Kurzreviews: Zak and Miri make a porno, State of Play, Radio Rock Revolution, Nachts im Museum 2, Ex Drummer, u.a.

9 Comments

Heute im Kurzdurchlauf kommen wieder all jene Film vor, die in den letzten Wochen aufgelaufen sind und für die einfach die Zeit fehlte sie in der mir eigenen epischen Ausführlichkeit abzuhandeln.

Dabei: Zack and Miri make a porno +++ State of Play +++ Radio Rock Revolution +++ Nachts im Museum 2 +++ Ex Drummer +++ Shopping Center King

Zack and Miri make a porno – USA 2008

★★★☆☆

Zwei Freunde (Seth Rogen und Elisabeth Bank) versuchen ihrer ewigen Finanzklemme durch eine einfache Idee zu entkommen, sie drehen einen Amateurporno, denn Sex verkauft sich immer gut. Natürlich klappt das trotz viel gutem Willen nicht ganz so problemlos wie gehofft…

Kevin Smith versucht sich an einer überraschend konventionellen RomCom, die er mit den Zutaten würzt die ihn berühmt gemacht haben: Absurde Dialoge von liebenswerter Obszönität und spassigen Popkultur-Referenzen. Das Ganze ist wie zu erwarten ein seltsamer Zwitter, dessen Elemente unterschiedlich gut funktionieren, wobei die sympathische Besetzung und die dem ganzen innewohnende Herzlichkeit viele der lahmeren Momente verschmerzen lässt.
Star Wars in der Pornoversion ist nicht neu, hier aber durchaus ulkig. Jason Mewes mal nicht als Jay, aber irgendwie doch Jay sorgt für einige Lacher und Justin Long darf als schwuler Pornostar in einem Cameo brillieren. Das am Ende doch etwas weniger Begeisterung aufkommen mag, als bei anderen Smith-Produktionen liegt dann wohl auch eher in der Berechenbarkeit des Formats, das hier weniger karikiert, denn brav variiert wird. Trotz vieler Four Letter Word und ein paar nackigen Verrenkungen ist der Film letztlich doch eine typische Liebesgeschichte und damit wesentlich harmloser als andere Werke Smiths. Dennoch, für nen netten Sonntagabend ist der Film okay.

State of Play – Der Stand der Dinge – USA 2009
★★½☆☆

Ein unbequemer Politiker (Ben Affleck) und ein befreundeter Journalist (Russel Crowe) versuchen ein Mordkomplott aufzudecken, das wie üblich bis nach “ganz oben” geht…

Für sich genommen ein durchschnittlicher Thriller, mit einer bis auf Hellen Mirren eher enttäuschenden Besetzung, dessen Versagen einem erst wirklich bewusst wird, wenn man die Serie kennt, die dem Ganzen als Vorlage diente.

Zwar folgt die Story in den wesentlichen Punkten der BBC-Serie, doch es fehlt fast alles, was diese wirklich sehenswert machte. Statt einer differenzierten und vielschichtigen Figurenzeichnung, wird hier mit der groben Kelle gearbeitet. Statt John Simm, dem man den etwas auf der Kippe stehenden, aber dennoch gestandenen Journalisten abnimmt, bekommt man hier den wie immer leicht prollig wirkenden Russel Crowe, der aussieht wie unter der Brücke vorgezogen und über weite Teile den Eindruck vermittelt er würde beim Lesen die Lippen bewegen.

Sein Gegenpart Ben Affleck ist kaum besser, spielt seine Figur doch im Gegensatz zur Serie kaum eine Rolle und verschenkt damit die Chance jemals eine echte Chemie zu Crowes Figur zu entwickeln. Überhaupt fehlt jegliche Tiefe, die die Protagonisten zu mehr als Funktionsträgern macht. Selbst Helen Mirren, deren Job im TV vom großartigen Bill Nighy gemacht wurde, hat zwei-drei Szenen und kommt dort eher als pedantische Ziege, denn als zwischen redaktioneller Fürsorge und finanziellem Druck zerrissene Chefin rüber.

