Lakeview Terrace

21 Comments

“You can listen to that noise all night. When you wake up in the morning, you’ll still be white.”

Originaltitel: Lakeview Terrace
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Neil LaBute
Darsteller: Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Regine Nehy

★★★½☆

lakeview-terrace-movie-poster

Chris Mattson (Patrick Wilson) und seine schwarze Frau Lisa (Kerry Washington) haben sich ihr erstes Haus gekauft. In Lakeview Terrace, Los Angeles. Einer gehobenen Mittelklassegegend, die vor allem dadurch bekannt ist, das Rodney King dort einst von weißen Polizisten misshandelt wurde. L.A. wird mal wieder von Waldbränden heimgesucht, die den Terrace-Häusern immer näher kommen.

Vor diesem Hintergrund versucht sich das junge Ehepaar im neuen Zuhause einzuleben. Ein Versuch, der gerade durch ihren Nachbarn, den Polizisten Abel (Samel L. Jackson) zunehmend schwieriger gemacht wird. Dem ist das gemischtrassige Paar ein Dorn im Auge, was er Chris auch nach anfänglich harmlosen Plaudereien schnell zu verstehen gibt. Doch es bleibt nicht nur bei verbalen Einschüchterungen: Bald wird die Klimaanlage sabotiert und gleissende Halogenstrahler leuchten von Abels Haus ins Schlafzimmer des Paares.

Chris Versuche eine Einigung zu erzielen, werden trotz vermeintlicher Zwischenerfolge von Abel immer wieder unterlaufen. Als dessen Kinder für eine Woche zur Tante fahren spitzt sich die Situation zu, denn Chris beschließt, sich die Provokationen nicht mehr gefallen zu lassen.

Wow. Wie lange ist es her, dass Sam Jackson einen guten Film gedreht hat? Nimmt man mal seinen Cameo-Auftritt in Iron Man beiseite, muss man fast bis zu “Jackie Brown” und “Out of Sight” zurückgehen, um einen wirklich sehenswerten Film zu finden in dem Jackson dabei war. Er ist zwar gut im Geschäft und auf die Rolle des Bad-Ass-Motherfuckers abonniert, hat sich mit einem guten Dutzend Drecksfilme aber auch viel Anerkennung verspielt.
Doch auch wenn er viel zu oft in Mist wie “Snakes on a plane”, “Jumper” und “The Spirit” zu sehen ist, man sollte nicht vergessen, dass in ihm immer noch ein verdammt eindrucksvoller Schauspieler steckt.

Letztlich verdankt “Lakeview Terrace” ihm seine Qualität, denn Jacksons unheilvoll dräuende Präsenz setzt die Grundstimmung, die sich bis zum Finale langsam aber unerbittlich ins unerträgliche steigert. Sein Abel, dem man trotz seines eindeutig soziopathischen Charakters auch noch echte Gefühle abnimmt, dominiert den Film, wie er das Leben von Chris und Lisa dominiert. Ohne Jackson wäre der Streifen wohl lange nicht so unterhaltsam und fesselnd, denn die Story ist nicht grade die originellste. Und trotz des Flirts mit sozialkritischen Untertönen, ist dieser stringent erzählte Thriller dem Exploitationfilm näher, als dem Rassendrama. Natürlich ist Jackson als Abel wieder einmal den Bad MF, mit dem Unterschied, dass er diesmal wirklich richtig böse sein darf. Abel ist nicht cool, er ist gemeingefährlich.

Sein Abel ist ein pedantischer, autoritärer Bulle, der eben nur zufällig schwarz ist. Natürlich ist diese Story recht konventionell aufgezogen und bietet eher einfache Charakterisierungen, die im Rahmen der Geschichte allerdings wunderbar funktionieren. Der überraschend kurze Showdown verzichtet dankenswerter Weise darauf, einen endlosen Kampf mit einem unbesiegbaren, immer wieder aufstehenden Monster zu inszenieren, sondern gönnt Jackson eine Rest an Tragik, die seiner Figur durchaus angemessen ist.

