„Rule Number 1: Stay away from the infected.“
Originaltitel: Carriers
Herstellungsland: USA 2009
Buch & Regie: Àlex Pastor, David Pastor
Darsteller: Chris Pine, Lou Taylor Pucci, Dale Malley, Emily VanCamp, Piper Perabo




Reningtion




Batzman (direkt zum Review)
Der Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests 2009 war „Carriers“, der Pandemie-Apokalypsen-Thriller, dessen Trailer wir hier vor einer Weile posteten. Ursprünglich war der Film bei IMDB von 2007 gelistet und jetzt, da ich ihn gesehen habe, dünkt mir auch, warum er auf einmal einen Release beschert bekommt: Weil Chris „Captain Kirk“ Pine darin quasi genau dieselbe Rolle des liebenswerten Arschlochs spielt. Nur heisst er hier anders.
Danny und sein Bruder Brian (Chris Pine), dessen Freundin Bobby und Dannys Bekannte Kate befinden sich auf der Flucht vor einem Virus, das bereits fast das ganze Land entvölkert hat. In einem verlassenen Hotel an der Küste, in dem die Brüder früher immer Urlaub machten, wollen sie die Apokalypse aussitzen. Unterwegs treffen sie auf einen Vater und seine infizierte Tochter, lassen diese zunächst stehen, arangieren sich aber mit ihnen, nachdem ihr Motor explodiert und sie auf deren Auto angewiesen sind. Also wird der hintere Teil des Wagens abgeklebt, ein Kompromiß bezüglich der Reiseziele ausgehandelt (der Vater hat von einem Heilmittel in einem Krankenhaus in Texas gehört) und weiter gehts. Als sich das Heilmittel als Bullshit erweist, und die Kleine kacken muss, es aber nicht alleine aufs Klo schafft, klauen die vier schnurstracks die Karre und lassen beide stehen, auf dass sie nie wieder im Film eine Rolle spielen.
Womit wir beim ersten sehr ärgerlichen Punkt des Films wären: Er führt Figuren lange ein, knüpft mit ihnen Handlungsstränge, nur um sie dann einfach zurückzulassen. Und das macht der Film nicht nur einmal, wie man sich denken kann.
*SPOILER* Als sich Brians Freundin ansteckt, kommen die anderen drei nicht etwa auf die Idee, sie nach dem gleichen Prinzip von Vater und Tochter mitzunehmen, denn immerhin handelt es sich bei ihr nicht um eine Fremde, sondern um die Freundin… sollte man meinen. Nö, die wird schnurstracks aus dem Auto geschmissen und vom Film vergessen. Und es kommt noch besser: Als sich Brian selbst als infiziert erweist, wird er erschossen, weil er die Autoschlüssel nicht rausrücken will. Weil, is ja nur der Bruder. *SPOILER ENDE*
Und so schließt der Film sehr vorraussehbar mit den verbliebenen Protagonisten am Strand, die nicht so recht wissen, was sie da jetzt sollen, ein bisschen pathetischen Kram faseln und – Abspann. Ein ärgerlicher Film, der obendrein auch noch tierisch langweilig ist, denn nachdem er zu Beginn sein Pulver mit dem bekannten Pandemie-Szenario verschossen hat, kommt da nicht mehr viel, das zur Unterhaltung beitragen könnte.
Batzman meint: 