Statt gegen das Klischee zu arbeiten, ergeht sich der Film in forcierten Actionmomenten und einem dümmlich stilisierten Online/Offline-Medien-Konflikt, der zur Handlung nicht wirklich etwas beizutragen hat. Für Zwischentöne fehlt die Zeit und offensichtlich auch das Talent, denn statt eine schwierige Freundschaft in den Mittelpunkt zu stellen, die ihre Höhen und Tiefen erlebt, kapriziert sich der Film auf die halbgaren Referenzen auf die Realpolitik – die allesamt nicht über das Klischee des “großen Konzerns der was böses vorhat” hinauskommen. Die Nuancen die die Serie so wunderbar herausarbeitete, fehlen ebenso, wie die nüchterne Betrachung polizeilicher und redaktioneller Arbeit.

Tipp: Holt euch die Original-Serie, die ist brillant.

Radio Rock Revolution – UK 2009
★★★½☆

Die 60er Jahre in England. Hochzeit der Piratensender, die statt langweiliger Einheitsmusik Profil zeigen und mit ausgeflippten D.J.s die Massen begeistern. Besonders das von einem Schiff aus sendende Radio Rock ist der Regierung ein Dorn im Auge, die alles versucht den Machern das Handwerk zu legen.

“The boat that rocked”, wie der Film im Original treffender heißt, macht Spaß. Die grandiose Besetzung, die bis in kleine Nebenrollen passt, hilft über die dramaturgischen Schwächen dieser sehr relaxt daher kommenden Komödie hinweg. Die Geschichte entwickelt sich bis kurz vor Schluß im selben Tempo wie das vor Anker liegende Piraten-Radio-Schiff und doch macht es unglaublichen Laune die Radiocrew zu beobachten und Zeit mit ihr zu verbringen.

Bill Nighy dürfte zu den komischsten Tänzern im Filmbusiness gehören, der jeden seiner kurzen Auftritte zu einem wahren Glanzstück macht und sichtlich Spaß an der Rolle des rockenden Gentleman hat. Doch auch die übrige Besatzung, inkl. des linkisch liebenswerten Newcomers Tom Sturridge, wissen zu überzeugen. Der Film ist flach, erzählt seine Story viel zu langsam, anekdotenhaft und in strikter s/w-Charakterisierung, er ist in seine skurrilen Figuren verliebt und bemerkt erst auf den letzten Drücker, das er ja so etwas wie ein Finale braucht – das er dann mit allem Pomp der Titanic durchhechelt.

Doch bei allen Klischees und dem inhaltlichen Leichtgewicht, bei aller berechenbarer Musik und vorhersehbarer Entwicklung – der Film lässt die Zuschauer gutgelaunt (und vielleicht ein wenig nostalgisch verklärt) zurück… und das ist mehr als ich über die meisten Filme in diesem Jahr sagen kann.


Nachts im Museum 2 – USA 2009

★★★☆☆

Nachts im Museum 2 (inkl. Digital Copy)

Ben Stillers Figur aus Teil 1, inzwischen erfolgreicher Geschäftsmann, hat seine Freunde aus dem magischen Mueseum vernachlässigt. Als sie zur Einmottung nach Washington ins Smithonian gebracht werden und dort für Spektakel sorgen, beschließt er ihnen zu helfen…

Überraschenderweise ist die Fortsetzung einen Tick unterhaltsamer, als das etwas hüftlahme Original. Die Tricks sind einen Hauch besser und vor allem einfallsreicher. Auch wenn der Film insgesamt deutlich die kindliche Zielgruppe bedient, sorgt die lebendig gewordene Kunst mit umherhopsenden Jeff Koons Skulturen, einem strunzdummen Denker, oder einem verängstigten Chagal-Gemälde durchaus für amüsante Momente. Hank Azaria als unfähiger Bösewicht sorgt zudem für einige Lacher.

Insgesamt natürlich eine platte Komödie mit simpler Moral, aber dank der vergrößerten Spielwiese ein akzeptables Guilty Pleasure – bei dem Erwachsene sich zur Not drauf rausreden können, ja nur mit den Kindern reingegangen zu sein.

Ex Drummer – Belgien 2007
★★★½☆

Ein erfolgreicher Schriftsteller lässt sich aus intellektueller Neugierde auf einen Versuch ein. Als ihn drei Unterschichtsprolls fragen, ob er als Trommler ihrer Band von “leicht behinderten Typen” mitmachen will, sagt er zu und begibt sich in eine für ihn völlig fremde, faszinierend kranke Welt.

