
Auch als Gorehound und Horrorfan hat man verschiedene Vorlieben, denn das Genre, welches von außen betrachtet oft sehr gleichförmig und stumpf erscheinen mag, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als durchaus vielschichtig und differenziert. So wie es bei Abenteuerserien und Sci-Fi verschiedene Archetypen gibt, bietet auch das Horror Genre unterschiedlichste Bösewichte.
Es gibt den intellektuellen, streckenweise fast an Arthaus erinnernden Horror der Phantasm-Reihe mit dem sinisteren Tall Man, der seine alptraumhafte Konstruktion immer wieder bricht und weiterentwickelt. Es gibt den ironischen, geistreichen Spaß von Freddy Krueger, reich an Fantasy-Elementen und Popkulturzitaten, der Showman des Slasher-Films, der wohl die innovativsten Todesszenen zu bieten hatte. Es gibt die Hellraiser-Reihe, mit ihren Zenobiten, allen vorran dem infernalischen Pinhead. Filme die ein smartes Vexierspiel um sexuelle Begierde, S/M-Anklänge, Liebe und Verlangen behandeln. Es gibt den stummen, unstoppbaren Killer Michael Myers, der mit androgynem Gesicht unaufhaltsam seinen Verwandten nachstellt.
Und es gibt Jason. Den Sonderschüler, der Gruppe. Ein Bösewicht der Unterschicht, der für seinen eigenen Film zu spät kam und erst im zweiten Teil richtig loslegen durfte.
Jason ist ein Muttersöhnchen, ein Psychopath, ein hohler Klotz dessen einzige Fertigkeiten sich auf Leute umbringen und Stromkabel rausreissen beschränken. Gegen Jason wirkt Michael Myer wie Stephen Hawking. Jason hat keine Persönlichkeit, keinen Charakter, ja selbst sein Erscheinungsbild wandelte sich von Film zu Film. Selbst jemand wie Kane Hodder, der ihn immerhin in vier Filmen spielte, schaffte es nicht wirklich ihn über die Maske hinaus zu charakterisieren.
Jason ist der Slasher für die genügsamen Fans, er reduzierte das Slasher-Genre auf seine Basics: Teenager. Bösewicht. Tote Teenager. Es kam nie wirklich auf Finesse an und auch originelle Tode waren nicht wirklich Jasons Ding, genauso wenig wie die verunglückten Erklärungsversuche mit denen man versuchte ihm etwas Hintergrundstory zu geben. Das erstaunlichste an der “Freitag der 13.”-Serie ist, wie langlebig sie ist, obwohl sie von allen Horror-Franchises ganz sicher die dümmste, ideenärmste und oft genug auch langweiligste war.
Renington und ich haben uns als Vorbereitung für Halloween und in Einstimmung auf das nächstes Jahr anlaufende “Friday the 13th”-Remake, noch einmal die komplette Serie angetan. Von Teil 1 bis zu “Freddy vs Jason”. Hier kommt unsere Remake im Rückblick.
“Friday the 13th” USA 1980
Ein altes Camp in dem vor Jahren etwas schreckliches passierte soll neu eröffnet werden. Ein alter Zausel faselt “You’re all doomed” und schon fallen die viel zu alten Teenager wie die Fliegen um. Doch der Killer ist nicht Jason, sondern seine Mammie, die am Ende den Kopf verliert und so ihrem Sohn den großen Sprung ermöglicht.
Batzman: 



Ein effektiver, wenn auch dummer Film. Die Effekte sind ganz lustig, wirken heutzutage aber etwas statisch. Dennoch gibt es einige sehr geschickt inszenierte Momente und das Ende ist immer noch für ein kurzes Zusammenzucken gut. Doch der Film hat was.
Renington Steele: 



Der erste Teil beinhaltet eine der stärksten Mordszenen aller Zeiten, und zwar auch außerhalb der Friday-Reihe. Das ist selbstverständlich die, in der Kevin Bacon einen Speer durch den Halsansatz gebohrt bekommt… von unter dem Bett! Der liegt da friedlich und fertig vom Sex (uh, böse!), und auf einmal macht da ein Speer einen auf Chestburster, ohne dass man in irgendeiner Form vorbereitet wurde. Das ist schon eine sehr starke Szene. Der erste Teil dürfte, wenn man das so sagen will, noch der intelligenteste Film der Reihe sein.
“Friday the 13th: Part 2″ USA 1981
Jason kommt endlich in seinen Film und meuchelt weitere Campbetreuer, rennt mit einem Sack auf dem Kopf herum und hat dem Kopf seiner Mama einen Schrein gebaut.
Batzman: 



