Sprüche wie „Alter Schwede!“ oder „Dänen lügen nicht“ könnten das diesjährige Fantasy-Filmfest (zurzeit noch in Stuttgart und München) als passendes Leitmotiv begleiten. Denn vier der besten Beiträge kommen aus Skandinavien, wobei der Vollständigkeit halber in diesem Zusammenhang auch noch Norwegen genannt werden muss. Doch dazu später mehr, wenn die Top-5-Liste kommt.
Von den 64 Filmen, die diesmal in Frankfurt gelaufen sind – Kurzfilme, Klassiker, Ausfälle und Wiederholungen nicht mitgezählt –, habe ich immerhin 27 geschafft. Wenn im Folgenden bestimmte Titel aus dem Programm nicht auftauchen, habe ich sie entweder nicht gesehen oder aber als uninteressant eingestuft. Den andernorts so gelobten ungarischen Krimi „The Investigator“ (noch kein Start-Termin bekannt) zum Beispiel fand ich trotz einiger Pluspunkte nur mäßig – genauso wie das visuell viel zu dröge Psycho-Drama „Downloading Nancy“ (noch kein Start-Termin bekannt), obwohl dort ein höchst formidables Schauspieler-Trio (Maria Bello, Rufus Sewell und Jason Patric) am Werk ist. Ach ja, und „Repo! The Genetic Opera“ von „Saw II, III + IV“-Regisseur Darren Lynn Bousman (noch kein Start-Termin bekannt) habe ich bewusst nicht sehen wollen, weil ich Film-Musicals hasse und mir der Schock von „Sweeney Todd“ noch zu tief in den Knochen steckt …
Auf einige potenziell sehenswerte Beiträge habe ich leider auch wegen eines vermeintlich besseren Parallelfilms verzichtet: auf den Teenie-Slasher „Donkey Punch“ (noch kein Start-Termin bekannt), den Mystery-Thriller „Dorothy Mills“ (noch kein Start-Termin bekannt), den subtilen Horrorfilm „The Broken“ (noch kein Start-Termin bekannt), den Yakuza-Krimi „Like a Dragon“ von Takashi Miike (ab 20.10. auf DVD) und den Whodunit-Thriller „The Oxford Murders“ von Alex de la Iglesia (noch kein Start-Termin bekannt).
Enttäuschungen hat es natürlich auch gegeben. Und es waren sogar Titel dabei, von denen man es wirklich nicht gedacht hätte, weil die Regisseure mehr erwarten ließen. Vor allem stellte sich der als weiterer oberkrasser Franzosen-Schocker angekündigte „Martyrs“ (ab 5.11. auf DVD – aber mit ziemlicher Sicherheit nicht uncut) als absoluter Mega-Hype heraus. Ohne zu sehr auf den Inhalt einzugehen, um nicht zuviel zu verraten, zerfiel der Film in zwei völlig gegensätzliche Teile, die man grob gesagt als „’Funny Games’ mit Killer-Mädchen“ und „’Die 120 Tage von Sodom’ trifft den ‘Da Vinci Code’“ bezeichnen könnte. Es kommt bei der Bewertung sehr darauf an, ob man bereit ist, die Auflösung der Geschichte zu akzeptieren. Ich war es nicht, denn die damit zusammenhängende Grundidee des Films ist einfach zu abgespaced, um noch ernstgenommen werden zu können. Wie genau man das Ende zudem verstehen soll – nämlich ob das Opfer trotz allem doch noch über die Peiniger triumphiert oder nicht –, ist insofern auch unerheblich, als es einen alles sowieso völlig kaltlässt. Und das ist kein gutes Zeichen. Für mich war das die mit Abstand größte Luftblase des Festivals.
