Es kommt leider immer wieder vor, das einfach nicht die Zeit da ist um alle Filme die ich gesehen habe auch ausführlich zu besprechen. Deswegen hier eine neue Runde unserer beliebten Reihe an Kurz-Reviews, von aktuellen und älteren Filmen.
Diesmal dabei: Zeiten des Aufruhrs +++ Der Fremde Sohn +++ Der Mann der niemals lebte +++ Death Race +++ Eagle Eye +++ Swing Vote – Die beste Wahl +++ Bank Job +++ Summer Scars

Zeiten des Aufruhr – Revolutionary Road – USA 2008





Frank und April Wheeler leben den (Alp)Traum der sechziger Jahre. Nach außen führen sie als Vorzeigepärchen eine Musterehe. Er arbeitet, sie kümmert sich um die Kinder und das Häuschen in der Vorstadt. Doch im hinter der dünnen Fassade lebt der Alltagsfrust, die Enttäuschung, die Leere des in Routine gefangenen Lebens. Sam Mendes liefert hier eine mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet genial besetzte Variante eines altbekanntes Themas, an dem er sich auch schon in “American Beauty” abgearbeitet hat. Natürlich ist das alles nur eine Variation bekannter Motive irgendwo zwischen “Wer hat Angst vor Virginia Woolf”, “Look back in Anger” und “Al Bundy” – aber die Umsetzung ist sehenswert. Es herrscht eine konsequent düstere Stimmung wenn wir Frank und April dabei zusehen, wie sie verzweifelte Versuche unternehmen der kleinbürgerlichen Gewohnheitsfalle zu entkommen. Und natürlich ist die Besetzung ein Coup, weil sich permanent der Gedanke aufdrängt: So wären Jack und Rose auch geendet, wenn die Titanic damals nicht abgesoffen wär. Kate Winslet spielt die Rolle der Ehefrau, die alles dafür Tun würde aus dem tödlichen Trott zu entkommen perfekt und Leo überrascht einmal mehr mit seinem Facettenreichtum, einer Palette die innerhalb kurzer Zeit zwischen extrem liebenswürdigkeit und verbiestertem Beamtenspießer hin und her springt. Sehenswert auch die Nebenrollen: Kathy Bates ist als gouvernantenhafte Nachbarsspiesserin zwar nur eine Karikatur, aber eine sehr unterhaltsame und Michael Shannon schafft es in wenigen Szenen den in einer Nervenheilanstalt lebenden John Givings, mit dem die Wheelers sich zunächst anfreunden, mit beeindruckender Präsenz, Scharfsicht und Witz zu zeichnen. Ein Film der nicht viel neues enthüllt, aber eine gelungene Iteration des Themas darstellt, die durch die gekonnte Inszenierung, wie auch die beeindruckenden Performances zu überzeugen vermag.

Der fremde Sohn – The Changeling – USA 2008





Spannendes Period-Drama, das die von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte packend und optisch überzeugend erzählt. Trotz vieler Handlungsfäden gelingt es Eastwood einmal mehr das ganze schlüssig zuende zu erzählen. Angelina Jolie macht ihre Sache – bis auf das teilweise etwas grotesk wirkende Make-Up – überraschend gut und auch die restliche Besetzung kann sich sehen lassen. Packende Unterhaltung, der man ihre Länge nicht anmerkt. Die aufwendig getrickste 20er Jahre Atmosphäre schafft es die Geschichte zu unterstützen, sich aber – im Vergleich mit Benjamin Buttons optischen Sperenzchen – nicht unangenehm in den Vordergrund zu spielen. Auch wenn Eastwood hier das Rad nicht neu erfindet, er beweist einmal mehr, dass er ein souveräner Geschichtenerzähler ist, der es schafft Anspruch und Unterhaltung blendend zu verbinden.
Der Film orientiert sich fast stärker an der Carmageddon-Spiele-Serie als an dem Original, dass diesen Spielen als Vorbild diente. Testosteron-Action im Game-Design. Für alle die mit D.O.A. oder Mortal Kombat schon nichts anfangen konnten, wird auch diese simple und selbstironische Kracher wenig zu bieten haben. Im Rahmen seiner Parameter, als reiner Jungs-Film, funktioniert allerdings tatsächlich recht gut. Der fahle Look, die platten Charaktere und die markigen Sprüche stimmen. Die Action könnte bisweilen mehr Übersicht vertragen erfüllt jeden ihren Zweck. Der Film steht und fällt allerdings mit Jason Statham, der es einmal mehr schafft aus einem tumben Actionklotz eine sympathische und durchaus humorvolle Figur zu machen. Death Race solide Unterhaltung, solange man nicht mehr erwartet als die dünne Prämisse verspricht.

