Beim ersten Mal da tut es noch weh.

Auch wenn ich nicht sagen würde, das sich die Wahrnehmung von Gewalt verändert durch Horrorfilme (ich zucke heute noch immer bei realen Aufnahmen von Blut und Verletzungen, Gewalt und Grausamkeit zusammen und kann auch mit Filmen die Leiden zu realistisch zeigen nicht so gut umgehen und ich hasse Kriegsfilme), aber zweifellos tritt was Horror und Grusel angeht eine gewisse Gewöhnung ein.
Während zartbesaitete Naturen, wie mein Arbeitskollege Tobi, schon beim Soundtrack von Halloween zusammenzuckt, kann ich mir die meisten Splatterfilme angucken, ohne mich dabei wirklich zu gruseln (mit Geisterfilmen siehts allerdings anders aus. They creep me out).
Doch das war nicht immer so. Irgendwann in den 70ern war auch ich ein sehr kleiner Batz und zu dieser Zeit erlebte ich meine Horrorentjungferung. Die Phantasie stand noch weit offen, die Seherfahrungen waren noch nicht so überfüttert und bisweilen vermochten sogar die Illustrationen von Büchern mir Alpträume zu bescheren (ich erinnere mich an eine Ausgabe von “1001 Nacht” die gar grausliches zeigte). Damals war ich noch jung, klein und unschuldig und es brauchte nicht viel, um mich nachhaltig zu ängstigen.
Zeit also einen Blick zu werfen, auf die ersten Erinnerungen die wir haben, wenn es um die Lust an der Angst geht. Keine reale Angst, sondern jenen schmalen Grad, zwischen Furcht und wohligem Schauer, dem “nicht weggucken können” und der Hand vor den Augen.
Die ersten Horrorfilme der Fünf Filmfreunde!
BATZMAN
Zu meiner Schande ist meine erste wirklich vitale Horrorerinnerung eher zahmer Natur. Es war an einem jener Samstage an denen der damalige Lebensabschnittsgefährte meiner Mutter beruflich unterwegs war (er spielte Bass in einer etwas langweiligen Tanzkapelle) und ich deswegen länger aufbleiben und mit meiner Mutter fernsehen durfte. Lange aufbleiben war so schon was besonderes (vielleicht wurde damals der Grundstein für meinen Biorhythmus gelegt, der mich selten vor 3 Uhr nachts ins Bett kommen lässt) und noch dazu einen Horrorfilm zu sehen war das tollste. Leider bekam ich vom Film dann selbst nicht soviel mit.
Denn auch wenn “Die Herren Dracula” ganz sicher nicht zu den nervenzerfetzensten Machwerken der Kinogeschichte gehört, habe ich mich schon bei einer der ersten Beißszenen furchtsam unter der Decke versteckt und traute dem Film auch dann nicht, als sich rausstellte das der Vampir in eine Gummipuppe gebissen hatte. Leider habe ich die Erklärung vergessen, die mir meine Mutter gab, als ich fragte, warum der Mann in dem Bett eine Gummipuppe hatte.
Wesentlich intensiver war einige Jahre später die Sichtung von Hitchcocks “Frenzy”, den ich nur deswegen schauen durfte, weil ich bei meinem Vater übernachtete und dieser im glauben ich schliefe schon, noch mit Freunden einen trinken gegangen war. Die Warnung der Ansagerin (ja sowas gab es damals noch), dass der folgende Film nichts für schwache Nerven sei, zog mich nur um so mehr in den Bann der Flimmerkiste. Und was für ein kranker Film das war. Ich erinnere mich noch heute, wie ich zitterte, als der Mörder der Leiche ihre Finger brach um an seine Krawattennadel zu gelangen, denn diese umklammerte. Am Ende des Films war ich fertig, hibbelig. angespannt und beeindruckt. Ich wußte das ich diesen Film überstanden hatte. Und das ich das Gefühl mochte.
Und ich wollte mehr.
JET STRAJKER
Ich war in Sachen Horrorfilme etwas arg frühreif. Mit 12 hatte ich eigentlich alles gesehen, was man auch gesehen haben musste: Die tanzenden Teufelchen, letzten Häuser links, Zombies im Kaufhaus. Das alles habe ich gut aufgenommen, ohne bleibende Schäden. Das waren eben Filme, die spielten sich im viereckigen Bereich vor meinen Augen ab – und wenn ich wollte, dass sie aufhören zu spielen, hätte ich Freund Fernbedienung zu Rate gezogen. Das war nie nötig, gab aber Gewissheit: Es ist nur ein Film, es ist nur ein Film. Das war nicht nur ein Werbespruch, das war einfach so. Deshalb stellte meine frühkindliche Horroraffinität kein Problem für mich dar, im Gegenteil, sie beflügelte mich und weckte eine innige Leidenschaft, die bis heute anhält. Jetzt und hier.
