Tropic Thunder

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“I’m just like a little boy, playin’ with his dick when he’s nervous.”

Originaltitel: Tropic Thunder
Herstellungsland: Deutschland / USA 2008
Regie: Ben Stiller
Darsteller: Robert Downey Jr., Jack Black, Jay Baruchel, Brandon T. Jackson, Ben Stiller, Nick Nolte, Stevie Coogan

★★★★☆

Regisseur Damien Cockburn (Stevie Coogan) ist nicht zu beneiden. Im vietnamesischen Busch soll er mit einem Haufen divenhafter Superstars einen Tatsachenroman verfilmen. Dabei sitzt ihm nicht nur der Produzent (Tom Cruise), der Vietnam-Veteran und Autor des Buches (Nick Nolte) und das explodierende Budget im Nacken, er darf sich auch noch jede Minute mit den Befindlichkeiten seiner verzogenen Stars herumärgern.

Als das Projekt zu scheitern droht, setzt er alles auf eine Karte. Um mehr Realismus zu erzeugen, beschließt er den Film im Guerilla-Style zu drehen und setzt seine Stars mitten im Urwald aus, mit versteckten Kameras und einem Pyrotechniker, will er den perfekten Kriegsfilm drehen. Eine dumme Idee, denn ohne es zu merken, hat er seine Gruppe mitten ins Territorium eines mächtigen Rauschgiftkartells verfrachtet. Und die schießen nicht mit Platzpatronen.

Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Ben Stiller liefert nach dem skurril-freakigen Zoolander (der alleine witziger ist als alle Zohans dieser Welt), einen weiteren gelungenen Streifen ab, der gekonnt zwischen Spannung und Satire manövriert und trotz schwarzhumoriger Exzesse immer leichtverdaulich und mainstreamtauglich bleibt.

So wie er in Zoolander mit liebenswerter Boshaftigkeit die Modewelt durch den Prosecco zog, verarbeitet er in Tropic Thunder die Macken und Marotten seiner Kollegen. Besonders die Kategorie der Method Actor, die bei jedem Kriegsfilm so tun, als hätten sie selbst gekämpft, bei jeder Behindertenrolle monatelang selbst Lobotomien überstanden, bekommen ordentlich ihr fett weg. Genauso wie die Genre-Stars die sich verzweifelt mit “ernsten Rollen” um schauspielerische Anerkennung und einen Imagewandel bemühen.

Stiller selbst gibt als alternder Action-Held Tugg Speedman den in dutzenden Making-Ofs gehörten Klischesprüchen ein Gesicht. Es erscheint unverständlich, warum sich die Behindertenverbände der USA über die Szenen aufregten, in denen Tugg wegen seines Films “Simple Jack” in dem er das dumme Klischee eines geistig Behinderten gab, hochgenommen wird. Ziel der Attacken sind dabei eindeutig die Schauspieler, die verzweifelt versuchen sich über derartige Rollen zu profilieren und die Oscar-Jury zu beeindrucken und es damit an tatsächlichem Respekt gegenüber denen die sie darstellen fehlen lassen.

Stiller hat wie bei Derek Zoolander keine Scheu seine Figur als egozentrische Pfeife zu entlarven, der in seiner Ignoranz tatsächlich nicht merkt was er für ein Müll zusammenredet. Ebenso brillant: Robert Downey Jr. der als Kirk Lazurus so sehr in seine Rollen eintaucht, dass er sich einredet zu vergessen, wer er wirklich ist. Großartig seine Konfrontationen mit Brandon T. Jackson, der den Rapper-gone-Actor Alpa Chino spielt und sich als Schwarzer mit einer Nebenrolle begnügen muß, derweil die Schwarze Starrolle des Films von Lazarus gespielt wird, der sich dafür einer Hautfärbung unterzog.

Überraschend gut: der Newcomer Jay Baruchel, als Jungschauspieler und Straight Men-Figur, der zwischen all den exaltierten Stardiven die Story erdet und Vernunft einbringen darf. Ihm gelingt es den Film emotional zu zentrieren und nicht zu einer Nummernrevue werden zu lassen. Etwas blass und belanglos bleibt hingegen Jack Black, der mit seiner Rolle als drogensüchtiger lustiger Dicker – und fleischgewordener Seitenhieb auf Eddie Murphy – zwar ein zwei wirklich gute Lacher verbuchen kann, aber als Figur dennoch sehr blass und eindimensional bleibt.

