New York für Anfänger

12 Comments

“Con Air is the greatest movie of all times!”

Originaltitel: How to Lose Friends & Alienate People
Herstellungsland: Großbritannien 2008
Regie: Robert B. Weide
Darsteller: Simon Pegg, Kirsten Dunst, Megan Fox, Gillian Anderson, Jeff Bridges

★★★☆☆

Basierend auf dem autobiographischen Buch von Toby Young “Wie man Freunde verliert und andere vor den Kopf stößt” schildert der Film Aufstieg und Fall von Sidney Young (Simon Pegg) einem geekigen, egozentrischen Underground-Klatschreporter. Den verschlägt es überraschend nach New York, als er für für das rennomierte “Sharp”-Magazin engagiert wird, nachdem er dessen Herausgeber (Jeff Bridges) in einem Artikel verhöhnt hat.

Was anfänglich wie die Chance zum großen Aufstieg klingt, entpuppt sich für den eigensinnigen Briten schon bald als erbarmungsloser Verdrängungskampf im Society-Millieu, bei der ihm mehr als einmal seine Ideale und journalistischen Grundsätze im Wege stehen. Sein Chef (Jeff Bridges) ist ein stimmungschwankender, gelangweilter Egomane, seine Kollegin (Kirsten Dunst) ist eine Karrierefrau und überall wird intrigiert und gemobbt was da Zeug hält.

Simon Pegg ist ein Phänomen. Ende der 90er kannten ihn nur wenige Eingeweihte als Star der genialen Serie “Spaced”, dann kam “Shaun of the Dead”, Gastrollen in “Land of the Dead”, Kurzauftritte in MI-III und die geniale Buddy-Movie-Satire “Hot Fuzz” und heute zählt der spiddelige Brite mit dem schütteren Haar und dem Nagetier-Gesicht zu den größten Exportschlagern des Landes.

Wer ihn je im Interview gesehen hat, weiß wieviel von Pegg selbst in vielen seiner Figuren steckt: Er ist nicht umsonst der perfekte Popkulturgeek, der linkische Nerd mit großer Klappe der wenn es drauf ankommt zeigt was in ihm steckt. Doch Pegg kann mehr: Auch als knallharter Spießercop oder eiskalter Gegner von Doctor Who kann er überzeugen. Kein Wunder, dass sein Auftragsbuch mehr als gut gefüllt ist, denn Pegg schafft es selbst durchschnittliche Produktionen noch zu veredeln.

“How to lose friends and alienate people”, der hierzulande mit dem nichtsagenden Titel “New York für Anfänger” startet (wobei man noch froh sein darf, denn ursprünglich sollte er hier “Der Partycrasher oder wie ich sie alle nervte” heißen), ist eine klassische Romantik-Comedy mit leichtem Screwball-Einschlag und homöoppathischen satirischen Anklängen.

Mag das Buch auch als eine garstige Abrechnung mit der Magazinbranche sein, der Film setzt eher auf liebenswerten Wortwitz und harmlose Seitenhiebe. Die Stärke des Films, liegt dabei eindeutig in der Besetzung. Einmal mehr schafft es Pegg in diesem Film eine anfänglich extrem unsympathische Figur durch seine linkische Art liebenswert zu machen.

Natürlich folgt der Film weitgehend dem erprobten Schema des Genres: Anfangs eckt Peggs Charakter überall an und zickt beständig mit Kirsten Dunst herum. Doch langsam nähern sich beide an, denn der gemeinsame Feind ist die oberflächliche starfixierte Glamourwelt der Stars und Möchtegernsternchen über die das Sharp-Magazin berichtet.

Neben Pegg, Dunst und Bridges zeigt die ganz ordentlich getimete Komödie auch eine ungewohnte Seite von Akte-X-Star Gillian Anderson, die als eiskalte PR-Tante einige sehr nette Auftritte hinlegen darf.

So absehbar es ist, wenn sich nach etlichen Wirrungen und Fehlentscheidungen die füreinander Bestimmten endlich finden, so solide unterhaltsam ist der Weg dorthin. Nichts weltbewegendes, aber es gab schon weit schlechtere Vertreter der Romantic Comedy und einen davon haben sogar die Coen-Brüder gedreht.

Natürlich ist das alles kein Vergleich zu “Shaun” und “Hot Fuzz”, den genialen Filmen die Pegg zusammen mit seinem Regie-Kumpel Edgar Wright und seinem Dauerkumpel Nick Frost abliefert, aber doch spassiger als sein erster Versuch im Romantik-Genre, dem Regiedebüt David Schwimmers “Run, Fatboy, Run”.

