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„It’s impossible!“

Originaltitel: Man On Wire
Herstellungsland: UK 2008
Regie: James Marsh
Mitwirkende: Philippe Petit

★★★★★ Renington
★★★★☆ Batz

Ich nutze die Tage zwischen den Jahren ja immer dazu, mir die ganzen Filme anzusehen, die ich über das Jahr verpasst habe oder die hierzulande nie gelaufen sind, jetzt aber wieder in den Jahresendlisten auftauchen. Und so habe ich mir heute die Dokumentation „Man On Wire“ von James Marsh angesehen.

Philippe Petit war einer der ersten Straßenjongleure in Paris, fährt auf einem Einrad durch die Gegend, ist Magier und Seiltänzer – ein Gaukler, der überall hochklettern muss und nicht nur ein kleines bisschen verrückt ist. Als er in der Zeitung davon liest, dass in Amerika die (damals) höchsten Gebäude der Welt erbaut werden, die Twin Towers, fasst er den Entschluss, zwischen die beiden Türme ein Drahtseil zu spannen und darauf zu balancieren.


(Youtube Direktwire)

Die Dokumentation folgt dabei minutiös der Umsetzung des Vorhabens, von den Vorbereitungen in Frankreich (Übungen auf dem Notre Dame) und Australien über die Beschaffung von Verbündeten im Gebäude bis hin zur Einschmuggelei des Equipments (so ein Seiltänzer braucht schließlich ein Drahtseil, dass zwischen zwei Hochhäuser gespannt werden muss und einen Balancier-Stab und sowas). Dabei erinnert die Doku an mehr als einer Stelle an Überfall-Geschichten a la „Oceans Eleven“, weil die Aktion genau das war: Quasi illegal schmuggelt sich Philippe Petit mit Equipment in das höchste Gebäude der Welt, um zwischen den Türmen einen Drahtseilakt aufzuführen.

Auch wenn ich von dieser Dokumentation nur die Hälfte verstand, weil die andere auf Französisch erzählt wird, hat sie mich voll erwischt. Denn sie beschränkt sich nicht nur auf die sowieso schon völlig wunderbare und magische Geschichte, die, das muss man ja unbedingt nochmal extra betonen, weil sie sich so völlig surreal anhört, ja tatsächlich genau so am 7. August 1974 stattgefunden hat. Nein, sie erzählt diese Geschichte auch noch in fantastischen Bildern, wunderschön geschnittenen Sequenzen und mit tonnenweise Original-Aufnahmen der Vorbereitungen, in der ein 30 Jahre jüngerer Philippe Petit sein „Verbrechen“ plant.

Eine der bemerkenswertesten Stellen des Films fand ich gegen Ende, als Petit einmal zwischen den Türmen herumbalancierte und schließlich festgenommen wurde, als alle Leute ihn fragen, warum zum Geier er das denn bitte getan hätte und er keine Antwort hat, weil es keine gibt, als er daraufhin zu einem Psychiater verfrachtet wird und der ihn, weil Petit ständig um Wasser bittet, fragt, wann er zum letzten mal etwas getrunken habe, da antwortet Petit: „Man, are you crazy? You are mad! You know what I did? I just danced on the top of the world, I’m on the frontpage of the whole world, there are 300 journalists waiting to talk to me and you are asking me: What was the last time I drank? You’re completely mad!“ Und da attestierte ihm der Psychiater komplette geistige Gesundheit.

Aus heutiger Sicht liest sich das alles wie ein Märchen, heute würde einer wie Petit wahrscheinlich in Guantanamo landen, zumindest würde er als Terrorist bezeichnet werden und man kann fast nicht glauben, dass diese Geschichte damals genau so stattfand, wenn man sie nicht grade in Originalbildern sehen würde. Snip von Wikipedia:

In an interview conducted with Zoom In Online during Man on Wire’s run at the 2008 Tribeca Film Festival, director James Marsh explained many of the reasons why he was drawn to such an inspirational, iconic documentary after his last project, the dark, incest-dabbling feature The King. First and foremost, Marsh claims the film immediately struck him as “a heist movie” and after seeing how much collaboration and exhaustive planning went into planning “the coup,” it’s easy to understand Marsh’s sentiments. Secondly, Marsh also comments that as a New Yorker himself, he sees the film as something to give back to the city. One of the greatest comments he could receive, he says, is to hear someone say that they will now always think of Petit and his performance when recalling the World Trade Center’s twin towers.

Responding to questioning as to why the towers’ destruction 27 years later was not mentioned in the film, Marsh explained that Phillippe Petit’s act was “incredibly beautiful” and that it “would be unfair and wrong to infect his story with any mention, discussion or imagery of the Towers being destroyed.”

