Zu Stanley Kubricks zehntem Todestag

25 Comments

kubrick

Heute vor zehn Jahren starb Stanley Kubrick im Alter von 70 Jahren. Die anderen Filmfreunde können meine Leidenschaft für Kubrick nicht ganz nachvollziehen, ich aber finde, der Mann war ein Visionär des Kinos, der kompromisslos nach den besten Einstellungen, nach den besten schauspielerischen Leistungen und nach der besten Erzählform suchte. Was ihm mit eigentlich jedem Film gelungen ist, denn tatsächlich kann ich mir keine von Kubrick verfilmte Geschichte besser verfilmt vorstellen, als er es tat. Wobei ich anfügen muss, dass ich nicht alle Filme von Kubrick gesehen habe, allen vorneweg „Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“, den ich bis heute nur auszugsweise kenne.

Viele seiner Filme stehen bis heute auf meiner Alltime-Topliste ziemlich weit vorne. „Die Rechnung ging nicht auf“, sein Krimi-Drama, das den Coup einer Gangster-Bande minutiös nacherzählt. Diesem Film hecheln alle OceanElevens hinterher, ohne jemals diese punktgenaue Erzählweise zu erreichen. „2001“, bis heute ein unerreichter Science-Fiction-Film, dem man vielleicht religiöse Untertöne vorwerfen kann, aber nicht muss. Ein ganz absichtlich episch und breit erzähltes Meisterwerk, das darüber hinaus als ganz banaler Space-Thriller funktioniert. „Clockwork Orange“ mit seiner WTF-Optik, der gleichzeitig Staatsgewalt als auch die totale Freiheit dekonstruiert. „Full Metal Jacket“, sein fast schon zynischer Kommentar zum allzu menschlichen Mechanismus „Krieg“. All diese Geschichten, all diese Filme wären ohne Kubricks Handschrift nichts.

Ein Zitat von ihm lautet: „Ich weiß nicht, was ich will – Ich weiß aber sehr genau, was ich nicht will.“ Ein solcher Satz kann nur von einem wahren Künstler stammen, jemand, der weiß, wie kreativer Prozess funktioniert und der sich mit nicht weniger, als dem bestmöglichen Ergebnis zufrieden gibt.

Das Kino hat vor zehn Jahren einen seiner besten verloren. Here’s Johnny!


(Youtube Direktjohnny)

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  • http://www.channelshift.de Michael

    Bei aller Leidenschaft zu Stanley K. und seinen Kultstreifen: Seinen “früheren” Werken, etwa Lolita, Spartacus oder (mit Einschränkungen) Barry Lyndon kann ich bis heute nichts abgewinnen. Aber es ist ja irgendwie beruhigend zu wissen, dass auch ein Genie wie Kubrick mal ‘nen Rohrkrepierer drehen kann…

  • karmacoma

    Ich finde gerade Barry Lyndon ist sehr unterbewertet. Ich kenne keinen einzigen anderen “Kostümfilm”, den ich mir angucken würde. Hier ist alles so gewissenhaft inszeniert, typisch Kubrick eben.

    Und wie kann man bitte als Filmfreund Kubrick nichts abgewinnen? Der Mann ist Film pur.

  • http://www.helltours.de badeboom

    …gerade läuft wieder 2001 auf Tele5! Immer wieder wundervoll!

  • http://klti.de/ klti

    Also ich bin im großen und ganzen durchaus Fan von Kubrick, aber mit seinen frühen Werken tue ich mich doch etwas schwer. Dr Strangelove sollte man aber unbedingt mal gesehen haben (“Gentlemen, you can’t fight in here! This is the War Room!”). Es gibt auch eine wirklich sehenswerte Doku über Kubrick, IIRC hat die ARD/Arte vor Jahren für die Berlinale gedreht.

    Was ich ja an der Geschichte um seinen Tod so interessant finde, ist das Timing, keine Woche nach dem Screening des Final Cut von “Eyes Wide Shut”.