Eine solide Fortsetzung, in der Jason wie der Elefantenmensch herumstackst. Einige gute Momente, aber auch Leerlauf und insgesamt eher wenig Schauwerte.
Renington Steele: 



Solide Fortsetzung, ja, aber eigentlich genau der gleiche Film, nur ohne Whodunit-Element und mit anderer Einleitung. Der Rest ist praktisch genau gleich und genau diese Redundanz geht mir in den weiteren Fortsetzungen auch immer mehr auf die Nerven.
“Friday the 13th 3D” USA 1982
Jason bekommt endlich seine Maske, Jojos hüpfen in die Kamera und eine Rockerbande wird verhackstückt.
Batzman: 



Wider erwarten ist die 3D Inkarnation von Jason gar nicht so schlecht. Die Morde sind nicht übermässig originell, aber solide und ein paar Szenen sorgen für nette Buh-Momente.
Renington Steele: 



Friday 3 ist der erste Teil der Serie, den ich als eher schlecht bezeichnen würde. Die Teenagerhorde ist hier so dermaßen Klischee wie in den beiden Vorgängern zusammen, der Clown der Truppe hat eine furchtbare Frisur und nervt, die 80er-Jahre Rocker nerven und von Splatter ist auch nur wenig zu sehen. Und am Anfang ist ein Ladenbesitzer Fischfutter und findet das “gar nicht so übel”. Nuff said.
“Friday the 13th – Part 4: The final chapter” – USA 1984
Jason macht das was er immer macht und Corey Feldman steht als Tommie auf Gruselmasken, zerhackt Jason am Ende und wirkt wie ein verkappter Psycho.
Batzman: 



Trotz der Rückkehr Tom Savinis wirkt dieser verfrühte Abgesang auf Mr. Voorheese etwas blutleer, denn langsam beginnt die “Teenie-Darsteller rennen aus dem Haus, durch den Wald, wieder ins Haus und werden zerschnetzelt”-Masche deutliche Abnutzungserscheinungen zu zeigen.
Renington Steele: 



Batzman ist außergewöhnlich zahm bei den Friday-Filmen, tatsächlich wird Friday hier noch schlimmer und die beste Szene ist immer noch die, in der Corey Feldman einer Dame beim Ausziehen zuschaut. Was ja auch eine Menge aussagt, wenn es doch eigentlich um untote Massenmörder mit Macheten geht.
“Friday the 13 – Part 5: A New Beginning” 1985
Tommy ist groß geworden (angeblich Teenager, sieht aber aus wie 30) und lebt in der Klappse, keiner glaubt ihm aber dann kommt jemand als Jason verkleidet und metzelt die Insassen ab.
Batzman: 



Ein weiterer Jason-Film ohne Jason, dafür mit ganz vielen langweiligen Charakteren und einer Handlung die auch beim schnellen Vorspulen noch langweilt. Eigentlich reicht es sich die ersten zehn Minuten und die letzte 15 anzugucken.
Renington Steele: 



Der fünte Teil ist in der Tat der schlimmste und alleine für dieses unerträgliche Redneck-Paar habe ich schon einen kompletten Stern abgezogen. Der Film ist eigentlich nur deshalb erträglich, weil darin ein Kerl in einer Eishockeymaske Teenies abmetzelt. Und dass ich bis heute das Lied auswendig kann, dass der Bruder des kleinen Jungen auf dem Klo singt, das nehme ich dem Film bis heute übel („Uh, Baby, uhuuu Baby, uh Baby, uhuuu Baby“… argh!)
“Friday the 13th Part VI: Jason Lives” 1986
Tommy ist raus aus der Klappse und will sichergehen, dass Jason Tod ist. Dummerweise erweckt er ihn dabei mit einem Blitz zum neuen Leben und die ganze Scheiße geht von vorne los. Natürlich glaubt ihm niemand, als er die Menschen warnen will.
Batzman: 



Einer der Lichtblicke der Reihe und die einzige Folge in der im Sommercamp tatsächlich mal Kids zu sehen sind. Der Film ist teilweise überzogen selbstparodistisch und nicht wirklich blutig. Der Humor tut dem ganzen aber sehr gut und lässt fast vergessen wie bekloppt die Story ist.
Renington Steele: 



Wo Batzman hier den Lichtblick sieht ist mir schleierhaft, man kann dem Film eigentlich nur zugute halten, dass er nicht so schlecht wie sein Vorgänger ist.
“Friday the 13th Part VII: The New Blood” 1988
Diesmal muss es Jason mit einem Carrie-Verschnitt aufnehmen. Alles wie immer, nur seit er ein Zombie ist, machen Stromschläge Jason an und aus wie eine Tischlampe.
Batzman: 



