Er war ein Aussenseiter, ein Ausserirdischer, ein gefundenes Fressen für den Boulevard. Ein Spinner, ein Getriebener, ein dunkler Peter Pan und der beste Popmusiker des 20. Jahrhunderts: Michael Jackson ist tot und die Popwelt um so vieles ärmer.

Für moviepilot habe ich einen Blick auf die filmischen Ausflüge von Michael Jackson und sein mediales Selbstbild geworfen
Es bedarf keiner tiefschürfenden Analysen um zu erkennen, dass Michael Jackson nicht grade der glücklichste Mensch der Welt war, auch wenn er augenscheinlich alle Chancen dazu hatte.
Doch ein Blick auf die Selbstdarstellung Jacksons machten deutlich, wie sehr er sich als Verfolgter, als Aussenseiter, als Getriebener, ja als Freak fühlte. Das drückte sich nicht nur in seinen Songs, sondern vor allem in seinem filmischen Schaffen aus.
Natürlich war Jackson kein großer Schauspieler, unzweifelhaft war jedoch seine Begeisterung für Film und besonders das eskapistische Genrekino. Kasperte er sich in den 70er Jahren mit seinen Brüdern noch durch eine halblustige Revue-Show (und steuerte den Titelsong zum ansonsten eher vergessenswerten Ratten-Horrorstreifen Ben bei), wurde Anfang der 80er Jahre seine Vorliebe für aufwendige und makabere Genrefilme immer deutlicher. Mit dem von John Landis inszenierten Mega-Video zum Hit “Thriller”, setzte er neue Maßstäbe im noch jungen Genre Musikvideo. Der furiose, ironische und tricktechnisch beeindruckende Kurzfilm zitierte nicht nur Werwolf- und Zombie-Klassiker, er gab Jackson das erste mal die Möglichkeit seine zwiegespaltene Persönlichkeit in angemessener Weise zu präsentieren.
Im Film-im-Film-Segment verwandelt er sich vom liebenswert, kindlichen Jacko in eine Bestie, etwas was er als sein Alter Ego im Kino amüsiert goutiert, nur um gleich darauf abermals vom verspielten Boyfriend zum untoten Über-Zombie zu mutieren.
In bizarrer Weise imitierte das Leben hier in der Tat die Kunst, denn in den Folgejahren mutierte auch der echte Jackson immer mehr zu einem “Monster”, das nicht nur optisch immer groteskere Züge annahm. Nicht ohne Grund fiel eine Newsmeldung des Satire-Magazins The Onion, von 2005 auf sehr fruchtbaren Boden. Es wurde berichtet, auf der Neverland-Ranch sei die Leiche des “echten Michael Jackson” gefunden worden, der bereits seit Mitte der 80er Jahre tot wäre (man habe keine Ahnung wer oder was seinen Platz eingenommen habe). Jackson war von einem gestaltwandlerischen Dämon erstzt worden. Das machte mehr Sinn, als die bizarre Wahrheit.
Je exzentrischer Jackson sich seine Peter-Pan-Welt ausgestaltete, komplett mit eigenem Zoo, Kinderbesuch und Spielzeugparadies, je bleicher und deformierter er sich der Öffentlichkeit präsentierte, um so größer wurden die Häme und der Spott. Schon lange vor den Anschuldigungen um Kindesmißbrauch, war Jackson zu einer überlebensgroßen Pop-Groteske geworden. Ein wahrer Außerirdischer, dessen Verhalten mit normalen menschlichen Maßstäben nicht mehr zu verstehen war und grade deswegen so unendlich faszinierend wirkte.
In seinem einzigen echten Kinofilm Moonwalker ironisierte Jackson im Segment “Leave me alone” den Hype und die Gerüchte um seine Person einmal mehr, zementierte aber auch seine Rolle als gejagter, unverstandener Aussenseiter. Das episodische Mischmasch aus Clip-Show und Science-Fantasy (in dem John Lennons Sohn eine Nebenrolle spielte), bot fantastische, überbordende Bilderwelten in einer absurden Story in der sich Jackson am Ende in ein gigantisches Transformers-Raumschiff verwandelt.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juni 26th, 2009 •
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