-”But the country’s disintegrating. What’s happened to America? What’s happened to the American dream?”
-”It came true. You’re lookin’ at it.”
Originaltitel: Watchmen
Herstellungsland: Großbritannien / USA 2009
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Jeffrey Dean Morgan, Malin Akerman, Carla Gugino, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Stephen McHattie, Matt Frewer

Amerika in einer alternativen Zeitlinie, die der unseren sehr ähnelt mit einer Ausnahme: Es gibt Superhelden. Auslöser der Story, die Anfang der 80er Jahre auf der Spitze des Kalten Krieges und mitten in einer Phase politischer Spannungen zwischen den beiden Supermächten beginnt: Edward Blake wird tot aufgefunden. Wie sich herausstellt war er Der Comedian, einer der wenigen noch aktiven Superhelden, einer derjenigen die auch nach Inkrafttreten des Keen-Acts noch arbeiteten, der Superheldentum illegal machte.
Der Comedian arbeitete für die Regierung und wurde von einem unbekannten ermordet. Rorschach, ein weiterer Superheld der sich als paranoider, einsamer Rächer ausserhalb des Gesetzes bewegt, untersucht den Fall und findet vermutet bald, dass es jemand auf die ehemaligen Helden, die Watchmen abgesehen hat.
Ein Verdacht der sich schon bald zu bewahrheiten scheint.
Ich gebe zu ich bin überrascht, denn Watchmen hat trotz des Hypes , der Kontroversen und des Regisseurs, eindeutige Qualitäten die ihn sehr spannend machen. Ich mochte das “Dawn of the Dead”-Remake von Snyder und hasste “300” (wie der Autor der Comic-Vorlage Allen Moore übrigens auch). Insofern war ich zwiespältig, was von der Verfilmung dieses heiligen Grals der Graphic-Novelle zu erwarten sein würde. Die Trailer waren wenig beeindruckend, zeigten sie doch im Wesentlichen das übliche CGI-Geraffel und explodierendes Zeug, also die typischen Blockbusterzutaten.
Dennoch “Watchmen” ist mehr als das und bezieht seine Stärken eindeutig aus der Story und nicht aus dem Action-Gedöns. Das ist mal mehr, mal weniger gut inszeniert, insgesamt recht solide, haut einen aber auch nicht von den Socken. Die Stimmung, die Referenzen, die politischen Anklänge auf die Zeit des Kalten Krieges, die vielen kleinen Seitenhiebe auf bekannte Superheldenmotive, auf Popkultur und Comic-Klischees machen den Reiz des Films aus. Er ist eindeutig die sehr respektvolle Arbeit eines Fans, der versucht ein verehrtes Werk in ein anderes Medium zu transportieren und ihm dabei seine Würde und den Großteil seiner Komplexität zu lassen.
Zu Watchmen selbst wurde bereits fast alles geschrieben und analysiert. Moores zynischer Abgesang auf die Superhelden lässt niemanden ungeschoren. Menschen sind Arschlöcher und selbsternannte Helden sind noch viel größere Arschlöcher. Die Menschheit ist natürlich besser dran ohne diejenigen, die glauben zu wissen was das Beste für sie ist. Egal ob dies nun Politiker oder Superhelden sind (Moore verstand die Stories vor allem auch als Parabel auf die Reagan und Thatcher-Politik). Es ist die genüßliche Demontage der selbstgerechten Weltenretter, die sich anmaßen zu entscheiden, wann der Zweck die Mittel heiligt, wofür sich welche Opfer lohnen. Demontage von allmächtigen Gottwesen wie Doctor Manhattan, einem bekifft dreinblickenden, gleichgültigen Pimmelschlumpf, der mich verdammt an die breiten Typen erinnerte die im Unikeller sinnsuchend vor sich hinfabulierten. Demontage der sadistischen Rächerfiguren, die mit ihrer absoluten Schwarz-Weiß-Perspektive, sich selbst zum moralischen Fallbeil machen (Egal ob sie nun Rorschach oder Batman heißen). Demontage der menschlichen, schwächenbehafteten, middle-of-the-road-liberals wie Nite Owl, der zwar die Nase rümpft wenn gefoltert und gemordet wird, es der Sache wegen aber dennoch gutheißt, solange er sich nicht direkt die Hände schmutzig macht. Egal ob der Comedian, Silk Spectre oder Adrian Veidt – letztlich sind die Helden alles gestörte, fertige Arschgeigen auf die wir gut verzichten können.