  • http://www.oneiros.de Martin Schröder

    2001 im “wir verachten Kino”-Sender Tele5 ist nun wirklich kein Geburtstagsgeschenk für Kubrick…

  • jack

    Stanly Kubrik war der Perfektionist schlechthin, er hätte für jeden seiner Filme mindestens den Regie-Oscar verdient gehabt, aber keinen einzigen bekommen. Und wie kann man Strangelove nicht gesehen haben? Mein Führer, I can walk!

  • freeminder

    Steven Spielberg sagt, in einem Interview auf der “Eyes wide shut” DVD, folgendes: “Die Art und Weise wie er Geschichten erzählt hat, war halt anders als die Art und Weise, wie wir es gewohnt sind, Geschichten erzählt zu bekommen”. Ich finde das trifft es genau. Kubrick war der erste amerikanische Regisseur überhaupt, der die typischen Erzählkonventionen auf den Kopf gestellt hat und das in großen Produktionen, die auch dem entsprechend beworben wurden. Das dieser Mut und diese Hingabe sich in Hollywood nicht verbreiten konnnte ist leider ein Armutszeugnis. Sowohl für heutige Filmemacher als auch für den heutigen Zuschauer. Denn so ist doch die traurige Wahrheit. Die Leute WOLLEN immer und immer wieder das selbe sehen. RIP Stanley

  • Claas

    Lange Jahre konnte ich mit Kubrick nichts anfangen. Auch “Shining” fand ich nur semicool und “2001″ stinklangweilig und effektverliebt. Vielleicht hängt es auch mit meinem Filmstudium zusammen, aber ich habe Kubrick dann mal reingezogen und bin bis heute schwer begeistert.

    …und @ freeminder: Kubrick war Brite!

  • Auggie Wren

    Ich verehre Stanley Kubrick, denn er war ein wahrhaft besessener. Es gibt nur äußerst wenige Menschen seines Schlages; Menschen deren Arbeit man ansieht wie begeistert ihr Schöpfer dabei gewesen war.
    Kubrick war nicht bloß ein guter Regisseur wie viele andere gute Regisseure. Er war ein Film-Komponist und sehr filigraner Dirigent dessen enormes technisches Wissen nie die atmosphäre beeinträchtigt hat.
    Hört sich ziemlich geschwollen an, aber das sind nunmal die Worte, die mir zu Kubrick einfallen. Ich kann es nur so zusammenfassen:
    Stanley Kubrick ist für mich einer der größten Künstler aller Zeiten.
    Rest In Peace!

    …und @ Claas: Kubrick war doch Amerikaner, er wurde in New York geboren und hat noch lange in den USA gelebt.
    Wenn schon so penibel korrigieren, dann auch richtig.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Nilz N Burger

    ich liebe full metal jacket und clockwork orange ist ein extrem wichtiger film in meiner filmischen sozialisation, den ich mit 14 mit offener kinnlade geguckt und bestaunt habe. 2001 finde ich hingegen stinklangweilig, was vielleicht daran liegt das ich mit dem genre per se überhaupt nichts anfangen kann. und strangelove find ich auch fad.

    das bedeutet aber nicht das mir das genius kubricks nicht bewusst wäre. der typ war in der tat ein brillianter erzähler und hat grenzen nicht nur ausgelotet, sondern gesetzt. also bitte, rené…;)

    nur “eyes wide shut” habe ich mir bis heute nicht angeguckt und werde ich wohl auch nicht mehr tun…erotische dramen, oder thriller mit erotischen untertönen, wie auch immer: alles was ich darüber sah und las schreckte mich ab und ich will mir nicht mein eigenes bild von stanley zerstören. deswegen spare ich den aus.

    (p.s.: ja, ich mag sogar a.i. und denke das kubrick recht damit hatte, den von spielberg machen zu lassen)

  • http://www.stud-offenburg.de Nico

    Kubrick hat auf jeden Fall einen ganz eigenen Stil, den man mögen kann oder auch nicht, aber er hat den Weg bereitet für viele Filme, die ohne seine Vorarbeit wohl nie gedreht worden wären.
    Hinzu kommt seine absolute Detailversessenheit und absolut verschrobene Art. Auf jeden Fall ein ganz großer Mann des Kinos!

  • http://www.helltours.de badeboom

    Es ist immer wieder unfassbar zu sehen, wie weit ich mit meiner Meinung von Nilz’ entfernt bin. Unfassbar!

