Inglourious Basterds (Review)

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- “It probably has something to do with the second development.”
- “Which is?”
- “The Führer is attending the premiere.”

Originaltitel: Inglourious Basterds
Herstellungsland: USA/D 2009
Regie und Drehbuch: Quentin Tarantino
Darsteller: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Daniel Brühl, Til Schweiger, August Diehl, Diane Kruger

★★★★½ Nilz N. Burger
★★★☆☆ Batzman (direkt zum Review)

basterdsklein

Es soll tatsächlich noch Leute geben, die nicht wissen um was es in dem Film geht. Versuche ich mich also mal in einer schnellen Zusammenfassung: Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) führt eine spezielle Truppe durch das von Nazis besetzte Frankreich der 40er Jahre. Die Inglourious Basterds. Eine Gruppe jüdisch-amerikanischer Soldaten, die es auf die Skalps von Nazis abgesehen haben. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Sie schneiden den Nazis, die sie erlegen, die Kopfhaut ab und sammeln diese als Trophäen.

In einem kleinen Kino, vor den Toren von Paris, soll eine große Filmpremiere stattfinden, für den neusten Propagandafilm von Goebbels. Sogar der Führer selbst wird anwesend sein. Als die Basterds davon Wind bekommen, beschliessen sie einen großen Anschlag um Hitler und seine Gefolgsleuten ein für allemal auszulöschen. Die Betreiberin des Kinos, Shosanna Dreyfuss (eine wunderschöne Mélanie Laurent), eine inkognito-jüdische Frau die mit ansehen musste wie Nazis, angeführt vom sogenannten “Judenjäger” Hans Landa (Christoph Waltz), ihre Familie töteten, will die Premiere ebenfalls als Anlass zu einer großen Racheaktion nehmen und die gesamte Führungsriege Nazideutschlands töten, indem sie das vollbesetzte Kino abfackelt.

Und dann wäre da noch Fredrick Zoller (Daniel Brühl), ein Soldat der zu Ruhm in Deutschland gelangt, weil er drei Tage eingeschlossen in einem Kirchturm, alle seine Verfolger erlegt, bis der Rest von ihnen den Rückzug antritt. Er ist der Hauptdarsteller in dem Film, der Premiere hat und seine Geschichte ist es, die da verfilmt wurde. Da er ein Auge auf die Kinobetreiberin geworfen hat, möchte er ihr einen Gefallen tun und überzeugt Goebbels und Co davon, die Premiere in ihrem Kino stattfinden zu lassen. Er denkt sie somit beeindrucken und für sich gewinnen zu können. Aber sie lässt ihn immer nur abblitzen.

Das ist die Ausgangssituation von Tarantinos neuestem Film. Ich will nicht zu viel spoilern, weise aber darauf hin, das sich das im Review kaum vermeiden lassen wird.

Tarantino ist schon ein komischer Typ. Einerseits schafft er große Konsens-Werke (Pulp Fiction, Kill Bill), dann aber, als wenn ihn das nerven würde, verschreckt er seine Fangemeinde wieder, oder schlimmer noch: Er langweilt sie. Während man sich unter Filmliebhabern noch über die Genialität eines Jackie Brown einig ist (der in meinen Augen vor allem ein klassischer Ensemble-Film ist und einen Großteil seines Ruhms wohl eher dem genialen Spiel seiner Akteure denn einem genialen Buch verdankt), dürfte der dem Großteil der Pulp-Liebhaber eher ein müdes Gähnen entlockt haben. Dann kam aber “Kill Bill” und alle waren wieder versöhnt (Ich finde den zweiten Teil wesentlich besser als den ersten, weil Tarantino hier seine Trümpfe ausspielen kann). Als nächstes kam Death Proof und alle Welt sprach von dem großen Rohrkrepierer, das Tarantino nix mehr einfallen würde, wie langweilig der Film sei und das das wohl zum Teil auch der europäischen Aufteilung der zwei Grindhouse-Filme in zwei einzelne Filme geschuldet gewesen sei. Also das man krampfhaft versucht habe, “Strecke zu machen”, sprich den Film auf wenigstens 90 Minuten zu bringen, was er ja ursprünglich nicht war. Und überhaupt sei “Planet Terror” von Tarantino-Kumpel Rodriguez ja eh der bessere der beiden Filme gewesen. Da muss ich dezent widersprechen. “Planet Terror” war eine langweilige Splatter-Sketch-Revue, die auch noch schlecht gemacht war, aber “Death Proof” war absolute Tarantino-Essenz. Lange Szenen mit ausuferndem Dialog. Detailgetreue Nachempfindung von Film aus den 60er Jahren. Der Film um Stuntman Mike war eine liebevolle Hommage an die Machart des Explotation-Kinos von jemandem, der genau wusste, was er da tat. Aber ich drifte ab, kümmern wir uns um die Basterds.

Fangen wir beim Cast an. Brad Pitt füllt seine Figur komplett aus. Das mag nicht sonderlich schwer sein, ist sie auch nicht sehr vielschichtig. Aber einen flachen Charakter mit Leben zu füllen, das ist eine ganz andere Herausforderung, die Pitt fertig bringt. Nun hat aber Christoph Waltz die goldene Palme in Cannes gewonnen und nicht Pitt. Und dazu muss man feststellen: Zu Recht. Wahnsinn was für Nuancen Waltz aus seiner Rolle als “Oberarschloch ohne Gewissen” rausholt. Wirklich spürbar wieviel Spass ihm die Rolle und/oder die Arbeit mit Tarantino gemacht hat. In seinen Szenen ist Waltz überpräsent. Allerdings nicht auf die unangenehme “Ich lasse meinen Kollegen keinen Platz zum spielen”-Art, sondern auf eine sehr ruhige, fast schon bescheidene Art und Weise die jedem Mitspieler den Raum lässt zu reagieren, sie müssen eben nur selber was draus machen. Pitt beherrscht das. Diane Kruger zum Beispiel scheitert ein wenig daran. Sie spielt die Schauspielerin Bridget von Hammersmark, die die Basterds unterstützt und die Deutschen infiltriert. In ihrer Szene aber, als Landa sie enttarnt, bleibt sie blass im Angesicht von Waltz. Man kann es ihr nicht verübeln: Der Mann strahlt über den ganzen Film, auch in die Szenen hinein, in denen er gar nicht zu sehen ist. Ich glaube auch tatsächlich, das wir hier von einem Oscar-Anwärter sprechen. Aber pssst. Ich will ja nicht die Pferde scheu machen. Dennoch: Waltz Performance ist mit das beste was ich an Schauspiel”Kunst” die letzten Jahre im Kino gesehen habe und zwar nicht weil, sondern obwohl es mit der Figur die er spielt, auch nicht so schwer ist. Tarantino hat mal wieder beweisen das er nicht nur ein Händchen für Besetzung, sondern auch für Schauspielerführung hat. Unglaublich was er aus den Leuten immer rausholt.