Und es macht Spaß dieser Demontage zu folgen, in den vollgepackten Bildern immer wieder Details und Anspielungen zu entdecken. Positiv auch, dass der Film bewusst gorig-blutig und sexuell offenherzig ist und sich alleine dadurch von seinen Popcorn-Kameraden unterscheidet. Die Geschichte entfaltet sich langsam und nimmt sich Zeit die einzelnen Figuren vorzustellen und auch zwischendurch immer wieder Einschübe, Rückblenden und episodische Schlenker zu vollführen. Das führt dazu, dass sich durchaus das Gefühl einer sehr reichen Welt einstellt. Die Mischrealität funktioniert und die “What if..?”-Gedankenspiel-Grundlage des Stoffes sorgt immer wieder für witzige Momente und faszinierende Ideen. Was wäre wenn es den Watergate-Skandal nie gegeben hätte und Nixon immer noch Präsident wäre (Wobei die Nixon-Figur – gespielt von einem unter schlechten Prosthetics begraben Robert Wisden – hier fast comichafter wirkt, als die Superhelden) Wie hätten die 60er, 70er und 80er Jahre ausgesehen, wenn es Superhelden gegeben hätte?
Der einzige echte Superheld – also mit übermenschlichen Kräften ausgestattete Held – ist das Quantenwesen Doctor Manhattan (eine Full-CG-Figur, der von Billy Crudup per MoCap Leben eingehaucht wurde – Full-CG wahrscheinlich weil man sonst befürchtete für den blauen Schniedelschwinger ein NC17 zu kassieren), alle anderen Heroen bedienen sich lediglich technischer Gadgets und effektiver Kampftechniken. Das unterscheidet die Geschichte deutlich vom Konstrukt der X-Men oder der Heroes-Protagonisten, die zwar ebenfalls Repressalien ausgesetzt sind, aber auch tatsächlich über Kräfte verfügen. Die Watchmen sind tatsächlich im wesentlichen “Men in Tights”, die aus verschiedenen Gründen meinen kostümierte Gerechtigkeit unter der Volk bringen zu müssen. Das die Schauspieler ihre Rollen dabei gut ausfüllen, ohne übermässig sympathisch zu wirken, erscheint nur konsequent.
Die Ergebenheit mit der Snyder in jeder Sekunde bemüht ist der Vorlage zu folgen, ist allerdings auch für die Schwächen des Films verantwortlich. Denn als actionreicher Blockbuster, als Popcornerlebnis ist Watchmen tatsächlich nicht zu gebrauchen. Er folgt weder dem ironischen Fun-Spaß eines “Iron Man”, noch der mainstreamfreundlichen Pseudotiefe eines “Dark Knight”. Mit seinen 160Minuten (Der Directors Cut soll dem Vernehmen nach 190mins laufen) ist “Watchmen” stellenweise anstrengend anzuschauen, denn dem Whodunnit-Motiv, der Aufklärung der “Verschwörung” und dem näher rückenden atomaren Doomsday, wird oft nur mäandernd, zögerlich und mit großen Unterbrechungen gefolgt.
Snyder klebt – auch wenn er naturgemäß so einiges weglassen musste (und die Comic-im-Comic-Abenteuer der “Tales from the Black Freighter” gleich in einen DTV-Tie-Inn-Animationsfilm ausgelagert wurden) – sehr eng an der Vorlage. Und der merkt man die Veröffentlichungsform in 12 Instanzen durchaus an, denn mehr als einmal stellt sich das Gefühl ein, statt eines Filmes eine TV-Serie zu sehen. Die Spannung, der dramaturgische Zug bleibt dabei leider oft auf der Strecke. Der Weg ist das Ziel. Ungeduldige Naturen – grade solche die den Comic nicht kennen – werden sich vielleicht ein ums andere Mal wünschen, das Synder schneller auf den Punkt käme und das ganze einfach etwas weniger talky und etwas rasanter abliefe.