  • Mozzerino

    Ich hab gestern abend ständig hin und her geschaltet zwischen DSDS und 2001. Eine größere Differenz zwischen Trash und Genialität kann man wohl nicht erreichen.
    Kubrick war der Meister, so einfach ist das. Jemand, der die Macht der Bilder begriffen hatte, der wusste, dass eine Szene keine Aussage vor sich her tragen muss, sondern dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte. Jemand, der realisiert hatte, dass menschliches Schaffen und Handeln nicht zu etwas spektaluränen führen muss, sondern dass das Handeln selbst das Spektakel ist.
    Gibt es einen modernen Kubrick, jemand der ihm im Moment nahekommt? Jemand der auf diesem Produktionslevel Filme dreht, die einerseits bei 90 Prozent des Publikums erst einmal ratloses Schulterzucken auslösen, aber trotzdem Erfolge sind?
    Paul Thomas Andersson ist mit “There will be blood” ein kubrick-haftes Meisterwerk gelungen, andere Beispiele finde ich nicht.

  • http://verwickeltes.wordpress.com Marc W.

    Irgendwo las ich mal, Kubrick habe so gut wie nie das jeweilige Genre verstanden und aus Angst nicht ernstgenommen zu werden, zudem noch langweilige Filme gedreht.

    Das erklärte für mich sehr einleuchtend, warum mir – bis auf “Dr. Strangelove” und “Wege zum Ruhm” – keiner der Filme gelungen erscheint.

  • http://lattenzaun.blog.de lattenzaun

    Für mich ist Kubrick absolut einer der wichtigsten Menschen der Filmgeschichte. Und Shining ist einer der ganz wenigen Filme bei denen ich immernoch vor Angst erstarre. 2001 ist immernoch einer der ganz wenigen Filme bei denen mir vor lauter Bildgewalt die Kinnlade runterklappt. Usw. usw…
    Ich kann zwar auch verstehen dass manche Menschen nichts mit seinen Filmen anfangen können, aber die tun mir einfach ein bisschen leid, weil sie all das verpassen was ich bei diesen Filmen erlebt habe.

  • stb247

    @14

    Marc, deine Aussage macht irgendwie keinen Sinn. Speziell 2001, Shining, Barry Lyndon oder Clockwork Orange als nicht gelungen zu bezeichnen. Sorry, das ist so dermaßen am Thema vorbei…

  • monk

    “Dr. Strangelove” muss ich dir dann doch noch mal allerwärmstens ans Herz legen. Es ist immer noch mein Lieblingsfilm von Kubrick und mein Lieblingsfilm überhaupt. Ich muss beim jetzt doch immer wieder aufkommenden Diskussion über Abrüstung (ja vor allem wegen den nicht gerade rosigen Beziehungen zwischen Russland und den USA) immer wieder an so manche Szenen denken. Der Film fasst dir Problematik einfach so wunderbar zusammen und ist – was wohl die wahre Meisterleistung ist – eben einfach urkomisch. Der Film lässt einen mit Erstaunen zurück.
    Darüber hinaus ist er einfach toll gemacht. Die Startszene ist legendär und ebenso schön (man beachte die wunderschöne Schrift), Peter Sellers spielt wunderbar in den drei Rollen, ganz oben natürlich Dr. Stranglove (auf deutsch übrigens Merkwürdigliebe) und allgemein habe ich selten in einem Film eine derartige Masse an großartigen Charakteren gesehen.
    Vor allem ist es aber eben so derart zum Lachen (vor allem, wenn man wirklich alle Witze versteht), dass man diesen Film gar nicht genug empfehlen kann. Nachholen!

  • http://verwickeltes.wordpress.com Marc W.

    @stb247: “Geschmackssache”, sagte der Affe und biss in die Seife.

    Ist ja nur meine Meinung (“… erklärte für mich sehr einleuchtend, warum …”). Und am Thema vorbei? Sicherlich wäre es das gewesen, wenn die Überschrift gewesen wäre “Wir feiern ein Hochamt für Stanley Kubrick”.

  • http://www.DVDuell.de 4LOM

    An sechs Tagen schuf Gott die Welt. Am siebten Tag schickte Stanley Kubrick ihm alles mit Verbesserungsvorschlägen zurück.