Daniel Brühl spielt ein Stück weit wie immer, was aber zu seiner Figur passt, dieses leicht verklemmte. Til Schweiger hat nicht viel zu sagen, ist eigentlich so besetzt wie er immer in Ami-Filmen besetzt wurde, der kantige, große, bärige Deutsche. Martin Wuttke gibt einen amüsanten Klischee-Hitler, der ein wenig zu sehr angelegt ist, als wenn Bruno Ganz Charlie Chaplin spielt, der Hitler spielt. Mélanie Laurent als zu allem entschlossener, jüdischer Racheengel ist absolut grossartig in ihrer Rolle (bezeichnenderweise hat sie ihren besten Moment in einer Szene mit Waltz in einem Restaurant – q.e.d.). Für mich, der ich, das muss ich gestehen, französischen Film nicht wirklich verfolge, eine absolute Entdeckung, auch wenn sie schon was länger dabei ist. Auf eine Nebenrolle sei aber noch hingewiesen: August Diehl als Major Dieter Hellstrom. Diehl ist ja sowieso ein toller Schauspieler, aber was der hier abliefert, lotet die Grenzen seines Talents ein weiteres Mal neu aus. Was Diehl in Basterds abliefert hat Hand und Fuß. Wahnsinn. Da macht das zugucken wirklich Spaß.

Ich habe im Vorfeld des FIlms viele Feuilletons darüber gelesen und alle waren sich einig, das Tarantino hier etwas geschafft hat, wodrauf viele Menschen scheinbar sehnsüchtig gewartet haben: Nazifilme aus der Betroffenheitsecke zu holen. Überall war zu lesen es mit einem Comic zu tun zu haben, der sich nicht um historischen Realismus schert, sondern das reale Szenario des zweiten Weltkriegs nur als Fläche für seine Geschichte nutzt. Das mag ein Stück weit stimmen, das mag auch eine nachvollziehbare Lesart sein, aber es wird dem Film nicht so ganz gerecht. Inglourious Basterds nutzt geschichtliche Fakten und zwängt sie in sein eigenes Korsett und macht etwas ganz neues daraus.

Das ganze hat natürlich die fast schon klassische Handschrift des Regisseurs: Gefühlte 20 verschiedene Fonts bei den opening Titles, viel Pop-Musik mit spanischer Gitarre, überhaupt musikalisch sehr Western-Lastig. Es gibt viele Rückblenden, Namen werden unprätentiös eingeblendet und folgen doch keiner Form und immerwieder diese ewig dauernden Dialogszenen, in denen man vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Nur um dann zum Ende eines Gesprächs schnell zum Kern zu kommen. Oder etwas absurdes passieren zu lassen, lieber noch jemandem etwas absurdes passieren zu lassen, gerne auch unter Einsatz von Blut. Das ist Pulp Fiction, das ist Kill Bill, das ist Death Proof. Aber bei den Basterds kriegt das merkwürdigerweise eine neue Qualität. Und ich habe noch nicht richtig begriffen, woran das liegt. Vielleicht daran, das einem das Setting für so eine Art Film komisch vorkommt. Vielleicht auch weil das ganze Buch zwar den Geist und die Tonalität seines Autors in jeder Szene atmet, aber trotzdem etwas neues dazugekommen ist: Ich habe den Eindruck das Basterds, allem Spaß zum Trotz, Tarantinos bislang erwachsenster Film ist. Opfer sind nicht immer nur Gags, wie der Junge im Auto bei Clarence und Vincent, sondern man empfindet wahre Empathie. Auch habe ich das Gefühl, das Liebe noch nie solch ein Thema bei Quentin war, wie in diesem Film, allem voran natürlich die aussichtslose Liebe von Brühl zu Laurent. Kill Bill hat das Thema Liebe im Universum Tarantino schon aufgegriffen und angedeutet, war aber noch zu sehr in selbst auferlegten Formalismen gefangen. Noch nie war es so präsent wie in der letzten Szene zwischen der Kinobesitzerin und dem Soldatenstar. Natürlich wird es nicht kitschig, dafür ist der Autorenfilmer zu sehr kleiner Junge geblieben. Aber das ist ja, in dem Zusammenhang, nicht das schlechteste.

Der Film ist natürlich auch, wie schon so oft gelesen, eine Hommage an das Kino an sich. An die Kraft die Film vielleicht hat. Man könnte fast meinen, I.B. ist Tarantinos Version von “Cinema Paradiso”. Das Filmtheater als alles entscheidender Ort. Und spätestens wenn alles in Flammen steht und Shosannas Kopf überlebensgroß auf die Rauchwolke projeziert wird (weil sie ein eigenes Stück Film gedreht hat, das sie einfach in die Kopie des Propagandafilms schnitt um das Signal zum Feuer legen zu geben), ist der Symbolismus auch dem begriffsstutzigsten klar: Kino ist größer als das Leben, Film kann alles.

Die diversen Handlungsstränge von Basterds fügen sich zum Ende des Films hin immer mehr zu einem großen Ganzen. Auch wenn mich im Kino manchmal das Gefühl beschlich, nicht zu verstehen, warum der Film nach den Basterds benannt ist, da es im Großteil um die vielen Nebenfiguren geht, die wie Satteliten um den Spezialtrupp kreisen. Und in einigen, wenigen Momenten hatte ich, zumindest zu Beginn einer Szene, das Gefühl das der Meister sich ordentlich bei sich selbst bedient. Zum Glück hat er aber dann immerwieder die Kurve gekriegt und etwas neues, spannenderes entdeckt, das seine Aufmerksamkeit erregte. In o.g. Szene zwischen Laurent und Waltz beispielsweise, die zu einer typischen Tarantino-Dialog-Schlacht abdriftet aber dann, für mich vollkommen unerwartet, die Sahne auf dem Apfelstrudel als Symbol entdeckt. Als Symbol für etwas reines, klares, etwas ohne das es nicht geht. Man mag das albern finden, aber das prominente Positionieren der Sahne war für mich ein absolutes Glanzstück. Wie so viele, andere kleine Momente auch.

Leider absolut kein Glanzstück waren die Ausschnitte aus dem Goebbels-Propaganda-Film mit Daniel Brühl in der Hauptrolle. Das hatte leider gar nichts von der Tonalität, dem Stil dieser Filme. Das war ein bischen flach zusammengeschnitten, erinnerte nicht im entferntesten an die Machart von Propagandafilmen. Eher zufällige Kamerawinkel, viel Schiesserei, man fühlte sich fast an die “Bourne”-Filme erinnert. Das mag nur ein Detail sein, aber da dem so viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, hätte man da doch etwas mehr Sorgfalt walten lassen können. Nicht wirklich schlimm im Fluss des Films, aber doch störend aufgefallen. Der Film funktionierte eher wie eine Dick und Doof- Episode, nur das hier eben die Nazis, allen voran Hitler, was zu lachen hatten, wenn gegnerische Soldaten erschossen wurden. Das hat mich etwas rausgehauen, gerade weil es eine Hommage ans Kino war. Da muss man beim Film-im-Film besonders sorgfältig sein. Hätte Tarantino vielleicht doch auch selber machen sollen.

Ich habe neulich ein Interview mit Tarantino gelsen, in dem er sagte, er wolle nicht sein Leben lang Filme machen. Er möchte keiner dieser Regisseure werden, bei denen man vom “Alterswerk” spricht. Wenn ich mir aber die Werke so angucke und die Entwicklung, die er mit jedem FIlm nach vorne macht, dann kann das meinetwegen noch ein paar Jahre so weitergehen. Und weil ich weiß, das eben noch mehr drin ist, gebe ich ihm 4,5 Sterne. Denn eines Tages, da erschafft er den 5-Sterne-Film. Da bin ich mir zeimlich sicher.

+++

BatzmanBatzman meint: ★★★☆☆


“You just say “Bingo.”

