“What if the movie sucks?”
Originaltitel: Fanboys
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Kyle Newman
Darsteller: Sam Huntington, Chris Marquette, Dan Fogler, Jay Baruchel, Kristen Bell, Thom Bishops, William Shatner, Kevin Smith, Seth Rogen, Danny Trejo, Carrie Fisher




Batzman




Nilz N. Burger

1998: Der junge Eric Bottler (Sam Huntington) trifft auf einer Party seine alten High-School Freunde Linus (Christopher Marquette), Hutch (Dan Fogler), Windows (Jay Baruchel), und Zoe (Kristen Bell) wieder. Doch während Eric sich schon mit dem Leben als “Erwachsener” abgefunden zu haben scheint und brav im Laden seines Vaters den Autoverkäufer mimt, haben sich seine Freunde kaum verändert. Sie haben es sich in der selbstgewählten Spätadoleszenz gemütlich gemacht und fiebern auf nichts sehnlicher hin, als den Start von “Episode I” – dem neuen Star Wars-Streifen.
Als sie herausfinden, dass Linus den Filmstart wohl nicht mehr erleben wird, beschließen sie zusammen auf ein letztes gemeinsames Abenteuer zu gehen: Sie wollen in die Skywalker Ranch einbrechen und dort den Film stehlen, damit Linus ihn ehe er stirbt noch sehen kann. Ein Roadtrip voller Wirrungen beginnt…
Mit Fanboys kommt nach etlichen Verzögerungen ein Film in die Kinos, dessen Produktionsgeschichte wohl spannender ist, als das Endresultat. Nach ersten vielversprechenden Testscreenings entschied die Weinstein-Produktion und ihr Boss Harvey mit den Scherenhänden, dass die Story doch noch kommerzieller gemacht werden könne und die ganze Krebs-Geschichte rausgeschnitten werden solle. Außerdem wären eh noch ein paar Nachdrehs fällig.
Da Regisseur Newman davon nicht begeistert war, wurde fix der Regisseur Steven Brill (das Comedy-Genie hinter solchen Meisterwerken wie “Little Nicky” und “Mr. Deeds”) angeheuert, der diese Drehs betreute und den Film umzuschneiden begann. Die Fans waren davon nicht begeistert (zumal Brill auf ihre Kritik eher undiplomatisch reagierte) und riefen die Darth Weinstein-Kampagne ins Leben, drohten mit Boykotts anderer Weinstein-Filme, wenn Fanboys nicht in der von Newman beabsichtigten Version ins Kino käme. Nach etlichem Hin- und Her übernahm Newmann wieder das Ruder und bastelte aus seiner Version und den Nachdrehs die fertige Fassung, inkl. der Krebs-Nebenhandlung.
Die Frage ist jetzt natürlich ob der Film das ganze Gewese letztlich rechtfertigt. Was das angeht setzte bei mir leider schon recht fix die Ernüchterung ein. Denn auch wenn ich die Besetzung mag (Huntington, Baruchel und Bell sind durchaus ansprechende Schauspieler, die in anderen Rollen schon überzeugt haben), bleibt Fanboys eine sehr flache Teeniekomödie, die wesentlich weniger aus dem Thema macht, als möglich wäre und mit Newman einen Regisseur hat, der eher im Sketchformat zuhause scheint, als in der langen narrativen Form, die ein Spielfilm benötigt.
Denn auch wenn die Grundidee wohl eine Liebeserklärung an die Fanboys sein soll, mehr als die üblichen Klischees fallen Newman und seinen Drehbuchautoren dazu nicht ein. Ist der Anfang noch ganz gelungen und lässt die Hoffnung aufkeimen, dass der Film sich dem Thema mit etwas mehr Witz und Einsicht nähern könnte, anstatt Vorurteile und abgeschmackte Zitate zu pürieren, verfällt er schon bald in ausgetretene Pfade, die andere besser beschritten haben.
Wo sich Kevin Smith, der im Film ein kurzes Cameo hat, in seinen Filmen ungemein witzig und kenntnisreich mit der Popkultur auseinandersetzt und immer auch die Frage thematisiert, was es bedeutet erwachsen zu werden, ein eigenes Leben zu führen (sehr schön in Clerks II abgehandelt), bleibt Fanboys platte Oberfläche, die nie den Anschein abschütteln kann, dass sich die Autoren im Grunde nicht besonders für Fanboys und wie sie denken interessieren, noch wirklich verstanden zu haben scheint, warum Star Wars überhaupt diesen prominenten Platz in der modernen Popkultur innehat.
