
Das wäre nun also auch bald geschafft. 2008 macht die Tür zu und hat uns – neben vielen unglaublichen Hypes – auch einige wirklich gute Filme gebracht. Auch wenn grade im Blockbuster-Bereich die Enttäuschungen knapp die Oberhand behielten – aber darüber haben wir ja hier schon ausführlich berichtet. Und während die Flopliste sicher noch ohne großes Grübeln um ein gutes Dutzend Filme erweiterbar gewesen wäre, musste ich mich schon sehr anstrengen um zu überlegen welche Filme ich in diesem Jahr wirklich beeindruckend – oder oft genug auch nur unterhaltsam fand.
Hier also Batzmans Jahres Topliste:
Größte Entdeckung: Brügge sehen… und sterben?
Ein kleiner Film, der völlig ohne Special Effekte und Action auskommt. Zwei Auftragskiller werden nach einem mißlungenen Einsatz, bei dem ein Kind getötet wurde, nach Brügge geschickt um dort unterzutauchen.
Der Film schafft dass, was viele Möchtegern-Tarantinos vergeblich versucht haben: Cool zu sein ohne sich dabei in hohlen Posen und vermeindlicher Coolness zu ergehen. Die lakonische Grundstimmung die bisweilen an “Wenn die Gondeln Trauer tragen” erinnert, die stimmige Besetzung und viele skurrile, schwarzhumorige, aber nie zynische Ideen haben dieses Regiedebut für mich zu etwas ganz besonderem gemacht. Unverzeihlich: Es gab hier kein Review zu diesem grandiosen Werk, deswegen jetzt hier wenigstens eine Kurzkritik:





Glaubt man nach dem Trailer noch, einen weiteren Guy Ritchie-Rip-Off vor sich zu haben, wird man schnell eines besseren belehrt. Die Shootouts kann man an einer Hand abzählen, es dominiert ein tiefschwarzer und dennoch liebenswerter Humor, eine tiefe Zuneigung zu den Figuren die karikiert gezeichnet werden, ohne gänzlich zur Karikatur zu geraten. Brügge dominiert den Film mit seiner Atmosphäre und wird folgerichtig auch eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Melancholie und Trauer mischen sich mit Witz und abstrusen Situationen. Nie wird der Film hektisch, nie langweilig. Collin Farrell manövriert sich mit Dackelgesicht und kindlichen Grimassen durch den Film, doch seine unreife Art, das Benehmen eines verstörten Teenagers passt zu seiner Rolle, die im geerdeten abgeklärt-nachdenklichen Brendan Gleesan ihren passenden Gegenpol findet. Ralpg Fienes als Arschloch mit Ehre überzeugt einmal mehr, als er es je in seinen sympathischen Rollen konnte.Clémence Poésy gibt dem Film seine leichten und lebendigen Momente und schafft es auf sympathische Weise durchtrieben dreinzuschauen. Ein liebenswerter Film, der nach Hirn- und Herzlosem Poser-Geballere wie Smoking Aces dringend gebraucht wurde.
Herzerwärmenster Film: Der Sohn von Rambow
Ja Juno war auch niedlich, aber verliert gegen Son of Rambow ganz knapp, weil seine unterschwellige ProLife-Message dann doch etwas preachy daherkam. Die turbulente Retro-Story um zwei filmverrückte Jungs, die sich in den Kopf setzen ihre eigene Fortsetzung von Rambo zu drehen und dabei am Ende die ganze Schule einspannen war einfach einer der liebenswertesten Streifen dieses Jahres und zudem ein Beweis, dass man Regisseure nicht vorzeitig verdammen sollte. Die Macher von Son of Rambow hatten zuvor den völlig humorfreien Per Anhalter durch die Galaxis verbrochen. Aber ich bin ja nicht nachtragend.
Bestes Remake 2008: Get Smart
Klar, das ist kein großer oder wichtiger Film. Aber in einer Zeit in der grauenhaft schlechte Remakes flutwellenartig die Lichtspielhäuser durchseuchen, bin ich froh über jeden Film der seiner Vorlage keine Notzucht angedeihen lässt. Get Smart ist wirklich ein gelungenes Update der alten Serie mit Don Adams. Es gibt genug Verweise auf das Original ohne sklavisch daran zu kleben. Es ist der stimmige Grundton, das unernste ernste des Maxwell Smart, das Steve Carell kongenial einfängt. Nebenbei stimmt die Story, die Gadgets und die Action – für mich der bessere Bond-Film 2008.
