Review

Last House on the Left (Review)

Standard, 12. 5. 2009, Jet Strajker, 14 Kommentare

„If bad people hurt someone you love, how far would you go to hurt them back?“

Originaltitel: The Last House on the Left
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Dennis Iliadis
Darsteller: Monica Potter, Tony Goldwyn, Sara Paxton, Garret Dillahunt, Martha MacIsaac, Riki Lindhome, Spencer Treat Clark, Aaron Paul
[rating:1.5]

lasthouseontheleftEinmal mehr wird ein einstiger Undergroundstoff seinem zeitlichen und räumlichen Kontext entrissen und für die immer noch fraglich hochkonjunkturelle Unkultur zeitgemäßer, auf ein klar abgestecktes Teenager-Publikum hinproduzierter Horror-Remakes, die in ihrer deutlichen formalen Abgrenzung der Vorbilder nach allen Regeln der Kunst die Gesetze des Mainstream-Kinos wahren, umgemodelt und vermeintlich aufgefrischt. Interessanterweise versuchte sich bereits der originale „Last House on the Left“ an einer Interpretation seines Referenzvorbildes, Ingmar Bergmans „Jungfrauenquelle“, dessen religiöses Meditieren über Verlust und den Willen Gottes er gegen eine kühne, rücksichtlose und von studentischem Übereifer gekennzeichnete Gewaltballade eintauschte.

Verhielt sich Wes Cravens frühe Regiearbeit zu ihrem Bezugsobjekt noch wie die naiv-intellektuelle, zumindest aber überaus geistreiche und im Anliegen deutlich gesellschaftspolitische Umkehrung des Bergman-Films, also einer Low-Budget-Neubearbeitung mit freimütigen Akzentverschiebungen, so begnügt sich Dennis Iliadis’ in der 2009er-Version des Materials größtenteils auf das brave Nachstellen jener einst verstörend bösen Bilder Cravens, die in ihrer jetzigen aalglatten Berechenbarkeit bestenfalls zu ein wenig Popcornrascheln beim pubertierenden Publikum führen dürften.

Die Rape-and-Revenge-Geschichte ist demnach die gleiche: Zwei unschuldige Bikini-Miezen vom Land geraten in die Fänge einer wüsten Großstadtbande, werden erst vergewaltigt und gefoltert, um anschließend einen qualvollen Tod sterben zu müssen. Unglücklicherweise sucht die mörderische Gang daraufhin nächtlichen Unterschlupf im Waldhäuschen jener Eltern, deren Töchterchen sie soeben Fluss abwärts elendig verenden haben lassen. Diese entpuppen sich dann, ganz so wie 1972 bei Wes Craven, hinter bürgerlicher Glitzerfassade als eigentliche Barbaren und führen gegen die Peiniger ihres Kindes einen genüsslichen Rachefeldzug – mit allem, was der eheliche Werkzeugschuppen so herzugeben hat.

Iliadis hat es, bei allem, was diese Neuverfilmung entschärfend an Änderungen vornimmt, immerhin verstanden, der zweiten Hälfte einen größeren Bedeutungs- und Spielraum zuzugestehen, um so zumindest die Essenz des Originals – das hinter US-amerikanischer Vorgartenidylle erst das wahrhaft monströse Gewaltpotential der Gesellschaft ausmachen und sich im Kontext der Hippiebewegung somit wohl gar als ironisch verstanden wissen wollte – auf logistischer Ebene wiederherzustellen. Doch verliert die, augenscheinlich deutlich explizitere, Meucheljagd der Eltern in dieser Neuauflage alles von ihrer symbolischen Bedeutung: Vom aufgebrachten Geist Cravens ist freilich ohnehin nichts mehr zu spüren (und der Verlust des bissigen Kommentars allein durch die Nicht-Reproduzierbarkeit der tief in den 70ern verwurzelten Vorlage erklärt), doch tut sich das Remake mit seinem Handlungsausbau in der zweiten Hälfte keinen Gefallen.