Der ganze Krebs-Plot wird nie als ernstzunehmendes Handlungselement ernst genommen. Kein Wunder, dass Weinstein auf die Idee kam ihn rauszukürzen – wirklich wichtig ist er nicht (und für jemand der bald stirbt ist Linus extrem krege). Dabei bietet grade die Konfrontation mit der Sterblichkeit im Grunde ideales Futter um die Figuren wachsen zu lassen, lebendig wirken zu lassen. Als MacGuffin mißbraucht ist Linus Krebs so beliebig, wie jeder andere Grund und der Roadtrip verkommt zu einer Aneinanderreihung mal mehr, meist weniger gelungener Klamaukepisoden, die jede Anmutung von Entwicklung im Keim ersticken. Erics Entscheidung auf den Trip zu gehen, ist auch schon die tiefschürfenste Charakterentwicklung des Films.
Natürlich sollte das Ganze nie ein Drama werden, aber selbst gemessen an anderen popreferenziellen Komödien kommt Fanboys nicht über das blanke Mittelmaß hinaus. Newman fehlt die Distanz zu seinen Figuren, um sie liebevoll zu karikieren und damit letztlich auch nachvollziehbar zu machen. So bleiben sie vernagelte Nerds, die genau wie ihre Gegner, die Trekkies im Grunde weit unter Wert verkauft werden. Galaxy Quest lieferte in einer Handvoll Szenen ein akurateres Portrait von Fanboys, als es Newman mit seinem Overkill altbackener Zitate schafft.
Das ganze ist mit seinem brachialen Muahaha-Humor mehr an Road-Trip interessiert, inkl. notgeilen Einlagen, Angst vor schwulen Lederkerlen, schlüpfrig-verklemmter Scherze und ungelenkem Slapstick, als an einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen Fanboy.
Das schlägt sich auch in den Cameos nieder, die mit der Eleganz und Subtilität einer Dampframme inszeniert werden. Hat Kevin Smith das in “Jay and Silent Bob strike back” noch schön veralbert, indem er die Cameos als solche thematisierte, werden sie in Fanboys einfach runtergekurbelt im sicheren Wissen, dass irgendwer im Kino seinen Kumpel in die Rippen stoßen und “Höhö das ist Lando Calrissian” murmeln wird. Der Trailer von Fanboys ist hier smarter als der Film, er bedient sich bei “Jay und Silent Bob” und benennt die Gaststars mit ihren ikonischen Rollennamen.
Es ist erstaunlich, wie wenig Newmans Crew eingefallen ist, zu einem Thema das soviel anbietet und zu dem ihm soviel Goodwill entgegenschlug. Die Trekkie-Gags sind mindestens so uralt wie Shatner und sein legendärer “Get a Life”-Sketch aus Saturday Night Live und auch die Star Wars-Zitate sind nach Spaceballs, ThumbWars, RobotChicken, George Lucas in Love, Blue Harvest, Darth Thriller, dem Star Wars-Sexfilm aus “Zak & Miri make a porn” und Dutzenden anderer Parodien so abgenutzt, dass es mehr bedarf, als einer lahmen Müllpressen-Anspielungen um von mir noch irgendeine Reaktion zu bekommen. Es reicht eben nicht, einfach nur Star Wars Geeks zu zeigen und zu glauben, das alleine wäre schon unglaublich komisch. Es braucht auch eine Haltung zu ihnen. Und ein Van mit Hyperspeed und Star Wars-Soundeffekte an allen Ecken, sind genau genommen auch eher das untere Ende dessen, was an cleveren Referenzen denkbar ist. Der Film macht es sich zu einfach, gibt sich zufrieden damit Klischees zu bedienen und von den etwas simpler gestrickten Fanboys erkannt zu werden. Die Fronten sind klar, das Ziel ist klar, die Gegner sind eindeutig und jede Reflektion endet in einem infantilen Kalauer.
Das ist bei einem solchen Thema, das soviel Potential hat fast schon ärgerlich, wenn sich am Ende nicht nur die ernüchternde Erkenntnis einstellt, das nicht nicht nur der Krebs-Aufhänger banales Beiwerk ist, sondern auch das Fanboytum selbst nur als billiges Accessoire für eine sehr durchschnittliche Teenieklamotte dient, die nichtmal das Niveau von “Die, Lucas, die” oder der Kiss-Komödie “Detroit Rock City” erreicht, der Fanboys, trotz sehr ähnlicher Prämisse, in allen Belangen unterlegen ist.
Was Fanboy-Filme angeht, liegen meine Hoffnungen immer noch auf dem lange angekündigten “’77″ (ehemals 77-5-23) der sich mit der Wirkung beschäftigt, den der allererste Star Wars-Film auf einen jungen Möchtegern-Regisseur hat. Nachdem “’77″ nach ewiger Postproduktion jetzt wohl auch endlich einen US-Verleiher gefunden hat, bleibt zu hoffen, das er irgendwie auch seinen Weg nach Deutschland findet.
Bis dahin guck ich aber glaub ich lieber nochmal die RobotChicken-Star Wars-Specials, statt Fanboys.
