Als Leath Hedger gestern Nacht posthum seinen Oscar für die beste Nebenrolle bekam und die Familie diesen entgegennahm, brandete in unserem Liveblog kurz eine Diskussion auf, ob das fair wäre den anderen Nominierten und der Jury gegenüber, ob man das machen dürfe. Die Diskussion ging verkürzt so:
Nilzenburger: es ist einfach unfair ihn in den “normalen” wettbewerb mit rein zu nehmen, weil seine rolle durch seine tragische geschichte noch viel mehr gewicht bekommt.
Renington: Was wäre denn die Alternative gewesen? Eine Nominierung wäre auf jeden Fall drin gewesen. Mindestens.
Nilzenburger: die alternative muss sein, das verstorbene eben nicht nominiert werden können. so scheisse das auch klingt, das kann nie ein fair game sein.
Renington: Muss ich drüber nachdenken, aber eigentlich gibt es keinen Grund, Awards posthum nicht zu vergeben, finde ich. Das verschiebt die Chancen, ja, klar, aber…. hmmm… muss ich drüber nachdenken… Ich denke, wir machen da ein eigenes Posting zu.
Nun, das hier ist das eigene Posting und ich habe darüber nachgedacht.
Selbstverständlich kann man posthume Oscars vergeben, man muss sogar, wenn es die Leistung verdient. Ebenso selbstverständlich befindet sich die Jury dann allerding unter einem enormen moralischen Druck, den Verstorbenen auszeichnen zu müssen. Das ist nicht wirklich fair den Mitnominierten gegenüber, das ist wahr. Aber:
Die Oscar-Verleihung ist in der Filmwelt ein quasi öffentliches Ritual, ein Standard, eine Zeremonie, während der sich Hollywood, immer noch das Zentrum der westlichen Filmwelt, selbst feiert und auszeichnet. Ein fast schon amtlicher Vorgang im Wortsinne. Hier werden die besten Leistungen präsentiert und prämiert und Fehlentscheidungen passieren hier genauso wie überall auf der Welt, das gehört dazu.
Heath Ledger hatte in seiner Nebenrolle eine der beeindruckendsten Leistungen 2008 abgeliefert. Selbstverständlich muss er mindestens nominiert werden dafür, alles andere wäre eine Farce. Wäre er nicht nominiert worden, hätte der Joker in jeder Sekunde über der Verleihung geschwebt und der statt dessen Ausgezeichnete hätte sich noch beschissener gefühlt, als er es ohnehin schon tun musste, als er im Wettbewerb mit einem toten Kollegen stand. Das ist das eine.
Das andere ist: Für mich wiegt der „amtliche“ Charakter der Oscar-Prämierung um einiges mehr, als die Befindlichkeiten der Jury und der Mit-Nominierten. Es geht um die beste Nebenrolle des Jahres 2008 und die kam nun einmal von Heath Ledger. Und deshalb die Auszeichnung mit dem Oscar, den er sehr wahrscheinlich auch gewonnen hätte, wäre er noch am Leben.
Die Gegenseite: Nilz N. Burger
Nun: Ich sehe das etwas anders.
Dazu muss ich vielleicht erstmal erwähnen, das ich das losgelöst sehe von der etwaigen Leistung Ledgers. Hab ich nicht gesehen, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur die Gesamtsituation bewerten.
Der Oscar für Ledger war klar. Jedem, der sich vorher Gedanken um die Oscars gemacht hat, wusste das Ledger gewinnt. Ich auch und ich habe ihn nicht gesehen. Es war einfach zwingend ihm den Oscar zu verleihen, auch wenn seine Performance nur halb so gut gewesen wäre. Er ist ja auch nicht kurz vor der Verleihung umgekommen, sondern vor fast einem Jahr. Sprich: Das ganze Brimborium um seinen mysteriösen Tod hat jedes einzelne Jurymitglied der Academy voll mitbekommen. Die Geschichte mit dem Olsen Zwilling, der Erbstreit von Ledgers Tochter und ihrer Mutter, der ganze typische Gossip-Bullshit. Und dann setzen die sich hin und sagen sich: Ich muss jetzt mal alle Information die ich freiwillig oder unfreiwillig in den letzten Wochen bekommen habe abschüttteln und frei davon entscheiden, wer denn nun wirklich am besten in einer Nebenrolle gespielt hat. Genau. Glaub ich nämlich auch nicht.
Natürlich sind die Oscars für die Filmbranche die wichtigste Verleihung, vielleicht sogar eine der wichtigsten Verleihung aller Verleihungen. Und vielleicht sind sich die Academy Mitglieder dieser Bürde ständig bewusst und entscheiden demnach auf ihrem Wahlzettel, auf dem 30 Kreuzchen zu machen sind. Vielleicht finden aber alle die Dartstellung Ledgers nun so intensiv, weil sie eben die Geschichte drumherum kennen. Mir ist zumindest noch niemand untergekommen, der die Leistung in “Knights Tale” für beachtenswert halten würde.
Ich habe bei der ganzen Geschichte ein James-Dean-Gschmäckle. Im Ernst: James Dean war nun wirklich kein brillianter Mime. Der wurde gut besetzt, die Rollen passten wie Arsch auf Eimer, so das er nicht gross spielen musste, aber der Mythos wird seiner eigentlichen Leistung nicht wirklich gerecht. Ledger hat sich sicher gesteigert: Es liegen Welten zwischen “Knights Tale” und “Brokeback Mountain”. Insofern mag der Dean-Vergleich etwas ungerecht sein. Aber der Mythos um die Person, der geht mittlerweile einen ähnlichen Weg.
Wenn also ein Schauspieler sehr öffentlich sehr tragisch ums Leben kommt. Und dann nominiert wird für den Oscar: Dann, so pietätlos das auch klingt, wird er IMMER gewinnen. Und einen Leistungsunabhängigen Sieg, der vergällt einem eben die Oscars, die sicher immer subjektiv bewertet werden, aber dann doch bitte die Schauspieler und Akteure und nicht deren Legenden. Ich könnte mich auch nicht davon frei machen, einem Ledger einen gewissen Vorrang zu geben, vor allem wenn die Rolle die er gespielt hat so schenbar nah an seiner eigenen Peron lag, an der er schliesslich zerbrach. Aber es ist eben kein fairer Preis.
Ich hab auch keine Patentlösung, aber man sollte Verstorbene eben nicht nominieren dürfen. Es ist einfach unfair. Und die Tatsache das deren Geist dann über dem Preis schweben würde, wiegt meines Erachtens nach nicht so schwer, wie das Gefühl das da jemand gewonnen hat, weil man ihn gewinnen lassen musste. Und ja: Jeder der gegen Ledger nominiert war, kann sich unmöglich wohl gefühlt haben in seiner Haut gestern Abend. Schon allein das ist Respektlos.
- Renington Steele •
- Februar 23rd, 2009 •
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- Schlagwörter: Awards, Heath Ledger, Oscars, Oscars 2009










































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