Ich schiebe das Review, genau wie Kollege Jet, jetzt schon eine Weile vor mir her, weil es mir nicht leicht fällt den Film zu beurteilen. Einige Passagen hätten 4 Sterne verdient, vielleicht mehr, andere würden von mir kaum 2 bekommen.
Es fällt auch nicht leicht als jemand der Tarantino respektiert und bis auf Death Proof dessen Filme wirklich mochte, diverse Dinge zu bemängeln, die immer Teil von QTs-Werk waren. Dennoch stellt sich bei mir eine gewisse Müdigkeit ein, gerade im Rückblick zu sehen, wie wenig Tarantino sich wirklich weiter entwickelt hat seit “Reservoir Dogs”. Ja zu konstatieren, das er seit “Kill Bill” und dem unterschätzten “Jackie Brown” sogar eher Rückschritte macht. Weg von erzählerischer Stringenz, weg von Charakteren, zurück zur reinen Pose.

“Inglourious Basterds” hat eine Menge brillanter Momente und effektiver Szenen, zweifellos. Denen stehen aber leider ebensovielen Längen gegenüber. Dazu kommt das bekannte Tarantino-Problem, das in all seinen Werken unterschwellig vorhanden ist, aber erst in Death Proof, die Oberhand gewann: Die fehlende Disziplin was seine Szenen und Dialoge angeht, die mäandernde Dramaturgie und Storyführung und die absolute Leere die hinter den Bildern steht. Vom Jongleur popkultureller Versatzstücke ist QT zum Museumswärter des Films geworden, der keinerlei Bezug mehr zur Erzählung braucht, weil er die Imitation des filmischen Erzählens in den Mittelpunkt seiner Zitatensammlung stellt, dabei aber ignoriert, dass es seinen Vorbildern immer darum ging Geschichten zu erzählen und nicht nur auf erzählte Geschichten zu verweisen.

Die Unterteilung in Kapitel kaschiert mehr schlecht als recht, dass der Film nach einer grandios-finsteren Eröffnungsszene, in der Christoph Waltz einen der wohl faszinierendsten Bösewichte der jüngeren Filmgeschichte entwirft, relativ ziellos Szenen aneinander reiht, die nie eine in sich zwingend geschlossenen Handlung ergeben und von höchst durchwachsener Qualität sind.

Großartiger Wortwitz wechselt sich mit klamaukiger Sitcom-Dramaturgie ab, die einen sich bisweilen in der Hardcore-Version von “Hogans Heroes” (hierzulande bekannt als “Ein Käfig voller Helden”) wähnen lässt. Die sonst so geniale Musikauswahl Tarantinos wirkt oft bemüht und seltsam unstimmig, wenn er aus den Soundtracks anderer Filme zitiert oder einen mittelprächtigen Bowie-Song in die 30er Jahre plärren lässt.
Und immer wieder bricht sich die Langeweile Bahn, wenn Szenen ihr Willkommen mehr als überstrapazieren. Das ich mir bisweilen wie in einer TV-Serie vorkam, liegt auch an der wenig filmischen und für Tarantino optisch auch eher unspektakulären Auflösung der Bilder. Es will nie ein Gefühl des Krieges, von Weite, von Stadt oder Landschaft aufkommen. Es reiht sich bis auf wenige Momente Innenaufnahme an Innenaufnahme und selbst die Straßen sehen nach Studio aus. Das man sich bisweilen in den Sets gefangen fühlt, mag Absicht sein, macht den Film aber auch kleiner als er sein müsste und erinnert genau wie die episodische, fragmentierte Erzählweise ungut daran, dass QT Inglorious Basterds schon längst als TV-Serie konzipiert hatte, eher er sich von Luc Besson doch noch überreden ließ das ganze ins Kino zu bringen.

Die nach wie vor merkwürdige Entscheidung die Basterds den Großteil des Films im Off agieren und sich ihren legendären Ruf nur aus dritter Hand überliefern zu lassen, macht die Sache nicht spannender. Im Grunde kommen die Basterds fast nicht vor und wenn wir sie sehen, sind sie wenig beeindruckend. Mehr kleine Jungs mit dicken Klöten, die cool spielen, als eine ernsthafte Gefahr für das dritte Reich. Die sadistische Szene in der Eli Roth genüßlich einen Nazi zu blutigem Brei kloppt, weckt eher Mitleid für die Nazis und diskreditiert die Nazi-Jäger, als genauso moralisch verkommen, wie die, die sie zu bekämpfen vorgeben.
Brad Pitt mit seinem Dialekt, für den man wohl selbst in Idaho aus dem Bauerntheater geworfen würde, gibt den Chefbasterd mit charmloser Eindimensionalität, der als reine Karikatur so gar kein erzählerisches Gewicht besitzt.

Ähnlich blässlich bleiben die anderen Mitglieder der Truppe. Til Schweigers Figur wird großartig aufgebaut um dann im Nichts zu verschwinden (ein Gag der mittlerweile so ausgelutscht ist und schon im Tarantino-Abklatsch “Smoking Aces” nicht mehr lustig war), Eli Roth spielt wie Sylar der nen Kiesel im Schuh hat und der einzige unterhaltsame Basterd Michael Fassbender, als britischer Lt. wird in einer endlos überdehnten Bar-Szene vergeudet, die nach anfänglichem Momentum auf Null ausgebremst. Ein weiteres Testament tarantinos mangelnder erzählerischer Disziplin.

Völlig überflüssig und – bis auf die Momente in denen Christoph Waltz zu sehen ist – auch im Dialog sehr uninspiriert, bleibt der komplette Handlungsstrang um die entflohene Jüdin, die sich als Kinobesitzerin den Avancen des Schmierlappens Daniel Brühl erwehren muss. Hier werden Minuten zu Stunden, die ich kurz vor dem Wachkoma damit verbrachte, die dutzenden Miniauftritte deutscher Schauspieler und Fleissheftchen-Referenzen auf die deutsche Filmgeschichte zu zählen, die Tarantino einstreut, als würden sie morgen verboten werden. War aber vielleicht eine der Förderauflagen, der deutschen Investoren.

Es spricht für Tarantino, dass er dennoch, bei aller Unfokussiertheit, immer noch das Talent hat großartige Miniaturen zu erschaffen und tatsächlich faszinierende Dialoge und Charaktere zu schreiben. Bei aller Langeweile die mich zwischendrin immer wieder befiel, war es der zurecht mit vielen Lobeshymnen überschüttete Christoph Waltz als Hans Landa, der jede andere Figur im Film überstrahlt. Er ist ein wundervoller, ebenso intelligenter, wie eitler Schurke, der seinen Gegner in fast jedem Bereich überlegen ist. Ein opportunistischer Detektiv, der nur zufällig für die Nazis arbeitet.

Wortgewand, sadistisch, charmant, gebildet und bedrohlich dominiert er alleine den Film, dessen sonstige Figuren bloße Staffage ohne Tiefgang sind. Neben seiner vielschichtigen Darstellung verkommen die ganzen eindimensionalen Knallchargen, ob Basterds, Filmstar oder Hitler und seine Mischpoke (die alle einem Sketch über die Essenz eines Louis de Funes-Film entsprungen scheinen und deswegen als echte Bedrohung niemals ernst genommen werden können), zu bloßem Tand.

Der Nachteil für Waltz ist, dass er keinen glaubhaften Gegenspieler hat – sein Fall ist am Ende selbst verschuldet und keine besondere Leistung seiner Gegner. Was dem Film fehlt ist eine echte Bedrohung. Der Krieg findet nicht statt, der Holocaust selbst hat in Tarantinos Welt keinen Platz. Die Nazis sind im Endeffekt schlecht gelaunte Witzfiguren, auf demselben Bedrohungsniveau wie Doktor Evil (der in Form von Mike Meyers in einem überflüssigen Cameo auch auftaucht).