Zurück zur Entjungferung. Es gab zwei Filme, die mich, zumindest soweit ich mich erinnere, mit 6 Jahren wirklich geängstigt, mir schlaflose Nächte und nasse Bettwäsche beschert haben. Vom Schwitzen natürlich. Das wären zum einen die “Gremlins”, diese garstigen Viecher, die sich bis tief in meine Träume eingeschlichen haben. Sofern ich überhaupt zum Schlafen kam. Ich stand wahrlich Ängste durch, dass mich der besonders böse Gremlin mit seiner Kettensäge zersäbeln würde. Da konnte auch der niedliche Gizmo nichts mehr reißen.
Zum anderen hat mir der zweite “Indiana Jones” – bezeichnenderweise auch eine Spielberg-Produktion – schwer zu schaffen gemacht, etwa zur selben Zeit sogar. Mir ging der Tempel des Todes nicht mehr aus dem Kopf, ständig sah ich diesen glatzköpfigen Kerl vor mir, der mir mit seinen „Galimah, Galimah“-Rufen das Herz und überhaupt auch alles andere rausreißen wollte. Ich starrte an die Wand, schaute mich im Zimmer um, unternahm alles, um nicht mehr daran denken zu müssen. Das war schrecklich. Und hatte zur Folge, dass ich keine Filme mehr ab 16 sehen durfte… Na ja, war ein verhandelbares Verbot.
RENINGTON STEELE
Wenn ich mich richtig erinnere, war mein erster Horrorfilm „Schlag 12 in London“, eine Jekyll & Hyde-Verfilmung der Hammer Studios. Damals dürfte ich irgendwas zwischen 5 und 8 Jahren alt gewesen sein. Zu der Zeit sendete die ARD nach den Lottozahlen und dem Wort zum Sonntag immer zwei Filme, der zweite war meistens irgendein Genre-Klassiker. So sah ich schon sehr früh in einem Camping-Wagen im Odenwald in eine Decke gemümmelt Sachen wie „Westworld“, „Der Autovampir“, „Der Fluch des Sienestro“ oder eben „Schlag 12 in London“.
Derber wurde es etwas später, aber auch auf jeden Fall noch unter 10. Mein Cousine und ihr Mann sind bekennende Horror-Freaks, was nicht unerheblichen Einfluß auf meine Film-Rezeption hatte. Und so weiß ich noch, dass wir 1983 (oder so), ich war damals 9 Jahre alt (oder so), die ungeschnittene Version von „The Burning – Brennende Rache“ bei meiner Cousine ausliehen. Ein bis heute unterschätzter und stellenweise sehr, sehr derber Vertreter der Camp-Slasher in dem ein ziemlich verbrannter Typ Teenies mit einer Gartenschere auseinanderschnetzelt.
Während der berüchtigten Kanu-Szene kam mein Vater von der Arbeit nach Hause, als ich den Film mit Mami sah, die mir fortwährend erklärte, dass wäre ja alles nicht echt. He was not amused und ich hatte den Film damals nicht zuende sehen können, habe ihn mir aber Jahre später nachgekauft und schaue ihn seit dem jährlich mindestens einmal. For the Gore.
Die Klassiker „Evil Dead“, „Dawn of the Dead“ oder auch „Maniac“ kamen alle erst später. Aber sicherlich vor 14. [Teufliches Lachen].
MAL SEHEN
An den ersten Horror erinnere ich mich nicht, aber laut meiner Mutter muss es schon mit zwei oder drei Jahren gewesen sein, als ich ins blutige Wasser geschmissen wurde. Der Legende nach setzte mich mein Erzeuger vor Poltergeist, Exorzist und Splattermovies aus den 70ern. Und warum? Um mich mal so richtig männlich zu erziehen. Dass dieser Versuch aber sowas von in die Hose gegangen ist, zeigte sich erst viele Jahre später, als dieses Trauma beziehungsbedingt durchbrach und mich kalt erwischte, in Form von Panikattacken bei Akte X, Gremlins und co.
Es gab aber eine Zeit dazwischen, in dem es nicht horror genug sein konnte. Ich erinnere mich noch gern daran zurück, dass ich mir eine Salamipizza reinzog und käseflockenspuckend lachte, als die Zombies bei Braindead in den Rasenmäher liefen. Diese Erinnerungen vermischen sich mit einem Exorzisten-Abend, zwei bis drei Freddys und einem Jason.
Kommen wir zu dem Trauma zurück. Als ich mit meiner Kleinen zusammenkam, war die Welt noch in Ordnung. Spritzte kein Blut in einem Film, war der Film sinnlose Zeitverschwendung. Nach und nach verwandelte sie mich allerdings in eine sensibele Pussi, die sogar bei Bambi heulte. Nach ein paar Jahren war der Horror-Ofen aus und mit Schrecken erkannte ich, dass ich sogar bei Akte X wegschauen musste.