Die große Nähe zur Vorlage spiegelt sich jedoch nicht nur in der Story, sondern auch in der Optik wieder. Der Vorwurf zu sklavisch den Frames des Comics zu folgen, zu wenig eigene optische Interpretation zu bieten ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Snyder setzt wie in “300″ auf die bildgetreue Nachahmung, die bei den gängigen Gegenüberstellungen von Filmszene und Comicpanel immer zum gewünschten “Ahhhh genau wie in der Vorlage” führen. Damit nimmt er sich natürlich auch die Chance einer echten eigenen Bildsprache und wirkliche Kino-Dynamik zu erzeugen. Viele Bilder sehen genau deswegen gut aus, weil sie auch im Comic schon sehr wirksam inszeniert waren. Dem Film mangelt es dadurch an Eigenständigkeit, ja der Vergleich mit den im letzten Jahr erschienenen Motion-Comic der Watchmen ist oft schlicht zwingend. Die Frage was Snyder den Watchmen eigenes hinzufügt, kann daher nur unbefriedigend beantwortet werden. Ein Alfonso Cuarón, der die Harry-Potter-Verfilmung durch seinen eigenen Stil in Teil 3 auf eine völlig neue qualitative und adaptive Ebene holte, ist Snyder sicher nicht.
Seine Ehrfurcht und sein Respekt bleibt immer spürbar, genau wie die Lust möglichst viele Elemente der Vorlage zumindest anzudeuten (selbst die Referenz auf die “Outer Limits”-Folge “The Architects of Fear” die starke Ähnlichkeiten zur Watchmen-Story aufweist und von Moore bewusst eingebaut wurde, findet sich bei Snyder wieder). Trotz seiner optischen Finessen, des sehr sehenswerten Setdesigns, der gut gewählten Darsteller und der in vielen Szenen ganz netten Tricks, umweht Watchmen leider auch der Hauch eines Films der von einem Fanboy für Fanboys gedreht wurde.
Das ist nicht schlecht, denn als Fan hat Synder gut daran getan die Story nicht ihres kontroversen Potentials zu berauben, es fehlt aber dennoch die künstlerische Eigenständigkeit, die eine Adaption ausmachen kann und die im Bestenfall über die Qualitäten der Vorlage hinaus etwas Neues erschafft, das aus sich heraus Bestand hat.
Watchmen ist eine ambitionierte, mit viel Leidenschaft produzierte Bebilderung des Watchmen-Comics, die wohl viele Leute auf die Story aufmerksam machen wird, die es vorher noch nicht gelesen haben. Sie kann viele der inhaltlichen Stärken des Comics für sich verbuchen und wirkt dennoch ein wenig ausgebremst an einigen Stellen. Dazu gesellt sich eine etwas gewöhnungsbedürftige Musikauswahl (von 99 Luftballons bis zum unsäglichen und zukünftig unter Androhung von Stockhieben mehr nicht mehr erlaubt sein dürfenden Einsatz von “Halleluja”) und einige eher mittel gelungene CGI-Effekte. Nite Owls – Eulenkutsche sieht man ihre digitale Herkunft ebenso schmerzhaft an, wie vielen animierten MattePaintings, dem von Doc Manhattan auseinandergepuzzleten Panzer, seinem digitalen Pimmel und den grauenhaften Glaskonstruktionen die der Doc in seiner “Ich mach aus dem Mars jetzt ein Swarowski-Showplaneten”-Phase bastelt. Alles nicht dramatisch und keineswegs geeignet den Filmgenuß wirklich zu trüben, aber schade, grade angesichts der Qualität des realen Setdesigns, das Retro-Style, 80er-Optik und Noir-Flair miteinander geschickt vermischt.
Bei allen Schwächen, logischen wie dramaturgischen bleibt aber dennoch ein Film, der Dank seiner Vorlage immer noch mehr Spaß macht und Grund für Diskussionen gibt, als die meisten Comic-Verfilmungen, der letzten Jahre. Der prophezeite Flop der als unverfilmbar geltenden Graphic-Novelle ist somit abgewendet. Die umständliche Erzählweise wird aber wohl dafür sorgen, das klassische Superhelden-Fans den Film eher mit gemischten Gefühlen betrachten werden und reine Popcorn-Actionfans sich wahrscheinlich auch eher schwertun – den im Grunde ist auch der Film, wie der Comic ein Tritt an den Kopf der Spider-Man’s und Batmans dieser Welt.
Die romantische Verklärung des Heldentums, die in Spider-Men 2 bis weit über die Kitschgrenze zelebriert wurde, erfährt mit Watchmen einen gründlichen Exorzismus. Und das alleine macht den Film schon lohnswert.
