Review

Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht (Review)

Standard, 20. 2. 2009, Batzman (Oliver Lysiak), 10 Kommentare

– „If you don’t have a drummer, then why do you have drums you fistful of assholes?“
-„Fistful of assholes! I like it.“

Originaltitel: Nick and Norah’s Infinite Playlist
Erscheinungsjahr USA 2008
Regie: Peter Sollett
Darsteller: Michael Cera, Kat Dennings, Alexis Dziena, Aaron Yoo, Ari Graynor, Rafi Gavron, Jonathan B. Wright, Zachary Booth, Jay Baruchel

[rating:3.5]

infinite_playlist

Nick (Michael Cera) ist ein liebenswert, linkischer Nerd. Der einzige Hetero in der Queer-Core Band seiner Kumpels, ist seit Wochen depressiv, weil seine Freundin Tris (Alexis Dziena) mit ihm Schluss gemacht hat und bombardiert diese seither mit sorgfältigst zusammengestellten Mix-CDs, die ihr sein Seelenleben offenbaren sollen.

Dumm nur das die Angebetete schon längst Ersatz gefunden hat. Dumm auch, das er ihr ausgerechnet an jenem Abend wieder über den Weg läuft, als ihn seine Band-Kollegen mit zu einem Gig nehmen und ganz New York dem Geheimkonzert der medienscheuen Gruppe „Where’s Fluffy“ entgegenfiebert. Durch einen Zufall stolpert Nick dann Norah (Kat Dennings) in die Arme, einer Bekannten von Tris, die sich in Nicks Mix-CDs verliebt hat, welche Tris achtlos in den Müll warf. Auf der Suche nach dem Ort des „Where’s Fluffy“ Konzerts, irren Nick und Norah durch die Nacht, verlieren sich, finden sich wieder und kommen sich dabei natürlich näher. Näher als es Nicks Ex Tris lieb ist. Doch noch ist die Nacht nicht vorbei und bis zum Morgen wird es noch einige gekreuzte Wege, Streits und Versöhnungen gegeben haben…

Nick & Norah basiert auf dem gleichnamigen Popbuch von Rachel Cohn and David Levithan und fühlt sich wie die leichtgewichtige Teenie-Variante von „High Fidelity“ an. Der Film ist fluffig, liebenswert und unterhaltsam. Michael Cera spielt das was er immer spielt, den unsicheren knuddeligen Milchbubi (vielleicht sollte er sich langsam aber auch mal nach anderen Rollen umschauen, wenn er auf Dauer schauspielerisch ernst genommen werden will). Kat Dennings ist das sympathische Mädchen, das erst auf den zweiten Blick wirklich schön wirkt. Kein Wow-Blondchen sondern eine junge Frau mit Ecken und Kanten, die alleine aus diesem Grund schon viel spannender ist als die Blödblinse Tris, der Nick den halben Film hinterherjammert.

Liebenswert auch die Nebenfiguren, Norahs Freundin Caroline (Ari Graynor), die man trotz nicht unerheblichem Nervpotential irgendwie ins Herz schliesst, die ständig um ihren Namen streitende Queer-Core-Truppe die nicht nur sehr hübsch anzusehen ist (Rafi Gavron zeigt als Dev hier, das er in Tintenherz wohl nicht zufällig leicht schwuppig wirkte) sondern willkommen, warmherziges Comic-Relief bietet oder Jay Baruchel als Norahs etwas tumber Ex-Freund Tal.

Was dem Film fehlt und ihn auch etwas beschädigt ist seine Formelhaftigkeit und der fehlende Spannungsbogen. Die Ereignisse der Nacht sind hübsch anzusehen und teilweise auch recht komisch, aber wirkliche Dramatik fehlt. Die Fallhöhe stimmt nicht, deswegen wirken auch die Störungen die dem Happy End entgegenstehen nie wirklich bedrohlich. Das es zwischen Nick und Norah funkt ist schon sehr früh klar – auch ihnen und alles was folgt ist nur eine Vertiefung, aber keine echte Herausforderung an ihre Beziehung. Das Hin- und Her, die Suche nach Caroline und dem Veranstaltungsort, die Geplänkel mit Tris, alles läuft im wesentlichen so ab, wie wir es erwarten und aus vielen anderen Filmen gewohnt sind. Das sich die beiden am Ende bekommen ist klar, aber bessere Filme schaffen es uns auch am sicheren Happy End für Sekunden zweifeln zu lassen. Das es hier so unspannend zugeht mag realistischer sein, denn das wahre Leben neigt ja auch gerne mal zur Belanglosigkeit, nimmt dem Finale aber auch einiges an Wucht.

