Copyright-Comic: Gott sei Dank wurde ich geschnappt!

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Obwohl Comics seit vielen Jahrzehnten zur Popkultur gehören und sich langsam auch beim Dümmsten die Erkenntnis durchgesetzt haben sollte, dass es mehr als nur Mickey Maus gibt, wird immer wieder deutlich, dass “the Powers that be” dieses Medium immer noch nicht kapiert haben.

Wie sonst ließen sich dümmliche, moralinsaure und öde Lehr-Comics erklären, die unter dem Deckmäntelchen Studenten das Rechtssystem näher zu bringen, plumpe Anti-Piracy-Propaganda machen. Natürlich setzt diese, wie immer, auf Übertreibungen und zum Teil auch auf Lügen und illustriert sehr deutlich, dass sich in den Köpfen der Content-Industrie seit “Don’t copy that floppy” nichts, aber auch gar nichts bewegt hat.

Auch wenn dieses Edu-Comic namens “Justice Case Comics: The Case of Internet Piracy” von einer (von Richard Nixon in den 70ern ins Leben gerufenen) Non-Profit-Organaisation namens “National Center for State Courts” herausgegeben wurde und Anwälte und Richter an dem Machwerk mitarbeiteten, liest es sich wie ein feuchter Traum der Content-Industrie: Ein junges Mädchen lädt bedenkenlos ein paar Songs aus dem Netz und schon flattert ihr eine Gerichtsvorladung ins Haus und sie droht Haus Hof und Stipendium zu verlieren. Am Ende kommt sie dann mit Sozialstunden und einer Bewährungsstrafe davon (muss also nicht in den Knast und wird auch nicht vergewaltigt, wie das in deutschen Antiraubkopier-Clips gern suggeriert wird) und hat natürlich eine wichtige Lektion gelernt: Kopieren böse! Copyrightindustrie gut!

Wer sich das ganze durchlesen möchte: Hier findet ihr den das Comic als PDF

[via: Wired]
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Achja und hier dürft ihr auch noch das tolle Copyright-Quiz spielen (damit hab ich nichts zu tun!)

In : Features, Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

12 Comments

  1. flokru

    Realsatire.

  2. Zetterberg

    “Geld inspiriert mich”… dieser Spruch ist inzwischen Normalität. Wer sich durch Geld inspirieren lässt, der produziert meistens leider nur Scheiße.

  3. KaioShin

    Was ich wirklich schockierend finde ist dass sie ernsthaft glauben dass bei Erwachsenen Menschen (Studenten?!) eine so plumpe und billige Propaganda auch nur einen Funken Anklang findet. Da ist die Moral in Benjamin Blümchen Kassetten ja subtiler…

  4. kumi

    Nicht allein, dass sich kein Schwein darum scheren wird, was die Industrie da dumpf pamphletet … nein … es ist auch noch so beschissen gezeichnet, weil sich wohl kein gescheiter Illustrator für den Mist gefunden hat :-)

    Teurer Papier-/Pixelmüll. Mehr nicht.

    Gottseidank :-)

  5. Henry

    Irgendwie habe ich Angst vor dem Copyright-Quiz. Wenn man da eine Frage falsch beantwortet, bekommt man dann Besuch von der Polizei?

  6. Torsten

    @flokru: Exakt das Wort ist mir auch sofort eingefallen. Mehr gibt es dazu wirklich nicht zu sagen.

  7. AP

    Hui wie schlecht!
    Allerdings nichts gegen Dark Dungeons und den Rest der Werke desselben Autors, Jack Chick. DAS ist echter Schwachsinn.

  8. Sascha

    Ich habe ja nichts gegen die Musikindustrie, die Versuchen halt ihren Kram möglichst gewinnbringend an den Mann zu bringen. Sie gehen dabei zumindest nicht über Leichen wie beispielsweise die netten Manager der Tabakunternehmen.

    Wer Musik kauft und sie anschließend im Netz veröffentlich macht sich strafbar – praktisch in allen Ländern der 1. Welt.

    Und normalerweise stimme ich auch niemandem zu, wenn er krakehlt, dass die MI nicht die Zeichen der Zeit erkannt hat, während er die neuesten Top-10 Alben saugt. Aber dieser peinliche Müll zeigt echt, dass die Leute keine Ahnung haben, wie Sie ihre Anspruche vermitteln wollen.

    Das ist für mich wie bei der GEZ und GEMA. Es gibt rationale Gründe für die GEZ und GEMA und es gibt rationale Gründe, dass man für Musik zahlen sollte, wenn der Künster es wünscht. Leider hört man von der GEZ, GEMA oder der MI wenig rationales.

  9. Kuriosinchen

    Okay, normalerweise würde ich ja hier jetzt mit einem superironischen Kommi antanzen, aber zu diesem Kack gibt’s einfach nix mehr zu sagen außer: weg damit! Natürlich ist es für die Musikindustrie scheiße, wenn ständig alles runtergeladen wird, aber glauben sie ernsthaft, sie bringen das am besten rüber, indem sie mit diesen dümmlichen Comics anrücken? No way XD

  10. Hmmmn...

    Und dieser Kommentar war superironisch inwiefern…?

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