Tarantino gibt Waltz zweifellos die Rolle seines Lebens und lässt ihn doch alleine, als einzig große Figur in einem Ensemble, das ihm darstellerisch nicht mal Sparringspartner ist. Dazu kommt die übliche Haltungslosigkeit Tarantinos, der Nazis als Zitat eines zitierten Zitats einsetzt. Eine bloße Reflektion, einer Karikatur einer Vereinfachung. Es ist die beabsichtigte völlige Bagatellisierung der Popikonographie des dritten Reiches, die die Nazis und Hitler weit aus dem Bereich der bequemen Bösewichte hollywoodscher Prägung, ins reine Abstraktum, als Formfleisch der reinen Leere von Tarantinos Versatzwelt, führt.

In Tarantinos Universum wird alles beliebige Pose, Nazis und Juden und Holocaust werden aufgelöst in einem ebenso mutigen, wie banalen Brei aus Imponiergehabe, Chuzpe und Ahnungslosigkeit. Das kann als Befreiungsschlag angesehen werden, zur endgültigen Entdämonisierung der Nazizeit oder bubihafte Allmachtsphantasie eines Wolfenstein-Spielers mit Italofilmbackground.

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Inglourious Basterds gucken ist in seinen besten Momenten so gut wie Reservoir Dogs und in den schlimmsten wie die Restaurantszene in Death Proof auf gefühlte 5 Stunden gestreckt. Wenn am Ende mit viel Lärm, alles in Scherben fällt und QT sich ein Ende zusammenphantasiert hat, dass er wohl als ultimative Gerechtigkeit ansieht, fällt es schwer nicht beeindruckt zu sein von den Momenten der Wucht. Und innerlich ein wenig taub, von der überwältigenden Substanzlosigkeit die hier so kunstfertig umgesetzt wird.

Inglourious Basterds sehen ist wie eine Tüte Marshmellows auffressen: Am Anfang denkt man es sei superlecker, aber drei Stunden später ist einem ein bißchen schlecht.

Aber immerhin: Diesmal gabs keine stundenlangen Einstellungen nackter Füße zu sehen.

In : Review

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  1. Marcus kleine Filmseite

    Einspruch Batz!

    Keine wirklichen Längen, brillante Dialoge, (gerade die erste Szene ist hierfür beispielhaft) und minimaler Leerlauf (Szenen zwischen Brühl und Laurent zähle ich dazu). Auch nach zweiter Ansicht bleiben die von Dir attestierten Bauchschmerzen bei mir aus.

  2. Batzman

    @Marcus

    unglaublicher Leerlauf. Das ganze Geplänkel zwischen Brühl und der Tante ist schnarchlangweilig. Die Bar-Szene mit Diehl ist nach nem guten Auftakt ne geschwätzige Sitcom und das Finale im Kino, bei dem sich eigentlich Rififi-Spannung breit machen müsste, wirkt teilweise wie Abott & Costello gegen den Gröfaz.

    Das die erste Szene genial und extrem gut inszeniert und gespielt ist: Konsens. Aber danach fallen mir etliche Momente ein, die von einem strafferen Editing und weniger selbstverliebtem Kleben an den überlangen Dialogen deutlich profitiert hätten. Für einen Film mit sowenig Handlung sind 2.5h wirklich deutlich zuviel.

  3. (M-)Ein Cent für 2009-08-26 | electru.de

    [...] Inglorious Basterds (Review) Unbedingt lesenswert v.a. Nilzenbruger’s Kritik, da ich zu 99,9% zustimme. Der Film hat mich im Kinosessel gefesselt und bebt heut noch nach. Tarantino hat’s mal wieder geschafft, sich mit seinem neuesten Werk selbst zu übertreffen. Hätte ich die Zeit und Muße, hätte ich ebenfalls eine Kritik zu Inglourious Basterds geschrieben. Hätte. [...]

  4. nikolaus-online

    Hey Jungs,

    wie immer habt ihr glasklar und auf den Punkt gebracht eure Meinung zum Besten gegeben. Es gibt einen Aspekt, den ich an dem ganzen IB- und QT-Hype (die späte Stunde mag meine Abkürzungsflut entschuldigen) nicht verstehe – was ist mit der nicht ausser Acht zu lassenen Ansammlung von Gewalttätigkeiten?
    Warum spielt das bei der Bewertung scheinbar nie eine Rolle? Ich weiß, dass ich mich schon bald in die Zeiten zurücksehnen werde, in der das Skalpieren von Feindschädeln nur skizziert wurde – ohne das ganze mit wirklich übelkeiterregenden Effekten nachzustellen.
    Im Film überkommt einen wirklich manchmal so etwas wie “Mitleid” mit den gequälten auf – und ich für meinen Teil finde diese provozierten Gefühlsregungen abstoßend und abschreckend – und so auch den ganzen Film. Gewalt und Folter ist für mich kein Stilmittel – es hat ähnlichen Tiefgang wie jemand, der sich hinter einem Schrank versteckt hat nur um dich mit einem lauten “BUH”-Schrei zu erschrecken. Es ist plump und geschmacklos.
    Ein Film, wie ich ihn nicht mag. Meine Meinung. :)

    Schönen Abend noch!

  5. Batzman

    @Nikolaus

    Gewalt – auch drastische kann ihren Platz haben in einem Film, der sie entsprechend klug einsetzt. Das ich es in diesem Fall für unnötig und eher kontraproduktiv halte, hab ich im Review ja geschrieben. QT hat sich da vielleicht etwas zu sehr von seinem Wichsbruder Eli Roth inspirieren lassen, der Gewalt ja ähnlich pubertär einsetzt.

  6. dlb

    Zwei Spitzenreviews! Die Pros und Cons von eucb beiden decken sich sehr mit meinen Eindrücken. Schön dass Batzman die selbe Meinung wie ich vertritt – nämlich, dass beide Parteien (Nazi-Riege – Basterds) in keinem Moment wirklich gefährlich oder wirklich verabscheuenswürdig erscheinen.
    Der Film ist auf jeden Fall große Geschmackssache und sicher mit einem großen Augenzwinkern zu sehen. Als trashig angehauchtes Situationskino ohne großen Plot mit sehr guten Einfällen und 1,2 Längen aber ein super Kinobesuch. Ich fand die Schauspielleistungen von Waltz und Diehl hervorragend, die anderen wirkten doch leider sehr sehr blass.

    Thema Gewalt: Die elende doch sehr explizite Skalpiererei halte ich für etwas übertrieben und gerade die Baseballschläger-Szene war mir ein Dorn im Auge. Aber kann man auch drüber hinwegsehen…

    Zu “Stolz der Nation”: Nach dem abartig beschissenen Trailer habe ich mit dem schlimmsten gerechnet, aber er wurde doch halbwegs ordentlich eingebaut, kann sich aber trotzdem wirklich nicht mit dem Rest des Films messen. Eli Roth bleibt für mich einfach farblos in allen Belangen.

  7. The Director

    Bitte nehmt den 3. Kommentar nicht ernst (der Nikolaus MUSS das schreiben). Auch wenn ich dabei riskiere, mich als unbraven Jungen zu outen, muss ich doch sagen, dass mir die “Skalp-Szenen” gefallen haben. Das ist eine Art Humor, den zart besaitete natürlich nicht verstehen und das respektiere ich auch. Aber warum sehen sich solche Leute einen Tarantino Film an, der Gewalt eben doch als Stilmittel gebraucht? Ich stimme übrigens Nilz Hamburger diesmal in der Kritik zu. Sonst bin ich jedesmal mit Batzmann einer Meinung aber bei Tarantino scheiden sich wohl die Geister. Bei Wickie und die starken Männer tippe ich mal der Optimistik halber auf 2,5 Sterne.