Bester Film den keiner gesehen hat: Ben X
Visuell und akustisch ein herausragender Film, der sich einem klassischen “Problem”-Thema sehr unkonventionell nähert. Überzeugend gespielt und inszeniert fasselt die Geschichte des am Asperger Syndrom erkrankten Ben, der sein wahres Leben nur in einem Online-Rollenspiel ausleben kann. Überraschend auch, dass der Film so gar nicht die sonst übliche Dämonisierung der Computerspiele betreibt, sondern das Spiel geschickt als Katalysator der Story benutzt. Unbedingt sehenswertes Kleinod aus den Niederlanden.
Guilty Pleasure des Jahres: Mamma Mia!
Die Handlung ist platt. Die Darsteller können bis auf Meryl Streep nicht wirklich singen. Das ganze ist Kitsch pur. Die Musik ist von ABBA! Scheissdrauf. Mamma Mia macht als Film fast soviel Spaß wie auf der Bühne. Die Simple Handlung wird mit derartiger Spielfreude, Selbstironie und unbedingtem Willen zum gehobenen Trash dargeboten, dass es schwerfällt das Ganze nicht zu mögen. Zwei Stunden abschalten und sich mit debilem Grinsen auf eine griechische Insel entführen lassen. Here we go again…!
Comic-Verfilmung des Jahres: Iron Man
Vergessen wir The Dark Knight, den Ledger-Joker-Hype und die ganzen bemühten Anspielungen auf die Weltpolitik. Wenn es um Unterhaltung und Spaßfaktor geht, gibts in diesem Jahr nur eine Adaption die wirklich ernsthaft in Frage kommt. Nach Ewigkeiten mal wieder ein Comicfilm für Erwachsene und für Männer. Keine Jammerlappen-Selbstfindungsheulereien wie bei Spider-Man, kein Romantik-Liebesdrama-Mist wie bei Superman. Robert Downey Jr. ist Tony Stark und er trägt den Film durch seine Präsenz fast alleine. Der Humor bleibt immer knapp und trocken, es werden kleine satirische Seitenhibe gegen das Militär und die Rüstungsindustrie verteilt, ohne das der Film sich dabei Inhaltsschwer oder superwichtig nimmt.
Fun-Film des Jahres: Tropic Thunder
Und noch ein Film der Spaß gemacht hat. Ben Stiller lieferte eine fluffig Hollywood-Komödie ab, die zwar niemandem wehtat, aber durch eingesprengselten schwarzen Humor und eine Mordsbesetzung bestens zu unterhalten wusste. Nach dem unterschätzten Zoolander mal wieder ein Film der gekonnt am Rande der Groteske balancierte. Robert Downey Jr. als eitler australischer Method-Acting-Fatzke war genauso unterhaltsam wie Tom Cruise der die erschreckende Karikatur eines Produzenten abgab – und für dieses Cameo mehr Lob einheimste, als für die fünf letzten Hauptrollen.
TV-Serie des Jahres: Dead Set
Das vereinigte Königreich empfiehlt sich seit Jahren mit exzellenten, smarten Serien, die weitaus origineller und gewagter sind als alles was aus Deutschland oder den USA zu uns kommt. Ob Spooks, Skins, Doctor Who Leider schaffen es nur wenige davon über den kleinen Teich. Ebenfalls noch nicht für Deutschland geplant, aber schon auf DVD erhältlich ist die im November ausgestrahlte Mini-Serie Dead Set – England wird von einer Zombieplage überrannt, nur die Insassen des Big Brother-Hauses bekommen nichts mit. Während ringsherum die Menschen zerfleischt werden, wundern sich die Bewohner noch immer wie sie wohl draussen ankommen und wer als nächstes rausgewählt wird. Als die Zombies ins Studio eindringen, wird das Big Brother-Haus zur Festung und letzten Zuflucht. Eine wirklich großartige Serie, die sowohl den satirischen Anteilen der Story Rechnung trägt, als auch eine handfeste Zombie-Story erzählt, die auch vor derben Szenen nicht zurückscheut. Witzig: Davina McCall – die Moderatorin des echten UK-Big Brother – spielt sich selbst… auch als Zombie.