***SPOILER***

Denn unter den vielen anbiedernden dramaturgischen Korrekturen weg vom unangepassten, vielleicht gar impertinenten Erzählstil des Craven-Films, hin zur klassischen Opfer-Täter-Verteilung, wie sie das Mainstream-Format auf ein erträgliches, will heißen: beschwingtes, Unterhaltungslevel einpendelt, wurde auch das Überleben der Tochter gesichert: Damit die Identifikationsfigur das Ende des Films miterleben und dafür verletzt aus dem Fluss schwimmen darf. Dass das grotesk-brutale Abrechnen mit den Kindstötern – bzw. Nichttötern – dadurch keiner wirklichen Logik mehr, geschweige denn Aussagekraft folgt, liegt auf der Hand. Nur, und das ist das eigentlich perfide dieses weiteren sinnlosen Remakes eines 70er-Jahre-Genreklassikers, wirkt all die ausgestellte Gewalt – so glatt gebügelt und wenig schockierend sie auch erscheinen mag – dadurch nur umso unnötiger: Was einst einen subversiven Geist versprühte und bedauerlicherweise noch immer die Zensuranstalten beschäftigt, wirkt heute nur noch sinnentstellt, dümmlich und reichlich menschenverachtend. Nicht zuletzt der haltlose Epilog dieses neuerlichen „Last House on the Left“ erweist sich dabei als ebenso einfältig wie verräterisch.

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14 Kommentare

  • Reply Schroppi 12. 5. 2009 at 17:42

    Ich hab mir letztens das Orginal angesehn und fand es um ehrlich zu sein todlangweilig. Vielleicht schockt so ein Film heute nicht mehr wie damals. Allen voran die peinlichen Szenen mit dem Sherrif und seinem Gehilfen.

  • Reply Andi 12. 5. 2009 at 18:35

    Ich habe schon einige solcher Filme aus dem Zeitraum gesehen (einige Zombie-Filme, den alten TCM, etc.). Die fand ich richtig klasse, und teilweise sogar deutlich besser als die modernen Horrorfilme.
    Daher habe ich letztens auch das Original von „Last House on the Left“ gesehen, und war ebenfalls sehr enttäuscht. Ich fand den ganzen Film einfach belanglos.

  • Reply The Last House on the Left – Dennis Iliadis, 2008 | Fresh! Fresher! Läscher! 13. 5. 2009 at 5:50

    […] am Streifen ist die Schere zwischen Bildern und Geschichte. Wie der MovieGod und die 5 Filmfreunde aufzeigen, dünnt sich in seinen verschiedenen Adaptationen der  Stoff, der auf eine […]

  • Reply Andreas 13. 5. 2009 at 15:43

    Lief am Montag als Sneak-Preview. Ein sehr schlechter Film. Um Mitleid heuchelnd, aber dennoch unrealistisch und schwach erzählt. Irgendwie hatte ich erwartet, den Bruder noch irgendwie auftauchen zu sehen …

  • Reply Dominik 13. 5. 2009 at 17:09

    Habe ich auch in einer Sneak am Montag gesehen. Fand ihn nur schlecht. Ein total überflüssiger Film, besteht im Grunde nur aus der Vergewaltigungsszene und dem Massaker am Schluss. Spitze. Da fehlte jedwede Spur von Inhalt. Was mich wunderte war das teilweise im Publikum gejubelt oder geklatscht wurde.

  • Reply Patrick B. Rau 17. 5. 2009 at 1:15

    Ja. Absolut blöder Film. Die Mikrowelle hätte nicht sein müssen. Da hat der Vater etwas übertrieben.

  • Reply KodyMonstah 31. 5. 2009 at 16:02

    Gestern habe ich ihn gesehen. Inhaltlich sicher nicht der große Wurf, dennoch handwerklich durchaus ansehnlich. Teilweise schöne Kameraeinstellungen, die Charaktere funktionieren, dem (Ober-)Bösewicht kaufe ich sowohl seine aggro-böse Seite, als auch seine vorgetäuscht-freundliche Art ab. Nur das wirre Kameragewackel bei ein paar Kampfszenen hat mich gestört.