Ähnlich ging es mir aber auch mit „Midnight Meat Train“ (noch kein Start-Termin bekannt), dem ersten Hollywood-Film des Japaners Ryuhei Kitamura („Azumi“, „Godzilla – Final Wars“). Dass die Story nicht funktioniert hat und überhaupt nicht spannend war, lag wohl einerseits daran, dass die cialis Vorlage eine Kurzgeschichte ist (wenn auch von Clive Barker, der zusätzlich als Produzent fungierte), andererseits aber auch viel zu wenig Überraschungen bietet: Vinnie Jones spielt einen Metzger, der nachts in der U-Bahn alle Passagiere mit einem Spezial-Hammer meuchelt, und ein Fotograf auf der Suche nach einer Story und guten Bildern heftet sich an seine Fersen, wobei er mehr und mehr in die Sache hineingezogen wird. Die üblen Splatter-Effekte sind rein selbstzweckhaft und haben auf mich total reißerisch und menschenverachtend gewirkt. Hier wollte wohl ein Ausländer Hollywood beweisen, dass er ganz krassen Horror auf die Leinwand bringen kann. Ich dagegen sage: Ganz krasser Schwachsinn!
Noch langweiliger und einförmiger kam mir „The Strangers“ (ab 20.11. im Kino) mit Liv Tyler und Scott Speedman als Opfer von drei Serienkillern vor. Das Filmdebüt von Bryan Bertino ist eine Art inoffizielles Remake des viel besseren französischen Films „Ils“ (2007 beim FFF), läuft dann aber auf die Schiene „verrückte Mörder-Familie tötet sinnlos unschuldige Menschen“ hinaus. Das Ganze kam mir wie eine großangelegte Horror-Fingerübung vor, die die Zuschauer ständig verarscht, indem erstens die Protagonisten sich völlig hirnrissig verhalten und zweitens dauernd das Finale hinausgezögert wird, weil die Killer mitten in ihrer Jagd immer wieder ganz plötzlich von den Opfern ablassen. Der nervenzerreißende Trailer mit der springenden Schallplatte war dagegen sowas von genial!
„Tanz der Teufel“-Kultstar Bruce Campbell dreht als Regisseur eine (Splatter-)Satire namens „My Name is Bruce“ (noch kein Start-Termin bekannt) über sich selbst und mit sich selbst in der Hauptrolle? Hört sich klasse an. Ist aber leider scheiße. Denn es handelt sich um einen nur mäßig witzigen Trash-Streifen unterster Kanone – und vor allem jenseits von intelligenter Unterhaltung. Was soll ich noch sagen? „Pauly Shore is dead“ ist neunhundertprozentig der bessere Film mit ähnlichem Konzept! Am besten ganz schnell vergessen!
„Mad Detective“ (noch kein Start-Termin bekannt) ist leider so ziemlich der schlechteste Johnnie-To-Film ever! Der titelgebende Ex-Polizist kann sich in die Täter hineinversetzen und so die Tatszenen rekonstruieren. Dabei nimmt seine eigene Psyche aber Schaden, und irgendwie kommt auch noch das Thema „Multiple Persönlichkeiten“ dazu. Abgesehen davon, dass da ganz schön viel von „Nightmare Detective“ geklaut wurde, hat sich der angesehene Hongkong-Regisseur hier mit einem gefälligen Mainstream-Projekt auf eine allzu krude Story eingelassen. Auch wenn das Ganze inszenierungsmäßig zumindest am Anfang noch gewisse Reize hat, soll Johnnie To doch bitte weiterhin lieber halbwegs realistische Krimis und Gangsterfilme drehen! Das kann er nämlich wirklich gut.
Das Remake „Sasori“ (noch kein Start-Termin bekannt) ist als Hongkong/Japan-Koproduktion gar nicht mal uninteressant und wartet auch mit recht guten (Schwert-)Kampf-Choreografien auf. Allerdings handelt es sich um eine schwer genießbare sexistische Variante von „Lady Vengeance“, in der man hauptsächlich halbnackten jungen Frauen dabei zusehen kann, wie sie sich aufs Übelste verdreschen und totkloppen.