Technisch und schauspielerisch ein beeindruckender Streifen, der in seiner Kotz- Dreck- und Proll-Ästhetik mehr als einmal an die krasseren Momente von Trainspotting erinnert, ohne allerdings so süffig stringent erzählt zu sein.
Ein Film der das vielbeschworene “Präkariat” auf die schlimmstmögliche Erscheinungsform kondensiert und dabei mit keiner der Figuren auch nur einen Hauch Empathie zeigt. Eine sehr kalte Welt ist es die Ex Drummer da zeichnet, bei der es schwer ist sich zu entscheiden, ob die derangierten “Asozialen” unsympathischer sind oder doch der bar jeder menschlichen Regung agierende Intellektuelle, dessen Gossentourismus eher voyeuristischen, denn aufklärerischen Impulsen entspringt.

Das die Story nach einigem Hin und Her folgerichtig in einem Blutbad endet, überrascht weniger, als dass es erst so spät passiert. Bei allen technischen Finessen und Ideen, verbleibt am Ende allerdings auch ein wenig der Eindruck, dass die erzählerische Tiefe der Provokation und den Schockeffekte doch etwas hinterherläuft.

Shopping Center King – USA 2009
★★★½☆

Ronnie (Seth Rogen) ist Chef der Mall-Security. Ein unbefriedigter Loser, der eigentlich lieber Polizist geworden wäre. Als ein Exhibitionist den Parkplatz des Malls unsicher macht, sieht er seine große Chance…

Die dunkle Seite des Kaufhaus-Cop führt dieser Film vor, der zwar oberflächlich viele Ähnlichkeiten mit dem Klamauk-Vehikel hat, im Grunde jedoch eher einem derben Remake von “Taxi Driver” gleicht.
Es ist schon eine Leistung des normalerweise erzsympathischen Seth Rogen, wenn er es hier als bipolar-gestörter Ronnie schafft nicht für eine Sekunde echtes Mitgefühl beim Zuschauer zu wecken. Denn Ronnie ist der Prototyp des mickrigen Spießers, der dummerweise zuviel Macht verliehen bekommt. Ein Verlierer der mit 40 noch immer bei Mama wohnt, ein pausbäckiges Kind, der noch Respekt und Anerkennung giert. Ein mieser Rassist, der erwachsen gewordenen Schulhof-Bully, der sich Genugtuung verschafft indem er schwächere drangsaliert.

Menschen wie Ronnie kennt man aus dem Alltag zu genüge, jene Hausmeistertypen, Politessen, Türsteher und Parkwächter, deren einzige Freude im Leben es ist ihr kleines bißchen Macht über andere auszuspielen, weil sie ein ansonsten bedeutungsloses Leben führen. Der Film stößt die üblichen Erwartungen an eine Komödie von der Kopf, denn Ronnie wandelt sich nicht. Er wird nicht geläutert und erkennt das sein Tun falsch ist. Im Gegenteil, er versteigt sich immer weiter in seine soziopathischen Gewaltphantasien – ein kleiner fetter Junge, der immer noch davon träumt der Held auf den Spielplatz zu sein, von allen umjubelt zu werden.

Am Ende bleibt sein Verhalten ungestraft, wird sogar noch belohnt – auch hier die Parallele zu Taxi Driver – was zwar zugespitzt ist, aber durchaus der Erfahrung entspricht, dass es Arschlöcher weit bringen. Die durch und durch pessimistische Weltsicht des Films, die im Grunde deprimierende Story, steht im Kontrast zu den krassen humoristischen Elementen gängiger Brachialkomödien, mit denen der Film kokettiert, die er aber auch immer wieder bricht und karikiert.

Jody Hill, hatte ganz klar eher Scorcese (das Finale von Observe & Report hat durchaus Ähnlichkeiten mit dessen King of Comedy) als Adam Sandler als Vorbild. Ein garstiger Streifen, der bewußt und sehr zynisch einen konsequent unsympathischen Helden zelebriert und den Zuschauern jedes versöhnliche Gefühl vorenthält. Kein Wunder, dass das übliche Ablach-Publikum das sich über Kevin James, Hangover und Co. wegschmeißt, mit dieser Antikomödie wenig anfangen konnte – den letztlich ist die Figur die Rogen spielt eine konsequent zuende gedachte Version der Helden dieser Streifen.