Erst nach über acht Jahren wurde ich mit einer radikalen Therapie geheilt, die es hier unter der Serie “Massaker Mal im siebten Kreis der Hölle” nachzulesen gibt. Dieser letzte Absatz ist all den Fragezeichen gewidmet, die befürchten die F5 könnten sich wieder an einem Drama versuchen oder fälschlicherweise annehmen, dass der von mir sehr geschätzte MC Winkel ein Monopol auf längere, nicht ganz ernstzunehmende Texte hätte.
NILZENBURGER
Meine Horror-Entjungferung? Da muss ich wohl auf drei Teile zurückgreifen.
1. Poltergeist
Viele unserer Leser werden sich wohl nicht mehr daran erinnern, aber es gab eine Zeit, in der das Fernsehen nur drei Programme hatte. Und unser Schwarz-Weiss-Familien-Fernseher hatte nur 8 Programmknöpfe, warum auch mehr? Das Ding war, ich war damals, als Familienjüngster, die Fernbedienung und wurde immer nach vorne geschickt um umzuschalten. Samstag-Abend hat sich dann die Familie vor dem Fernseher getroffen um sich zusammen unterhalten zu lassen. Nun war es so, zu der Zeit, das nach dem Wort am Sonntag immer noch ein Spielfilm kam.
An diesem einen Samstag war das eben “Poltergeist” und wir sassen zu sechst vor dem Fernseher und haben den Film geguckt, von dem wir alle nichts wusetn. Wir haben nur irgendwas von Steven Spielberg mitbekommen, deswegen gingen meine Eltern wohl auch eher von Familienunterhaltung aus. Ich werde nie vergessen, wie ich mich erschrocken habe, als die Hand aus dem Fernseher kommt und nach dem Mädchen greift. Also so lustig erschrocken. An die Szene mit den Stühlen konnte ich mich auch noch erinnern. Dennoch: Als ich den Film dann vor ein paar Jahren mal wieder gesehen habe, hab ich mich schon gewundert wie hart der doch eigentlich ist und wie sehr ich mich daran nicht mehr erinnern konnte. Womit bewiesen wäre: Kinder blenden unangenehme Erinnerungen aus. So einfach kann das manchmal sein mit der Psyche….Da war ich so 8 oder 9 Jahre alt.
2. Indiana Jones und der Tempel des Todes
Mein Kumpel Waldi hatte einen Videorecorder. Video 2000, das waren die Kassetten, die man noch umdrehen konnte. Und da war auf einer Kassette der Indiana Jones Film drauf. Und wir haben immerwieder die Szene mit dem “Herz rausnehmen” geguckt. Und wieder zurückgespult. Und wieder geguckt. Und wieder zurückgespult. Und wieder geguckt. Unser eigenes YouTube sozusagen. Weil wir es super fanden uns so zu gruseln. Da waren wir wohl so 6 oder 7 Jahre alt. Übrigens haben wir dann lieber “Die Einsteiger” geguckt, in dem gab es ja auch eine Indy-Parodie. Da hatten wir dann sozusagen “Best of both Worlds”.
3. Nightmare on Elm Street 1-4
Ein KLassenkamerad von mir hat mich zu sich nach Hause eingeladen und da bin ich da doch mal hingegangen. Das muss so vierte Klasse gewesen sein. Nachdem uns langweilig wurde, und wir nichts zu tun hatten und ich es als Jugendlicher sowieso am meisten geliebt habe Filme zu gucken, haben wir uns irgendwann vor den Videorekorder gesetzt. Und er wollte mir unbedingt Freddy Krüger zeigen. Nun wollte ich tatsächlich als Kind keine Horror-Filme sehen. Es hat mich nicht interessiert. Er liess sich aber nicht davon abbringen, mir die Filme zu zeigen. Da sass er da laut lachend, bei den blutrünstigsten Szenen die ich bis dato gesehen hatte und mir wurde langsam mulmig. Und danach dann den zweiten Teil. Ab dem dritten Teil spulte er nur noch zu den Slasher-Szenen um sie mir zu zeigen. Ich hatte keine Angst oder hab geschrien oder so, ich fand es irgendwann nur noch langweilig. Nicht so abgestumpft-langweilig, sondern so: Warum zeigst du mir das?-Langweilig. Als dann noch sein grösserer Bruder nach Hause kam und sie mir zeigten, das der in einem Sarg schläft (wirklich!) beschloss ich doch, dieser etwas…ähm…speziellen Familie den Rücken zu kehren. Ich hab ihn nie wieder zu Hause besucht. Und da bin ich heute eigentlich noch ganz froh drüber.
P.S.: Ich hab mir dann Jahre später die Nightmare-Box in USA gekauft. Wenn man die geniesst, dann sind die Filme auch super.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Oktober 29th, 2008 •
- 29 Kommentare









































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