„Transsiberian“ (ab 11.12. im Kino) mit Ben Kingsley als russischer Spezialagent, der krumme Geschäfte macht und dabei amerikanische Touristen (unter anderem Woody Harrelson) aus dem Weg räumen will, die ihm in die Quere kommen, ist leider nur absoluter Thriller-Durchschnitt. Von Brad Anderson hätte man nach „The Machinist“ wahrlich was Interessanteres erwarten können!
Auch Alexandre Aja („High Tension“) scheint mehr und mehr in den Hollywood-Mainstream abzudriften. Sein Geister-Thriller „Mirrors“ (ab 30.10. im Kino) mit Kiefer Sutherland legt das jedenfalls nahe, denn im Gegensatz zum recht subtilen koreanischen Original „Into the Mirror“ klotzt er ziemlich mit Pyrotechnik rein und muss auch unbedingt wieder eine extreme Splatterszene einbauen, die der Film gar nicht nötig hatte und zudem so überzogen ist, dass sie schon lächerlich wirkt. Die talentierte Amy Smart allzu früh zu verheizen und Sutherland am Ende dann sogar noch den Jack Bauer machen zu lassen, begräbt schließlich alle Hoffnungen.
Was irgendwie gar nicht mehr geht, weil es schon mehr als genug davon gibt, sind asiatische Historien-Epen mit viel Kriegsgetümmel, Macht-Intrigen und an Shakespeare erinnernde Dreiecks-Liebschaften. Davon gab es auf dem Fantasy-Filmfest wieder mal so einige, wobei „The Warlords“ mit Jet Li und Andy Lau (noch kein Start-Termin bekannt) und „Three Kingdoms“ mit Andy Lau, Maggie Q und Sammo Hung (noch kein Start-Termin bekannt) noch die besseren gewesen sein dürften. Die Kämpfe und Massenszenen können zwar jeweils mit allem bisher Gesehenen mithalten, aber sehen will man das halt eigentlich ja inzwischen gar nicht mehr. Gähn …
Bei „JCVD“ (noch kein Start-Termin bekannt), in dem Jean-Claude van Damme sich selbst spielt (aha – scheint irgendwie ein Trend unter abgehalfterten Schauspielern bzw. Ex-Kultstars zu sein!), bin ich mir nicht sicher, ob ich zu müde war oder ob der Film nur lau ist. Auf jeden Fall hat die Story von Jean-Claude, der in einer Bank als Kunde in einen Überfall verwickelt wird, ein paar gute Gags und kommt sehr sympathisch daher. Außerdem darf van Damme auch zeigen, dass er richtig schauspielern kann, was in einem ziemlich eindringlichen Monolog gipfelt, in dem er alle großen Missverständnisse seiner Karriere erläutert. Irgendwie ist das Ganze aber ein wenig zu lang geraten und kommt auch nie richtig in die Gänge. Positiv in Erinnerung geblieben ist mir nur ein Detail: ein nicht weiter erklärtes absurdes Schreien während Schießereien auf der Straße vor der Bank, das wie eine durchgeknallte Alarmsirene klingt und völlig irritiert.
Jetzt kommen zwei Filme, die einfach nur okay beziehungsweise unterhaltsames Popcorn-Kino sind, aber darüber hinaus nichts Besonderes darstellen: Der Geister-Thriller „100 Feet“ von Eric Red („Body Parts“) mit Famke Janssen (noch kein Start-Termin bekannt) bietet recht heftigen Terror mit einer ultrabrutalen Splatterszene kurz vor Schluss, und man ist Zeuge des Total-Niedergangs von Michael Paré, der hier nur noch einen schemenhaften Geist geben darf. Der in Kanada produzierte „Outlander“ (noch kein Start-Termin bekannt) ist eine actionlastige und recht blutige Mixtur aus Wikinger-Film und Science-Fiction (am ehesten fallen einem dazu „Alien“ und „Predator“ ein), weil es darin einen außerirdischen Humanoiden von einer technologisch hochentwickelten Rasse (James Caviezel) auf der Jagd nach einem fiesen Monster (das in seinem Raumschiff ist) ins Jahr 709 nach Norwegen verschlägt. Dort lernt er unter anderem John Hurt und Ron Perlman als stramme Nordmänner kennen, die dann mit vereinten Kräften die furchterregende Kreatur niederkämpfen.