Schock des Jahres: Der Nebel
Der Nebel gehörte immer zu meinen Lieblings Novellen von Stephen King. Die düstere Geschichte um das monströse Grauen, dass blitzartig über eine kleine Gemeinde hereinbricht und die wenigen Überlebenden als gesellschaftlichen Mikrokosmos zusammenpfercht verband den 50er Jahre Paranoia-Horror mit der Furcht vor politischer Verführbarkeit und religiösem Wahn. Frank Darabont hat die Novelle kongenial verfilmt und ein wirklich schockierendes Ende ergänzt. Selbst die mittelmässigen Tricks können dem Film nichts anhaben.
Fieser Bastard des Jahres: No Country for Old Men
Javier Bardem war – bei allen kleinen Schwächen die der Film hat, eindeutig der creepigste Bösewicht des Jahres. Gegen ihn wirkt der Joker verspielt und harmlos. Die blutige und harte Katz- und Maus-Geschichte mit dem überraschend offenen Ende und einem Klimax der im Off stattfindet, ist für mich der bessere der beiden Erwachsenen-Hype Filme. Während mich Daniel Day-Lewis Performance im Öl-Epos There Will Be Blood eher zum unfreiwilligen Lachen reizte, war Javier wirklich beeindruckend. Wieviele Bösewichte sehen schon aus wie Bata Ilic?
Creature-Feature Sonderpreis: Hellboy II – Die goldene Armee
Ich mag Hellboy, den warmherzigen Humor der Figuren. Die überbordende Phantasie von Guillermo del Toro, die familiäre Atmosphäre des Films, die vielen animatronischen Figuren, die grandiosen Masken und die altmodische Erzählweise des Films. Ron Perlman wird leider nicht jünger, es steht zu bezweifeln ob wir ihn noch einmal als roten Riesen erleben dürfen, so vollgepackt wie del Toros-Terminkalender ist, hätte er wohl frühstens 2015 wieder Zeit sich um seinen Höllenjungen zu kümmern. Doch besser zwei gute Filme als Schrott in Serie, wie es bei anderen Comicverfilmungen die Regel ist.
Jet Strajker
Bei mir gibt’s ganz spießig eine klassische Top 10. Und die sieht wie folgt aus:
10. Drifter (D, Sebastian Heidinger)
Sehr überlegt inszenierter Dokumentarfilm über die Jugendprostitution am Bahnhof Zoo, jenseits von “Christiane F.”. Mit emotionaler, nicht aber räumlicher Distanz nähert sich Heidinger einem sozialen Problembereich in der Nische: Das Quasi-Lichten einer Grauzone geschieht mit der nötigen Subtilität und für einen jungen Regisseur von der Film-Uni erstaunlich unprätentiös. Ein Film, der mich nicht zuletzt wegen seines unkonventionellen, szenischen Konzepts beeindruckt hat.
9. Once (IE, John Carney)
Eine wundersame Liebesgeschichte über die Kraft der Musik. Sicher, ein wenig ist der irische Independentfilm cheesy inszeniert, manchmal gar orientierungslos, aber er ist dabei eben auch unbeholfen sympathisch und stets aufrichtig. Mit zwei großartigen Hauptdarstellern und noch großartigerer Musik einer der schlicht schönsten Filme des Jahres.
8. Mamma Mia! (USA/GB/D, Phyllida Lloyd)
Nach einem Trailer mit hoher Fremdschämgarantie erwies sich die Kinoumsetzung des beliebten Stage-Musicals um die ABBA-Klassiker als unbekümmertes Camp-Fest, das so viel Lebensfreude und Gute Laune versprüht wie kein anderer Film 2008. Eskapismus in Reinkultur, wunderbar besetzt. Und mit Mut zur Peinlichkeit.
7. WALL·E (USA, Andrew Stanton)
Ein Film über die stille Liebe zweier Roboter. Inmitten “Hello, Dolly!” als kommunikativer Vermittler – die Sprache eines jahrhundertealten Films auf Video reift zur einzigen Sprache eines volldigitalen Films, der 700 Jahre in der Zukunft spielt. Die erste Hälfte gar von ungeheuerer Brillanz, eine bewegende und komplexe Studie über Einsamkeit und Verstummung – in einem Kinderabenteuer! Danach schlittert “Wall-E” zwar über bekanntes Terrain, dennoch hat Pixars Quasi-”E.T. 2.0″ mein Herz im Sturm erobert.
