
In der Rückschau wird 2008 sicherlich nicht grade als legendäres Filmjahr in Erinnerung bleiben. Denn trotz einiger Entdeckungen und Topfilme, die wir ja HIER aufgelistet haben, gab es auch viel – viel zuviel – Schrott. Gerade die großen Studios haben sich mal wieder nicht mit Ruhm bekleckert und falls Fox sich nicht mächtig zusammenreisst, wird es wohl auch 2009 als Produzent massiv beworbener Flopfilme im Gedächnis bleiben.
Hier also unsere Shitlist 2008, ich mach dann mal den Anfang:
Der Love Guru – Comedy Interruptus Award
War Mike Myers nichtmal wirklich lustig. Hier reichten die Gags nichtmal für den Trailer. Ein Fest des Fremdschämens, grade weil ich Austin Powers – Spion in geheimer Missionarsstellung wirklich mag und für den besten Bond-Film der 90er halte.
Jumper – ADS-Film des Jahres
Was für eine unfokussierte Scheisse. Ein Film der sänmtliche Dramaturgie in den ersten zehn Minuten über Bord wirft und sich einzig auf die hibbeligen Actionszenen fokussiert, die man sich auch schnell übergesehen hat. Anakakin Skywalker gibt den arschlochigsten Helden der Saison und selbst Billy Elliot kann das konfuse und Höhepunktslose Durcheinander nicht retten. Schlimm: Die Fortsetzung ist schon beschlossen.
8 Blickwinkel – Rashômon-Ripoff-Gedenkpreis
Rashômon oder besser Hoowinked für Hirntote. Eine Produkt das aus seiner semi-originellen Prämisse so gar nichts macht und nebenbei wohl eine der passantenverachtensten Verfolgungsjagden der letzten Jahre bietet.
Mirrors – Zweitblödestes Remake des Jahres
Kiefer Sutherland als emotional beschädigter Cop der mit bösen Wutzen aus der Spiegelwelt kämpft. Ein Film völlig ohne Logik und eigene Ideen, bei dem man wirklich jedes Bild schonmal besser gesehen hat.
Ruinen und The Happening – Fleurop-Horror des Jahres!
Und wenn wir grade bei strunzeblödem Horror sind: Ruinen schießt hier wirklich den Vogel ab, denn die Mär vom schlechtgelaunten Weinlaubhaufen der eine Horde amerikanischer Doofbratzen ins Unglück lockt dürfte wohl als idiotischste Storyidee des Jahres durchgehen. Moment, stimmt gar nicht denn ein Pflanzenhorror war noch blöder: M. Night Shyamalan s Ökoheuler The Happening. Mark Wahlberg flüchtet vor Durchzug, quatscht mit Plastikblumen und ich wünsche mir die Blumen des Schreckens zurück. Es bleibt die Erkenntnis aus Der Kleine Horrorladen: Don’t feed the plants!
Eagle Eye – Ausser Kontrolle – Hanebüchen-Award 2008
Shia LaBeouf ist Hot-Property. Spielbergs neuester Lieblingsziehsohn durfte nicht nur Indiana Jones die Show stehlen, sondern wurde auch gleich noch in diesem Tech-Paranoia-Thriller verwurstet, dessen Plot nunmal so gar keinen Sinn macht. Was beginnt wie eine halbspannende Disney-Version von The Game verwandelt sich in einen schlechten Mix aus Colossus und I, Robot. In den 60ern wäre man mit dem hanebüchenen Scheiß vielleicht noch durchgekommen, doch heute gewinnt dieses Adlerauge bei mir keinen Blumentopf mehr. Das sülzig patriotische Ende stösst obendrein noch sehr sauer auf und entlarvt alle “kritischen” Untertöne am Ende als extrem verlogen.
Untraceable - Längster Antiraubkopier-Spot des Jahres
Wenn es einen Preis für den reaktionärsten Technothriller gäbe, wäre dieses Machwerk ganz sicher der Sieger. Eine extrem unangenehme und verlogene Mischung aus Folterporno, Antiraubkopiererpropaganda und Verherrlichung der Totalüberwachung. Dieser feuchte Traum aller Rechteverwalter, die Schwarzgucker am liebsten in Guantanamo sähen und ansonsten die gelebte Doppelmoral propagieren ist wohl einer der ärgerlichsten Filme des vergangenen Jahres.
2008 war aber vor allem auch ein Jahr, in dem einen alte Freunde bitter enttäuschten:
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels – Render-Affen!