Nun geht’s weiter aufwärts mit vier guten Filmen: „Awake“ (ab 11.11. auf DVD) ist ein mit Hayden Christensen, Jessica Alba und Lena Olin topbesetzes Thriller-Drama mit vielen interessanten Twists, das sich um eine Herz-Transplantation dreht (mehr zu verraten, wäre gemein). Allerdings stößt übel dabei auf, dass das fiese Wach-Narkose-Thema, das der Film auf seine Fahnen schreibt, gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht und die Story auch problemlos ohne es funktionieren würde. So gesehen eine verschenkte Chance, denn DAS wär’s gewesen! Wir warten also noch auf einen echten Horrorfilm, der es dann besser und schmerzhafter macht. Trotzdem ist „Awake“ als Thriller sehenswert.
Der Eröffnungsfilm „Eden Lake“ (noch kein Start-Termin bekannt) ist zum Glück nicht so ein Schmarrn wie letztes Jahr „Black Sheep“, sondern ein echt knüppelharter Outback-Thriller – wenn es erlaubt ist, diesen Begriff auch für ländliche Gegenden in Großbritannien zu verwenden. Hier bekommt es ein junges Urlaubspaar zwar nicht mit den obligatorischen Hinterwäldler-Kannibalen zu tun, aber die örtliche Jugendbande versteht es auch recht gut, skrupellos folternd und mordend am See und im Wald unterwegs zu sein. Nun gut, ganz so einfach ist es nicht: Eigentlich ist nur der Anführer der wirklich Böse, aber die anderen sind entweder zu blöd oder zu ängstlich, um nicht mitzumachen, und irgendwann beginnen natürlich auch die Opfer damit, sich zu wehren. Das fehlende Happy-End, eine Dosis angedeutete Gesellschaftskritik (die Erziehungsmethoden der Eltern sind an allem schuld!) und wirklich ultraharte Gewaltszenen (auch mehrmals an Kindern ausgeübt) lassen den Film voll reinhauen und noch lange nachwirken.
„Shiver“ aus Spanien (ab 15.10. auf DVD) beginnt wie ein Vampirfilm, weil es um einen Jugendlichen mit Lichtallergie geht, der in seinen Alpträumen immer im Sonnenlicht verbrennt. Aber dann wird es ein Monsterfilm mit einem Wesen, das die Schafe und Einwohner eines abgeschiedenen Bergdorfs dezimiert. Was dann noch kommt, ist nochmal ganz anders (und hat lustigerweise was mit Frankfurt zu tun), aber lässt sich ohne Spoiler nicht erzählen. Genrefans dürften „Shiver“ sehr sympathisch und interessant finden – ihn zu sehen, macht einfach Spaß. Zumal ihm mit einfachen Mitteln maximale Wirkungen gelingen. Und für mich war es auf jeden Fall der absolut grusligste Film des Festivals!
Das Regiedebüt „The Chaser“ (ab 6.11. im Kino und schon ab 11.12. auf DVD) ist mal wieder ein im positiven Sinne trostlos-nihilistischer Krimi, wie er eigentlich nur aus Korea kommen kann. Es geht um einen Ex-Cop, der inzwischen Zuhälter ist und auf der Suche nach verschwundenen Frauen seiner „Firma“ einem Serienkiller auf die Spur kommt und ihn zur Strecke bringen will. Am Ende wird der durchgeknallte Frauenhasser zwar dingfest gemacht, aber von einem Happy-End ist der Film dennoch meilenweit entfernt! Das Übelste sind dabei nicht nur die Hammer-Morde und die sehr heftige Showdown-Schlägerei, sondern der Umstand, dass sich ein Opfer zwar selbst rettet, dann aber zufällig doch wieder in die Arme des Killers – und somit ins Verderben – läuft. Da ist „The Chaser“ wirklich konsequent böse, wobei er allerdings die Schuld eindeutig den schludrig arbeitenden Polizeibehörden gibt. Bis jetzt war es in Korea der erfolgreichste Film des Jahres, und das spricht sehr für die koreanischen Zuschauer, denn sie haben damit eine Qualitätsentscheidung getroffen, vor der man den Hut ziehen muss.
