur sichtbar sondern hör- und spürbar zu machen. *lechz*

    Kommentar #3 von mærts am 03.07.2008 um 12:28 Uhr

  4. Da das Copyright ja seit 1997 abgelaufen ist, darf man hoffentlich demnächst eine komplette Freigabe des Originalmaterials erwarten, oder?
    Bei archive.org sollten sie dann vielleicht noch ein paar Hallen mehr anmieten :)

    Kommentar #4 von pascal am 03.07.2008 um 16:20 Uhr

  5. Hat denn keiner in Erwägung gezogen, dass der Film 1927 bei Publikum und Kritikern aufgrund der Überlänge durchgefallen ist?

    Versteht mich nicht falsch, ich liebe viele Filme aus der Weimarer Zeit, aber 210-Minuten? Wer da am Ende keine Kopfschmerzen hat…

    Ich bin ein großer Fan von Fritz Langs “Dr. Mabuse – Der Spieler” (1922), aber ich habe den Film noch nie ohne längere Unterbrechung gesehen! 4 Stunden Orchestermusik! Da wird man wahnsinnig. Fast so wahnsinnig wie Dr. Mabuse selbst…

    Kommentar #5 von Zetterberg am 03.07.2008 um 17:13 Uhr

  6. Stummfilme misst man wegen der damals nicht standartisierten Abspielgeschwindigkeiten nicht in Minuten, sondern in Metern!

    Die Premierenfassung vom 10. Januar 1927 hatte eine Länge von 4189 Metern. Dies entsprach bei einer Abspielgeschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde (wie bei der Premiere der Fall) einer Laufzeit von 153 Minuten. Diese Langfassung lief nur wenige Wochen in den Kinos der Weimarer Republik. Im August 1927 kam der Film erneut in einer stark gekürzten Fassung mit einer Länge von nur noch 3241 Metern in die Lichtspielhäuser. Der US-Lizenz-Inhaber Paramount kürzte den Film für den US-Markt auf knapp 3100 Meter herunter. Also schon sehr früh wurde Fritz Langs Film verstümmelt.
    Die bisher aufwändigste Restaurierung aus dem Jahr 2001 brachte den Film auf eine Länge von 3341 Metern. Gut ein Viertel der Premierenfassung galt somit als verschollen.
    Bei dem Fund aus Buenos Aires handelt es sich um ein 16mm-Negativ, welches von einer alten Filmkopie erstellt wurde, die jedoch vor Jahren nach der Umkopierung zerstört wurde, bestand sie doch aus leicht entflammbarem Nitratfilm. Vor der Umkopierung muß diese Filmkopie hunderte Male in Argentinien projeziert worden sein. Daher ist die Bildqualität alles andere als gut. Trotzdem ein unglaublicher Fund.

    Kommentar #6 von 4LOM am 03.07.2008 um 18:14 Uhr

  7. Danke für die Info. Jetzt würde mich nur noch interessieren, wie es zu den unterschiedlichen Zeitangaben gekommen ist? Immerhin ist das ein Unterschied von knapp einer Stunde (153 bzw. 210 Minuten, was stimmt denn nun?).

    Kommentar #7 von Zetterberg am 03.07.2008 um 19:12 Uhr

  8. @Zetterberg Wie 4LOM schon sagte, ist das das gleiche — sprich es stimmt beides: je nachdem wie schnell das ganze durch den Projektor läuft. Die Menge an Bildern (= Metern) ist ja die gleiche.

    Kommentar #8 von Injecter am 04.07.2008 um 00:36 Uhr

  9. Da frag ich mich auch, wo die Zahl 210min herkommt. In seinem Buch über Metropolis spricht Enno Patalas bei den 4189m auch von 2 Stunden und 20 Minuten bei der Premiere, also sogar noch weniger als 153min.

    Um aus berechneten 153min@24fps eine Länge von 210min zu erreichen, müsste der Film mit etwas weniger als 18fps projiziert werden. Macht das Sinn? Damals waren die Kameras ja noch nicht so schnell, die Projektoren entsprechend darauf eingestellt. Auf der Diskussionsseite des Wikipedia-Artikels wird dieses Thema bereits rege erörtert.
    Bloß: Hätte Experte Patalas dann unrecht?

    Kommentar #9 von partikelfernsteuerung am 04.07.2008 um 01:41 Uhr

  10. @partikelfernsteuerung

    18fps ist die unterste Grenze, um dem Zuschauer den Eindruck eines einigermaßen flüssigen Ablaufs zu vermitteln.

    Aber damit ist das Problem immer noch nicht gelöst. 4LOM meint, dass der Film schon bei der Premiere mit 24fps abgespielt wurde. Das kann nicht sein, wenn man davon ausgeht, dass die Zeitangaben 210/220 Minuten korrekt sind. Es sei denn, der Film wurde damals mit 18fps abgespielt. Was sehr gut angehen kann, da die Filmindustrie natürlich wirtschaftlich denken muss – und ohne Ton gehen 18fps in Ordnung, man ist ohnehin nur wegen des Tonfilms auf 24fps umgestiegen.

    Kommentar #10 von Zetterberg am 04.07.2008 um 13:39 Uhr

  11. Die Premiere hat ja nie 210 Minuten gedauert. Für die DVD wurde die Premieren-Musik von Gottfried Huppertz neu eingespielt. Bernd Heller hat die Partitur rekonstruiert und der restaurierten Filmfassung angepasst. Anhand der Partitur alleine war bereits ersichtlich, daß “Metropolis” bei der Premiere mit 24 fps projeziert wurde.

    Kommentar #11 von 4LOM am 04.07.2008 um 20:41 Uhr

  12. Dann sind wir uns ja einig, dass die 210min. nicht stimmen. Ich werde mal die genaue Quellenangabe rauskramen und sehen, wie die Wikipedia-Diskusion denkt.

    Kommentar #12 von partikelfernsteuerung am 06.07.2008 um 09:17 Uhr

  13. Da bin ich mir nicht so sicher. Ich möchte es jetzt aber mal wissen, deswegen frage ich gleich mal bei der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung nach – die sollten das eigentlich wissen…

    Kommentar #13 von Zetterberg am 06.07.2008 um 10:54 Uhr

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