Denn bei aller Banalität der Story – die im Geiste Anleihen bei Three Amigos! und Galaxy Quest nimmt – es überrascht wie gut Tropic Thunder auch als Actionfilm funktioniert, der bei aller Albernheit durchaus spannend ist und beachtliche Schauwerte auffährt. Grandiose Landschaftsaufnahmen, halsbrecherische Kamerafahrten, gigantische Explosionen die sich hinter keinem ernsten Actionfilm verstecken müssen. Stiller weiß, das die Parodie dann am komischsten ist, wenn sie ihrem Angriffsziel so nahe wie möglich kommt.

Dazu gehört auch, dass der Film seine Geschichte mit Abstrichen durchaus ernst nimmt, die Bedrohungen sind real, wenn gestorben wird, dann nicht zum Spaß. Auch wenn der Film wohl eine der unerwartesten und witzigsten Todesszenen der letzten Jahre zu bieten hat. Müßig zu erwähnen, das es in Tropic Thunder vor Anspielungen nur so wimmelt. Kaum ein bekannter Kriegsfilm, der nicht im vorrüber gehen sein Fett abbekommt. Vom unvermeidlichen Apocalypse Now, über Private Ryan, Platoon, Predator, Deer Hunter, Brücke am Kwai, Of Mice and Men usw. Einige der Referenzen sind recht platt, andere dafür ziemlich clever. Überhaupt schafft der Film eine perfekte Einstimmung auf sein Sujet, wenn er mit einem gefakten Werbespot beginnt, gefolgt von drei Faketrailern in denen die Stars in früheren Filmen gezeigt werden. Diese Trailer verraten in wenigen Minuten alles was man über die Schauspieler wissen muss, sparen Exposition und helfen dem Film dabei, mit vollem Tempo loszulegen sobald der echte Vorspann läuft.

Steve Coogan gibt in seiner kurzen Rolle den überforderten und leicht ins wahnsinnige driftenden jungen Regisseur, der sich den Big Break erhofft und vom Studio eingekauft wurde, weil man sich jemand gewünscht hat der edgy ist. Tom Cruise – was man auch sonst von ihm halten mag – brilliert in seinem Kurzauftritt als Arschloch-Produzent, in einem der ekeligsten Bodysuits der Filmgeschichte. Und Nick Nolte darf als bärbeissiger Kriegsveteran und Autor seine eigenen Rollen als harter Hund parodieren und channelt nebenbei noch genial Robert Shaws Auftritt in Jaws.

Stillers Markenzeichen bleibt dabei immer die knuddelige Bösartigkeit. Er teilt garstig aus und zeigt die Verlogenheit, den Zynismus und die Egomanie des Business, macht es dabei aber so liebenswert, dass es schwerfällt die Figuren wirklich zu hassen. Er ist kein Robert Altman, bei dem hinter den Bildern wirklicher Hass, Verachtung und Zorn steht, er weiß das er selbst zu diesem Geschäft gehört und macht sich so darüber lustig, das auch seine Opfer noch lachen können. Dazu gehört dann auch, dass man zwar zeigt wie ein Kind von der Brücke geworfen wird, aber im nächsten Bild versichert, dass es überlebt hat und nicht verletzt ist. Soviel Zugeständnis an den Mainstream gibt es dann doch. Das schadet dem Unterhaltungswert dieses rundum spaßigen Films überhaupt nicht, macht ihn jedoch etwas harmloser als er sein könnte.

Alles in allem, sind das aber nur kleinen Kritikpunkte, denn das Positive überwiegt in diesem Fall eindeutig und viele kleine, lakonische Gags (wie etwa der Schwenk auf den hässlichen Sohn von Tuggs Agenten – der sehr schön von Matthew McConnaughey gespielt wird) wissen hier zu gefallen und zu unterhalten. Tropic Thunder ist vielleicht eine zu brave Satire, aber eine bissige Komödie, die neben einer klasse Besetzung, auch viele technische Meriten vorweisen kann.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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24 Comments

  1. Marcel

    jupp sehr guter film. kleine berichtigung: in den staaten ist der film nicht PG13 sondern R. und man sollte den film wirklich auf englisch sehen. die hälfte von robert downeyss figur geht sonst unter

  2. Batzman

    Ah okay, danke :) Habs geändert im Text…

    Und Konsens: Der Gag von Downes-Figur kann eigentlich nur im Original funktionieren, die ganzen Dialekte und Slangs die er spricht sind wohl kaum angemessen ins Deutsche zu übertragen.