Die Top 5 des
Festivals
5. „The Art of Negative Thinking“ (dt. Titel: „Die Kunst des negativen Denkens; ab 18.09. im Kino): Diese norwegische Tragikomödie über mehrere Behinderte, die im Haus eines Querschnittsgelähmten eine Gruppentherapie machen wollen, zieht zwar bestimmte psychotherapeutische Konzepte durch den Kakao und ist dabei so politisch unkorrekt, wie es nur geht. Aber all die Gemeinheiten, die hier – vor allem verbal – passieren, geschehen nie ohne Liebe zu den Figuren und wollen lediglich den (verdrängten) Wahrheiten hinter den Einzel-Schicksalen auf den Grund gehen. Dem verblödeten Grundsatz der Therapeutin, Depressionen und Zynismen einfach zwanghaft auszublenden, wird eine völlig aus dem Ruder laufende Orgie aus Sex, Gewalt und Drogen entgegengesetzt, mit der es die Patienten am Ende aber tatsächlich schaffen, sich gegenseitig zu helfen. Hier wird echt Tacheles geredet und es geschehen derart unerhörte Dinge, dass einem meist das Lachen im Hals stecken bleibt. Trotzdem ist das Ganze auch lustig – nur halt mit total subversivem Humor. Ein kleines böses Meisterwerk mit einem hervorragenden Darsteller-Ensemble!
4. „The Substitute“ bzw. „Alien Teacher“ (ab 20.11. auf DVD): Diese SciFi-Komödie aus Dänemark von Ole Bornedal („Nightwatch – Nachtwache“) ist zwar ein Kinderfilm, aber er hat richtig gute Effekte, klasse Schauspieler – allen voran die zauberhafte Paprika Steen – und ist superunterhaltsam. Ähnlich wie in „The Faculty“ geht es um eine außerirdische Lehrerin, die die Schüler mit seltsamen Methoden traktiert und darüber hinaus noch was ganz anderes vorhat. Von den Eltern will natürlich keiner den vermeintlichen Hirngespinsten der Kids glauben, die daraufhin selbst die Gegenmaßnahmen übernehmen müssen. Dieser Film ist jenseits von böse, dafür aber umso erfrischender und wirklich lustig – nämlich auf intelligente Weise. Nicht verpassen! Ein Fest für Genre-Fans!
3. „Just another Love Story“ (dt. Titel: „Bedingungslos“; ab 12.03.2009 im Kino): Schon wieder ein Film von Ole Bornedal, diesmal aber ein interessanter Thriller für Erwachsene. Kurz gesagt gibt sich ein gelangweilter Fotograf aus einem Schuldgefühl heraus spontan als Lebensgefährte einer bei einem Verkehrsunfall schwerverletzten Frau aus, kommt aber aus dieser Rolle nicht mehr heraus und muss das Spiel weiterspielen (was zunächst auch funktioniert, weil die Angehörigen den echten Freund nicht kennen und die Frau selbst ihr Gedächtnis verloren hat). Als der echte Freund dann aber auftaucht, der ein gewalttätiger Psychopath und natürlich not amused ist sowie zudem von asiatischen Mafiosi gesucht wird, gerät der Fotograf in tödliche Schwierigkeiten. Bornedal tischt – besonders am Anfang – viele interessante visuelle Ideen auf und liefert einen düster-melancholischen Thriller in bester Hitchcock-Manier. Das kam so gut an, dass „Just another Love Story“ 2007 in Dänemark der größte Kino-Erfolg des Jahres wurde. Dänen lügen nicht, oder?