Zweiter Kritikpunkt ist der nachlässige Umgang mit der Musik. Dafür das die Mix-Tapes, die Bandkultur und die verbindende Kraft der Musik als wichtiger Katalysator der Story dienen sollen, ist der Musikeinsatz erschreckend beliebig. Es dudelt von Anfang bis Ende, aber es gibt wirklich wenige Momente in denen ich das Gefühl hatte, die Musik sei integraler Bestandteil des Films. Wo sich bei „Almost Famous“ oder „High Fidelity“ der Zugang zur Geschichte und den Emotionen maßgeblich über die verwendeten Musikstücke erschließt, scheint der „Soundtrack einer Nacht“ oder eben die „Infinite Playlist“ mehr Hintergrundrauschen zu sein, das bestenfalls dient um den Soundtrack-Sampler zu verkaufen. Für Figuren deren initiale Annäherung über gemeinsame musikalische Wellenlängen stattfindet, sind die Stücke des Films zu austauschbar, zu wenig markant.

Nick und Norah bleibt liebenswert und wegen seiner sympathischen Besetzung sehenswert, wird aber wohl kaum bleibenden Eindruck hinterlassen und rangiert somit leicht unterhalb anderer netter Musikfilme, wie z.B. „Detroit Rock City“ – der zumindest den eingängigeren Sound für sich beanspruchen kann.

Dennoch: Schöner Date-Filme (der lange nicht so plump pubertär daherkommt wie sein Trailer befürchten ließ) und sicher ideal für kuschlige Sonntagnachmittage.

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10 Kommentare

  • Reply faby 20. 2. 2009 at 7:25

    Bin so ziemlich deiner Meinung. Schönes Review.

  • Reply Nick & Norah - Soundtrack einer Nacht | Cineasten.de 20. 2. 2009 at 9:00

    […] F

  • Reply alex 20. 2. 2009 at 16:35

    genau so siehts aus… nach den ersten sachen, die ich so über den film gehört hatte, hatte ich auch erwartet, dass die musik viel mehr im mittelpunkt steht.
    trotzdem ist der film wie erwähnt nett anzusehen und hat meine vorfreude auf meinen new york aufenthalt nächste woche extrem gesteigert ;)

  • Reply freeminder 22. 2. 2009 at 13:00

    OK, etwas mehr Tempo hätte nicht geschadet, die Sache mit dem Kaugummi war einfach nur eklig und Micheal Cera spielt hier wirklich nur Paulie Bleeker mit E-Gitarre anstatt gelben Shorts. Trotzdem ist das wohl der charmanteste Film der letzten Zeit, weil er einfach einen Nerv trift. Eine Ode an das jung sein, Spass haben und die Liebe. Denn wenn man ehrlich ist, so eine Nacht möchte doch jeder mal erleben. Die Musik blieb zwar im Hintergrund, aber für Indie Rock Fans ist der Film trotzdem ein Muss, genau wie die Anschaffung des Soundtracks.

  • Reply matze 23. 2. 2009 at 16:56

    hab den film zufällig im flieger geschaut und war sehr positiv von der musik angetan. wie oben schon gesagt, was für indie fans. ansonsten hast du’s gut beschrieben, nett (das buch, wie so oft, gibt da mehr her. dafür fehlt die gute musik).

  • Reply stb247 27. 2. 2009 at 22:45

    Der Film is sooo schön.

    Rein vom filmischen kann ich euren Standpunkt ja verstehen. Da gibt es eindeutig zu wenig Hindernisse. Aber darum scheint es gar nicht zu gehen. Das scheint endlich mal ein Versuch, Leute einfach mitzunehmen, quasi „dabei sein“ zu lassen. So realistisch, wie es deutsches Kino niemals war (und wohl auch nie werden wird). Und die beiden sind ja sooooo süß.

    Unbedingt im Original ansehen – ich hatte eine Horde Ami-Teen-Girls hinter mir sitzen und muss sagen, dass hat den Film sogar noch aufgewertet.

    Kleiner Nebeneffekt: man fühlt sich ganz schön alt, wenn man die jungen Leute da so rumhüpfen sieht. Verdammt.

  • Reply Julie 2. 3. 2009 at 18:17

    Ich hab mir den Film eher aus Langeweile angesehen und war dann wider Erwarten positiv überrascht. Zwar ist die Handlung absolut vorhersehbar, aber die Umsetzung ist überraschend leicht und will sich so gar nicht in die erwarteten Klischees anpassen. Schöner Film abseits vom Hollywood-Schmonzetten-Schmu.

    .. und eine mindestens ebensogute Review!

  • Reply Feldi 24. 3. 2009 at 13:26

    Jo…hab den Film im Orig. gesehen und war sehr, sehr enttäuscht! Sorry, aber die etwas müde agierenden Darsteller und die solide Grundidee harmonieren nun gar nicht. Da hat mir Michael Cera in JuneBug besser gefallen. Hier ist dabei einiges an Idee und Einfallsreichtum total verpufft.
    Schade! Eher was für eine schon langweiligen Sonntag….der wird aber beim ansehen des Films auch nicht interessanter.
    „Sountrack einer Nacht“ bleibt für mich daher eher eine Eintagsfliege…!

  • Reply mandarine_one 4. 6. 2009 at 16:27

    hm.. ich werd mir den film mal ankucken.. schon mal weil ich micheal cera mal in aktion sehn will.. wo er doch jetzt scott pilgrim spielen soll…

  • Reply harald 1. 8. 2009 at 1:43

    Ich mag den Film! Punkt!

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