“Ooouh. Shiny.”
Originaltitel: X-Men Origins: Wolverine
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Gavin Hood
Darsteller: Hugh Jackman, Liev Schreiber, Will i Am, Ryan Reynolds, Dominic Monaghan




Mal Sehen




Batzman
In letzter Zeit bin ich ein bisschen vernünftiger geworden, wenn ich über Filme erzähle: Ich bin be-/entgeistert, warte einen Tag, denke lange nach, schreibe ein Review, lösche ihn wieder, denke noch einmal nach und dann kann es losgehen. So auch bei dem Film, den ich seit gefühlten 100 Jahren sehnlichst erwarte: X-Men Origins: Wolverine
Fangen wir erst einmal mit der Geschichte an, die an dem Original-Origin angelehnt sind, wobei die Betonung auf “angelehnt” liegt. Denn obwohl gerade die ersten sechs Bände, also der erste Teil der Origin-Serie, einer der besten Serien sind, die ich über Wolverine gelesen habe, hat man sich entschieden diese nicht nur in 3-4 Minuten abzukaspern, sondern auch noch abzuändern, was mehr als schade ist, weil die Origin-Serie mehr Tiefgang hat, als man es von Comics normalerweise kennt.
Der Film startet im 19. Jahrhundert, als Jimmy (aka Logan aka Wolverine) schwer krank miterleben muss, wie sein Vater getötet wird. Als ihm daraufhin Krallen wachsen, tötet er im Affekt den Mann, der sich daraufhin als sein Vater ausgibt. Zusammen mit seinem Bruder Victor flüchtet Jimmy und ist aufeinmal unverwundbar und altert ab einem gewissen Alter nicht mehr. Warum das so ist, bleibt dem Zuschauer verborgen. Muss man ja auch nicht wissen, weil: Ist ja ein Mutant. Wird schon stimmen.
Jimmy und Victor haben eine Mordszeit miteinander. Es werden jede Menge Kriege mitgespielt, und nach und nach verändert sich Victor zu einem sadistischen Killer. Schließlich rastet dieser aus, woraufhin er und Jimmy, der ihm hilft nicht von den eigenen Männern gekillt zu werden, erschossen werden sollen. Klappt natürlich nicht, also entschließt man sich erst die beiden einzusperren und dann zu einer Spezialeinheit hinzuzufügen.
Bis hierhin sind ca 7 Minuten des Films vergangen. Klingt zwar komisch, ist aber so. Aber gerade, als ich mich enttäuscht in den Sessel schmeiße, geht die Action los! Es wird (allerdings ohne Blut zu sehen!) gemetztelt was das Zeug hält. Man kann sogar über Agent Zeros lächerlicher Action in Afrika hinwegsehen, als er eine zauberhafte 1A Pirrouette über den Zaun macht, seine leergeschossenen Waffen hochwirft und neue Magazine hinein. Allerdings geht Stryker, Chef der Truppe, zu weit, als er Victor befiehlt einen unschuldigen Mann zu töten, der nicht verraten will wo er einen geheimnisvollen Klumpen außerirdischen Metalls gefunden hat. Jimmy verlässt daraufhin die Gruppe und siedelt in Kanada an.
Jahre später werden Mutanten getötet und DNA-Proben entnommen. Dabei stellt sich (natürlich) heraus, dass Victor seine scharfen Fingerchen drin stecken hat und Jimmy irgendwann zu nahe kommt. Am Boden zerstört nimmt sich Stryker Jimmy an, der ihm verspricht dem Massaker ein Ende zu machen und Jimmy die nötigen Mittel gibt, um Victor zu töten. Waffe X wird geboren.
“Waffe X” ist die Bezeichnung des 10. Probanden, der an einer Experimentenreihe Strykers teilnimmt, Adamantium an den Mutanten zu bringen. “Wolverine” ist der Name, den sich Jimmy von nun an selber gibt. Ab jetzt wird auch ordentlich zugehauen und Dinge in die Luft gejagt!
Ich merke schon, wie es mir in den Fingern juckt die restliche Geschichte zu erzählen, dabei würde ich allerdings dem Film die wenigen überraschenden Momente nehmen, die er hat. Natürlich habe ich nicht erwartet in Sixth Sense Manier vom Hocker gerissen zu werden, im Gegenteil: Ich hatte mich auf “Origins” gefreut, bekam allerdings die Geschichte von “Waffe X”, die als Comicserie natürlich erst recht ihren Reiz hatte, wenn man sich fragte wie Wolverine sein Gedächtnis verlor, dafür aber ein unzerstörbares Metal auf die Knochen. Schade ist dabei wirklich, dass seine Vergangenheit und seine übrigen Fähigkeiten überhaupt nicht erklärt werden, sondern für selbstverständlich genommen. Dabei hat, wie gesagt, gerade seine Jugend und die Zeit im 19. Jahrhundert, in den Comics sehr viel zum Reiz der Geschichte ausgemacht.