6. Schmetterling und Taucherglocke (F/USA, Julian Schnabel)
Julian Schnabels Interpretation eines Schicksals. Von Jean-Dominique Bauby, der nach einem Schlaganfall vollständig gelähmt ist – und nur mit seinem linken Auge kommunizieren kann. Bauby schrieb im Krankenhaus ein Buch: Er diktierte es ausschließlich über seinen Lidschlag, nur wenige Tage nach Veröffentlichung starb er 1997. Diese unglaubliche, bewegende Geschichte verarbeitet Schnabel als filmische Rekonstruktion zu einem humanistischen Manifest. Zunächst experimentell, später konventionell, aber immer mit einem Höchstmaß an inszenatorischer Konzentration. Da ich dieses Jahr erstmalig Dalton Trumbos Meisterwerk “Johnny got his Gun” gesehen habe, blieb der große Effekt der filmischen Erzählsubjektive leider aus, dennoch ist “Schmetterling und Taucherglocke” ein großartiger Film. Und es ist fast allein Janusz Kaminskis Film.
5. Otto; or, Up With Dead People (CA/D, Bruce La Bruce)
Ein poetischer Zombiefilm. Otto, der queere Untote, watschelt durch die Überreste des Plänterwaldes, fährt mit der U1 durch Berlin – und landet in einem Underground-Film einer lesbischen Kapitalismuskritikerin. Zwischen Gedärm und Blut und Bauchhöhlenficks findet Bruce La Bruce, in seinem ersten wirklich schönen Film, einfühlsame Bilder für Coming-Out-Nostalgie und Sinnsuche. Ein höchst faszinierender, verspielter Film. Mit Sicherheit die größte Überraschung des Jahres. Hier noch mal der Verweis auf die Filmfreunde-Kritik.
4. So Finster die Nacht (SE, Tomas Alfredson)
Der originellste, abgründigste, schönste Vampirfilm seit langer, langer Zeit. Klug und komplex spinnt er Motive von Anne Rice weiter, erinnert dabei manches Mal an Astrid Lindgren. In erster Linie aber ist es ein Film über Kinder, der sich in vielerlei Hinsicht sehr überlegt mit Sexualität und Gewalt auseinandersetzt. Ein bemerkenswertes Seherlebnis.
3. Chanson der Liebe (F, Christophe Honoré)
Was zunächst wie eine leicht verrückte Hommage an Jacques Demys “Les Parapluies de Cherbourg” erscheint (immerhin spielt Catherine Deneuves Tochter auch noch eine tragende Rolle), ist nicht weniger als das entzückend schönste Filmmusical des Jahres. Verspielt, leichtfüßig und oft auch sehr frech erzählt Christophe Honoré hier eine ganz wunderbar beiläufig queere Geschichte über Liebe und Tod in regnerischen Bildern. Die Songs sind absolut großartig, die Schauspieler umwerfend. Und das ganz besonders Tolle an diesem Film ist seine Bezugnahme auf die Nouvelle Vague und die ewig gleichen Mann-Frau-Beziehungsgeschichten eines Jean Luc Godard – nur um deren heterosexuelle Klischees zu überwinden. Es ist außerdem der einzige Film, der mir in diesem Kinojahr Freudentränen entlocken konnte.
2. Sweeney Todd (USA, Tim Burton)
Tim Burton hat sich nicht länger vor der Herausforderung eines Realfilmmusicals gedrückt. Und er ist nicht, wie selbst viele Altmeister, an der inszenatorischen Komplexität des Genres gescheitert. Noch dazu hat es der Regisseur nicht gescheut, die heiligste Kuh aller Musicals zu adaptieren, nämlich Stephen Sondheims Jahrhundertkomposition vom teuflischen Barbier auf Rachefeldzug. Das Ergebnis ist überwältigend: So ökonomisch und punktgenau inszenierte Burton seit “Ed Wood” nicht mehr. Die perfekte Schauspielführung, das brillante visuelle Konzept, die betörende Neueinspielung der Musik – auch nach 6 Sichtungen allein in diesem Jahr mein persönlicher Lieblingsfilm 2008.
1. There Will Be Blood (USA, Paul Thomas Anderson)
Nach einem großartigen (“Boogie Nights”), einem herausragenden (“Magnolia”) und einem entzückend-schönen (“Punch-Drunk Love”) Film hat P.T. Anderson hier sein erlesenes Meisterwerk vorgelegt. Wenn es im Jahre 2008 noch gelingt, ästhetisch so außerordentlich originell wirken und neue filmische Gestaltungsmittel derart beeindruckend für sich beanspruchen zu können, dann gehört das natürlich ganz oben an die Jahresspitze. Andersons Kraft durchdringt dabei jede Ebene der Inszenierung, der Film über ein Monster wird zum Monstererlebnis, im völligen Bewusstsein seiner künstlerischen Mittel. Der beste amerikanische Film seit “Brokeback Mountain”.