  8. dlb

    Mit zart besaitet hat das in meinem Fall nichts zu tun. Ich fands nur irgendwie nicht sonderlich nötig. Der “Pizza-Hitler” am Ende hatte in meinen Augen hingegen Symbolkraft gehabt. Aber nur durch “Nazis möglichst brutal putt machen” hat der Film nicht gleich eine größere Daseinsberechtigung. Dafür steckt zu viel anderes gutes Zeug in dem Streifen, der ihn sehenswert und diskussionwürdig macht.

  9. Nilz N Burger

    ich bin auch noch unschlüssig, was die gewaltdarstellung betrifft. gut, wenn ich einen tarantinofilm sehe, weiß ich das sowas auch vorkommt. das hat er ja in noch keinem film ausgelassen. beim ersten skalp, der noch fett in großaufnahme gezeigt wird, fand ich es auch eher unnötig, so ins detail zu gehen. ich habe es aber als “anmeldung” verstanden a la: “jetzt haben wir es euch ja einmal genau gezeigt, dann müssen wir uns damit ja nicht mehr aufhalten”. sprich: es hatte zumindest seine dramaturgische daseinsberechtigung und spielte ja danach keine grössere rolle mehr (wenn es auch noch einige wenige male zumindest ansatzweise zu sehen war…).

  10. The Director

    Ich habe hinter dem Skalpieren ganz einfach einen Witz gesehen und zwar den “Hauptsache besonders makaber”-Witz. Ich denke, das gibt den Film keine höhere Daseinsberechtigung, aber zumindest rechtfertigt das die Szenen an sich. Also als ich das gesehen hab, musste ich schmunzeln und dafür hat es sich denk ich gelohnt.

  11. nikolaus-online

    Auch wenn ich riskiere jetzt wieder eine Diskussionswelle loszutreten: Ich finde Gewalt KANN durchaus seine Daseinsberechtigung haben – ich spreche nur vom WO und WIE.
    Kein Film der Dramatik erzeugen will, kommt ohne Gewalt aus, nur die Form ist entscheidend. Wenn diese – wie im letzten Kommentar von “The Director” – nur als “Schmunzler” eingesetzt wird, finde ich das Abstoßend. Polarisierend, OK. Aber abstoßend. Und Leute die im Kino sitzen, sich Inglorious Basterds anschauen und bei der Skalpierung und der anschließenden Baseballschlägerszene bepissen vor lachen machen mir Angst. :-/ Ganz ehrlich.
    Und ich bin ganz sicher NICHT konservativ. Die Frage ist doch, wann überschreiten wir bei Humor die berühmte Grenze – und jetzt bitte kommt mir nicht mit Dreck wie “es gibt keine Grenze”.
    Denn wenn es so ist, dann sehe ich schwarz fürs Kino. :)
    Und @Nilz N Burger: Das ist es was ich meine – diese Form des “ich zeigs euch einmal genau, damit ihrs mal gesehen habt. Ist das nicht schrecklich? Ist es nicht viel anspruchsvoller auf diesen computergenerierten Quatsch zu verzichten und diese Scheusslichkeiten “anzudeuten”? Das hat doch bislang immer funktioniert…
    Wie immer: Meine Meinung.

  12. Nilz N Burger

    ich sehe das ähnlich wie du, nikolaus. ich habe mich auch damals bei “from dusk til dawn” erschrocken, wieviele leute im kino lauthals über die szene gelacht haben, in der clooney in das zimmer blickt in dem tarantino ausgerastet ist. ich vermute einfach das die meisten leute bei tarantino gewalt immer als humoristisches stilmittel erwarten (boah ey, krass ey, da fahren die über nen stein und der bläst dem den kopf weg!) und deswegen nicht mehr differenzieren können. ich denke aber das tarantino gewalt, vor allem in extremer form, immer als erzählerisches element einsetzt, das macht sie ja in seinen filmen so unerträglich erträglich. ich finde eben auch das in i.b. die skalp-geschichte nicht überstrapaziert wird, deswegen geht es für mich klar. eben als erzählendes element.

    director, wenn du darin nur einen “hauptsache makaber”-witz gesehen hast, dann muss ich mich aber sehr über deine art filme zu gucken wundern. darum kann es ja nie nur gehen, sonst wäre das, was der da macht, ja überhaupt nicht mehr ernst zu nehmen. du darfst ihm ruhig zutrauen, das er sich auch was dabei gedacht hat.

  13. Nilz N Burger

    nun, nikolaus, erstmal kann tarantino nichts dafür, wie die leute seine filme sehen. es spielt natürlich eine rolle, wie er einen film macht, aber man kann sich sein publikum eben nicht, oder nur sehr begrenzt, aussuchen. ich fand die erste skalpszene auch nicht schön, aber genau das wollte die meiner meinung ja auch sein: nicht schön. wir kriegen gezeigt mit was für skrupellosen leuten wir es zu tun haben, auch wenn sie auf der richtigen seite stehen. das hätte man auch andeuten können. klar. strapse sind bei einer frau ja auch nur sexy, weil man eben nicht alles sieht. weil geheimnisse bleiben, die es aufregender machen. aber tarantino war schon immer ein mann fürs nackte, fürs grobe. das der das auch einmal genau zeigen will, hat mich nicht gewundert. war erwartungsgemäss. deswegen in dem rahmen okay.

  14. seb

    Wie ist das den in der deutschen Fassung mit der Synchronisation gemacht?
    Ist alles ins deutsche Synchronisiert, oder sind Teile mit Untertiteln?
    Im Original ist Deutsch und Französisch untertitelt. Und sonst englisch gesprochen. Waltz spricht daher sowohl Englisch, Deutsch, Französich und Italienisch.

  15. DrJonezzz

    Sehr gut Nilz!
    Der Film hat auch meine Erwartungen um einiges übertroffen!
    Ich habe mich zu keiner Sekunde gelangweilt – verstehe diese “Längen” Diskussion sogar gar nicht. Wer das sagt muss auch “Pulp Fiction” lang und langweilig finden.
    Waltz verdient den Oscar und Tarantino wird immer besser.
    Und ja – ich stimme sogar zu, dass Tarantino hier tatsächlich den Nazi-Film aus der ausgereizten Betroffenheitsecke rausgeholt hat.
    Anschauen und begeistern lassen.
    Arrividerci

  16. David

    Besonders wichtig: Man sieht Hitler sterben! Zwar nicht so, wie er vermutlich gestorben ist, aber die unheimliche Feigheit dahingehend, wie sie in etwa beim “Untergang” zu finden ist (A. geht in sein stilles Kämmerlein und man hörts bloß krachen), ist nicht vorhanden.
    Das finde ich v.a. erfrischend. Weiters wurde er nicht in einem finalen Wichs-Akt zersiebt, sondern – so schien es mir – beinah nebensächlich. Ja, es war da die Halbtotale; allerdings nicht minutenlang in Zeitlupe und nicht “tanzend”, ähnlich dieser tollen Stelle in “Mafia”, in der Lloyd Bridges bestimmt drei volle Minuten, nunja, in Zeitlupe tanzend zersiebt wurde.

  17. Batzman

    Das der Untergang ein Scheißfilm ist, macht die Basterds nicht unbedingt besser, weil Hitler dort zu blutigem Klump geschossen wird. Diese ganze “hach was ist das mutig und originell”-Argumentation die ja auch Seeßlen in dem Zusammenhang fährt, kann ich nicht nachvollziehen, genauso wenig wie die “ohh endlich kann man über Nazis lachen”. Das war schon bei “Mein Führer” albern und ist es jetzt erst recht. Hitler ist schon seit langem als Witzfigur etabliert und allerspätestens seit Schtonks “Er brennt nicht” ist das auch im deutschen Film angekommen…

    Nur weil Hirschbiegels Verklärungskacke den Führer mit Samthandschuhen anfasste, ist Tarantino nicht automatisch origineller mit seinem Ende.

  18. Nico

    Ich würde etwas unterschreiben, das irgendwo zwischen euren beiden Reviews liegt. Insofern: Konsens ahoi. :)

    Zum Thema Gewalt denke ich, dass man differenzieren muss, ob jemand Gewalt darstellen oder zeigen will. Als ein großer Fan des Splatter-Genres freu ich mich immer, wenn das alles möglichst realistisch aussieht, einfach aus Spaß an der Tricktechnik – und eben unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass die Gewalt nur dargestellt wird, dass sie mehr eine Comiczeichnung denn eine Dokumentation ist. (Bezüglich Tricktechnik war die Baseballschlägerszene wirklich schlecht, man sah den Gummidummy ziemlich eindeutig herumfedern.) Ihre Berechtigung hat sie als Element der Geschichte, nicht mehr, nicht weniger. Natürlich kann es auch immer ein holzhammersubtiles Stilmittel sein, Gewalt, die Teil der Story ist, nicht zu zeigen, aber ich bin dann meist zu denkfaul, mir auszumalen, wie es denn wohl abseits des Bildschirms oder der Leinwand ausgesehen haben könnte, wenn jemand an der Kamera vorbei schießt. Ursache: Baseballschläger – Wirkung: Viel Blut. Kurz, stringent, kausal.

    Eine Aussage, eine Bedeutung hat Gewalt im Medium Film immer erst dann, wenn der Film Gewalt zeigen und nicht nur darstellen will. Und das geht mir dann natürlich nahe. Bei Blood Diamond war’s beispielsweise so. Warum, brauche ich wahrscheinlich nicht zu erklären.

  19. KodyMonstah

    Denke ma, die Basterds sollten eben genau als diese “moralisch verkommenen” Basterds dargestellt werden, die sich skrupelloser Mittel bedienen, sonst wären sie nicht die Basterds.

    Große Längen in den Dialogen habe ich fast nicht gesehen. Für mich ging der Film bei seiner Laufzeit ziemlich flott vorüber.

    Worüber ich im Nachhinein gegrübelt habe, war, dass das Comicartige der überzogenen Charaktere und Darstellungen nicht so recht zu der ernsten Storyline der jüdischen Rache passte, was mich jedoch während des Guckens nicht weiter gestört hat.

    Bzgl. des Judenjägers fand ich lediglich seinen Lachanfall übertrieben, nachdem er die Bergsteigergeschichte der Hammersmark vernommen hatte. Er hatte zuvor ihren Schuh und die Serviette gefunden und sich, solch großartiger Detektiv er doch war, seinen Reim daraus gebildet. Warum er dann in derartiges Gelächter verfiel oder dieses vortäuschte, war mir nicht wirklich erklärlich.

  20. Schwarzmaler

    So muß das sein. Ich komme morgens um drei aus dem Kino und die fünf Filmfreunde haben endlich den wohl interessantesten Film – nicht unbedingt besten Film – des Jahres besprochen. Bin selbst noch unentschlossen, da war alles von einem bis fünf Punkten dabei,

  21. Zetterberg

    Batz’ Review trifft das absolut korrekt. Streckenweise langweilig, aber doch mit genialen Momenten. Vom Bewertungs-Prinzip ähnlich wie bei “Death Proof”, aber dort waren die genialen Momente sehr rar im Gegensatz zu “Inglourious Basterds”.

    Es freut mich, dass ich nicht der Einzige bin, der die Barszene aufgrund der Überlänge ein wenig nervig findet. Und die unerträglichen Gespräche zwischen Brühl und der hübschen Französin sind einfach zu langwierig.

    Diane Krüger fand ich mal echt nervig. Ich weiß nicht, ob sie einfach nur eine schlechte Schauspielerin ist, oder ob es ihre nervtötende Stimme ist.

    Neben Waltz fand ich die Mini-Rolle von August Diehl in der Barszene noch beachtlich. Der Rest war eher unauffällig bzw. nur Mini-Mini-Rollen. Ich weiß nicht, ob Tarantino jetzt einen positiven Schritt gemacht hat, oder ob das jetzt einfach nur der historische Nazi-Bonus ist. Bis auf Waltz könnte ich auf diesen Film verzichten und stattdessen “Hogan’s Heroes” gucken (um einiges lustiger). Aber bereut hab ich es trotzdem nicht, hat mich halt nur nicht vom Hocker gehauen, wie ich es mir gewünscht hatte.

  22. Bateman

    Zwei gute Reviews, Filmfreunde!

    Etwas schade dass der Einsatz von Sprache (also das viele französisch, deutsch und ein bisschen italienisch) nicht (positiv) erwähnt wird. Das hat für mich viel vom Charme des Films ausgemacht.

    Mir ist wie euch aufgefallen, wie belanglos manche Passagen gerade im Gegensatz zu den absolut genialen Momenten (alles was Waltz macht, die Barszene) ist. Warum steckt Tarantino denn die Basterds in die Nebenrolle, wenn die “Haupthandlung” um Shoshanna dann teilweise echt belanglos inszeniert ist?
    Auch komisch dass der Film irgendwie nicht wirklich einen Spannungsbogen hat. Ob der Donnowitz jetzt den Hitler umballert oder nicht ist irgendwie am Schluss auch egal, zum Beispiel.

    Und danke Batzman dass du etwas formuliert hast, was ich für mich nicht formulieren konnte. Ich hab das gleiche gefühlt, aber konnte es nicht in Worte fassen:

    “Es will nie ein Gefühl des Krieges, von Weite, von Stadt oder Landschaft aufkommen.”

    Exakt. In der ersten Szene wird das noch angedeutet, als die Autos die Straße hoch fahren, aber ab da könnte der gesamte Film in einem nichtmal großen Studio entstanden sein. Sehr schade.

  23. sbstn

    Was haltet ihr eigentlich von der Lesart, Roth’s “Nation’s Pride” weiche bewusst von der Tonalität der Nazi-Propagandafilme ab, um heutige Action-Machwerke als keinen Deut besser zu entlarven?
    Ich finde das eine ganz interessante Sichtweise, auch wenn ich persönlich den Film im Film nicht so gedeutet hätte.

  24. nikolaus-online

    Ich halte mich dann mal auch mal wieder ein bisschen zurück – ich will hier schließlich mit meiner Meinung (die ja jetzt auch bekannt ist) niemanden langweilen.

    Zu Nilz’ 12. Kommentar: Du sagst, das Tarantino die Dinge zeigt wie sie sind. Das mag bis zu einem bestimmten Punkt auch stimmen, allerdings verwässert das ganze doch ziemlich, da der Film ja doch ein “Unterhaltungsfilm” ist. Das Genre lässt sich zwar – und das ist ja auch gut so – nicht eindeutig bestimmen, aber es ist sicher kein Film der als “dramatisch” oder politisch polarisierend gesehen werden will. Von daher finde ich schon, dass QT darüber nachdenken MUSS, wie die Leute seinen Film erleben. Als schwarze Komödie oder als Drama.
    Zu Batzmans 16. Kommentar: Amen. Der Untergang war das letzte. Es sagt ja auch keiner, dass man nicht versuchen darf dem Tier die Zähne zu ziehen, allerdings ist doch die Frage wie kann man sowas erreichen? Und da ist für mich die Verwendung von z.T. übertriebenen Gewaltdarstellungen kein Mittel, was dies bewirkt. In mir HAT der Film nämlich eben durch seine Scheusslichkeit (Vorsicht: Wegen der GEWALT, nicht der MACHART!) wieder Betroffenheit ausgelößt. Und das verstörende Gefühl, dass es scheinbar genug Leute gibt, die das witzig finden.

  25. Nilz N Burger

    @ sbstn: die lesart ist interessant und ich würde ihr gerne folgen, aber: das würde die propagandafilme von früher extrem unterschätzen. ich habe im rahmen des studiums mal “hitlerjunge quex” gucken dürfen (es ist wohl heute immernoch irrsinnig kompliziert, diese filme in deutschland zu sehen und zu zeigen, man muss dafür mehrere formulare ausfüllen und exakt begründen, warum man den sehen möchte – einerseits gut, andererseits bischen doof, das die auseinandesetzung mit dem thema so erschwert wird…) und ich hatte vorher ein klares bild im kopf vom propagandafilm unter goebbels. ich dachte an riefenstahl und ihre übermensch-bilder, so in die richtung.
    da war ich aber erstaunt, als ich sah das das ganze total anders war! viel subtiler! man denkt beim begriff “propaganda” immer gleich an “plakativ”, aber das stimmt gar nicht. der film (quex) war deswegen so fies, weil er eben von hinten durch die brust ins auge ging. der junge, quex, geht einem fast den ganzen film auf die nerven, seine familie, seine freunde, alle lachen ihn dafür aus, das er zur hj will, und selbst in der hj wird er nicht richtig ernst genommen. ein dramatischer showdown und er überlebt es nicht, zwischen die fronten geraten zu sein.

    wie gesagt: all das hat roth nicht beachtet. ja, vielleicht will er modernen actionfilm bewusst persiflieren, das hat aber dann nichts mehr mit propagandafilm zu tun. ich geh ja immer vom besten im menschen aus, aber hier befürchte ich tatsächlich, das er das genre nicht ganz kapiert hat, welches er versuchte zu imitieren.

  26. Marc

    Mit Verlaub, “Pulp Fiction” ist ein 5 Sterne Film.

  27. Nilz N Burger

    @nikolaus: ho ho ho! voooorsicht! ich denke durchaus, das tarantino einen dramatischen film machen wollte. ich sehe basterds nicht in erster linie als komödie. und “unterhaltungsfilm” ist ja wirklich, sorry, eine dämliche bezeichnung. wenn es unterhält, dann ist es unterhaltung. und irgendeinem film das recht absprechen, irgendetwas zu zeigen, weil es ja NUR unterhaltung sei, ist ein argument das mich tierisch auf die palme bringt. sachen en detail zeigen dürfen also nur arthouse-filme, oder wie? nochmal: war das der erste tarantino-film den du gesehen hast? dann verstehe ich deine empörung. wenn nicht dann frage ich: was hast du erwartet? ringelpiez mit anfassen?

    @bateman: du hast vollkommen recht: den einsatz von sprache habe ich vollkommen vergessen und ja, der ist wahnsinnig elegant in dem film. vermutlich wird mich nun die hälfte der anwesenden wieder köpfen, aber ich habe den ja synchronisiert gesehen und auch da funktioniert das wunderbar. französisch bleibt original und wird untertitelt und ansonsten muss man sich eben vorstellen, wann die deutsch und wann die englisch reden (was gut funktioniert, oder ich bin eben so dran gewöhnt). italienisch ist natürlich auch in der synchro-fassung italienisch. lustig, das einem auch längere passagen auf französisch nie komisch vorkommen. passt irgendwie alles zusammen, dieses sprachenmischmasch. ist wirklich sehr gelungen.

  28. Nilz N Burger

    @ marc: würde von mir 3,5, für seine bedeutung eher 4 sterne kriegen, aber mehr nicht.

  29. nikolaus-online

    @Nilz N Burger: ;-) Ne, sicher nicht. Ich gebe ja auch keine generelle Beurteilung sondern eine subjektive Meinung wieder. Ja ja. Wenn mein Gestaltung- und Dramaturgielehrer das gelesen hätte, würde er meine letzte Bewertung sicher um 1,5 Zähler runtersetzen. Verzeih den müden Begriff.
    Natürlich dürfen nicht nur arthouse-Filme sich mit schwierig zu vermittelnden Dingen befassen, aber das ganze wird für mich in IB in ein falsches Licht gerückt! Hier wirken die Gewaltdarstellungen mehr als Witzfiguren in einem perversen Spiel. Wie ein Hobby-Filmer der in einem Film alle Überblendungseffekte einsetzt, die sein Schnittprogramm hergeben! Die Dumpfbacken im Auditorium sind begeistert aber an sich ist es lächerlich. Es ist viel schwieriger, Spannung zu erzeugen in dem man etwas NICHT zeigt – und in einem Film der eine hochsensible Hintergrundgeschichte hat, sollte man eben besonders vorsichtig sein. Nebenbei finde ich auch die Tatsache, dass im ganzen Streifen der Krieg, der Holocaust und all die Schrecken der damaligen Zeit überhaupt nicht richtig transportiert werden schon schrecklich genug. Und wieder: meine Meinung. :)

  30. Marc

    @ Nilz N Burger: Von mir bekommt er 5 Sterne. Baster. Von “Inglorious Basterds” bin ich übrigens positiv überrascht gewesen. 3,5. Bester Tarantino seit langer Zeit.

  31. sbstn

    @Nilz:
    Danke für Deine Eindrücke über den Propagandafilm. Auf dem Gebiet bin ich gar nicht bewandert und muss sagen, ich denke bei dem Genre tatsächlich an Riefenstahl- und Massenaufmarsch-Bilder.
    Insofern scheint Roth – wie man es auch dreht und wendet – einfach nur völlig daneben gelegen zu haben.

  32. Bateman

    Ha, da haben wir auch eins der großen Probleme des Films: Eli Roth. Abgesehen von der zweifelhaften Art des von ihm gedrehten Propaganda-Film-im-Films wäre da einfach seine Besetzung. Hätten die keinen “bärigeren” “Bärenjuden” mit Baseballschläger finden können? Einen großen, dicken Typ? Dann hätte da auch diese Golemgeschichte besser gepasst finde ich.

    Aber nö, Tarantino castet einfach seinen “Wichsbruder” Roth (Batzman, für den Titel bekommst du von mir einen Orden :-)) und opfert dafür ein kleines bisschen Filmqualität.

  33. www.liveh8.de » Inglorious Basterds – Wieder ein genialer Tarantino

    [...] Fritz Langs Die Nibelungen – Kriemhilds Rache hat Quentin Tarantino auch gesehen. Und zitiert. Zum Film noch zwei lesenswerte Beiträge im Spiegel: Georg Seeßlens Meinung zum Film und eine Filmkritik. Dazu noch eine ausführliche – und gute – Kritik bei den fünf Filmfreunden. [...]

  34. Hades

    Ich finde solange keiner beim Ende des ersten Kapitels gelacht hat, und nur bei den meist völlig überzogenen Gewaltdarstellungen später im Film, ist alles in Ordnung.