Weitere Mankos: Heutzutage sollte man dem Zuschauer bitte keine Sonnenuntergangsszene vorsetzen, in den der Held mit seiner Braut auf dem Arm hineinläuft. Und erst recht möchte ich seit Jahren nicht mehr sehen, wie der Held in die Kamera brüllt, während er einen toten Menschen in den Armen hält und die Kamera langsam in den Himmel fährt. Also bitte…
Aber der Film hat mich dennoch überzeugt und hat, trotz der Lücken, seine 3,5 Sterne verdient. Zzgl. Fanbonus eines halben Sterns. Das erlaube ich mir jetzt einfach mal, denn obwohl die Story höchstens an der Serie angelehnt ist, sieht man endlich Wolverine live und in Farbe so kämpfen, wie man es sich in den Einzelbildern der Comics vorgestellt hat. Kampf-Choreografie, wie auch die Action drumherum haben Spaß gemacht und die kleinen, aber feinen, Lacher zwischendurch (die Fahrstuhlszene! Die Fahrstuhlszene!) waren gut gesetzt. Auch die gelegentlichen Zitate aus den Comics, wie zum Beispiel die Lederjacke, waren ein kleines Fest für den wahren Comicfan.
Und nun noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Vielleicht habt ihr es woanders gelesen: Nach dem Abspann kommt noch die obligatorische Szene. Ich werde euch nun ein bisschen Zeit sparen, denn schon während des Abspanns gibt es eine weitere Szene, die man sich getrost hätte sparen können. Für diejenigen, die kein Problem mit Spoilern haben, ein kleiner Tipp: Markiert die folgende Fläche:
Während des Abspanns sieht man Stryker, der dazu verdammt wurde zu gehen, bis die Füße bluten und noch viel weiter. Er wird angehalten und von Soldaten eingepackt, die ihn wegen dem Mord an seinem Chef befragen wollen. Ja und? Welchen informellen Wert hat man durch diese Szene gewonnen?
Schlimmer ist allerdings die verschwendete Zeit, wenn man bis zum Ende des Abspanns wartet:
Logan sitzt in einer Japanischen Bar. Die Bedienung fragt auf Japanisch, ob Logan, der frisch sein Gedächtnis verloren hat, Amerikaner sei.
“No, I’m Canadien, I think.”
“So, are you drinking to forget?”
“No, I drink to remember…”
Booooring! Wie vorhersehbar ist bitte der letzte Satz? Wieauchimmer – ich freue mich ein klein wenig über den Hinweis auf Logans Zeit in Japan, hätte allerdings Freudenschreie ausgespien, wenn wenigstens Peter Parker um die Ecke gekommen wäre, um sich für den Tod von Logans Freundin zu entschuldigen. So aber wartet man 10 Minuten bis der Abspann vorbei ist, um 20 Sekunden nichts zu sehen.
Wer übrigens wissen möchte, wie alles wirklich begann, dem bleiben nur folgende, herrlich blutige, Lektüren:
Wolverine Origin: Wolverine: Origin
Wolverine: Waffe X
Batzman sagt:
“Your country needs you…”
“I’m canadian.”





Some Spoilers Ahead
Wolverine ist insgesamt gute und vor allem auch gut besetzte Unterhaltung für Fans. Hugh Jackman hat seine Rolle verinnerlicht und es fällt schwer sich jemand anderen als unverwüstlichen Vielfraß mit Adamantiumklauen vorzustellen. Doch auch Liev Schreiber ist ein gut gewählter Sabretooth und darf wiedermal den Typ den man zu hassen liebt darstellen. Überraschend gut Danny Houston als Stryker – es ist verblüffend wie ähnlich er Brian Cox sieht und wie glaubhaft er die jüngere Version des zwilichtigen Charakters zum Leben erweckt.
Doch trotz der guten Besetzung hat Wolverine auch seine Probleme. Er leidet, wie auch schon andere Teile der X-Men an seinem eher gemächlichen Tempo, der weitgehend überraschungslosen Handlung und daran, dass er trotz allem Aufwand nie so ganz den Eindruck verhindern kann, den Pilotfilm einer Serie zu sehen.