2. „Let the Right One In“ (dt. Titel: „So finster die Nacht“; ab 23.12. im Kino): Dieser Vampirfilm ist mal was ganz anderes, weil er aus der Sicht von Kindern erzählt wird – ohne dabei ein Kinderfilm zu sein. Im Gegenteil! Damit knüpft er an einen bisher nur selten gezeigten Aspekt des Genres an, der meines Wissens bisher nur in „Near Dark“, „Interview mit einem Vampir“ und teils auch in „The Hamiltons“ gestreift wurde, nämlich die Probleme von im Kindesalter zu Vampiren gewordenen Menschen, deren Körper seitdem nicht gealtert sind. Deshalb ist es auch eher so, wie die Hauptdarstellerin einmal sagt: „Ich bin ungefähr zwölf Jahre alt, aber das schon ziemlich lange“ oder so ähnlich. Jedenfalls verliebt sie sich in einen ebenfalls zwölf Jahre alten Nachbarsjungen, dem sie sich aufgrund seiner Außenseiterrolle verbunden fühlt. Eigentlich geht es in erster Linie also um die sich sanft entwickelnde Beziehung der beiden, aber das Vampir-Thema ist natürlich trotzdem ständig präsent – zumal die Blutbeschaffung stets eine (über)lebensnotwendige Herausforderung bleibt. Dieser Film ist ein poetisch-melancholisches Liebes-Drama, das unter die Haut geht und gekonnt zwischen Horror und schwarzem Humor balanciert. Sehr intensiv gespielt und mit einer beeindruckenden Hallenbad-Metzelei am Ende. Höchste Anerkennung für den Regisseur Tomas Alfredson: Alter Schwede!
1. „Waltz with Bashir“ (ab 6.11. im Kino): Eigentlich hat dieser Film nichts auf dem Fantasy-Filmfest verloren. Aber dass die Organisatoren ihn ausgewählt haben, liegt wohl daran, dass er der Phantastik sehr nahe steht, denn Regisseur Ari Folman hat „ein neues Genre erfunden – den animierten Antikriegsfilm als autobiografische Dokumentation“ (Zitat aus dem FFF-Programmheft). Exakter kann man es nicht sagen, weil es sich tatsächlich um einen Dokumentarfilm über die Hintergründe eines Massakers handelt, das sich Anfang der achtziger Jahre während des ersten Libanon-Kriegs in Beirut in einem Flüchtlingslager quasi vor den Augen israelischer Soldaten ereignete. Einer davon war der Regisseur, und der Film dokumentiert dessen Versuch, die Geschehnisse durch Befragungen ehemaliger Wegbegleiter zu rekonstruieren. Das führt teilweise zu einer schönen Wiederbelegung des speziellen Eighties-Lebensgefühls (inklusive geiler New-Wave-Musik von unter anderem „OMD“ und „PIL“) – allerdings aus der Perspektive recht degenerierter Jugendlicher, die nicht so genau wissen, was eigentlich um sie herum passiert und warum sie in den Krieg ziehen. Das ist aber noch nicht alles, denn die gewählte Form eines Animationsfilms – stilistisch irgendwo zwischen „Persepolis“ und Richard Linklaters Trickfilmen („Waking Life“, „A Scanner Darkly“) – ermöglicht es, auch Erinnerungen und Träume zu bebildern, ohne dabei den inszenatorischen Rahmen zu verlassen. Dieses grundsätzliche Problem von Dokumentarfilmen wird normalerweise mit Original-Archivmaterial oder nachgestellten, dramatisierten Spielszenen gelöst, die aber stets heikel (weil inszeniert) sind beziehungsweise von strengen Dokumentaristen abgelehnt werden. Bei „Waltz with Bashir“ ist dagegen alles aus einem Guss und wirkt wie ein Spielfilm mit eingeschobenen Interviews (genau hier wäre dann auch der Bezugspunkt zur Phantastik). Und dieser geniale Kniff ist die innovative Erfolgsformel des Films, der dadurch nämlich gleichzeitig als Drama, (Anti-)Kriegsfilm und Dokumentation funktioniert. Rein inhaltlich ist er ohnehin meisterlich, weil er die Kriegserlebnisse des jungen Soldaten auf spannende und teilweise auch unterhaltsame Weise nacherzählt, dabei aber sehr viel Schonungsloses, Bizarres, Surreales, Gewalttätiges und Absurdes zeigt, ohne sich damit von den authentischen Geschehnissen zu entfernen. „Waltz with Bashir“ ist teilweise schockierend und schwer verdaulich. Er hört zudem passgenau an der Stelle auf, an der er aufhören muss, um vollends in die Magengrube zu kicken: Die Schlusseinstellungen zeigen Originalaufnahmen, die am Tag nach dem Massaker von einem Reporter gemacht wurden. Das haut mehr rein als jeder Horrorfilm!