  3. Marcel

    jupp genau das ist das problem. die super tiefe stimme alleine :)

    ist der film hier eigentlich geschnitten? sind ja doch einige (heftige) splatterszenen drin :)

  4. Marco

    Den.Muss.Ich.Sehen…. allein schon bei der Besetzung :)

  5. Kahlcke

    Ich hab ihn nun auf Englisch in der Sneak und auf Deutsch gesehen.
    Man kann ihn auch ruhigen Gewissens in der Synchro gucken, die ist ausnahmsweise mal nicht Grottenschlecht.
    Und geschnitten ist er auch nicht. Zumindest war er es nicht bei der VP.

  6. Mal Sehen

    Ich glaube es ist das erste Mal, dass ich alles exakt unterschreibe, wie der Batzmann es geschrieben hat. Bis hin zu der Eindimensionalität Jack Blacks, die mich schon fast so sehr gestört hat (Me big Jack Black Fan), dass ich einen halben Stern abgezogen hätte, wenn 3,5 dem ganzen Film nicht unrecht getan hätte!

  7. Arno Nym

    Hui, liest sich ja echt vorzüglich und es scheint, dass meine Bedenken nach dem letzten Trailer unbegründet waren.

  8. herrmelin

    kann das review voll und ganz unterschreiben.
    klasse film, einer von stillers allerbesten.
    nun bin ich nur irgendwann nochmal auf die englische fassung gespannt…

    hat downey jr. dieses jahr vllt noch einen film in der pipeline?
    das wäre dann der dritte einer trilogie, der mann spielt ja alles in grund und boden (bin hellauf begeistert), hätte also nichts gegen noch einen einzuwenden.
    aber er ist ja schon die letzten jahre immer auf dem niveau…

  9. Bateman

    @herrmelin:

    Ja spielen tut er vielleicht gut (hat er in Iron Man jedenfalls gemacht, sonst hab ich keine gesehen) aber er ist ein Arschloch: “Fuck DC Comics”

    http://www.moviehole.net/200814729-interview-robert-downey-jr-2

    Total blödsinnige Aussage, lässt ihn als neidisch erscheinen weil Dark Knight größer war als Iron Man.

  10. Davie

    Das beste an dem ganzen Film ist immernoch Tom Cruise der mir zumindest mit der Rolle ein wenig Selbstironie gezeigt hat und den Produzenten so hart spielt dass es echt supergeil ist. Viele Sympathiepunkte gewonnen, genauso wie Matthew McConnaughey echt schön bewiesen hat dass er sich wohl selbst nicht soo ernst nimmt…

    Alles andere kann ich so unterschreiben. Super Film!

  11. Sören

    Ich versteh nur die ständigen Seitenhiebe auf Adam Sandler Filme nicht. Man kann durchaus seine Probleme mit Adam Sandler und den Werken mit, um und von ihm haben, aber in jedem 2 “comedy” review darauf hinzuweisen wie scheiße Adam Sandler doch is zeugt entweder von latentem Neid oder grenzenloser Verachtung. Egal was aber das find ich persönlich arg eindimensinal, wenngleich man den Rest der Wertung durchaus unterstreichen kann.

    jm2c

  12. Batzman

    Der Seitenhieb bietet sich in diesem Fall an, da Sandler sich schon bei der Zoolander -Figur bedient hat für seinen Zohan…

    Wobei grenzenlose Verachtung ist auch nicht unzutreffend :)

  13. urens

    allerdings war es nicht so eine schande, sich den film auf deutsch reinzuziehen. die wirklich guten zitate wurden nochmal auf englisch im abspann gebracht, was durchaus nochmal zu einem fetten grinsen geführt hat.

  14. herrmelin

    @bate: und nur aufs spielen kommts mir in dem fall an.
    ich hab weder lust noch zeit, mich mit dem privaten downey jr. auseinanderzusetzen.
    und warum sollte ein schauspieler nicht neidisch sein dürfen auf den erfolg eines genre-verwandten blockbusters? wär das was neues?
    und: batman war nicht größer als iron-man, sondern anders.