    ***SPOILER*** Auch wenn die vergewaltigte Tochter nicht stirbt, erscheint mir das Ausrasten der Eltern als logisch. Durch die Vergewaltigung ist das idyllische Familienleben vorbei, die Tochter und die Eltern werden immer damit zu kämpfen haben.

    Das eigentlich Widerliche an diesem Film waren die Einstellungen am Anfang, bei denen sich die Tochter umzieht und die Kamera ganz nah dran ist am BH und Slip. Wenig später wurde zweimal ihr wackelnder Hintern beim Laufen gezeigt. Dieses Ansprechen niederer Triebe verhält sich kontraproduktiv zur Vergewaltigungsszene, welche Mitleid und Abscheu hervorrufen soll, dann aber nur noch recht gleichgültig, wenn nicht sogar wohlwollend bzgl. eigener Sexualtriebe, hingenommen wird.

  • Reply Irreversibel 16. 6. 2009 at 17:53

    Danke an Andreas, dass ich jetzt bereits weiß, dass der Bruder nicht mehr auftaucht….Mag ja sein, dass der Film scheiße ist, trotzdem wäre es nett wenn man Spoiler markiert….

  • Reply Martin Sane 22. 6. 2009 at 3:21

    Bin da überhaupt nicht Jet’s Meinung. Zunächst einmal hat KodyMonstah völlig recht:
    ***SPOILER*** Die eigene Tochter muss ja nun nicht zwangläufig umgebracht werden. Sie zu foltern, zu vergewaltigen und 3/4 totzuschiessen scheint mir durchaus glaubwürdig Grund genug um den Tätern wehtun zu wollen.***SPOILER Ende***
    Ich habe das Original zwar nicht gesehen, aber ich fand den Racheteil jetzt gar nicht so Exploitation und so sadistisch. Im Grunde wurden alle im Kampf besiegt. Die einzige sadistische Folterszene kam am Ende, alles andere geht locker als Notwehr durch. Da war „Funny Bones“ deutlich fieser. Da hatten die Opfer nie eine Chance.
    Klar is „Last House On The Left“ ein x-mal gesehener Rape-und Revenge Film, er ist aber solide gemacht und hat kaum Längen. Dazu gutes Acting und ein Ende das man auch als Experiment in der Knoff-Hoff-Show zeigen könnte…3 von 5 Sternen.

  • Reply The Director 3. 7. 2009 at 17:10

    Am besten an dem Film finde ich den deutschen Trailer seines Vorgängers von 1972:
    http://www.youtube.com/watch?v=BOKMqy3aRWI

    Schien ein wirklich gut „gewürzter“ Film zu sein.

  • Reply Andi 3. 7. 2009 at 17:45

    Nee, hab den letztens gesehen. kein Vergleich zu dem alten TCM. Den fand ich richtig krass. Den Last House on the Left eher so naja.

  • Reply Dominik 26. 7. 2009 at 17:57

    Blablabla. Also wenn die Tochter am Ende gestorben wäre, hätte der Film einen Sinn gehabt? Nein, der Film hat bei mir kein Entsetzen hervorgerufen, er hat mich nicht zum Überdenken meiner Meinung über meiner eigenen und der gztbürgerlichen Moralvorstellungen bewegt. Es hat mich allenfalls angeekelt, dass ich die Vergewaltigung sehen musste.

  • Reply Leon 27. 10. 2009 at 12:52

    Ein ganz ganz schlechter Film. Abstoßend? OK – kann ich mit leben. Aber abstoßend auf eine Art, die den Film weiter bringt: ala Devil Rejects oder Martyrs. Das hier ist einfach nur eine Zumutung. Die Vergewaltigungszene ist ganz übel – meine Freundin verging total die Laune… . Die Schauspieler sind schlecht. Der Inhalt vorhersehbar und langweilig. Ist euch schon aufgefallen, dass Flüchtende grundsätzlich im Wald stolpern und Verfolgende nicht… komisch^^

  • Reply anita 1. 11. 2010 at 21:38

    ich bin total der fan von filmen mit selbstjustiz. und ich würde die eltern hier auch keinen falls als tatsächliche barbaren bezeichnen. den film fand ich ok. bei manchen stellen hab ich nicht hingeschaut, musste ich nicht haben.

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