Nilz N. Burger findet:
Ich fand “Fanboys” grossartig. Sicher, Batz hat nicht in allem Unrecht, was er sagt. Aus der Krebs-Geschichte wurde tatsächlich überraschend wenig gemacht, die Motivationen für den Road Trip waren mehr als dürftig und es geht im Grunde genommen eben nicht um Fanboyism sondern um “Star Wars-Fanboys” und ihre Sicht der Dinge. Dabei kriegen eben Trekkies, tschuldigung, es heisst ja TrekkER, natürlich ihr Fett weg, klaro.
Nun kann ich mir das alles schön von Aussen ansehen, da ich noch nie wirklicher Fanboy war, weder bei Star Wars noch bei Star Trek (wenn ich ganz ehrlich sein soll, auch wenn es schockieren mag: Ich finde Science Fiction generell nur mässig spannend, müsste jetzt lange überlegen um einen Film aus dem Genre zu nennen, den ich WIRKLICH spannend finde), mag aber dieses ganze Popkultur-Imperium um die beiden Marken gerne. Sprich: Ich mag die leidenschaftlichen Grabenkämpfe zwischen den beiden Lagern und diese Fankultur des Weiterentwickelns. So wie Fans zum Beispiel klingonisch lernen, oder so was. Find ich schnafte.
Dementsprechend unvorbelastet konnte ich mir den Film auch zu Gemüte führen und was soll ich sagen? Er wird sicher nicht in die Top 10 meiner Lieblingskomödien kommen, aber unter die ersten 30 kommt er sicherlich. Der Film hat mir nämlich grossen Spass gemacht, inkl. seiner Referenzen. Zum Beispiel die Wachen in der Skywalker Ranch, die alle aussahen wie aus “THX 1138″, das fand ich super. Ebenso den Lichtgeschwindigkeitsvan, oder den Test-Phaser in der Auslage des Comicladens um vor dummen ST-Fanboys gewarnt zu sein. Spitze.
Und als ich dann noch drüber nachgedacht habe fiel mir auf: So doof finde ich das gar nicht mit der Krebs-Geschichte. Sicher, es wirkt wie mit der heissen Nadel geschrieben/geschnitten um der Geschichte noch irgendeine Bedeutung zu geben. Andererseits: Ich habe in noch keinem Film gesehen, wie eine so im Grunde genommen äusserst dramatische Geschichte, mit solch einer Selbstverständlichkeit erzählt wurde. Ohne Gefühlsduselei, ohne das grosse Drama. Es geht nicht um den Krebs, sondern wie es zwei besten Freunden passieren konnte sich so zu entfremden. Und das eben erst so eine Riesenscheisse wie so eine Krankheit über sie hineinbrechen muss, um sich dessen bewusst zu werden. Auch diese irrsinnig unsentimentale Endszene vor dem Kino, ich war ehrlich gesagt Baff das ich keine Rückblende zur Beerdigung gezeigt bekommen habe, das ihr gestorbener Kumpel zwar tot, aber irgendiwe noch bei ihnen war. Das hat mich im Nachhinein mehr gerührt, als alles was sie noch hätten zeigen können. Insofern: Vielleicht doch kein Schnittfehler? Denn, das muss man ja immer bedenken: In amerikansichen Produktionen ist wirklich gar nichts zufällig. Ich glaube die Irritation ist eben, das man solch einen Umgang mit diesem Thema nicht gewohnt ist.
Fanboys hat alles, was nen guten Road Trip Film ausmacht. Einen schnellen Grund auf Tour zu gehen, Drogenzwischenspiel auf Achse (Danny Trejo ist eh der Chef), und immermalwieder ein kleines Chaos hier und da plus ein Paar Nutten und einem Love Interest für die Oberpfeiffe. Ich wüsste nicht warum dieser Film etwas neu erfinden sollte. Er hat mich nur darin bestärkt Star Wars Fans eben immernoch die Spur cooler zu finden als Star Trek Nerds. Denn sind wir mal ganz ehrlich: Das sind sie ja auch…;)
Übrigens: Der Vergleich mit Kevin Smith Fanboyism-Hymnen ist natürlich total unfair. Das ist als würde ich den Humor eines Dieter Hildebrandt mit dem eines Dieter Hallervorden vergleichen. Bestimmt haben beide auch Witze über, zum Beispiel, Autos gemacht. Aber doch jeder auf ihre Weise und in ihrem Humor-Konzept. Fanboys ist eine Komödie, keine Dialoglastige Spachwitz-Revue. Das ist einem aber auch vorher klar.
Sicher kein Film für die Ewigkeit, aber ein angenehmer Zeitvertreib allemal. Solide 3 Sterne auf jeden Fall. Kann man sich bedenkenlos angucken. Und für die THX-Masken gibt es von mir noch das halbe Bonussternchen dazu. Vor allem für die Szene im Memorabilia-Raum.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 28th, 2009 •
- 23 Kommentare
- Schlagwörter: Fanboys, Fantasy, Science Fiction, Star Trek, Star Wars
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