Rachels Hochzeit (Review)

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“I am Shiva the destroyer, your harbinger of doom this evening.”

Originaltitel: Rachel Getting Married
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Jonathan Demme
Darsteller: Anne Hathaway, Rosemarie DeWitt, Mather Zickel, Bill Irwin, Anna Deavere Smith, Anisa George, Tunde Adebimpe, Debra Winger, Roger Corman
★★½☆☆

rachelgettingmarriedFamilienfest und andere Schwierigkeiten. Die Hochzeit von Rachel (Rosemarie DeWitt) steht an. Im Elternhaus und großen familiären Kreis möchte sie ihrem fürsorglichen schwarzen Freund das Ja-Wort geben. Dazu reist auch ihre Schwester Kym (Anne Hathaway) an, für ein Wochenende darf sie die Entzugsklinik verlassen, um die Festlichkeiten nicht zu verpassen – und ein wenig für die Schwierigkeiten zu sorgen. Kym ist der Fremdkörper an diesem Wochenende: Der Ex-Junkie, der ein großes schwarzes Loch in die Geschichte der Familie riss. Vor vielen Jahren hat sie unter Drogeneinfluss ihren kleinen Bruder in den Tod gefahren. Die Wunden der Vergangenheit drohen bei der Zusammenkunft erneut aufzureißen, nicht zuletzt weil Kym ihrem Gefühl, unerwünscht zu sein, bei jeder Gelegenheit großzügig Ausdruck verleiht.

Der Titel des Films suggeriert, die Handlung würde sich um Kyms Schwester Rachel drehen, doch die Perspektive dieses Familiendramas ist stets die der heimgekehrten Tochter, die über die harmonischen Multikulti-Feierlichkeiten wie ein Orkan hereinbricht: Die enorme innere (An)Spannung in “Rachel Getting Married” generiert Regisseur Jonathan Demme, der nach seinen Oscarhits “The Silence of the Lambs” und “Philadelphia” vor allem Dokumentarfilme inszenierte, mithilfe einer ständig bewegten digitalen Handkamera, die den Film ästhetisch im Heimvideo-Bereich zu verorten sucht. Doch nicht nur der gefakte Authentizitätslook, der den an und für sich klassisch aufbereiteten Stoff eines Familienmelodrams in unmittelbare Nähe rückt, verleiht Demmes Film eine fiebrige Intensität. Mehr noch vermittelt der Umgang mit Anne Hathaways zentraler Figur in Beziehung zum Familienensemble ein beklemmendes Gefühl.

Schließlich droht durch Kyms Besuch der familiäre Status Quo, auf den besonders bei Familienfesten Verlass sein muss, ins Wanken zu geraten, weil auch die Erinnerungen an eine gescheiterte Erziehung und das Unglück der Vergangenheit aufkeimen. Ein Unglück, das der Film von Anfang an immer wieder andeutet und umkreist, ehe er den elliptischen Dunstkreis lüftet. Stück für Stück reißen die alten Wunden auf, hagelt es Vorwürfe und Schuldzuweisungen, fließen Tränen, Blut und irgendwann auch wieder reinigendes Wasser, wenn sich Kym in einem bewegenden Moment unter der Dusche von ihrer Schwester wäschen lässt – das Nacktmachen Hathaways ist hier einmal mehr beliebtes dramaturgisches Werkzeug, um die Seele der Figur freilegen und schauspielerisch alles aufbieten zu können. Wirklich groß ist die bislang viel zu oft auf holzschnittartige Konfektionsware mäßiger Hollywood-Comedies festgesetzte Hathaway aber auch angezogen: Mit rotzigem, tieftraurigen Blick und zotteligen Strähnchen spielt die ihre bislang komplexeste, beste Rolle.

Weniger komplex hingegen sind die eigentlichen Familienprobleme, die auf Rachels Hochzeit nach und nach ins gegenwärtige Bewusstsein vorrücken. Was das große Drama lange ankündigt, entlädt sich schließlich in recht banalen und brav verhandelten Schicksalsereignissen, deren verstörenden Charakter die als vermeintlich intim ausgestellte Kamera lieber nicht in den Fokus rücken mag. Gegen Thomas Vinterbergs verstörendes “Festen” oder selbst “A Wedding” von Robert Altman, dem sich Demme im Abspann zu Dank verpflichtet fühlt, wirken die Familienprobleme in “Rachel Getting Married” ziemlich normal und rechtfertigen den enorm niederschlagenden Tonfall des Films mitsamt seiner forcierten Konflikte letztlich zu keiner Zeit. Und noch weniger den Versuch, dem Geschehen stets einen friedvollen Charakter verleihen zu wollen, wenn die Hochzeit zur großen ethnischen Kuschelparade mit beschwingter Hawaiimusik gerinnen soll. Weniger dramatische Aufladung und ein Mehr an belassener Normalität hätten dieser Hochzeit zumindest ganz gut gestanden.

In : Review

About the author

Rajko Burchardt mein es gut mit den Menschen. Die Spielwiese des Bayerischen Rundfunks nannte ihn vielleicht auch deshalb "einen der bekanntesten Entertainment-Blogger Deutschlands".

13 Comments

  1. Mozzerino

    Der große Wurf ist “Rachel getting married” tatsächlich nicht, aber meiner Meinung nach allein wegen der schauspielerischen Leistungen sehenswert. Anne Hathaway ist wirklich gut, mindestens genauso gut ist aber auch Rosemarie DeVitt als ihre Schwester. Die Szene mit der Geschirrspülmaschine hat mir auch gut gefallen.

  2. Patricia

    Noch habe ich den Film nicht gesehen, das Thema interessiert mich aber. Die Geschichte ums heimgekehrte Kind kennen wir ja schon aus der Bibel, aber eigentlich ist sie immer noch spannend genug, um auch den x-ten Film darüber zu drehen.

  3. mo

    hab den film in der englischen sneak gesehen und mich sehr geärgert. ist wirklich alles sehr forciert. die schauspielerischen leistungen waren in meinen augen eher fragwürdig (manchmal ist weniger eben mehr). und warum muss ich im kino eine hochzeit (und die geschätzten 800 lobreden am abend vorher) miterleben, wenn das schon im wahren leben nervt.

  4. AgentSmith

    Hehe, der war bei uns letztens auch als wahrscheinlichster Film in der Sneakprognose angegeben, da bin ich dann doch froh, dass wir stattdessen “Duplicity” zu sehen bekommen haben. ;)

  5. Ein Leser

    Beim lesen gestern dachte ich erst das ist euer Aprilscherz als ich heute auf SPON nochmal einen Artikel dazu fand wusste ich das es kein Scherz war…

  6. Patrick B. Rau

    *lol*
    Du hast auch schon aussagekräftigere Beiträge gebracht Jet. hahaha

  7. Yannick

    3,5 Sterne? NIEMALS! Langweiliger Streifen.

  8. Martin Sane

    Sterne zählen lernen.

  9. Claas

    Ich fand den gut!

  10. tdeece

    Anne Hathaways Gesicht ist zu groß für ihren Kopf …

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    … Damn.
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    imsirius:

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