
„Do you know, what they call you, when you’re out of the room? Gollum!“
Originaltitel: Dead Set
Herstellungsland: UK 2008
Regie: Yann Demange
Darsteller: Jaime Winstone, Andy Nyman, Kevin Eldon, Davina McCall, Riz Ahmed
Renington Steele: 




Batzman: 




Mal Sehen: 




Die aktuelle Big Brother-Staffel in England, grade hat Pippa den Container verlassen und wird von der Menge gefeiert, sitzt danach im Studio für das erste Interview, als Zombies die Szene überrennen, während die restlichen Kandidaten zu Mikas Feelgood-Hit of last Summer „Grace Kelly“ Schampus saufen. Produzent Patrick und Pippa können sich in einen Aufenthaltsraum retten (und werden dort eine ganze Weile ausharren müssen, was ein paar… unangenehme Folgen haben wird) und Kelly die Assistentin kämpft sich durch die Untoten, alle anderen werden angeknabbert oder gleich ganz aufgegessen. Die Kandidaten haben natürlich keine Ahnung von der Sauerei da draußen – bis sich Kelly in ihren Container retten kann. Und das ist erst der Anfang.
Ich hatte über diese Serie schon vor ein paar Tagen bei mir geschrieben, bin aber erst heute dazu gekommen, mir den ersten Teil anzuschauen. Nach diesem war ich so begeistert, dass ich mir sofort alle anderen Folgen besorgen musste und ich bin immer noch ein bisschen sprachlos. Diese Serie, die mittlerweile auch als Feature-Film (in England) auf DVD erschienen ist, ist das mit Abstand beste Stück Fleisch, das mir dieses Jahr auf den Teller gekommen ist. Und das trotz des schicken Zombie-Strippers und des (sowieso leicht verunglückten) Diary of the Dead. Ich behaupte sogar mal ganz frech: der beste Zombiefilm seit Shaun of the Dead. Oder sogar dem Dawn-Remake.
Denn: Man muss sich nur mal vorstellen, was in Deutschland herauskommen würde, wollte man einen ernsten, harten Zombiefilm im Big Brother-Container mit Zlatko, Jürgen, Walter und Alida drehen. Eine Horrorshow der Superlative wäre das, und das meine ich sicherlich nicht positiv. Genau das haben sie mit „Dead Set“ getan und damit gleichzeitig eine ätzende Medienkritik (ich meine fuck: Big Brother gets eaten alive!), einen atmosphärischen Horrorfilm und das härteste Stück Splatter geschaffen, das ich jemals in einer (man muss das ja nochmal ausdrücklich betonen) Fernseh-Serie gesehen habe. Tatsächlich ist das Ende der Serie (beziehungsweise das Ende eines der Protagonisten) ein, äh, wunderbares Zitat der berühmtesten Finalszenen von Dawn und Day of the Dead. Ich erinnere nur an den unglückseligen Rocker, dem die Zombies Leberwürste aus dem Bauch ziehen und an den noch unglückseligeren Commandant aus Day of the Dead und dessen Ende.
Dazu, tatsächlich, überzeugende Charaktere, gute Schauspieler, enorm viele WTF-Momente, wirklich lustige Momente („That’s a Lightmachine!“ – „That’s no machine, that’s a Lamp!“) und vor allem: nervenzerfetzende Spannung von Anfang bis Ende ohne den Hauch einer Länge. Das einzige, was man bemängeln könnte, wäre die bei den Zombieattacken arg wackelnde Wackelcam… und dass die Zombies rennen. Aber das gehört ja heute scheinbar zum Standard-Repertoire. Was bleibt ist die, zumindest für mich als Zombie-Lover, wohl beste Mini-Serie aller Zeiten. Mit einem Wort: fan-tas-tisch!
Hier noch der Trailer zur Serie, der nicht im geringsten die Großartigkeit davon wiedergeben kann. Die DVD gibt’s auf Amazon.co.uk oder aber man lenke sein Augenmerk auf diese Youtube-Playlist (die allerdings einigermaßen durcheinandergeraten ist).
Batzman meint: In diesem Fall sind Renington und ich mal absolut einer Meinung. Ich bin zwar eh vorbelastet, weil ich sowohl Zombiefilme als auch britische Serien liebe, aber es wäre ein leichtes gewesen diese Show grandios in den Sand zu setzen.
Doch Autor Charlie Brooker, den einige vielleicht durch seine ätzend-böse Medien-Show Screenwipe oder Comedy-Skits kennen, weiß genau was er will und was er dem Genre schuldig ist. Was Effekte und Gore angeht, dürfte Dead Set locker das heftigste sein, was in diesem Bereich bislang in einer TV-Serie zu sehen war (vielleicht mal abgesehen von einigen Episoden von Tales from the Crypt und Masters of Horror – beides jedoch Anthology-Serien). Doch Brooker will nicht nur schocken oder provozieren, er ist auch ein packender Geschichtenerzähler, der das Sujet ernst nimmt.
Dieser Zombieangriff ist nicht trashig, die Figuren sind keine Kasper, sondern verhalten sich ziemlich realistisch. Die mediengeilen Container-Insassen, die eitle Moderatorin (UK-Big Brother Moderatorin
Davina McCall die sich grandios selbst verarscht), die zynischen Redakteure und Produzenten, die sowohl ihr Publikum als auch die Teilnehmer verachten. Brooker stellt dieses “Was wäre wenn”-Szeneario
dar und dekliniert es konsequent bis zum packenden Ende durch. Humor gibt es, doch er ist eher absurd, surreal und sehr subtil. Dumme Polizisten, die sich mitten in der Katatstrophe als Clint Eastwoord aufspielen müssen, Ladenklingeln, die Zombies irritieren und echte Big-Brother-Teilnehmer die in Gastauftritten zu sehen sind.
Dead Set ist radikal, böse, originell und schafft es tatsächlich besser zu sein, als die meisten ernstehaften Zombiefilme der letzten Jahre. 28 Days Later und sein Sequel wirken wie banaler, schlecht gemachter Kindergarten gegen diese 180min grandioser Serienunterhaltung.
Mal Sehen meint:
Ich will es mal so sagen: Ich habe seit sehr langer Zeit nichts auch nur im Ansatz so gruseliges gesehen, wie diese kranke Scheiße!!!
Nach meinem Horrorwochenende dachte ich, dass ich kuriert war. Ich konnte dem Renington sogar einen “Fingerzombie” schenken, ohne zu zucken. Aber diese Miniserie hat mir wieder gezeigt wovor man Angst zu haben hat, wenn Zombies die Welt überrennen. Ich habe selten soviel Pessismismus, Realität und gut gespielte Angst in bewegten Bildern gesehen. Jetzt habe ich natürlich nicht die Vorkenntnisse eines zombiefanatischen Renongtons, aber ich weiß, dass das da nicht normal ist!
Und trotzdem, oder gerade deswegen vergebe ich liebend gerne vier Sterne. Diese Serie geht an die Substanz und hinterlässt keine Fragen. Zumindest keine, die man nicht mit ein bisschen Fantasie selber beantworten kann. Die Effekte sind im wahrsten Sinne atemberaubend und die düstere Atmosphäre gibt einem den Rest, besonders, wenn es dunkel ist und jemand laut schnaubt, beim Filmegucken.
Danke Renington, für den Albtraum, den du mir heute Nacht geschenkt hast.
- Renington Steele •
- November 2nd, 2008 •
- 40 Kommentare










































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