Wirklich spannend ist die Konstruktion in der Konsequenz, mit der sie die simple Prämisse erzählt. Ein rassistischer Psychocop, der Nachbar aus der Hölle. Doch der Cop ist schwarz und so wie Lisa ihn am Anfang noch als “Brother” ansieht, ist auch der Zuschauer versucht immer noch den guten Kern in Abel zu sehen. Zu unterstellen, dass er im Endeffekt kein Arschloch sondern nur mißverstanden ist. Und er provoziert natürlich Fragen nach Rassismus. Darf ein solcher Arschloch-Cop ein Schwarzer sein? Ist ausgerechnet in Lakeview Terrace diese Konstruktion eines schwarzen Rassisten nicht besonders gewagt? Würde die Story mit einem weißen Rassisten so funktionieren? Eine ähnliche Fragestellung ergab sich damals bei der Crichton-Verfilmung “Disclosure” in der ausgerechnet ein Mann das Opfer sexueller Belästigung wurde. Und ähnlich wie dieser Film bleibt auch Lakeview Terrace tieferen Analysen und Antworten schuldig.

Aber er regt Diskussionen an und das ist mehr als man von vielen Larifari-Thrillern behaupten kann.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • http://- Bateman

    “You can listen to that noise all night. When you wake up in the morning, you’ll still be white.”

    Wenn hier Hip Hop oder so gehört wurde, dann ist das potenziell einer der besten Sprüche in letzter Zeit :-)

    Kleiner Fehlerfindung, könnt den Teil des Kommentars gerne löschen wenn behoben:

    “Einschüchterüngen” und “authoritärer”.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Jep es ging um Hip-Hop Gewummere :)

    Die Typos sind behoben. Thx!

  • http://opponent.de/ Marco

    Bateman, was ist denn an diesem Spruch so cool? Ist der etwa so genial, wie der Spruch eines “Weißen” zu einem “Schwarzen”, der aus individueller Präferenz gerne Bach hört: “Sie können das die ganze nacht hören, aber wenn Sie morgen früh aufwachen, sind sie immer noch schwarz?” Was genau verleiht denn dem Spruch die behauptete Süffisanz, jenseits seiner rassistischen Implikation?

  • http://www.splatterblog.de Andreas Port

    Jup, der Film ist cool und Jackson goßartig. Schöne Review.

  • http://- Bateman

    @Marco:

    Ich nehme an du kennst die so genannten “Whigger” (nicht nur, aber ich denke vor Allem in den USA), weiße Eminems die sich kleiden und geben wie schwarze Gangsterrapper? Die stell ich mir vor wenn Sam Jackson zu ihnen diesen Satz sagt.

    Hier spielt nicht etwa nur eine Rolle dass man Schwarze in dem HipHop-Kontext als “cooler” empfindet. Sondern zB der viele Schmuck sieht an weißer Haut für mich vielfach dämlicher aus als an schwarzer Haut. Das macht die Optik.

    Um auf dein Gegenbeispiel zurückzukommen: Wenn dein Beispielschwarzer neben seiner Bachvorliebe sich auch ansonsten möglichst “weiß” gibt, so wie sich die Whiggers in einem bestimmten Kontext “schwarz” geben, ja, dann wäre dein Beispielspruch genauso lustig.

  • Rassismuspolizei

    ui Bateman…
    ich glaube du verrennst dich da in was:
    Ein “Schwarzer” benimmt sich wie ein “Weisser”??? ist das Equivalent zum “Whigger (=White Nigger)”

    WTF????????

    Bitte um Aufklärung

  • http://www.12frames.de jAnsen

    @batzman: “Doch auch wenn er viel zu oft in Mist wie “Snakes on a plane”, “Jumper” und “The Spirit” zu sehen ist…”
    habt ihr “the spirit” schon gesehen?

  • http://- Bateman

    @Rassismuspolizei:

    “Ein “Schwarzer” benimmt sich wie ein “Weisser”??? ist das Equivalent zum “Whigger (=White Nigger)”

    WTF????????”

    Nicht das Äquivalent, das Gegenstück. Es stammt aus Marcos Kommentar. Er schrieb von einem Schwarzen, der Bach hört. Das wäre das Gegenstück zu einem Weißen, der Ketten trägt und Run DMC hört.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Ich dachte immer ein Schwarzer der sich wie ein Weißer benimmt, den nennt man Bill Cosby…

    :-]

    Und Nicks wie Rassismuspolizei gehen gar nicht… ist ja gruselig.

