Rückblickend betrachtet ziehe ich mehr aus den 24 Stunden Gefangenschaft in einem Vorort von Berlin, als die Erinnerung an blanke Angst. Vielleicht gehe ich auch soweit zu sagen, dass sich etwas positiv in mir gewandelt hat. Die Furcht vor Untoten ist soweit auf ein relatives Minimum gesenkt, was nicht heißt, dass diese Biester nicht doch so ziemlich das Furcheinflößenste sind, was ich kenne.

Unter einem fadenscheinigen Vorwand wurde ich aus Berlin gelockt. Man wolle mir und meinem Blog zu Ehren ein Fest feiern, wie es Berlins suberbe Landschaft es noch nie gesehen hat. So richtig mit Feuerfehrwagen, kleinen Kindern an Ballons und allem Pipapo. Ich gebe zu, dass ich ein wenig stutzig war, als ich den Anruf erhielt. Spätestens das diabolische “Gehirrrrrrrrrne!”-Grunzen im Hintergrund hätte mich wach rütteln müssen. Aber mein ausgeprägtes Ego war schneller und stärker und so setzte ich mich an einem Samstag in die Bahn, um weit hinter Oranienburg von Vorstadtidylle eingelullt zu werden.

Was ab dem Zeitpunkt passiert, lichtet sich erst Tage später, als der Schock nachlässt und ich anhand der Polaroids, die ich in meiner zerissenen, stinkenden und mit Hundehaaren verseuchten Hose finde. In den kommenden Tagen werde ich versuchen diese 24 Stunden für euch zu rekonstruieren.



Ich wache in einem Zimmer auf und bin nicht allein. Um mich herum liegen sechs Leichen, die offensichtlich schon länger tot sind. Der Geruch beißt in der Nase, im Rachen und in den Augen. Mein Kopf dröhnt. Scheinbar hat man mich an der Bushaltestelle betäubt. Ich tippe auf Chloroform oder Jever Pils. Der Effekt ist mal schnell verwechselt.

Plötzlich regt sich neben mir etwas. DIE LEICHE BEWEGT SICH! Zuerst nur zaghaft, dann immer schneller. Die zerissene Baumwollhose, die vermutlich schon anfang der Kohl-Ära ihre beste Zeit hinter sich hatte, rührt sich und unter dem Schlafsack erscheint der dazugehörige Torso. Der Anblick ist so furchterregend, dass ich schreien will, doch kommt nur trockenes Husten aus meiner Kehle. Eindeutig Jever. Chloroform hinterlässt nicht den Geschmack eines verwesenden Hamster, der einen schrecklichen Tod gestorben ist.

Von meinem Röcheln geweckt, bewegen sich nun auch die anderen Leichen. Ich springe auf und halte mich an einem Holzgitter fest, das neben mir aufgebaut ist. Mein Gott… Hier gibt es Kinder! Ich traue mich nicht unter dem Haufen Matrazen, Schlafsäcke, Essensreste und einem halben Reh zu schauen, ob es noch da ist. Es dauert nicht mehr lange, bis die Kreaturen sich aufgerappelt haben und sich auf mich zu bewegen. Einer schnappt sich meine Beine, zwei meinen Oberkörper und so werde ich runtergerissen, bis ich bewegungsunfähig auf einer der zwei Matrazen liege, die vor zwei Sofas aufgebaut sind. Bierflaschen zischen, ich höre das Kratzen von Metal auf Porzellan und das zufriedene Grunzen der Wesen, als sie sich scheinbar in Position gebracht haben.

Was geht hier nur vor? Ich habe aber keine Kraft aufzustehen und so füge ich mich meinem Schicksal, als das Licht ausgeht und schlimme Metal Musik aus Boxen hinter mir lautstark aufschreit. An der Wand vor mir steht in großen Buchstaben “DEAD HUNTERS – Sevillian Zombies“. Auf den Sofas hinter und rechts von mir gröhlen die Kreaturen und ich ahne was auf mich zukommt:

Das Halloween-Zombiewochenende des Todes