Das liegt natürlich auch daran, das TV-Serien mittlerweile eine sehr hohe Qualität errreicht haben. Und trotzdem, irgendwie würde man im Kino mehr erwarten, eine andere Dramaturgie, eine höhere Geschlossenheit und weniger Soap-Momente. Gemessen daran wie brutal die Ereignisse in Wolverine sind, ist es auch oft ärgerlich wie handzahm und weichgespült die Gewalt daherkommt. Auch wenn es an grausigen Einfällen nicht mangelt, vom Massaker bis zu “I can feel your spine”, zu sehen ist davon nichts. Brutalitäten spielen sich bei Wolverine konsequent ausserhalb des Bildausschnitts ab und selbst nach der größten Metzelei bleiben die Schwerter unbesudelt.
Gegen Wolverine ist jede Heroes-Folge (im TV auch freigegeben ab 14) der pure Splatter. Und genau der Vergleich zu Heroes ist es auch, der Wolverine am meisten schadet. Denn bei allen Schwächen die die Serie zweifellos hat – sie ist sowohl in der Drastizität als auch in der Figurenzeichnung besser als Wolverine. Auch wenn er es in Interviews immer wieder betont: Hugh Jackmans Wolverine ist nicht wirklich düster… seine moralisch zweifelhaften Taten als Soldat in allen wichtigen Kriegen des 20Jhds finden in einer stylischen Montage statt und wenn die vorbei ist hat er nach Jahrzehnten des Kriegshandwerks auch schon sein Gewissen entdeckt und festgestellt, dass befehlsempfänger doch nicht sein Lebenstraum sein kann. Die Gewalt, selbst die Morde von Sabretooth und der Mutanten TaskForce haben eher was komisches und werden durch ihre zurückhaltende Inszenierung nie wirklich ernst genommen. Dort wo es zu spannend wird, kommen gerne auch mal absehbare und überflüssige Comedyeinlagen ins Spiel. Der “wir sind in einer hardcoresituation aber steigen in den Fahrstuhl in dem Muzak dudelt”-Scherz ist schon seit den Blues Brothers nicht mehr soo lustig und die breit ausgespielten Fettwanstgags sind sogar völlig unnötig und bremsen den Film dort aus, wo er Spannung und Tempo vertragen könnte.
Spannung ist auch ein gutes Stichwort, denn auch wenn Wolverine insgesamt ganz gut unterhält, wirklich spannend ist er eigentlich nie. Die Hauptfigur ist unzerstörbar und der hanebüchene Twist mit seiner umgebrachten Freundin wirkt wie eine Verzweiflungstat der Drehbuchautoren, die irgendwie den letzten Akt füllen wollten. Wir wissen das Stryker nicht stirbt, wir wissen das Sabretooth nicht stirbt… Logan ist eh aus dem Schneider und ob Swarowski-Girl und ihre Mutantenkinder heil raus kommen ist jetzt auch nicht so wichtig. Wolverine bietet einfach wenig emotionalen Punch, wenig gute Drama. Was schade ist, denn die anderen X-Men-Filme konnten ja genau durch ihre Story überzeugen, durch den Subtext und die Mehrdeutigkeit die für Comicfilme erstaunlich smart daher kam. Wolverine ist zwar mit einigen Längen und eher schleppend erzählt, letztlich aber nicht grade komplex oder anspruchsvoll – und ähnlich wie die Star Wars- und das Hannibal-Prequel vernichtet er viel Mysterium und macht die Figuren letztlich langweiliger, weil kein Platz mehr bleibt für Geheimnisse. Da hilft auch der laute aber insgesamt gewohnt öde Soundtrack von Harry Gregson-Williams nichts, der das macht was er immer macht: Viel Orchesterwumms der genauso schnell vergessen ist, wie man ihn gehört hat.
Zum Schluss noch ein Wort zu den Tricks: Bei einer Produktion dieser Größenordnung ist es schon sehr verwunderlich wie absolut durchwachsen die Tricks sind. Es scheint als hätten selbst am Standardtrick der Wolverine-Krallen verschiedene Firmen gearbeitet, denn diese sehen von Szene zu Szene mal ganz gut und dann wieder wie erste Klasse Render-Schule aus. Neben guten Szenen – das Highlight ist eindeutig die Motorradverfolgungsjagd – gibt es immer wieder Szenen die einfach billig wirken. Das gesamte Finale mit dem einstürzenden Kühlturm ist leider keine Glanzstunde der Tricktechnik und als Showdown enttäuscht der Kampf zwischen Logan, Sabretooth und Weapon 11 (ein völlig verschwendeter Ryan Reynolds) nach einigen wirklich sehr geilen Kämpfen doch immens.
Wolverine kann man gucken. Reicht aber auch im TV.
- Mal Sehen •
- April 30th, 2009 •
- 42 Kommentare
- Schlagwörter: Hugh Jackman, Wolverine, wolverine origins, X-Men









































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