“The only place I get hurt is out there. The world don’t give a shit about me. “
Originaltitel: Wrestler, The
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Darren Aronofsky
Darsteller: Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood, Mark Margolis, Todd Barry






Randy “The Ram” Robinson ist durch. Der ehemalige Star der Wrestling-Szene, der in den 80ern so populär war wie Hulk Hogan, steht vor den Scherben seines Lebens. Mit über 50 macht sein Körper nicht mehr so mit wie einst. Der Ruhm ist verflogen, die Zeiten in denen er die großen Arenen füllte sind lange vorbei.
Randy lebt in einem Trailerpark, frisst Schmerzmittel und hält sich mit harten Fight im gnadenlosen Indie-Wresteling-Circuit über Wasser.
Seine einzigen nennenswerten Sozialkontakte bestehen zu einer Pole-Dancerin (Marisa Tomei), bei der er sich ein wenig Nähe und Zuneigung erkauft. Seine Versuche den Kontakt zu seiner Tochter wieder aufzubauen, stehen unter keinem guten Stern. Randy hat kaum noch Perspektiven, er weiß, das er ein Verlierer ist, der nichts als den Ring kennt. Ein Revival-Kampf mit seinem bekanntesten Gegner, dem Ayatolla, könnte ihm noch einmal einen Schub geben, die Chance auf etwas Geld und Ruhm, einen würdevollen Abgang…
Nach dem zwispältigen Augenfilm “The Fountain” beackert Aronofsky hier deutlich sichereres Terrain. Er erzählt eine klassische Loser-Geschichte die davon lebt, dass sie das im Gegensatz zum Boxen bisher cineastisch wenig beackerte Millieu des Indie-Wrestlings vorführt. Das gibt “The Wrestler” einen gewissen Novitätswert, der oft darüber hinweghilft, dass die Geschichte des Films nicht sonderlich originell ist und alle klassischen Drama-Marks eines Has-Been-Sportler-Films abhakt: Verblassender Ruhm, die kaputte Gesundheit, das gestörte Verhältnis zur vernachlässigten Familie, die verzweifelten und erniedrigenden D-Promi-Momente, das Scheitern im alltäglichen Leben. Das haben wir seit den Rocky-Filmen natürlich dutzendfach gesehen – nicht zuletzt im sehenswerten “Rocky Balboa” von Stallone.
Das der Film trotz seiner im Grunde sehr konventionellen Erzählweise sehenswert ist, liegt vor allem am Setting, den harten und von jeder sportlichen Eleganz entrückten Wrestling-Matches, die in ihrer blutigen Derbheit, in der gnadenlosen Show in der auch Stacheldraht, Rasierklingen, Glasscheiben und Tackerklammern gegen den Gegner eingesetzt werden, intensiver und drastischer wirken, als es ein simpler Boxkampf je könnte.
Die Indie-Wrestling-Szene ist hier tatsächlich nur einen kleinen Schritt vom Backyard-Wrestling, von den selbstzerstörerischen White-Trash-Stunts eines Jackass entfernt, bei der die körperliche Destruktion der eigentliche Unterhaltungswert ist. Gibt es im Boxen noch die Überreste eines “noblen” Kampfes, eines fairen Kräftemessens, sind hier – zumindest im Ring – alle Grenzen aufgehoben. Auch wenn sich die Wrestler privat wohlgesonnen sind, im Ring herrscht der inszenierte Krieg, die erniedrigende Show für das nach Blut und Schmerz lechzende Publikum. White-Trash-Entertainment.
In Mickey Rourke, der sich für diese Rolle mal wieder zurecht als Comback-Kid feiern lässt (nach seinem Comeback mit “Es war einmal in Mexico” und seinem Comeback in “Sin City” ), hat der Film zudem den ultimativen Protagonisten gefunden. Denn der perverse Reiz des Films liegt natürlich auch in den Parallelen zwischen Randy und Mickey, die die Kinozuschauer genauso genüsslich begaffen, wie die Zuschauer der Wrestling-Matches die blutigen Showkämpfe. Ohne Rourke, ohne das Wissen um das Scheitern dieses ehemaligen Sex-Idols, der seine Star-Karriere mit Exzessen, Saufgelagen, Größenwahn und einer kurzlebigen Karriere im Box-Geschäft nachhaltig beschädigte, wäre “The Wrestler” nur ein normaler Film. Würde irgendein bulliger Schauspieler diese Rolle spielen, hätte vermutlich kein Hahn nach dem Streifen gekräht.
“The Wrestler” lebt vom WTF-Moment, vom unsäglichen Zottelhaar-Outfit, von der halb-paralysierten Visage Rourkes, dessen Augen das einzig noch wirklich lebendige in diesem deformierten Gebilde sind, das durch Operationen, Botox, Boxhieben kaum noch an den Menschen erinnert, der einst in “9 1/2 Wochen” oder “Angel Heart” Hausfrauen wohlig aufstöhnen ließ. Es ist die Faszination hinter diesem Gesicht nicht nur die Wahrheit über Randy the Ram, sondern auch über Mickey Rourke zu erkennen. Auch wenn Bruce Springsteen ihm einen melancholischen Abgesangs-Song singt, wäre doch der Klassiker der “Sterne” passender: “Was hat dich bloß so ruiniert?”
Der Film spielt mit dieser Fassungslosigkeit. Es ist nicht Rourkes grandiose Schauspielkunst, die ihn als Randy zu einem Erlebnis macht, es ist Bewunderung für seinen Mut, sich so gnadenlos fertig zu präsentieren. Es ist dieselbe Faszination die die Zuschauer Harald Juhnke in “Der Trinker” als Rolle seines Lebens beklatschen ließ. Die Stationen Randys sind alle Klischee und wir wissen was am Ende passieren wird, noch ehe der Film die Halbzeitmarke erreicht hat. Doch es ist das Mitleid und die Bewunderung für den Underdog, für den Loser der weiß, dass er sich alles versaut hat, die den Film trotzdem sehenswert macht. Und der Reiz dieses Blicks durchs Schlüsselloch, das Gefühl hier mehr zu bekommen, als schauspielerisches Können. In gewisser Weise profitiert der Film vom selben Voyerismus, der die Zuschauer der Showkämpfe dazu bringt, sich die abgewrackten und ausgebrannten Ex-Heroen anzusehen.
Aronofsky inszeniert diese Momente genüßlich und kann sich ansonsten auf seine Fähigkeiten als erfahrener Handwerker verlassen, die der Story die nötige Struktur geben um als Mainstream-Loser-Fabel zu funktionieren. Seine Besetzung, die viele echte C-Wrestler in Nebenrollen zeigt, unterstützten das Urvieh Rourke, der wie ein sterbender Tanzbär durch den Film irrt, dabei nach Kräften. Marisa Tomei schafft es sogar der undankbaren Klischee-Rolle der “Nutte mit Herz”, eine gewisse Eigenständigkeit und Glaubwürdigkeit zu verleihen, während Evan Rachel Wood als Randys Tochter die nötige Mischung aus Wut, Verletzlichkeit und Energie mitbringt.
So bleibt unterm Strich ein sehenswertes Loser-Drama, das es dank einem Besetzungscoups schafft, eine ausgelutschte Geschichte hinreichend spannend zu erzählen. Es bleibt aber auch die Frage, wieviele Rollen Mickey Rourke wirklich nach “The Wrestler” und “Sin City” noch spielen kann, die nicht auf die eine oder andere Art eine Variation seiner eigenen Loser-Geschichte sind.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Februar 26th, 2009 •
- 15 Kommentare
- Schlagwörter: Darren Aronofsky, mickey rourke, TheWrestler









































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