You can serve Germany, or the Fuhrer. Not both.
Originaltitel: Valkyrie
Herstellungsland: Deutschland/USA 2008
Regie: Bryan Singer
Darsteller: Tom Cruise, Kenneth Branagh, Carice van Houten, Bill Nighy, Terence Stamp, Tom Wilkinson, Thomas Kretschmann, Christian Berkel




Jet Strajker




Batzman
Man wird ja nun wahrscheinlich niemals erfahren, wie “Valkyrie” denn eigentlich ausgesehen hätte, wenn die gesamten Produktions- und Distributionsbedingungen nicht von Anfang ein derart reges, öffentliches, mediales Interesse auf sich gezogen hätten. Und der Film dadurch nicht mit allerlei Bedeutung aufgeladen worden wäre: Drehverbot im Bendlerblock, Scientology-Diskurs, verletzte Statisten. Fast zwei Jahre nun, nachdem die erste Klappe fiel, einen Courage-Bambi und mindestens fünf freiwillige Cruise-Lobgesänge von Florian Henckel von Donnersmarck später kann der fertige Stauffenberg-Film natürlich keine seiner Erwartungen erfüllen – es ist weder das vermutete peinliche Trash-Debakel, noch ein sehenswerter Geschichtsfilm. Oder überhaupt so etwas wie ein Film. Eher noch erinnert es irgendwie an eine Faschingssause, für die sich Cruise mal in ein hübsches Grafenkostüm schmeißen durfte.
Dass Bryan Singer hier nur als ausführender Handwerker angeheuert wurde, durfte wohl zu Recht vermutet werden. Immerhin war “Valkyrie” von Anfang an als Prestigeproduktion vorbelastet, es musste der Film werden, der Cruises neu erworbenes Studio United Artists wieder in die Gewinnzone manövriert, nachdem der hübsch ambitionierte und ebenso hübsch harmlose “Lions for Lambs” gewaltig floppte. Insofern durfte man davon ausgehen, dass der Film die Versprechen einer One-Man-Show einlösen würde, nachdem gar gemunkelt wurde, dass die Produktion für die Cruise-Sekte so etwas wie ein dämonischer Plan sei, in Zuge dessen der Hollywoodstar Kraft seiner Scientology-Fähigkeiten die Deutschen vor dem Untergang errettet. Aber nun ja, erstens war das dem Grafen ja ohnehin nicht vergönnt, und zweitens hat die Über-Präsenz des Hauptdarstellers und der Produktion das ganze Projekt erst einmal für ein Jahr ins Abseits befördert.
Was sich da jetzt zu Deutsch “Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat” nennt, ist – wie man es sehen möchte – nun der Torso dessen, oder das bestmögliche Ergebnis, oder vielleicht auch Plan B. Dass Singers Film in seiner jetzigen Form zweifellos erst im Schneideraum zu einer Form gefunden hat, merkt man zumindest in jeder Szene: Die ständigen Parallelmontagen wirken in ihrer Aufdringlichkeit und Redundanz dabei wie die verzweifelte Bemühung, der bekannten Geschichte so etwas wie Suspense zu implementieren. Überhaupt ist “Valkyrie” lediglich ein Thriller, ein braver Krimi, durch den Singer ein laues Lüftchen Spannung zu blasen versucht. Es geht über zwei Stunden um nichts außer der Vorbereitung eines Attentats – und wie dieses erwartungsgemäß scheitert. “Rififi” im Nationalsozialismus, sozusagen.
Aber selbst für ein bisschen Genre-Verschwörungstaktik im historischen Gewand hat es nicht mehr gereicht. Der Film ist ja viel zu flach und unraffiniert erzählt, viel zu spannungslos inszeniert, als dass man ihn zumindest als Heist-Thriller annehmen könnte. Lediglich die Musik ist darum bemüht, dem Ganzen etwas Schwung zu verleihen, aber sie bleibt ein oberflächlicher Gefühlserzeuger, vermutlich weil Komponist und Cutter John Ottman schon genug damit beschäftigt war, die Ego-Show zu einer Ensemble-Parade hinzueditieren.
Und damit ist es ja auch nicht getan, sich vielleicht zu begnügen mit einem vielleicht guten Thriller. Denn das verschenkte Potential wird dadurch auch nicht wiederhergestellt: Wen interessiert schon Geschichtsverfälschung (außer Guido Knopp), wenn der Film gar nichts zur Fälschung anbietet – seine Figuren haben keine Eigenschaften, keine Motivationen, keine Ziele. Es gibt schlicht keinen politischen Kontext in dieser Geschichte, man weiß nicht einmal, warum da jetzt soundso viele Männer an einem soundso geheimen Plan tüfteln, und was die Erfüllung desselbigen für eine Bedeutung haben würde. Mal ein wenig anzudeuten, wer dieser Stauffenberg eigentlich ist, dieser ideologische Nazi-Beförderer, der fest entschlossen den Führer zu stürzen bereit ist – das hätte schon mal eine gute Vorraussetzung für einen … ähm … soliden Thriller ergeben können.
‘