In : DVD, Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

Related Articles

9 Comments

  1. stb247

    Es heisst “… make a pornO” mit O am Ende. Klingt auch besser. Der ilm ist etwas lahmer als man es von Smith gewöhnt ist, aber durchaus empfehlenswert. Er startete übrigens vor fast einem Jahr (!!!) in den USA und so sollte sich der dt. Verleih nicht wundern, wenn den der ein oder andere schon woanders als im Kino um die Ecke gesehen hat. Manchmal stimmt der Spruch “selbst schuld” dann doch.

    “The boat that rocked” war wirklich unterhaltsam. Schade, dass der für die USA gekürzt wird (tatsächlich mal ein seltener Fall, dass ein Film in Europa längst raus ist, bevor er einen US-Verleiher hat). Obwohl er durchaus Längen hat.

    “Observe and report” ist großartig. Tatsächlich hält der was die Werbung verspricht: er ist mal was anderes. Habe den in der Pressevorführung sehen dürfen, wo ein alter Sack (bestimmt aus dem Feuilleton einer sterbenden Zeitung) sich darüber aufregte, wie “junge Leute” bei so einem Film lachen können. Bin froh, bei euch da auf positivere Reaktionen zu stoßen.

  2. Batzman

    Hast recht, ich habs korrigiert ;) Ich hab de Film auch schon ewig auf DVD und finds merkwürdig, dass er jetzt erst hier anläuft. War mit Clerks II leider genauso…

    Die US-Schnittfassung von “The boat that rocked” wäre aber bestimmt mal interessant zu sehen, da sie ja vom Regisseur selbst gemacht wird, der sich ja vielleicht die eine oder andere Kritik zu Herzen genommen hat…

    Observe and Report ist ja leider nicht nur bei “alten Säcken” (zu denen wir ja auch fast zählen) auf Ablehnung gestoßen, sondern auch bei der üblichen Comedy-Klientel, die sich über Kaufhaus-Cop, Sandler und Hangover weggeschmissen hat. Ich glaub der Film ist wirklich sehr untypisch, weil er die Erwartungen an Comedy durch seinen Zynismus ständig torpediert.

  3. Nils

    exdrummer ist wirklich mal etwas anderes. für mich gehört in in eine reihe mit “trainspotting” und “ken park” also alles filme die einen verstört bis nachdenklich zurücklassen.

  4. CowVirus

    Ex-Drummer. Mir schien es, als sei der Film mal als seriöse “soziale Studie” geplant gewesen…bis irgendwann die Flinte ins Korn geworfen wurde…und man sich lieber für bitterbösen, zynischen Klamauk entschieden hat. Technisch gibt es auf jeden Fall einige WTF-Momente. Sollte man sich mal anschauen.

  5. Irreversibel

    “Observe & Report” fand ich aufgrund der zynischen Herangehensweise an das Thema bzw. des wirklich nur soziopathisch zu nennenden Protagonisten ebenfalls recht gelungen aber so begeistert wie Batz in seinem Review war ich dann doch nicht. Ich finde der Film hat durchaus einige Längen und ein Vergleich mit “Taxi Driver” wäre mir auch niemals in den Sinn gekommen. Aber insgesamt auf jeden Fall sehenswert.

  6. Paul

    Der Film “Zack and Miri make a porno” war seht unterhaltsam. Für meinen Geschmack aber viel zu vulgär und primitiv.

  7. GunGrave

    Jeder Film der hier bewertet wurde hat was… nicht sonderlich gut… bald vergessen… aber kurzweilige Unterhaltung tut auch mal gut.

  8. chris

    trotz aller zynik und kontroverse in der charkterzeichnung fand ich “shopping center king” total misslungen [ein primitiver vesuch eine art taxidriver für die junge generation mit einer beschränkten auffassungsgabe zu schaffen] und und ihn mit dem genialen “King of Comedy” auch nur annähernd in verbindung zu bringen… ist ja wohl allhöchste blasphemie!
    geht gar nicht!

  9. Emanuel

    ich fand shopping center king gut. allerdings bin ich nicht mit der erwartung rangegangen, eine neu-interpretation der taxi-driver-story zu sehen, sondern eine “lustige komödie”. von daher wundert es nicht, dass ich den humor als gut und erfrischend wahrgenommen habe. auch die allgemeine garstigkeit der figuren hat mich sehr beeindruckt.

    ich habe den film schon weiterempfohlen und werde es wieder tun.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr