Adventureland (Review)

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“Jesus Fucking Christ! They play this song like 20 times a day!”

Originaltitel: Adventureland
Herstellungsland: USA 2009
Buch und Regie: Greg Mottola
Darsteller: Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, Ryan Reynolds, Bill Hader, Martin Starr, Kristen Wiig, Margarita Levieva

★★★★☆

adventureland

1987: Eigentlich sah alles wunderbar aus für James (Jesse Eisenberg). Er hatte eine Freundin, ein tolles Studium in Aussicht und einen Europaatrip mit seinem besten Kumpel geplant.
Doch innerhalb weniger Tage zerplatzen alle seine Träume. Seine Freundin macht Schluss und seine Eltern informieren ihn, dass sie sich weder den Europatrip noch die Unigebühren leisten können, weil sein Vater auf eine schlechter bezahlte Stelle versetzt wurde. Alles was ihm bleibt ist sein meschuggener Jugendfreund Frigo (Matt Bush), dessen größter Spaß es ist, James unverhofft ins Gemächt zu boxen.
Die Reise kann er sich stecken und wenn er wenigstens zur Uni will, muß er irgendwie Geld verdienen. Leider sind die Möglichkeiten im kleinen Kaff Oberlin in Ohio, eher begrenzt und so landet er dort wo alle die meisten Jugendlichen jobben: Im Vergnügungspark Adventureland, der vom liebenswert-hippeligen Bobby (Bill Hader) gemanaged wird. Dort darf er Schießbuden betreuen, sich mit unwilligen Kunden herumärgern und dutzendfach am Tag “Rock me Amadeus” hören, das dort im Dauerloop läuft.
Doch es gibt nicht nur Schattenseiten, denn zumindest die Kollegen sind nett: Der von allen bewunderte Draufgänger Mike Connell (Ryan Reynold), von dem behauptet wird er habe mal mit Lou Reed gejammed und die problemgeplagte Em (Kirsten Steward), die sich dem Neuling James annimmt. Was zunächst schwierig beginnt, entwickelt sich zu einem Sommer, den James wohl nie vergessen wird…

Gregg Mottola liefert nach Superbad hier einen weiteren liebenswerten Coming of Age-Streifen ab, der trotz einiger klamaukiger Einfälle und zotiger Running Gags, eine sehr warmherzige und oftmals auch melancholisch-nostalgische Geschichte erzählt, die weniger als Haha-Komödie und eher als Skizze eines Sommers und den ersten großen Schritten zum Erwachsenwerden funktioniert.

Jesse Eisenberg, der zuvor in “The Squid and the whale” und “Cursed” überzeugen konnte und demnächst als Zombiejäger in “Zombieland” zu sehen sein wird, passt perfekt für die ruhigere Tonart des Films. Er ist Michael Cera nicht unähnlich, wirkt aber nachdenklicher und ein wenig eigensinniger als der schlacksige Neurosenteenie aus Superbad. Er ist der ideale Mann-Junge, körperlich schon fast erwachsen, zweifellos Intelligent und doch noch in den Strukturen des Elternhauses und der mangelnden Lebenserfahrung gefangen. In vielerlei Hinsicht sind die gar nicht mal so spektakulären Erlebnisse die er im Film erlebt archetypisch für einen Abnabelungsprozess. Erstaunlicherweise hat er in Kristen Stewart – die in Twilight nur als dumpfdreinglotzendes Teeniegirl zu sehen war – ein passendes Gegenstück. Ihre Emily ist nicht die Traumfrau, die sich James erhofft. Sie ist eher unscheinbar, ein wenig verschlossen, hat eindeutig schwerwiegende Probleme, säuft mehr als gut für sie ist und wirkt älter und lebenserfahrener als der fast gleichaltrige James.

Die Annäherung zwischen beiden ist zu erwarten und verläuft doch so schlingernd und ungelenk, wie solche Dinge eben oft ablaufen. Beide machen ihre dummen Fehler und beide haben ihre Gegenspieler. Doch wie auch in Superbad macht es sich Mottola mit seinen Nebenfiguren nicht einfach und es ist offensichtlich, dass ihm die liebevolle Karikatur eher liegt, als das platte Schwarz/Weiß-Klischee. Ja es gibt die steile Blondine, die James schöne Augen macht, ja es gibt den Womanizer, der alle Frauen flachlegen will. Es gibt die geekigen Freunde und unsicheren Chefs. Doch sie alle sind mehr als nur platte Witzlieferanten, sie bleiben trotz der Überzeichnung lebendige und vor allem unserer Sympathie und auch unsers Mitgefühls würdige Menschen, die auch über ihre ein-zwei Marotten hinaus existieren. Der Film nimmt sich Zeit für sie und schafft es in kurzen Skizzen zu zeigen, wie ihr Leben aussieht und was sie bewegt.

Natürlich lebt der Film durch sein Retrosetting. Wenn Falco und die Sommerhits der 80er durch den knuffig altbackenen Vergnügungspark tönen, wenn die Mitarbeiter sich nach getaner Arbeit ins Karussell setzen und den Joint kreisen lassen. Wenn sich Pärchen finden und verlieren und nach den richtigen Worten ringen die dann doch nicht kommen wollen.

Nein, Adventureland ist nicht brüllend originell in seiner Geschichte, denn das Thema Erwachsenwerden ist so universell schon hundertfach behandelt worden und so gibt es immer wieder auch das Gefühl des DejaVu – was in diesem Falle aber keinesfalls zum Nachteil gereicht, denn der Film erinnert ebenso oft an Momente die jeder selbst schon erlebt hat und die erst aus der Distanz eine gewisse Komik entfallten mögen. Erinnerungen an die Jungend und die dummen Fehler, die herben Enttäuschungen und impulsiven Entscheidungen die ein jeder mal traf. Adventureland fängt diesen Schwebezustand in der ironischen Rückschau des älteren Betrachters ein, der dennoch viel Verständnis für seine jungen Protagonisten und ihre Gefühlsnöte und ihre Fehler aufbringt.

Eine trotz aller derben Sprüche, sanftmütige Sommerkomödie und eine schöne Alternative zu all den ärgerlichen Eventflops die in diesem Jahr die Multiplexe verstopfen.

Hier der Trailer, der leider die Klamaukelemente und den Teeniehumor viel zu stark betont und den Film lauter promotet, als er vom Tonfall letztlich ist:


YouTubeDirectAdventure

In : Review

About the author

Batzman (Oliver Lysiak)
Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • http://www.twitter.com/blaubaum blaubaum

    “staunlicherweise hat er in Kristen Bell – die in Twilight nur als dumpfdreinglotzendes Teeniegirl zu sehen war – ein passendes Gegenstück.”

    Möb! Du meinst Kristen Stewart ;)

  • ShreksEsel

    Da hat der Batz zu später Stunde wohl schon von Veronica Mars geträumt :)
    Aber wie kommt denn das R-Rating da ins Spiel? Terminator 4 läuft auf PG-13, doch wenn da zwei angehende Twens ohne Badesachen in den Pool springen, müssen gleich alle auf den Arm.

  • Badratgeber

    Superbad war echt genial, wenn dieser Film wenigstens etwas von diesem Humor mit sich bringt dann werd ich ihn mir wohl im Kino anschauen.

  • mooky

    ich fand den langweilig, naja.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    @blaubaum / ShreksEsel

    Jep genau ;) Ist korrigiert

    Das R-Rating ist wieder nur für die derbe Sprache vergeben worden. Genau wie bei “Ticket für Zwei” ;)

  • GunGrave

    … naja der Trailer sieht nett aus… jedoch war Superbad unter aller Kanone… musste nur paar mal schmunzeln… naja warten wir ab… auf DVD sicher nen Blick wert! … und ja… Kristen – sieht mal aus als könne sie doch etwas schauspielern.

  • kapoow

    kristen gibt es ja immerhin nicht erst seit twilight ihr super film-kenner.
    meine güte….dafür das ihr den film nicht mögt, redet ihr aber ganz schön viel darüber.

  • CowVirus

    Ich fand Superbad langweilig und beschissen. Hab ich damals auch unter Batz Review erklärt. Konnte mir kaum vorstellen was man an diesem Streifen so gelungen finden kann.

  • Kevin

    Habe den Film schon auf englisch gesehen und bin recht angetan.
    Die Review gibt gut wieder was in dem Film passiert. Gefallen hat mir der Hauptprotagonist wirklich sehr und vor allem Kristen Stewart, die hier eine echt gut performance abliefert.
    Der Film erinnert ein wenig an “Nick and Norah: Soundtrack einer Nacht”.

    Anschauen lohnt sich!

  • kapoow

    @kevin: aber echt nur ein wenig. ganz wenig. so wenig. nein warte…. so wenig.

  • http://www.lolavanloo.com/wordpress Lola van Loo

    Superbad fand ich echt gut. Deshalb bin ich dem neuen Film gegenüber auch so angetan. Bin also gespannt, ob Adventureland anders ist und trotzdem den ähnlichen Humor beibehält.

  • Reznor

    Adventureland hat einen ganz anderen Humor als Superbad. Man sollte sich nicht zu sehr darauf fixieren, Superbad 2 sehen zu wollen, das kriegt man hier sicher nicht. Ich hab in Adventureland kein einziges mal gelacht, der Film ist nichtsdestotrotz klasse, wenn man erst mal akzeptiert hat, dass es kein Haha-lustig-Streifen ist.
    Der Film hatte Herz, man konnt sich mit den Charakteren identifizieren und bei ihren Auf und Abs mitfiebern. Kristen Stewart war auf jeden Fall ein Hingucker, auch wenn es zu ihrem Schauspiel zu gehören scheint, sich in Filmen mindestens 3 Dutzend mal durch die Haare zu fahren. In Adventureland tut sie das nach IMDB sogar 55 mal.
    Kristen Stewart allein ist für mich Grund genug, mir wohl doch mal dieses schwule Vampirfilmchen anzutun.

  • Hns Dampf

    Ein komischer, schöner und ehrlicher Film war das. Musste ziemlich oft an meine Jugendzeit denken.

  • CowVirus

    OK, wirklich anders und definitiv besser als Superbad.

  • Pingback: Grandios: Die besten Filme 2009 | Die Fünf Filmfreunde

  • Hans

    Langweiliger Film. Und ich verstehe nicht, wie man den nur ansatzweise mit Superbad in Verbindung bringen kann? Der Film ist ein Drama, kein Comedy Streifen. Achso, “From the Directors of Superbad” …

  • Jan

    Vor dem Gucken wußte ich schon ungefähr was für eine Art Film Adventureland ist, aber dann bin ich doch enttäuscht gewesen. Ich glaube im ganzen Film gibt es nichts was es nicht schon x-mal woanders zu sehen gab. An sich ok, aber hier fand ich’s extrem langweilig inziniert.

    Es ist von Anfang an klar welcher Charakter welche Aufgabe hat und was mit ihm passieren wird. Der restliche Film grast dann nur noch sehr gemütlich alle Klischees ab. Eine Teeniefilm-Parodie im South-Park-Stiel könnte es nicht besser (aber sicher unterhaltsamer) machen.

    Hinzu kommt, dass der Untertitel des Films hätte sein können: “Adventureland – We employ Geeks and Hot Chicks only! (Except for that ONE good looking guy, of course)”

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