Carriers ist im Grunde kein klassischer moderner Horrorfilm, denn er deutet die Gewalt und auch die Apocalypse nur an. Das geringe Budget, aber auch die Inszenierung machen den Film zu einem Kammerspiel, das im Endeffekt versucht aufzuarbeiten, was allgemein (und falsch verstanden) als Darwinismus bezeichnet wird. Das Überleben des Gnadenlosesten.Die Frage ob es Platz für menschliches Verhalten gibt, wenn Menschlichkeit Gefahr für das eigene Leben bedeutet.
Carriers ist ein Zombiefilm, ohne Zombies, denn er eleminiert das agressive Element und ersetzt es durch Panik, Qual und Todesangst. Die Infizierten leiden Höllenqualen ehe sie sterben und wissen, sie sind dreifach gestraft: Durch die Krankheit dem langsamen siechenden Tod preisgegeben, durch ihr Infektionspotential eine Gefahr für die die sie lieben und dadurch gezwungen einsam zu sterben.
Die Überlebenden stehen ebenso vor der Entscheidung, wie wichtig ihnen das blanke Leben ist, denn jede zwischenmenschliche Beziehung ist von dem Einbruch der Infektion bedroht. Jeder Freund, Geliebter, Verwandter wird ohne es zu wollen zur Bedrohung.
Carriers versucht sich bewusst darin diesen schleichenden Prozess der Entmenschlichung in den Mittelpunkt zu stellen und liefert letztlich doch keine befriedigenden Antworten, weil es wohl keine richtigen Antworten gibt. Die Figuren agieren zwischen ihren selbstgewählten Regeln, die bedeuten zum Schutz der Gesunden gnadenlos jeden Infizierten zu meiden, ohne Ansehen der Person und dem immer noch vorhandenen Mitleid, dem Impuls zu helfen, die Gnade der Zuneigung dort zu geben, wo die kalte Logik Abstand gebietet.
In gewisser Weise unterläuft der Film mit der Konsequenz in der er Nebenrollen auslaufen lässt, die gewohnten Seherfahrungen. Klassisch wäre es, die Geschichte des Vaters mit der todkranken Tochter, der von der Gruppe zurückgelassen wird, zu Ende zu erzählen, ihnen eine Art Abschluss zu ermöglichen. Ebenso wie die der Überlebendengruppe des Golfclubs. Doch so wie die Protagonisten diejenigen auszublenden lernen, die sie zurücklassen um zu überleben, so lässt auch der Film seine Randfiguren zurück, als Opfer des verzweifelten Überlebenswillens, der einziges Ziel, einziger Lebensselbstzweck der Figuren geworden ist. Mit der ständigen Gefahr der Krankheit wird jeder verzichtbar, jeder austauschbar. Die elliptische Erzählweise des Films, dreht ständig das Karussel zwischen Gesunden und Infizierten. Eine Situation am Anfang des Films, findet ihr Bookend mit vertauschten Rollen, kurz vor dem Finale und zeigt: Es ist egal wer lebt, wer stirbt, denn wir sind einander Feind.
Chris Pine spielt den dummen, “Can-Do!”-Mann, der es als Macho-Aufgabe sieht seinen kleinen Bruder zu beschützen und Stärke zu zeigen. Er ist es der die Regeln vorgibt, deren Einhaltung in letzter Konsequenz auch ihn zum Feind macht, ihn als “Schwund” auf dem Weg zum Überleben zurücklässt.
Lou Taylor Pucci, der sich schon in “Thumbsucker”, “The Chumscrubber”, “Fast Food Nation” oder “Horsemen” als talentierter Darsteller gestörter Teenager erwiesen hat, gibt die offensichtliche Identifikationsfigur, das Yang zu Pines Ying. Er ist das moralische Gewissen des Films, der mehr und mehr erkennen muss, das er sich dieses Gewissen scheinbar nur leisten kann, weil sein Bruder ihm die schmutzigen Entscheidungen abnimmt. Er nimmt am Verlust der Menschlichkeit Anstoß und ist doch froh, dass er überlebt – er ist es, der die Regeln seines Bruders anzweifelt und sich, nachdem er sie aus Angst selbst in letzter Konsequenz anwendet, fragt, ob sich Überleben um diesen Preis lohnt.
Die Konstruktion des Films ist natürlich perfide, weil er wenig mehr macht, als ein klassisches Notwehr-Szenario zu entwerfen aus dem es kein Entrinnen gibt. Der die Situationen so zuspitzt, wie gewisse Selbstjustizfilme, die sagen: Was würdest du machen, wenn zehn bewaffnete Araber dich umbringen und deine Tochter schänden wollen und es keinen Fluchtweg gibt und da auf dem Tisch nur diese eine Maschinenpistole liegt.
Doch Carriers gönnt, zum Glück, kein Gefühl des Triumphes, nachdem er die Figuren so agieren lässt, wie sie es innerhalb des filmischen Kosmos tun müssen. Er hinterlässt Leere und eine traurige, leicht fatalistische Grundstimmung, die in Frage stellt, ob die Menschheit letztlich überhaupt des Überlebens würdig ist und ob es nicht tatsächlich besser wäre, wenn alle sterben.
Denn das reine Leben um des Überlebens Willen, erscheint hohl und sinnlos.
Das ist nicht wirklich neu oder sehr originell, wird hier aber ohne sich auf bloße Effekthascherei zu verlassen, depremierend effizient erzählt. Nach den zahlreichen hochgejubelten Gurken-Openern vergangener FFF-Jahre ist Carriers zumindest ein solider Diskussionsbeitrag, der eine alte Fragestellung neu formuliert.
Und das ist doch gar nicht so schlecht.


Von 






































Aaaaaaaw, verdammt nochmal, ich hatte mich wirklich auf den Film gefreut… Naja, das zeigt wieder mal wie täuschend Trailer sein können…!
Sehr unterschiedliche Reviews, die ihr mir da liefert, jede für sich allein hätte mich nicht gereizt den Film zu sehen, aber eure unterschiedliche Meinung zu dem Film macht Carriers schon interessant ;-)
Also für mich hört sie das nicht schlecht an. Hab heim trailer schon gesehen das es kein Gemezel wird.
Ist warscheinlich kein Film für jederman.
Mir gefählt die Leere und Erbamunglosigkeit
Ich hätte den gern auch schon auf dem Fantasy Filmfests gesehen. Wir Normalsterblichen müssen noch einen Monat warten, bis wir uns ein Urteil darüber erlauben können.
Du kannst ihn dir doch auf dem FFF anschauen! Nur weil es jetzt schon in Hamburg und Berlin begonnen hat, heißt das noch lange nicht dass es dir verwehrt bleiben muss und so kannst du ihn dir ja immernoch in München oder Stuttgart anschauen…
oder in köln ;)
Oder in Frankfurt, wo ich ihn gesehen habe. Tja, als Eröffnungsfilm hätte sich im direkten Vergleich doch eher “Mutants” angeboten – der hat nämlich richtig reingehauen und war in künstlerischer Hinsicht wesentlich interessanter (auch wenn er total sinnlos war).
Ich finde, beide Reviews treffen es ziemlich gut, allerdings würde ich den Film – gemessen an dem Anspruch, den Batzman für ihn zimmert – als zu niveaulos betrachten bzw. behaupten, dass er es nicht schafft, beim Thema zu bleiben. Bei mir hatte er sogar schon ziemlich früh verloren, weil er seinen eigenen Hinweis, wie saumäßig ansteckend der Virus doch ist, quasi bei jeder Gelegenheit ad absurdum geführt hat, indem er die Protagonisten viel zu unvorsichtig und fahrlässig damit umgehen ließ. Die einzigen, die sich in dieser Hinsicht richtig verhalten haben, waren die Ex-Soldaten.
Meine Güte, Batz verschenkt neuerdings die Sterne, oder was ? Ich schliesse mich eher Rennington an. Für mich war der Film ein Totalausfall.
Absoluter Schund.