“How to lose friends…” versucht die Paramter des Genres zu variieren, mehr als einmal werden Erinnerungen an “Verrückt nach Mary”, “Der Teufel trägt Prada” oder “Leoparden küsst man nicht” wach, auch wenn er nicht ganz so stimmig ist wie die genannten Filme. Die saubere Inszenierung, die einfallsreiche Kameraarbeit und das vor allem das Duo Pegg / Dunst (die ich diesmal wirklich mochte, auch wenn sie sonst nicht sehr hoch in meiner Gunst steht) sorgen letztlich für einen vergnüglichen Kino- oder vielleicht besser DVD-Abend.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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12 Comments

  1. Monsieur J.

    Hab ihn eben gesehen und kann der Kritik/Wertung in allem zustimmen, ausser natürlich: DAMN! Kirsten Dunst ist immer süß!! ;)

  2. Marco

    Das mit Simon Pegg in Doctor Who hatte ich gar nich mehr in Erinnerung, ist schon so lange her, aber danke fürs Aufwärmen *g*
    Der Film klingt wirklich ganz nett, aber für das Kino ist der glaub ich nicht das richtige, so wie er sich liest… lieber zuhause auf DVD :)

  3. Björn

    Ohhohh da hat sich jemand verlieeehieeebt. Verliebt verlobt verheiratet! :D

  4. jack

    Wenn ich diese sogenannte Kritik lese, dann kommt in mir der Verdacht auf, daß Batzmann selbst nur eine Marionette der PR-Gangster ist. Sonst würde er so etwas niemals schreiben.

  5. Injecter

    Was is denn jetzt mit dem Transformers-Brathühnchen in dem Film?

  6. Bateman

    Diese bescheuerten deutschen Titel immer…

  7. peter

    man dieser Film war wirklcih ein haufe scheiße der auf die leinwand gebracht wurde… alles ist vorhersehbar, selbst der 100mal gesehene witz mit dem kleinen hund der dem achtlos vom hauptdarsteller geworfenen ball hinterher in seinen tod läuft kommt vor…gähn
    Pegg sollte sich seine Rollen besser aussuchen.

  8. jack

    Oh ja @6
    Die Deutschen sind doch vollkommen plemplem. Für die Titel sind sicher auch die heillos überbezahlten PR-Gangster verantwortlich.

  9. Heini

    Sollte nicht irgendwie/irgendwann auch wieder ein Film mit dem bewährten Duo (Pegg & Frost) rauskommen? Da würde ich mir mehr erhoffen …

    Bei diesem Film dürften Pegg und Dunst nicht ausreichen mich auch nur annähernd ins Kino zu ziehen. Wenn ich schon den Titel lese, will ich gar nicht erst die deutsche Syncro erleben.

  10. iche

    Also ich fand den Film nicht schlecht, von der Besetzung bis zu den Witzen war es auch ok. Die Witze waren gar nicht so vorhersehbar, man dachte es, dann kommts aber doch anders. Kommt es nur mir so vor oder ist auch eine Anspielung/ Hommage an “The Big Lebowski” drin? Der White Russian, und die Haushälterin Kowalsky wurde auch als Miss Lebowski angesprochen.

  11. CowVirus

    Jep, der Boss wurde auch vom Lebowski Darsteller gespielt. Was mich an dem Film geärgert hat sind die vielen, scheinbar lose im Sand verlaufenden Handlungsstränge, bei denen man allesamt auf ein fulminantes Finale gehofft hat.[Spoiler]Die Wiedergeburt des Chefs als zynischer Kritiker habe ich schmerzlich vermisst, die feurige Konkurrenz zum (Ex)Vizepräsidenten war plötzlich auch nicht mehr von Bedeutung und die Beziehung zu seinem Vater wurde nur kurz umrissen. Trotzdem ein äußerst und vor allem ausdauernd witziger Film.

  12. Azurelle

    Ich wollte auch mal eine Kritik loben, einfach weil ich in der Vergangenheit sehr oft das Gegenteil gesagt habe.
    Ich finde diese Kritik sehr ausgewogen in negativen und positiven Aspekten was mir mehr Freiraum zu einer eigenen unbeeinflussten Beurteilung mit sehr viel Hintergrundwissen gibt.

    Danke ;)

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14