Der Mann der niemals lebte – Body of Lies – USA 2008





Ein unglaublich behäbiger und plakativer Technothriller ohne echten Thrill, der nie wirklich aus dem Quark kommt. Wie ein überlanger Werbespot für Handys wird die simple Story, durch ständige Ortswechsel als komplex verkauft. Die moralische Dimension des ganzen Kriegs gegen den Terror wird zu keinem Zeitpunkt ernsthaft analysiert, kritische Einsprengsel bleiben modische Dekoration ohne Tiefgang. Letztlich interessiert sich Scott mit seiner hibbeligen Kamera dann doch mehr für stylishe Explosionen, als für komplexe Charaktere. Natürlich ist Russel Crowe die Idealbesetzung eines unsympathischen Arschlochs und Leo bemüht sich aus seiner albernen Rolle etwas zu machen. Aber bei so wenig Substanz strampeln die Darsteller über weite Strecken im ereignislos seichten, wie Hunde die im Ententeich paddeln. Ridley Scott, der seit Thelma & Louise keinen wirklich wichtigen Film mehr gemacht hat, sollte sich vielleicht endlich aufs verdiente Altenteil zurückziehen, ehe man völlig vergisst, dass er irgendwann mal Meilensteine wie Alien und Blade Runner gedreht hat.

Eagle Eye – Ausser Kontrolle – USA 2008





Wahrscheinlich der dümmste High-Tech-Thriller seit Jahren.Selbst mit viel gutem Willen ist der Plot mehr als hanebüchen und scheint eine 1:1 Verfilmung eines Drehbuchs mit dem Wissensstand 1964 zu sein. Schafft es der Film zu Beginn wenigstens noch durch hohes Tempo die Unlogik zu verschleiern, wird es spätestens mit Beginn des zweiten Akts völlig albern. Die konservative Kehrtwende und das Hurra-Patriotische-Ende, die billige Wackelcaminszenierung der Actionszenen und der lächerliche Schluss – (im wesentlichen eine schlechte mit Techbabble aufgejazzte Mischung aus Der Mann der zuviel wusste und The Interpreter) versetzten dem Film den Todesstoß. Das Shia die meiste Zeit etwas ölig daherkommt ist auch nicht grade hilfreich. Einziger Lichtblick Billy Bob Thornton als knarziger FBI-Humpel.

Die beste Wahl – Swing Vote – USA 2008





Ein einzelner Joe Average entscheidet mit seiner Stimme die US-Wahlen, leider ist er ziemlich ignorant und nur seine smarte Tochter kann ihn retten. Was wie die Prämisse einer Simpsons-Folge klingt, kann leider auch auf Spielfilmlänge nicht mehr als ein paar konsenstaugliche Politkritiken und viel viel Pathos und Sozialkitsch präsentieren. Die gute Besetzung und solide Inszenierung helfen zwar über einige Schwächen hinweg, können jedoch nicht den sauren Geschmack vertreiben, den die mutlose und all zu nachsichtige Botschaft des Films vermittelt.
Gut besetzter Real-Crime-Thriller im Retrolook. Statham überrascht mal wieder damit, das er mit seinem Bulldozer-Gesicht doch sehr subtil umzugehen weiß. Die Story ist so bizarr, dass sich wohl niemand getraut hätte sie zu erfinden. Es dauert etwas bis das Spektakel in Gang kommt, dann aber erwartet einen ein vielschichtiges Katz- und Mausspiel, das weit mehr zu bieten hat, als die üblichen Heist-Storys.
Hier gibts die DVD :Bank Job
Summer Scars – UK 2007





Gut gespielt und trotz erkennbar niedrigem Budget erstaunlich sicher inszenierter Psychothriller, der leider im letzten Akt den Fokus verliert und durch das überhastet wirkende Ende viel von seiner Wirkung einbüsst. Zwei, drei Überarbeitungen hätten dem Skript und seinen mit viel Potential gezeichneten Figuren sehr gut getan. Sehenswert, wenn auch in der Konsequenz nicht gänzlich überzeugend.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Februar 4th, 2009 •
- 16 Kommentare
- Schlagwörter: Changeling, Clint Eastwood, Jason Statham, Leonardo Di Caprio, Reader, revolutionary, ridley scott, road, winslet











































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