  • http://- Bateman

    @Batzmann:

    “Ich dachte immer ein Schwarzer der sich wie ein Weißer benimmt, den nennt man Bill Cosby…!

    Und wenn er sich dazu noch wie ein Idiot benimmt, dann nennt man ihn Michael Jackson oder :-)

    Aber mal so back to topic, wann kommt der Film denn hier in die Kinos?

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    der Film ist am 18.12. angelaufen :) also sollte schon in den meisten Kinos zu sehen sein…

  • WasSpracheVerrät

    Bach und damit implizit die gesamte Klassik und nachfolgende Kulturgeschichte über jegliche Nationalgrenze hinweg kurzerhand zur WEISSEN-Kultur zu machen, ist meines erachtens schon etwas unüberlegt (um es möglichst freundlich auszudrücken).
    Dass gerade im asiatischen Raum z.B. europäische Klassik höher geschätzt wird als im europäischen Raum, sei hier nur am Rande erwähnt.
    Aber den Asiaten musste man ja auch nicht erst mit der Brotrinde aus dem Dschungel locken, nicht wahr?!

  • http://- Bateman

    @Batzmann:

    Ah vielen Dank. Laut Kino.de leider eher nur in Großstädten. Naja dann wartet man halt auf die Verleih-DVD, danke jedenfalls für den Tip/die Review!

    @WSV:

    Kein Humor, oder? Den Bach hat übrigens User Marco eingebracht.

  • type

    “You can listen to that noise all night. When you wake up in the morning, you’ll still be white.”

    Also der Spruch kam im Film an der Stelle schon ganz witzig und zeigte eben auch die Ablehnung Abels weißer Typen die sich schwarze Mädels zu schnappen. Aber daraus jetzt ne allgemeine Rassismus-Debatte zu machen ist schon lächerlich. Und noch lächerlicher ist es, Leuten nur einen bestimmten Musikgeschmack “gemäß” ihrer Hautfarbe zu zu gestehen.

  • Zetterberg

    Der Film erinnert ein wenig an “Crash”, trotzdem ist er in allen Aspekten gelungen. Im Unterschied zur Rolle in “Pulp Fiction” sollte man aber bemerken, dass dieser “Bad Ass Motherfucka” humorlos und republikanisch ist, d.h., dass er einem wirklich, wirklich Angst macht.

    “Darf ein solcher Arschloch-Cop ein Schwarzer sein?” Ich finde, diese Frage stellt sich nicht und ist an sich ein wenig “rassistisch” für die aktuellen Verhältnisse in den USA. LAPD ist heute LAPD, egal ob schwarz, hispanic oder weiß. Die Vorurteile gegen diese Polizisten kennen heutzutage keine Hautfarbe mehr. Die Zeiten sind vorbei, deswegen finde ich es auch eher erfrischend als gewagt, dass der “Arschloch-Cop” ein Schwarzer ist. Die Konstellation ist spannend, weil es eben Vorurteile mancher Afroamerikaner aufgreift, wenn auch nur subtil und der Cop ein Fall für die Klappsmühle ist und das Rassismusthema dadurch ein wenig aufgelöst wird. Scheinheiligkeit ist auch ein Stichwort, das diesen Film ständig begleitet. Danke für den Filmtipp! Kann man weiter empfehlen…

  • http://- Bateman

    @Zetterberg:

    “LAPD ist heute LAPD, egal ob schwarz, hispanic oder weiß. Die Vorurteile gegen diese Polizisten kennen heutzutage keine Hautfarbe mehr.”

    Laut der Review werden ja auch eben diese “veralteten” rassistischen Überlegungen aufgegriffen und umgestoßen, laut denen ein schwarzer Cop doch nicht so schlimm sein kann wie ein Weißer:

    “Doch der Cop ist schwarz und so wie Lisa ihn am Anfang noch als “Brother” ansieht, ist auch der Zuschauer versucht immer noch den guten Kern in Abel zu sehen.”

    Finde ich sehr interessant.