Nach dem gar nicht so schlechten Stirb Langsam 4.0, der zeigte, dass man Fortsetzungen von Action-Ikonen auch einigermaßen Würdevoll über die Bühne bringen kann, nach vielen Aussagen von Spielberg und Lucas, dass sie mit Indy 4 einen ganz altmodischen Film abliefern wollten, der sich eng an den Vorgängern orientiert, war das Ergebnis dann doch ein Schlag ins Gesicht aller Fans. So nett es ist Harrison Ford noch einmal mit Schlapphut zu sehen, so ärgerlich war der Film als Ganzes. Computertricks an allen Ecken und Enden, pubertärer Kinderhumor, digitale Erdhörnchen, Affen und Käfer, kitschige Außerirdische, uninspiirierte Actionszenen und ein Indiana Jones, der neben Teeniestar Shia LaBeouf nur die zweite Geige spielte und die meiste Zeit im Weg herumstand. Nach Star Wars I-III ein weiterer Film, der die Heroen der Kindheit brutal notzüchtigte.
Akte X – Jenseits der Wahrheit - Ödeste TV-Folge im Kino
Wirklich Mulder und Scully ich mag euch. Ich hab grade im Sommer nochmal die ersten paar Staffeln geschaut und festgestellt, wie gut Akte X damals wirklich war. Doch im Kino funktioniert es einfach nicht mit euch. Der erste Film war gruselig und auch dieser verspätete Neuanlauf hatte eigentlich nichts auf der großen Leinwand zu suchen. Das größte Geheimnis dieses schaumgebremsten Ethno-Abenteuers war: Was hat Chris Carter all die Jahre gemacht, wenn er nach so vielen Jahren diesen öden Heuler präsentiert? In einer Zeit in der Paranoia Konjunktur hatte wie nie zuvor zu den aktiven Zeiten der Serie, fiel Carter nichts besseres ein als ein pädophiler Priester und russiche Experimente? I want to believe, aber das war wirklich ein Griff ins Klo!
Krabat - Größte persönliche Enttäuschung
Ich habe mich wirklich auf den Streifen gefreut. Ich mag Marco Kreupaintner, ich mag Stadlober, Brühl und auch den Rest der Besatzung. Ich liebe die alte Verfilmung und die Story um Krabat, aber leider fand sich vom Zauber der Vorlage, der realen Düsternis fast nichts im fertigen Film wieder. Weder die Bilder, noch die Dramaturgie überzeugten und David Kross mit angeklebtem Pornoschnurri hat sich leider als Fehlbesetzung des Jahres entpuppt, der mit der Rolle hoffnungslos überfordert war.
Ich freue mich dennoch, dass sich der Film ganz respektabel an der Kinokasse geschlagen hat, gibt er doch Hoffnung, dass auch zukünftig in Deutschland Genrekino mit phantastischen Sujets gewagt wird… und vielleicht das nächste mal erfolgreicher.
Der Tag, an dem die Erde stillstand – Blödestes Remake des Jahres!
Gut der Film hat seine gute Seite: Ich hatte einen Anlaß mir noch einmal das Original anzusehen. Was trotzdem den schalen Beigeschmack hatte, sich das altes Fotoalbum anzugucken, nachdem man sah wie ein Hund an die Familiengruft gepisst hat. Mag auch der alte Film von christlichem Subtext durchdrungen sein und mit seiner Aussage “Wer den größeren Knüppel hat legt die Regeln fest” zumindest fragwürdig erscheinen – er ist in jedem Fall sympathischer, unterhaltsamer und diskussionswürdiger als diese fußlahme Reinkarnation mit Keanu Reeves als muffeligem Aushilfsjesus, der uns halbgare Ökomessages aufzwingen will. Schlechte Dialoge, schlechte Effekte, das unausstehliche Gör von Will Smith und ärgerliche spirituelle Symbolik machen diesen Film zu einem Totalausfall!
Mir würden wohl noch einige mehr einfallen… aber die Kollegen sollen ja auch noch zu Wort kommen.
Jet Strajker meint:
Ich habe dieses Jahr erstmalig nicht die Muße, eine ausführliche Flop-List zu erstellen, geschweige denn den ganzen Crap auch noch zu ranken. Viel zu viel Schrott musste ich sehen, bei knapp 100 Kinobesuchen waren einige mittelschwere Katastrophen nicht zu vermeiden:
Schrott, aber mit erkennbaren Ansätzen und/oder kurzen Geistesblitzen:
[REC] / Be Kind Rewind / I am Legend / Lars and the Real Girl / Science of Horror – Wenn die Kettensäge zum Penis wird / Speed Racer
Schauderlich:
Cassandra’s Dream / Die Welle / Frontière(s) / Rambo / Star Wars: The Clone Wars / The Bucket List / The Good Night / The Incredible Hulk / The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor / You Don’t Mess With the Zohan
Besseres Brechmittel :
À l’intérieur (Inside) / Babylon A.D. / Der Baader Meinhof Komplex / Doomsday / Inkheart / KeinOhrHasen / Krabat / Mirrors / Paranoid Park / Prom Night / Saw IV / The Day the Earth Stood Still / The Mist
Höllenqualen:
10,000 B.C. / Bedtime Stories / Dream Boy / Eagle Eye / Funny Games U.S. / La Terza madre (Mother of Tears) / Never Back Down / Street Kings / The Accidental Husband / The Happening
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Dezember 30th, 2008 •
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