Renington Steele meint:
Da bin ich mit Batzman mal ausnahmsweise weitgehend einer Meinung. Hier ein Auszug meines Reviews, ursprünglich auf Spreeblick erschienen:
Der Film ist zum Glück nicht so zeitlupenintensiv wie angenommen, erwarteten doch die meisten nach dem Slomo-Porno „300“ erneut eine Orgie der Langsamkeit von Zack Snyder (Regie). Dem ist nicht so, er setzt die Zeitlupe zwar häufig ein, das tut er aber sehr pointiert und nicht exzessiv.
Überhaupt: Ästhetik. Der Film sieht wahnsinnig gut aus, was natürlich nicht Snyder, sondern Alan Moore bzw Dave Gibbons (Zeichner des Comics) geschuldet ist. Snyder hat die Panels des Comics oft 1:1 umgesetzt, nur hier und da Änderungen vorgenommen, um der größeren Dynamik des Medium Films gerecht zu werden. Unter anderem änderte er das Ende, was unter den Fans große Diskussionen auslöste. [Spoiler!] Wo am Ende des Comics ein riesiger Riesenkraken ganze Städte auslöscht, sind es hier schnöde Superbomben, mit der Energiesignatur Dr.Manhattans versehen. Das Ende funktioniert für den Film tatsächlich besser, ein riesiges Tier wirkte deplatziert.[/Spoiler!]
Die Meta-Ebene der Vorlage streut Snyder an manchen Stellen ein, indem er andere filme zitiert und versucht so, diese Erzählebene in den Film zu holen. Als Beispiel sind mir vor allem „Oldboy“ und „Apocalypse Now“ (die Vietnamszene ist mit Wagner unterlegt) aufgefallen, und eine der Splatterszenen wirkte tatsächlich sehr Braindeadesque. Hier bleibt es aber beim Versuch, bei Einzelfällen, und sie wirken wie ein „Hey, wir müssen unbedingt die Meta-Ebene cineastisch übersetzen“.
Der Film hat zwei zentrale Figuren: Rorschach und Dr. Manhattan. Vorlage wie Film umkreisen die beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Rorschach ist, wie bereits beschrieben, ein reaktionärer Halbnazi, der auf „die Liberalen“ schimpft und keinerlei Kompromisse eingeht. Auf der anderen Seite Dr. Manhattan, ein Halbgott, der Atome mit Gedankenkraft auseinandernehmen kann und keinen Sauerstoff braucht, wenn er auf dem Mars ein Schloß in Form eines Uhrwerks baut. Dr. Manhattan ist Rorschachs Antithese, romantisch mit Quanten und Atomen bewegt er sich auf der Zeitachse in jeder Richtung, teleportiert sich von hier nach da und erzählt außerweltlichen Quatsch.
Dr.Manhattan ist im Comic schon sehr cheesy (“Atome fügen sich zu Welten, ich sehe die Zeit und so weiter und so fort“ – er redet fast nur so), im Film wirkt das allerdings meistens unfreiwillig komisch. Im Kontrast Rorschachs kompromissloses Vorgehen, das sehr gut und hart umgesetzt und von Jackie Earle Haley sehr gut gespielt wurde. Dieser Kontrast wirkt allerdings seltsam in der Filmumsetzung. Er wirkt dadurch oft leider episodenhaft und nicht flüssig erzählt. „Watchmen the Movie“ wirkt deshalb manchmal ein wenig wie ein Flickenteppich, als ob sich Snyder von einer wichtigen Szene im Comic zur nächsten hangeln würde.
Mein Fazit: „Watchmen“ ist ein guter Film, visuell herausragend trotz nur okayer Effekte – die CGI wirkt ein bisschen wie Plastik, was zwar Absicht ist, aber seltsam wirkt. Es macht Spaß, ihn sich anzusehen, vor allem die ersten 20 Minuten sind ganz wunderbar, er ist aber leider nicht das Meisterwerk, das der Comic ist. Dazu ist Snyders Annäherung an die Komplexität des Stoffes zu plump, die 1:1-Umsetzung zu unoriginell. Eine stärkere Anpassung an das Medium Film hätte ich mir gewünscht. So bleibt Watchmen „nur“ eine relativ starke Comic-Verfilmung mit handfester Action.
***
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- März 5th, 2009 •
- 103 Kommentare
- Schlagwörter: fox, Warner, Watchmen, Zack Snyder












































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