Passabel aber mehr auch nicht. Die zusammengestümperte Handlung wird nur von halbwegs originellen Todesszenen gerettet.
Renington Steele: Hier muss ich leider passen, der Film war in meiner VHS-Sammlung nicht mehr aufzufinden. Wahrscheinlich zurecht.
“Friday the 13th Part VIII: Jason Takes Manhattan” 1989
Jason takes Manhattan. Also eigentlich takes er einen abgewrackten Vergnügungsdampfer auf dem Weg nach Manhattan. Und ein kindlicher Geisterjason wandert durch die Gegend und macht Buh. In New York ist man nur für den Showdown,
Batzman: 



Die Mordszenen sind fast alle blutleer, die Handlung und Darsteller langweilig und der Etikettenschwindel des Titels macht einen auch nicht grade wohlgestimmter. Selbst für das niedrige Niveau der Gesamtserie: Ein lausiger Film.
Renington Steele: 



Endlich hat Batzman mal wirklich Recht, der Film ist eine Frechheit. Die komplette erste Hälfte spielt auf einem Schiff, die überlebenden Teenies flüchten mit Rettungsbooten und rudern nach New York (!) und am Ende steht Jason auf dem Dancefloor einer 80er Disse. Furchtbar.
“Jason Goes to Hell: The Final Friday” 1993
Der Franchise ist von Paramount an New Line verkauft worden und bekommt eine Frischzellenkur. Die Continuity der Serie wird diesmal bewusst ignoriert und die Fantasy-Elemente nehmen deutlich zu. Jason jagdt seine letzte Verwandte und wird am Ende von Freddy Krueger in die Hölle gezogen.
Batzman: 



Einer der unterhaltsameren Teile und deutlich blutiger und expliziter, aber auch verspielter und selbstironischer als die Vorgänger. Neben Freddy hat das Necronomicum einen Gastauftritt und der Körperwechselnde Jason ist eine nette Idee, die davon ablenkt, wie blöd das alles doch ist.
Renington Steele: 



Auch hier irrt Batzman. Der körperwechselnde Jason nimmt diesem Teil der Serie alles, was die Filme überhaupt anschauenswert machen: einen tumben, stapfenden Massenmörder mit einer Eishockeymaske. Ohne dieses Element ist es nur ein weiterer schlechter, Horrorfilm.
Jason X 2001
Fuck the Continuity. Jason wird in der Zukunft aus dem Kälteschlaf geholt und schlachtet sich durch ein Raumschiff.
Batzman: 



Für mich einer der spassigsten Teile, haben die Macher doch anscheinend genau begriffen wie dumm die Serie ist. Die typischen Klischees werden genüßlich veralbert, die Mordszenen sind einfallsreich und explizit und Über-Jason ist schön brachial. Ein Film der weiß das er dumm ist und im Endeffekt ein Abgesang auf die Trademarks der Serie.
Renington Steele: 



Tatsächlich zusammen mit dem ersten Teil der unterhaltsamste der ganzen Reihe. Jason in Space funktioniert und in diesem Teil hackt er sogar noch im gefrorenen Zustand Arme ab.
“Freddy vs. Jason” 2003
Freddy hat Angst in Vergessenheit zu geraten und nutzt Jason als nützlichen Idioten um Panik zu verbreiten. Die Koop scheitert aber, als Jason aus Freddys Kontrolle entgleitet und die beiden hauen sich dann gegenseitig aufs Maul bis der Film vorbei ist.
Batzman: 



Eine gute Idee, die durch Robert Englund deutlich aufgewertet wird. Leider bemüht der Film eher Motive der Friday-Reihe und ignoriert das phantastische Potential der Nightmare-Serie weitgehend. Keiner der Effekte kommt an die im Vorspann zitierten Freddy-Highlights heran und Jason bleibt wie gewohnt eher blass. Kein Totalausfall aber ein Film der weit unter seinen Möglichkeiten bleibt.
Renington Steele: 



Eine Idee, die im neunten Teil ja bereits angedeutet wurde und hier leider nur mittelmäßig in die Tat umgesetzt wurde. Wie Batzman schon sagt, fehlen (bis auf Freddy) die Fantasy-Elemente der Nightmare-Reihe. Immerhin: die Bett-Hochklapp-Todesszene fand ich doch recht originell.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- November 1st, 2008 •
- 38 Kommentare
- Schlagwörter: Friday the 13th, Horror









































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