Renington Steele
Das Jahr in zehn Filme herunterzubrechen ist ja immer ein bisschen kompliziert und dann sitzt man vor einer Liste aus fünfzig Filmen, oder so, und muss nun 40 davon streichen, dabei will man eigentlich jeden einzelnen davon wie Jack Black in „High Fidelity“ jedem anderen ans Herz drücken und dabei murmeln „…und alles wird gut!“ Auf der anderen Seite bin ich ja Fan von Listen und ehrlich gesagt macht mir diese destillierten Jahresdinger einen Heidenspaß. Hier also meine Top 10, gefolgt von ein paar honorably mentions.
10. Parallel Worlds, Parallel Lives
Eine Dokumentation über Paralleluniversen und Pop. Der Frontman der Eels, Mark Everett, einer weltweit erfolgreichen Indie-Band, geht darin auf Spurensuche nach dem Vermächtnis seines Vaters, einem wegweisenden Quantenphysiker, der die Theorie der Paralleluniversen erfand und der, nachdem seine Theorie in seinem Fach abgelehnt wurde, in Deppression versank und sich schließlich umbrachte. Sein Tod (und der seiner Schwester und der Mutter) zieht sich wie ein roter Faden durch das musikalische Schaffen seines Sohnes und diese Dokumentation von Mark Everett selbst, geht seinen eigenen Wurzeln auf den Grund. Paralleluniversen und Pop, viel besser gehen Dokumentationen nicht. (Gehen sie doch, sehen wir später noch.) Die Doku ist komplett online zu sehen.
9. Hellboy 2
Sehr schönes Sequel zum ohnehin schon starken Vorgänger. Ron Perlman in seiner Paraderolle des ihm scheinbar auf den Leib geschriebenen Big Red, alle Nebenrollen bis ins letzte fantastisch besetzt, wunderbare Tricks, wunderbare Ideen. Fantasy wie sie sein soll. Guillermo Del Toro ist der neue Jim Henson und das hat, glaube ich, so noch keiner gesagt. Deshalb sag’ ich’s nochmal: Guillermo Del Toro ist der neue Jim Henson.
8. Der Nebel
Eine recht konventionelle King-Adaption, stringent erzählt. Die von vielen als „billig“ empfundenen Effekte empfand ich erfrischend mutig „billig“, Mut zum Trash, ohne Auswirkungen auf die einfache, aber schlicht gute Geschichte mit ihrem zutiefst amerikanischen Religions-Nebenstrang. Würde eigentlich unter „Schön, aber unauffällig“ sortiert werden, wäre da nicht dieses abartig fatalistische Ende, diese Negation des Happy Ends im Happy End. Da stockte mir tatsächlich der Atem, und das ist diesen Platz allemal wert.
7. Wall-E
Alleine die ganzen Geek-Anspielungen in „Wall-E“ sind ja bereits einen Platz in den Jahres-Listen wert, der Mac-Startton beim Hochfahren von Wall-E, wäre da nicht noch die völlig starke erste Hälfte des Films, die nur so vor Gesellschaftskritik und Philosophie strotzt. Was kann man in die einsame Aufgabe Wall-Es alles hineinlesen, fantastisch! Einen interpretationsfreudigeren Animationsfilm im Mainstream habe ich selten gesehen. Danach versinkt der Film zwar ein wenig in Standards, ist aber immer noch wundervoll genug.

6. Dead Set
Eigentlich eine Serie des englischen Channel 4, wird aber auf DVD als Film vertrieben, deshalb also hier: Der bissigste Zombiefilm der letzten Jahre, das beste untote Fleisch seit dem „Dawn of the Dead“-Remake. Der Film, der „Diary of the Dead“ von Romero gerne hätte sein wollen und das blutigste Stück Film, den das Fernsehen jemals gesehen hat. Bissige Medienkritik (Big Brother gets eaten alive!) trifft auf klassisches Zombieszenario und obwohl die Zombies rennen muss ich sagen, dass Dead Set wohl der beste Zombie-Film des bisherigen Jahrtausends ist. Und das liest sich doch mal wirklich enorm stark, ey!