Eine absolut fantastische, wunderschöne Dokumentation über die Geschichte eines modernen Till Eulenspiegel, einen Mann und seinen Traum, seine Obsession und darüber, dass Schönheit keinen Grund braucht. Fan-tas-tisch!

batzman

Batz meint: Konsequent als Heist-Movie inszenierte Doku die eine wirklich faszinierende Story eines phantastischen Egomanen erzählt. Die Reinheit der Schönheit tangiert lediglich die unglaubliche Selbstverliebtheit Philippe Petits, dem seine Freunde letztlich immer Mittel zum Zweck zu sein scheinen, um die eigene Vision zu befriedigen. Das Unternehmen selbst ist grandios, gewagt und inspirierend, der Mann dahinter ist letztlich dann aber doch nur ein Mensch. Und vielleicht niemand mit dem man wirklich befreundet sein möchte.

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10 Kommentare

  1. Ja, habe die doku auch letztens erst gesehen. Echt beeindruckend! Ich wundere mich bloss wo die das ganze originalmaterial herhaben, als ob sie wuessten, dass das irgendwann mal verfilmt wird.

    Lustig auch wie Phillipe die Bullen gefoppt hat und mehrmals zwischen den tuermen hin und her ist und die angegrinst hat ;) die haben sich natuerlich net getraut den verrueckten mann da von dem seil zu holen

    Kommentar #1 von ben am 28.12.2008 um 22:15 Uhr

  2. Wow! Zum ersten Male volle 5Punkte bei Euch. Will den sehen! Wie/wo bist Du auf den Film gestoßen?

    Kommentar #2 von claas am 29.12.2008 um 02:29 Uhr

  3. @ Claas: Ich bin über die Doku bei Urban Prankster gestoßen und hatte den damals mit Trailer in meinem Hauptblog vorgestellt (Dokus mache ich eher bei mir), hatte ihn dann aber wieder vergessen… jetzt ist er mir in mehreren BestOf2008-Listen wieder begegnet und da hab ich ihn mir angesehen… Wahnsinn! Pure Magie! Wunderschön! Wie man den in Deutschland im Kino sehen soll, keine Ahnung… es gibt da allerdings noch ein paar Möglichkeiten, wenn Du verstehst, was ich meine ;)

    Kommentar #3 von Renington Steele am 29.12.2008 um 03:02 Uhr

  4. Ist übrigens der bestbesprochenste Film bei rottentomatoes.com
    100% von 136 Kritikern.
    Die Doku gibt es bereits als UK-Import DVD zu kaufen.

    Kommentar #4 von justus_jonas am 29.12.2008 um 12:53 Uhr

  5. ich hab den film leider noch nicht gesehen, aber bei mir im blog ein paar fakten über petit zusammengetragen:
    henusodeblog.blogspot.com/2008...

    Kommentar #5 von bugsierer am 29.12.2008 um 13:10 Uhr

  6. @Rene: Super, danke für diesen schönen Filmtipp!!
    BestOf2008 – macht ihr auch ein 5×5 BestOf? Würde mich ja sehr interessieren. Vielleicht ist da ja noch der ein oder andere Tipp dabei – auch über die Comments

    Kommentar #6 von claas am 29.12.2008 um 13:42 Uhr

  7. der film startet am 22.1.2009 im kino, vom arsenal verleih

    Kommentar #7 von Helmut Montag am 29.12.2008 um 16:31 Uhr

  8. Habe ihn gerade gesehen. Bin sprachlos und begeistert! Anschauen!!

    Alle die einen US iTunes Account haben, haben Grund zur Freude. Seit heute gibt es den Film dort für USD 3,99 zum anschauen & kaufen.

    Kommentar #8 von Claas am 08.01.2009 um 22:48 Uhr

  9. Danke dir für die Ergänzung, Batzman. Denn Philippe scheint mir doch ein Narziss zu sein. Wo seine damalige Freundin dann gesagt hat, dass mit dieser Aktion die Beziehung ja enden müsse, weil er ja irgendwie neu geboren sei und dieses Ende der Beziehung doch auf diese Weise wunderbar sei, habe ich mir schon am Kopf gekratzt. Egal wie over the top (ha!) das ist, muss man auf dem Boden bleiben (ha!).
    Grandios dennoch.

    Kommentar #9 von monk am 08.03.2009 um 23:21 Uhr

  10. Um diese Perle mal wieder hervor zu kramen: Die Doku kommt heute um 23.45 Uhr in der ARD. Vielleicht liest es ja der ein oder andere :)

    Kommentar #10 von toasted am 13.07.2010 um 11:50 Uhr

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