  • GunGrave

    Wow… 10 Jahre ist das schon wieder her… hab mir vor kurzem erst “Stanley Kubrick – Ein Leben für den Film” … ne Doku angesehen. Die kann ich nur empfehlen… bietet einen wunderbaren Einblick vor und hinter die Kulissen dieses großartigen Regisseurs!

  • http://hampuslarsson.wordpress.com simon

    @rene: dann solltest du am donnerstag ins arsenal, da läuft the killing nämlich: http://www.arsenal-berlin.de/de/arsenal/kalender.html

  • http://bastisfilmecke.blogspot.com/ Hitman

    Endlich mal ein Forum, in dem die Leute zu den verschiedenen Filmen von Kubrick verschiedene Meinungen haben. Oftmals wird man ja nur mit absoluten Fanboys, die wirklich jeden Film von ihm lieben, oder absoluten Kubrick-Hassern konfrontiert.
    Ich bin relativ unentschlossen, wie ich das Gesamtwerk von Kubrick bewerten soll… Full Metal Jacket, Shining und vorallem Clockwork Orange fand und finde ich immer noch genial, weil sie den jeweiligen Genres neue Facetten gegeben haben.
    2001 auf der anderen Seite ist für mich nahe am Tatbestand der Körperverletzung…zu lang, zu lahm, zu künsterlisch.
    Trotzalledem hat Kubrick das Kino und das Publikum bereichert, gerade eben, weil er es in zwei Lager gespalten hat. Ich werde mich mit meinem Platz mittendrin wohl abfinden müssen.

  • http://www.youtube.com/user/PatrickBRau Patrick B. Rau

    @22
    1.) Wir sind kein Forum.
    Sagte mal ein gewisser Renington Steele zu mir. Aber das nur am Rande.

    Kubricks Filme sind meiner Meinung nach sowohl von einer nie verblassenden Aktualität, und eben darin sind sie sehr modern, andererseits sind sie auch wieder vollkommen zeitlos. Sie sind geschlossene Werke voller interessanter und den Zuschauer DIREKT ansprechenden Fragestellungen das Leben die Vergangenheit und die Zukunft betreffend und außerdem sind sie visionär, aber auch voller Widersprüche. Komplex, aber nicht unverständlich, phantasievoll und kreativ, stellenweise am Rande der Zumutung gleitend, doch letztendlich stets aufs neue beglückend und begeisternd in ihrer unerschöpflichen Fülle. Wenn ich noch Filmwissenschaft studieren würde, dann würde ich bestimmt ab kommendem Semester an einem interdisziplinären Projekttutorium an der Kulturwissenschaft zu Kubricks 2001 teilnehmen.
    Tu ich aber nicht und deshalb werde ICH es nicht tun.

  • Heinz

    Erstaunlicherweise spricht hier niemand über Eyes Wide Shut, ein Meisterwerk, das sogar locker die skandalös schlechten schauspielerischen Leistungen von Cruise/Kidman überspielt. Ich überlege die ganze Zeit, wie der Film wohl geworden wäre, wenn Kubrick ein anderes Dream Team engagiert hätte, angeblich waren ja auch Baldwin/Basinger im Gespräch, aber irgendwie mussten es doch die beiden Nulpen sein, wobei Kidman noch eine kleine Nuance besser spielt als Cruise. Aber die Story ist der Hammer und die Regie genial und die Bilder fantastisch…

  • http://www.youtube.com/user/PatrickBRau Patrick B. Rau

    Stimmt alles Heinz. Mich hat allerdings immer der Auftritt von dem Trottel aus der Super Perforator- Werbung genervt.

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr
  • photo from Tumblr

    Part of the cast of Avengers: Age of Ultron.

    07/27/14

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    unamusedsloth:

    No CAPES!

    07/25/14

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    strikerhercules:

    » Because only Vin Diesel could ever be ridiculously nerdy enough to attend the UK world premiere red carpet for Guardians of the Galaxy wearing a “I am Groot” t-shirt and walking on stilts

    07/25/14

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    Eeeewwwww

    07/24/14


  • Ohgott Transformers!


    07/12/14