Binding ist im echten Leben Online-Redakteur und Filmkritiker bei einer hessischen Regionalzeitung und postet unregelmäßig Rezensionen für die F5 von irgendwelchen Pre-Screenings oder Filmfestivals. Er geht mindestens zweimal pro Woche ins Kino, schaut in jeder freien Minute DVDs und ist ein Spezialist in fast allen Klassen.
Ich hab beim FFF in diesem Jahr nur 5 Filme gesehen, bin zum Teil aber etwas anderer Meinung, als Kollege Binding.
EDEN LAKE





Grade den Eröffnungsfilm fand ich ziemlich enttäuschend und ärgerlich.
Nach viel Tamtam und einem Regisseur, der nochmal drauf hinweist wie derbe sein Film ist und das Kritiker bescheinigten “man müsse diesen Film überleben”, ist es dann doch erstaunlich, wie konventionell Eden Lake daherkommt.
Wie berechenbar er seine “peculiar little town” Geschichte erzählt, die man in Variation schon dutzende Male gesehen hat. Stadtvolk kommt aufs Land, dort herrschen andere Sitten. Die Leute sind mißtrauisch und feindseelig und das Machismo erlaubt es den “Helden” nicht der offenkundigen Gefahr aus dem Weg zu gehen.
Auch wenn die Jugendlichen von Anfang an Gewaltätigkeit ausstrahlen, kommen die Protagonisten nicht auf die Idee ihre Ärsche nach Hause zu bewegen. Selbst als sie beinah überfahren werden, reicht es noch nicht und man muss die Bande konfrontieren.
Fast ist man geneigt zu sagen: They had it coming. Da hilft es wenig, dass getreu den Horrorfilmklischees viele Möglichkeiten noch mit halbwegs heiler Haut davonzukommen, ehe alles Pete Tong geht, ignoriert werden. Da unterscheiden sich die Figuren wenig von ihren noch dümmeren Vorgängern anderer Wald- und Wiesen-Slasher und ganz ehrlich, ich bin es auch langsam leid Leute durch Wälder flüchten zu sehen.
Das der Oberpsychopath ein Teenager ist, macht auch nicht wirklich soviel Unterschied, denn die Charkterzeichnung der Kids beschränkt sich auf Klischees und Küchenpsychologie. Yeah Yeah… White Trash Inbreed Country Parents Make Kids Go Psycho. Nix neues hier und so verkommt die “Sozialkritik” doch eher zum Lippenbekenntnis, denn an Hintergründen und echter Charakterentwicklung ist der Regisseur anscheinend nicht interessiert.
Über den sensationsheischenden Charakter von Boulevard-Zeitungs-Meldungen, die über böse Kids die Leute abstechen berichten, geht Eden Lake auch nicht hinaus. Das wirkliche Grauen und die sozialen Fehlentwicklungen, die sich in bestehenden “Gated Communities” ergeben, wären wohl spannender gewesen, als dieser letztlich doch sehr absehbare und in gewisser Weise auch kaltschnäuzige Film, der sich an seiner Gewalt teilweise doch eher aufgeilt, als sie zu hinterfragen. Da hilft auch die technisch kompentente Machart und die soliden schauspielerischen Leistungen wenig.