  15. sanddorn

    Don’t Mess with the Zohan!

  16. -sKy-

    Wirklich guter Film ^^
    Wird aber zu einem DVD-Pflichtkauf da die Rolle von Downey Jr. in der Deutschen Synchro einfach nie wirklich zündete

  17. Andreas

    ich ernte blei XD das war für mich DER knaller… ich hab lange nich so laut gelacht… leider unterschreibe ich die kritik an jack black … für mich persönlich nicht der BESTE stiller, aber durchaus ein richtig guter

  18. Neo

    Zitat von Batzman:
    da Sandler sich schon bei der Zoolander -Figur bedient hat für seinen Zohan…
    Hatter ja auch nicht Zoolander war auf dem Laufsteg zu hause.
    Und Zohan will Haare seidig glänzend machen.
    Wo ist den da was abgekupfert oder bedient worden.
    Zohan bedient seine Kundinnen ja das stimmt.

    Ich finde Den Streifen superklasse gemacht.
    Und um eine stimme aus der “Zohan” diskussion zu nehmen.
    Hier werden auch Klischees verarbeitet. Und was für welche.

  19. MasteRehm

    Also mir hat Tom Cruise super gut gefallen. Die Fake Trailer waren auch spitze. War unter dem Strich nicht der beste Comedy Film den ich je gesehen habe, aber einer der besseren.

  20. Powl

    Also ich bin ja heilfroh, dass Stiller wieder zu alter Form gefunden hat. Zoolander und Starsky & Hutch waren ja der Knaller, aber alle Folgefilme waren ja sehr schwach. Auch Will Ferell hat mit jedem seiner weiteren Filme ein Stück von sich verloren. deswegen war ich auch sehr skeptisch bevor ich Tropic Thunder gesehen habe. Aber zum Glück war die positive Überraschung dadurch umso besser. Adam Sandler hat übrigens auch mal bessere Filme gemacht, auch wenn ich seinen Humor immer recht flach fand. Und Zohan war meiner Meinung nach absolut unlustig.
    Gutes Review Batzman, seh ich absolut genauso.

  21. titus2311

    Finde das der Film zu überwertet wurde, die eizigen Stellen die gut waren war wo Tom Cruise zu sehen war, seine Szenen im Film kamen gut rüber.
    Jack Black hat man kaum beachtet oder fiel einfach nicht aus.
    Ben Stillers schlechtester Film meiner Meinung nach seine Rolle war einfach zu schlicht und zu schlecht angepasst auf Ben Stiller.
    Robert Downey Jr. naja hab ihn nur in der deutschen Fassung gesehen wie Jack Black kam kein Gag richtig gut rüber.

    Mein Favorit bleibt Tom Cruise einfach nur genial, sollte in dieser Rolle von mir aus einen eigenen Film bekommen, sau lustig wie er da abgeht.

  22. zitroneneis

    schade schade, ich habe mich in den letzen Monaten hier durch die Reviews gelesen, und bin inzwischen dazu gekommen mir zwei Komödien, die bei den Reviews sehr gut weggekommen sind, anzuschauen (American Dreamz und Tropic Thunder)

    Die extrem gut geschrieben Reviews haben mich voll und ganz überzeugt, dass diese Filme sicherlich einen Platz in meinem Filmschrank verdient haben. Jetzt stelle ich leider fest, dass ich nicht automatisch den Filmgeschmack mit Autoren teile, die wirkliche Ahnung von Filmen haben und vermutlich auch auf andere Dinge achten als ich.

    Zumindest habe ich Tropic Thunder nach nur einer Stunde abgebrochen, weil ich keine einzige Szene witzig fand. Vielmehr war ich hingegen gelangweilt und fühlte häufig Befürfnis mit den Augen zu Rollen Aufgrund dessen, was sich da auf dem Bildschirm abspielte.

    Schade, denn die Reviews von Batzman haben es häufig geschafft mir die Augen wässrig zu machen, doch nach den ersten beiden Testläufen entpuppten sich die wirklichen Filme dann aber leider als Rohrkrepierer (das ist nicht allgemein gemeint sondern gilt natürlich nur für meinen persönlichen Filmgeschmack, also bitte nicht angegriffen fühlen)

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