Batzman meint:
Mission Total Impossible in der Baldrian-Version. Walküre wirkt wie die Spielszenen einer Guido Knopp-Doku auf Spielfilm-Länge gedehnt. Politische Auseinandersetzung mit der historischen Figur Staufenberg? Fehlanzeige. Irgendeine Form der Charakterentwicklung? Wozu auch. Der Film präsentiert eine erschreckend eindimensionale und flache Weltsicht. Wer Hitler töten will ist gut, egal aus welchen Motiven.
Cruise wird als Staufenberg mit stoischer Minimalmimik zur Ikone ohne Persönlichkeit stilisiert. Ob er zur Vorbereitung auf die Rolle nen Sixpack-Botox getrunken hat ist nicht bekannt, sollte aber als Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden. Staufenberg soll als Held nicht verstanden oder gar hinterfragt, sondern hingenommen werden. Seine Beweggründe die die Eingangsequenz zusammenfasst, haben nicht mehr Tiefgang als ein “Hitler ist doof!”-Statement, der Rest des Films bietet eine mühsam auf Spannung gedrillte, inhaltlich aber ungeheuer banale Variante eines Thrillers nach altbekannter Heist-Manier – nur das keine Spannung aufkommt, weil jede Wendung altbekannt ist.
Die Dialoge laden in ihrem gestelzten Pathos eher zum Lachen ein und könnten so auch in irgendeiner WII-Klamotte der 60er Jahre vorkommen. “Ich mache alles”, verspricht Staufenbergs neuer Assi sofort und fast erwartet man die Nachfrage, ob es “ohne Gummie” mehr kostet. Natürlich dudelt im Hause Staufenberg dauernd Wagner und unheildräuend vibriert der Bombenalarm den Plattenspieler mit dem Walkürenritt an. Man grüßt zackig, aber falsch (wahrscheinlich wären in der Realität die Verschwörer schon viel früher erschossen worden, weil sie auf amerikanisch salutieren. anstatt korrekt nach deutscher Manier). Beste Szene: Bei der ersten Konfrontation Hitler/Staufenberg wird Hitler wie weiland Blofeld als Schäferhund streichelnde Karikatur seiner selbst eingeführt. Das passt zu einem Film, der so absolut gar keinen Anspruch hat und mit viel Aufwand ein überflüssiges Nichts präsentiert, dessen fragwürdige Heldenverklärung nicht erst im Nachhinein sauer aufstösst. Schade um die vielen guten Schauspieler, die oft nur in Winzrollen verheizt werden. Wotan-Wilke-Möhring als Soldat-Arsch-Schrankenwärter und Kretsche Kretschmann, der sich wie immer mit zusammengebissenen Zähnen durch seine Dialoge guturaliert. “Ja mein Führer, ich erkenne ihre Stimme”. Ob Seewolf, King-Kong-Captain oder Nazi – Kretsche wirkt immer wie jemand der Cobras zum Frühstück frisst und mit Kieselsteinen nachspült. Seine kernig-karikierende Art passt perfekt in einen Film, der den “Mumie-Filmen” nähersteht, als der “Weißen Rose”. Kenneth Brannagh macht es richtig und liefert im Grunde wenig mehr als ein Extended Cameo ab – für das er hoffentlich so gut bezahlt wurde, das er sich demnächst wieder um gute Projekte kümmern kann. Walküre wird wohl wenige vor den Kopf stoßen, weil er in seiner Mutlosigkeit einfach zuwenig Angriffsfläche bietet und jeden Konflikt meidet. Dadurch riskiert er nichts und bleibt schließlich nicht mehr als eine Fußnote zum Allgemeinwissen, ohne jede tiefere Bedeutung.
- Jet Strajker •
- Januar 21st, 2009 •
- 57 Kommentare
- Schlagwörter: Nazis, Singer, Tom Cruise, Valkyrie









































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