Im Lande von Straw Dogs gilt auch weiterhin: Shun the Country und bleibt mit dem Arsch zu Hause.
MY NAME IS BRUCE





Auch hier Einspruch. Bruce bringt’s. Zumindest, wenn man keine Offenbarung, sondern nur ein spaßig-selbstironisches Funmovie erwartet. Kein Nonstop-Gag-Feuerwerk und sicher sind auch ein paar Rohrkrepierer dabei, aber der Spaß der Schauspieler und viele kleine nette Gags und Anspielungen sorgen dennoch für Spaß. Bruce gibt über weite Strecken das schmierige Arschloch und Taylor Sharpe als linkisch-liebenswerter Fanboy schafft genau das richtige Gegengewicht. Die Hillbilly-Gesangseinlagen wirken zwar etwas wie von Dead & Breakfast geklaut, passen aber trotzdem ganz gut. My Name is Bruce ist garantiert kein zweiter Bubba Ho-Tep, aber für Campbell-Fans ganz sicher ein unterhaltsamer Funfilm.
DANCE OF THE DEAD





Solide Zombiecomedy mit einigen netten Splattermomenten. Die Story ist auf ein absolutes Minimum reduziert, wird aber von den sympathischen und auch ganz purzligen Darstellern gerettet. Das ganze nimmt sich natürlich nicht sehr ernst und wirkt wie ein Mashup von “Return of the living dead” und “Night of the creeps”. Selbst die Frisuren der Darsteller wirken wie aus den Achtzigern. Kein Kultfilm, aber ein unterhaltsamer Partysplatter mit trashigem Hair-Metal.
OUTLANDER





Ballrock – Der Film. Oder doch eher Critters – The Reckoning? Auf jeden Fall dürfte das Drehbuch auf der Rückseite eines Aldi-Kassenbons platzgefunden haben, Dialoge sind genau wie Handlung eher Mangelware. Es wird gegrunzt, geschwitzt und
geröhrt. Dazwischen stehen hochklassige Akteure herum und scharen ungeduldig mit den Füßen, bis sie ihren Scheck einlösen dürfen. Armer alter John Hurt, das er immer noch in so einer elefantösen Kacke mitspielen muß. Der Hauptdarsteller – immerhin Jesus himself – guckt drein, als habe er vor Drehbeginn einen Einlauf bekommen, den er nicht rauslassen durfte, Sein Kampfgefährte hüpft als gefönte Wickingertucke durch die Gegend und ein ungemein hässliches Kind darf alle paar Minuten süß in die Kamera gucken. Dafür das der Schinken sehr laut ist, passiert dann aber doch erschreckend wenig und wenn, dann sorgt das lausig animierte Monster, eine Mischung aus Ballrock und ID-Beast eher für unfreiwilligen Humor. Da auf eine Dramaturgie komplett verzichtet wird, ist es schwer zu sagen wo man sich im Film grade befindet. Es könnte jederzeit der Abspann kommen oder noch Stunden so weitergehen, was es dann auch tut. Danke, aber das war ein Schuss in die Tonne. Dann doch lieber noch 3x The Host gucken und sich wirklich amüsieren, als diese zähe Wicki-Kacke. Outlander raus.
TRANSSIBIRIAN





Was spannend und ungewöhnlich beginnt, entwickelt sich leider nach gut der Hälfte der Story zu einem halbgaren und unglaubwürdigen Mischmasch aus Thriller und Krimi. Der Film versucht zwar mit vielen Andeutungen sein Publikum in die Irre zu führen, schafft es aber nicht das ganze dumme Ganze halbwegs interessant zu Ende zu führen. mit der Besetzung und der soliden technischen Crew hätte man einen wirklich guten Thriller abliefern können, so ist es eine ärgerliche Ansammlung vertaner Chancen.
- Binding •
- September 8th, 2008 •
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- Schlagwörter: FFF











































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