Über die BBC Serie LIFE ON MARS, hatten wir hier je schon mehrfach berichtet. Wie so viele Shows von der Insel zeichnete sie sich durch eine originelle Idee und eine beeindruckend gespielte und inszenierte Umsetzung aus. Die Story um den Detective Chief Inspector und Profiler Sam Tyler, der durch einen Unfall scheinbar vom Jahr 2006 ins Jahr 1973 zurück versetzt wird und sich dort mit den rustikalen Ermittlungsmethoden seiner Kollegen rumschlagen muss (und mit dem Problem was überhaupt passiert ist und wie er wieder zurück kommt), zählte zu den Highlights der letzten Jahre.
Natürlich floppte die Serie grandios, als sie in gekürzter Form im deutschen Fernsehen lief. Und natürlich stöhnten alle Fans des Originals auf, als bekannt wurde, dass ABC die Rechte der Serie gekauft hatte und ein US-Remake plante. Wir wissen ja alle, dass Amerikaner den britischen Dialekt so schwer verstehen und überhaupt mit der Art der Inselaffen so ihre Probleme haben.
Ein Remake einer Serie muß nicht prinzipiell scheitern, aber auf jede geglückte Version wie “Queer as Folk” und vielleicht noch “The Office” folgen ein Dutzend grauenhafte Versuche: Die US-Version von Lars von Triers “The Kingdom” konnte genauso wenig überzeugen wie die US-Fassung von “Cracker – Für Alle Fälle Fitz”. Von den verschiedenen Anläufen die unternommen wurden “Fawlty Towers” zu amerikanisieren ganz zu schweigen.
Ein wenig Hoffnung machte die Ankündigung, dass Colm Meany – den meisten wahrscheinlich als Chief O’Brien aus “Deep Space Nine” und “TNG” und Filmen wie “The Commitments” bekannt – für die Rolle des Gene Hunt, des Guv, engagiert wurde. Eine perfekte Besetzung, ähnelt Meany seinem UK-Vorbild doch nicht nur physisch. Er verfügt genau über die richtige Mischung aus Humor, Rauheit und Dickschädeligkeit die die Rolle braucht.
Und noch mehr Hoffnung machte der im Sommer ins Internet geleakte Pilotfilm, der nahe legte, dass man die Serie doch verstanden hatte. Okay die Hauptrolle des Sam Tyler war mit dem eher mimikamputierten Langweiler Jason O’Mara eher fehlbesetzt, aber ansonsten machte Produzent David E. Kelly auch so einiges richtig. Statt einem Imitat wurde die Serie tatsächlich an US-Verhältnisse angepasst. Das Intro das in der heutigen Zeit spielt erinnert dann auch eher an CSI, als an britische Cop-Shows. Und überhaupt, auch wenn die Story im wesentlichen beibehalten wurde, blieb genug Eigenständigkeit, kleine Veränderungen, die aber dennoch im Sinne des Originals standen. Und natürlich war Colm Meany klasse als Gene Hunt.
Dumm nur, dass der Pilot von ABC nicht abgenommen wurde, woraufhin David E. Kelly die Serie dann verließ. Die Show müßte “getweaked werden” hieß es. Und außerdem solle man gefälligst die Story von Los Angeles nach New York verlegen, weil es dort grade besonders attraktive Konditionen für Filmproduktionen gäbe. Gesagt getan. Die Besetzung wurde komplett ausgetauscht, nur den Langweiler O’Mara hat man behalten. Statt dem perfekten Colm Meany meinte man einen Besetzungs-Stunt aus dem Hut zaubern zu müssen und engagierte Harvey Keitel für die Hunt-Rolle.
Jetzt startet das retoolte LIFE ON MARS bei ABC und bestätigte nachträglich alle Befürchtungen die man gegenüber dem Remake haben konnte. Statt einer eigenständigen Version, wurde das Original bis in einzelne Kameraeinstellungen hin kopiert. Verändert wurde nur der Wortwitz und die komplexität der Story. LIFE ON MARS in seiner US-Fassung wirkt tatsächlich wie: Okay jetzt drehen wir es nochmal für Blöde. Was sich im Original subtil erschloß, was nur angedeutet wurde, plärren die US-Darsteller laut heraus. Kein Raum für Ambivalenz, für Unklarheiten. Bloß niemanden überfordern. Statt sich auf die Handlung zu konzentrieren und Sams Innenwelt in Kontrast mit der ungewohnten Situation zu bringen, wird hier nach billigem Effekt gejapst. Das erste was Sam sieht, als er in 1972 erwacht, ist das World Trade Center das überraschend noch steht. Ein ekelhafter und armseeliger Versuch die Gefühle des Publikums zu manipulieren, der auch dramaturgisch nach hinten los geht, weil es danach umso blöder erscheint, wenn Sam ins Büro kommt und seine neuen Kollegen fragt ob sie ihm einen Streich spielen wollen. Alles ist platt und fett und laut. Ohne Gefühl für Stimmungen plärren 70er Jahre Songs auf dem Soundtrack. War im Pilotfilm noch ein halbwegs realistisches Bild des 70er Jahre L.A. gezeichnet worden, greift man hier in die grobe Tüte. Die Bilder sind tief orange gefärbt (wir wissen ja die 70er waren orange) und alle Menschen sehen aus wie aus einer 70-Bad Taste-Party entlaufen. Natürlich muß auch Sams Lovestory zu seiner Freundin in der Jetztzeit viel platter erklärt werden.
Und vielleicht der größte Fehler: Harvey Keitel. Der mittlerweile fast 70 ist und aussieht wie frisch aus dem Einbalsamierungsraum geholt. Gene Hunt ist ein brutaler, massiger, einschüchternder, aber oft auch überraschend sympathischer und vor allem humorvoller Bulle. Seine Ambivalenz macht ihn spannend und ist essentiell für die Chemie zwischen ihm und Sam. Keitel spielt hingegen ein altes klappriges Arschloch, mit schlechter Frisur. Vielleicht dachten die Produzenten “Hey nehmen wir doch den Typ aus Bad Leutenant” und vergaßen, dass der Film 16 Jahre alt ist und Harvey damals schon kein Springinsfeld mehr war. Es ist nachgrade lächerlich, wenn eine so agile, kraftstrotzende Rolle wie Gene Hunt an einen alten Mann vergeben wird, der selbst bei lahmen Stunts, wie einem Sprung über den Tisch schon gedoubelt werden muss. Noch lächerlicher wirkt es, wenn Hunt Tyler zusammenschlägt und man sich jede Sekunde sorgen macht ob Keitel sich dabei nicht eher das Handgelenk bricht. Keitel ist furchtbar in der Rolle und zieht diese mutlose Doofen-Version einer brillanten Serie endgültig in den Keller.
Die einzige Chance die die Macher noch haben, ist das ganze wirklich sehr schnell in eine ganz andere Richtung zu schieben und sich völlig vom Original zu entfernen und sich zu überlegen, welche Geschichten sie mit ihren Figuren erzählen können. Aber dieser jämmerliche Abklatsch bestätigt im Moment nur eines: Es gibt kein intelligentes Leben auf dem Mars.
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Hier ein Trailer für die abgelehnte Pilotfolge mit Colm Meany:
Und hier ein Clip aus der jetzt gestarteten Show mit Harvey Keitel:
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Oktober 11th, 2008 •
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- Schlagwörter: LifeonMars










































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