  • Zetterberg

    “Doch der Cop ist schwarz und so wie Lisa ihn am Anfang noch als “Brother” ansieht, ist auch der Zuschauer versucht immer noch den guten Kern in Abel zu sehen.”

    Stimmt, das ist interessant. Aber dieser Punkt hat meiner Meinung nach nichts mit der Hautfarbe zu tun. Auch bei einem weißen Cop in der selben Situation hätte man versucht das Gute in ihm zu sehen. Spätestens während der Barszene. Das wir bei den kleinsten menschlichen Anzeichen in einer Person, mag sie noch so schlecht sein, versuchen das Gute zu sehen, ist nur allzu menschlich. Wieso es bei Jackson ein wenig besser funktionieren mag, liegt vielleicht daran, dass er auf eine gewisse Weise (vorübergehend) auch sehr “cool” ist. Allein der Spruch mit dem “…you’ll still be white” ist schon so genial, dass er Eindruck macht. Dieses Ressentiment, an dieser Stelle, fand ich lustig (Sympathie-Punkt für Jacksons Figur). Es ist verzwickt… auch eine Frage der Ernsthaftigkeit, wenn man sich fragt, welche Vorurteile sind erträglich oder sogar lustig und wann hört der Spaß auf.

  • http://www.12frames.de jAnsen

    @batzman: ah, glatt verpennt! zeigt auch, mit wieviel (oder wenig) aufwand der start kommuniziert wurde. seit monaten liegen flyer, pappaufsteller und postkarten mit den spirit-motiven im kino aus, aber den eigentlichen start bekommt man gar nicht mehr mit…

  • Paul

    “Darf ein solcher Arschloch-Cop ein Schwarzer sein?”
    Besser scheint hier die Frage, “Darf ein rassistischer Cop ein schwarzer sein?”

    Denn Rassismus scheint bei vielen für “Weiße” prädestiniert zu sein.
    Der typische “Hollywood-Hauptdarsteller-Schwarze” ist der gute, der versucht sich in dem ihn umgebenden Rassismus zu behaupten oder ihn zu bekämpfen. Gegen dieses Klischee wehrt sich der Film und zeigt “auch lesbische schwarze behinderte können ätzend sein” (frei nach den hosen).

    ** etwas spoiler**
    Ich muss leider sagen, dass mir der Film ansonsten nicht gefallen hat. Ich fand ihn konstruiert (Der Grund für seine Abneigung gegen gemischte Paare), stellenweise langweilig und hatte das Gefühl, das ganze schon hundertmal gesehen zu haben (wenn auch in anderer Rollenverteilung). (Könnte auch daran liegen, dass Nachbarschaftsstreits in Deutschland offensichtlich zum Volkshobby geworden sind, und ohne den rassistischen Teil, geht der Film nunmal größtenteils um die Lampe an der Fassade, Kippenstummel im fremden Vorgarten und zu laute Parties ;-))

  • http://www.lucidtones.com Maximilian

    Man, man, man. Gut das einige schon gesehen haben, das Rassimus in alle Richtungen funktioniert.
    Was an dem Spruch jetzt so sonderlich cool sein soll, das seh ich eigentlich nicht. Das liegt aber wohl daran, das er einfach uralt ist und dazu noch ne Abwandlung von nem noch viel älteren, als eben jenem, Spruch.

    Und ja, der Film, der hat gut angefangen und wurde schon in der Mitte extrem überflüssig, nicht zu vergessen das total schwachsinnige reaktionäre Ende. Ehrlich gesagt hab ich im guten Sam schon ab der Licht Thematik nur noch das psychopathische berechnende Arschloch gesehen. Und Sam selbst hat für mich nach gut 14 Jahren seinen Coolheitsbonus auch verspielt.

  • Irreversibel

    Ich finde den Film durchaus sehenswert und stimmig aber leider lässt er gegen Ende deutlich nach. Ich hatte den Eindruck, dass versucht wird den Konflikt zwischen Abel und seinen Nachbarn mit Hilfe extremerer Action interessanter zu machen. Keine gute Entscheidung. Der Showdown mag ja (zum Glück) kurz gehalten sein aber das macht ihn auch nicht weniger überdreht. Ein “stilleres” Ende hätte dem Streifen sicher gut getan. Insgesamt aber nicht schlecht. 6/10

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