Mamma Mia, All That Jazz!

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jackmanknowlesWas für eine Verleihung! Nun, zumindest in der ersten Hälfte war das die beste Oscarshow, die ich bislang gesehen habe (immerhin schon das zehnte Jahr, in dem ich die Awards live verfolge), Tony-Gewinner Hugh Jackman hat das getan, was er am Besten kann: tanzen und singen. Er ist kein sehr lustiger Mann, kein wirklich guter Moderator, aber er hat die Show – ehe er irgendwann verschwunden ist? – überraschend leichtfüßig und charmant vorangetrieben. Die Autoren schienen back on track, besser kann man so eine Show wohl kaum schreiben und planen, die Abläufe haben alle gesessen, und die Änderungen am Konzept der Gala, den Laudationes und Preisvergaben fand ich allesamt großartig. Im Prinzip waren diese 81. Oscars eine einzige große Hommage ans Filmmusical. Und das von Baz Luhrman inszenierte Centerpiece – ein wunderbares Medley, das die Brücke vom klassischen Astaire/Kelly-Handwerk zum neuerlichen Teen-Musical schlug – hat mir fast Freudentränen in die Augen getrieben. (das Video hat Batz ja schon gepostet!)

Und all die tollen Schauspieler, die ich nicht zu sehen erwartet hätte, von Anjelica Huston bis Joel Grey, waren da noch die Zuckerglasur für diesen unnachahmlich campigen Abend, der erst mit fortschreitender Dauer an Konvention und Langeweile gewann.

Zu den Auszeichnungen: Am Meisten habe ich mich über den “Milk”-Drehbuchoscar für Dustin Lance Black (is it just me, or is he cute?) gefreut. Ansonsten ganz viel as expected (dafür sind meine 15 von 24 richtigen Tipps schon wieder eher mäßig), aber natürlich auch mindestens zwei Überraschungen. Kein Oscar für “Waltz with Bashir”. Und auch keiner für Mickey Rourke. Ich hätte ihm die Auszeichnung wirklich gegönnt, aber die Trennlinie zwischen Rolle und Darsteller ist im Zuge der Kampagne um den Film so derart verwischt, sofern sie überhaupt jemals bestand, dass eine entemotionalisierte Entscheidung für Sean Penn und gegen Rourke vielleicht doch notwendig erschien. Zumal Penn in”Milk” insgesamt die komplexere Leistung lieferte.

Ansonsten erfreute es mich, dass die Show mich so bei Laune hielt (das Livebloggen freilich ebenso), wo mich die eigentlichen Filme dieses Jahr nicht zum Mitfiebern bewegen konnten. Von den fünf Best Picture Nominees fand ich bis auf”Milk” alle scheiße. Zwar hat mit Danny Boyles “Slumdog Millionaire” unter den scheißigen Filmen noch der am Wenigsten scheißige gewonnen – aber was heißt das schon. Dieser Elendstourismus in Musikclip- Ästhetik hat jedenfalls keine acht Oscars verdient … sei’s drum.

Das war trotzdem eine fette, fette, fette Party.

Jawohl!

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Rajko Burchardt mein es gut mit den Menschen. Die Spielwiese des Bayerischen Rundfunks nannte ihn vielleicht auch deshalb "einen der bekanntesten Entertainment-Blogger Deutschlands".

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11 Comments

  1. Zetterberg

    Nur die Berlinale ist noch langweiliger gewesen… sorry, aber das hätte nur noch ein Conan O’Brien als Host retten können.

  2. Bateman

    “Im Prinzip waren diese 81. Oscars eine einzige große Hommage ans Filmmusical”

    … und damit unglaublich gay.

    :-)

  3. Patrick B. Rau

    Die heutigen MUSICALS sind ohnehin meiner Ansicht nach völlig ohne CHARME. Das trifft auch auf diese seltsame Nummer bei den Oscars zu. Wenn man sich alte Filme wie OKLAHOMA ansieht, dann merkt man erst, was alles verloren ging in den JAHRZEHNTEN, die seitdem vergangen sind.

  4. Schteisch

    Lustig find ich, dass Mal Sehen vorher einen Text verfasst hat, in dem er sagt, dass das die schlimmste Show war, die er je gesehen hat^^

  5. Bateman

    @Schteisch:

    Ja ist doch toll dass die Filmfreunde hier unterschiedliche Meinungen haben und diese jeder für sich formulieren.

  6. Batzman

    @Jet

    Not it not just you. DLB is cute ;)

  7. Jet Strajker

    @Bateman:

    Türlich, türlich… den Gay-Faktor will ich nicht leugnen. ;)

    @Batz:

    Seine Dankesrede war auch echt süß.

  8. Schteisch

    @Bateman

    Ja, da bin ich absolut deiner Meinung. Mein Kommentar sollte keine Kritik darstellen, im Gegenteil.

  9. Zoichi

    Jaja, “Slumdog Millionaire” ist schon sehr “unscheißig” *rolleyes*

    — Fuck the hype, ’cause we don’t want it! –

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14