5. No Country for old men
Der letzte ernste Coen-Film hinterließ mich am Ende mit ein paar Fragen, dafür aber begeisterte er mich in den vorangehenden zwei Stunden mit der prächtigsten Killer-Frisur, die ich seit Jules Winfield jemals im Kino gesehen habe. Ein typischer Coen, typisch kryptisch, diese Mixtur aus Hitchcock und Lynch begeistert mich immer wieder, weshalb mir die Fragen dann auch sehr egal sind. Am Ende bleibt nur Bata Illic.
4. The Dark Knight
Schaut man sich „The Dark Knight“ an, kommt einem „Batman Begins“ wie eine Fingerübung vor. Wunderbar inszeniert, dramaturgisch äußerst gekonnt erzählt, alle narrativen Ebenenen wie von einem guten Deejay ineinander verschachtelt und zum Schluß zu Ende gebracht. Dazu schaffte es Christopher Nolan, die psychologische Note von Bruce Wayne, die Zerrissenheit des Charakters, den inneren Kampf mit seiner Kunstfigur Batman, glaubwürdig auf die Leinwand zu bannen. Dass diese Zerrissenheit soweit gehen musste, dass er dem Fledermausmann gleich mit die Stimmbänder durch ein Reibeisen erstetzen musste, verzeihe ich Nolan einfach mal. Starker Film!
3. Let the right one in
Ich schaue mir normalerweise sehr selten Filme im schwedischen Original mit englischen Untertiteln an, und wenn ein solcher bei mir am Ende des Jahres auf Platz 3 landet, dann muss man mir einfach mal glauben: Ein völlig wunderbarer, düsterer, harter, wunderschön erzählter Film, bei dem es nun wirklich keinerlei Rolle spielt, ob Eli nun Bub oder Mädchen ist, sondern allein die Kraft der Bilder, die Schluchten zwischen den Plattenbauten, das ständig präsente Schwarz, die dabei wunderbar kleinteilig erzählte Annäherung von Oskar und Eli. Dazu Blut und Gore, spärlich eingesetzt in fantastischen Bildern.
2. There will be Blood
Paul Thomas Anderson gehört zu meinen Lieblingsregisseuren, auch wenn er sich mit „Punch Drunk Love“ einen unverständlichen und überflüssigen Fehltritt geleistet hat. Dazu waren „Boogie Nights“ und „Magnolia“ zu wegweisend. Und jetzt hat er mit „There will be blood“ sein Meisterwerk abgeliefert. Ein Film über Kraft und menschlichen Willen, durchtränkt von (nicht Öl, sondern) Egozentrik, ein Film, der das wirtschaftliche Prinzip von Adam Smith quasi auf den Kopf stellt. Nach dessen Logik ist das Streben jedes Einzelnen nach Vorteilen auch zum Vorteil der Gemeinschaft, „There will be Blood“ bezweifelt dieses Modell und zeigt das Streben des Menschen nach Macht und Geld über jegliche Grenzen und Opfer hinweg, als einen Weg des Scheiterns im scheinbaren Sieg. Am Ende hat der Protagonist alle besiegt, alle, seinen religiösen Widersacher, sogar seinen eigenen Sohn. Was ihm bleibt ist seine reiche, versoffene Gosse aus Leid. Grandios, nicht zuletzt dank den fantastischen Soundtracks von Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood.
1. Man On Wire
Philippe Petit spannt ein Drahtseil zwischen die Twin Towers und balanciert auf ihnen herum. Was sich banal anhört ist eine der wunderbarsten Gaukler-Geschichten des 20. Jahrhunderts und diese wurde so dermaßen fantastisch in dieser Dokumentation umgesetzt, dass einem manchmal die Worte fehlen. Diese kleinen Details zur Crime-Story, dieses ungemein ungestüme künstlerische Hirn von Petit, der über die komplette Filmlänge den Erzähler gibt, diese fantastische Einstellung („It’s impossible! – Lets start to work!“), dieses wirklich Leben eines Traums. Und was für ein Traum das ist: Tanzen auf dem Dach der Welt, in der Metropole, dem Zentrum der Welt.
Neben dieser sowieso schon tollen Geschichte wird dir Doku erzählt im Stil einer Kriminal-Geschichte, ein klassisches Überfall-Kommando, heute wären sie Terroristen. Damals gaben Polizisten zu „It was a once in a Lifetime-Thing“. Für mich das Must-Watch des Jahres 2008.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Dezember 30th, 2008 •
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