    WENN dann aber die Gewalt gegenüber den Nazis doch mal betroffen gemacht hat, bzw Mitleid erzaugt (ich glaube das war wenn überhaupt, eher der Fall bei den Figuren im Wald oder in der Taverne) verstehe ich nicht was daran so verkehrt sein soll. Moralische Glanzlichter waren die Basterds ja nun auch nicht.

    Trotzdem, auch ich habe bei vielen der Szenen gelacht, das ist dann eine Mischung aus Freude über die Auflösung der Spannung, oder eben die – für mich – Ideenreiche Darstellung. Oder wie in der Taverne einfach nur das völlig übersichtslose Chaos was abrupt anfängt und schnell endet. Auch ich habe mich an manchen Stellen gefragt, wieso lachen diese 3 Leute da links von mir jetzt? Aber die dann als Dumpfbacken hinzustellen finde ich auch uncool. ;)

    Weiterhin verstehe ich nicht, wie “Der Stolz der Nation” dem deutschen Propagandafilm besser hätte gerecht werden können, eher mit Anerkennung oder wie?
    Ich fand “Der Nazifilm da, total schlecht, nur Geballer und komische Schnitte und der Hitler bepisst sich vor Lachen und freut sich” eigentlich prima.

    So, ein paar ungeordnete Gedanken die mir beim Lesen so eingefallen sind.

    Und ich muss jetzt unbedingt nochmal Reservoir Dogs gucken.

  35. Arno Nym

    Hab den Text (noch) nicht gelesen, aber im Filmtitel fehlt ein “u” IngloUrious Basterds heisst es.

  36. Nico

    @nikolaus: Ich finde, mit dem, was du als hochsensibel bezeichnet, kann man nur auf zwei Arten umgehen: Man setzt sich ernsthaft damit auseinander (was Der Untergang..naja, zumindest versucht hat) oder man zieht es völlig durch den Kakao bzw. nimmt es für das Gegenteil von voll. Man benutzt es für seine Geschichte.
    Ich möchte Tarantino unterstellen, dass für ihn das dritte Reich einfach nur als Setting diente, nicht weniger und vor allem nicht mehr. Die gleiche Geschichte hätte man vielleicht in Russland zur Zeit Stalins drehen können. Dann wäre aber der Woah-Effekt weggewesen, dem ich ebenfalls unterstelle, reiner Effekt zu sein, weil Stalins Regime hier in den Köpfen natürlich nicht so präsent ist wie Hitlers.
    Ja, Tarantino benutzt natürlich Fakten als Grundlage, aber er verarbeitet sie nicht, sondern er benutzt sie nur.
    Insofern war ich bspw. auch von Mein Führer sehr enttäuscht, weil der im Ansatz zwar genau die richtige Zielsetzung hatte, aber was komödienhafte Pietätlosigkeit, Überzogenheit, Bosheit und Zynismus angeht, auf ganzer Strecke versagt – weil er doch zu ängstlich ist.
    Tarantino ist das nicht. Seinem Film und mithin ihm ist völlig egal, wem er mit Symbolik, Habitus, Sprache, dem Gesagten auf die Füße treten könnte. Das fand ich geradezu erfrischend undramatisch.

  37. Nilz N Burger

    @ hades: also entweder jemand legt wert auf formalismen, oder er tut es eben nicht. ein bischen schwanger geht nicht. das ganze drumherum, das plakat etc. sollte die illusion eines propagandafilmes aufrecht halten. aber was da auszugsweise zu sehen war hatte nicht im entferntesten etwas mit propagandafilmen zu tun. riefenstahl, auf die sich taantino ja auch in sämtlichen interviews immer bezog, hat ja mit einem unglaublich plakativen symbolismus gearbeitet. im gegensatz zum anderen, sonst gängigeren propagandafilm. wenn “stolz der nation” wenigstens das gehabt hätte, wäre ja alles in ordnung gewesen, aber so blieb nocht mal mehr die illusion eines propagandafilms. das war gar nix. murks. wie gesagt: das ist ein detail, das fällt sicher den wenigsten auf. aber es wird den eigenen ansprüchen von tarantino eben auch nicht gerecht. und das ist eben verschenkt.

    @nico: jo. sicher: er wollte kein realistisches abbild schaffen. und das er das nur als setting benutzt hat, habe ich ja auch schon erwähnt, man sollte also nicht auf geschichtliche fakten pochen. andererseits: das setting nur zu nutzen um sich darüber lustig zu machen finde ich auch zu wenig. da habe ich schon ein bischen mehr in dem film gesehen.

  38. The Director

    @ Hades
    Da gebe ich dir recht. Im ersten Kapitel gab es bei aller Gewalt nichts zu lachen. Da hab ich also auch sehr mitgefühlt. Beim Skalpieren hingegen hab ich gelacht, weil die Gewalt so sehr überspitzt wurde, dass sie nicht mehr ernst zu nehmen war (sehe ich als Tarantino-Humor). Ist doch in Kill Bill etc. nicht anders. Abgesehen davon besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Film und Realität. Würde ich sowas in echt sehen, müsste ich mich maßlos übergeben. Macht euch also keine Sorgen um Menschen wie mich. Wir sind immer noch Menschen.

  39. Hades

    Hab ich eigentlich irgendwas nicht kapiert, oder wieso wurde der berüchtigte Hugo Stieglitz in der Taverne nicht erkannt? Im Kino dachte ich glaub ich dass es da irgendwelche Zeitsprünge gegeben haben muss, die an mir vorbeigegangen sind.

    @Nilz mh, also “entweder oder” find ich zwar manchmal auch, eigentlich aber bin ich eher nicht für so eine Festlegung/Konsequenz. Das kommt immer darauf an.. :P. Dann müsste ja jeder immer eine feste Linie fahren, aber das holt wohl eh zu weit aus.
    Trotzdem kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Hier wird doch das ganze Unterfangen einfach lächerlich gemacht. Alternativ würde mir da jetzt einfallen die von dir genannten Mittel herzunehmen und diese ins lächerliche zu ziehen. Aber hier wurde all das einfach mal in die Tonne gekloppt. Kurz gesagt find ich eigentlich nicht dass man das “objektiv”/neutral kritisieren kann, oder dass es anders besser gewesen wäre. Obwohl ich während des guckens glaube ich auch ein leises Gefühl hatte, dass das irgendwie deplaziert ist, auch wenn sich das nicht richtig manifestiert hat.

  40. The Director

    @ Arno
    Das mit dem U stimmt ja sogar. Bisher war mir immer nur das E in Basterds aufgefallen. Ist sehr wichtig für mich als Rechschreibfriek, danke ;)

  41. Nilz N Burger

    habe die fehlenden “u”´s jetzt eingefügt, arno.

  42. Doc

    Leider überwiegen in diesem Film die schlechten Elemente. Waltz ist genial und der Sprachenmix ist gelungen und unterhaltsam. Viele der Rollen sind jedoch schlecht geschrieben und/oder mies gespielt. Kruger, Brühl, Schweiger und Roth (“Wichsbruder” passt^^) sind blass bis grauenhaft. Die Figur Shosanna nervt und hätte rausgelassen werden können. Der Film hätte bei der Länge mehr durch Action aufgelockert werden müssen. Da hat QT seine Dialoge wohl etwas überbewertet. Dem Film fehlen Spannung und Höhepunkte, er plätschert einfach gefällig vor sich hin. Für die Zeit, die man den Charakteren gibt, hatten viele erstaunlich wenig Tiefe. Es wurden auch zu viele Klischees bedient, alles was der Durchschnittsami so über den 2WK wissen könnte.
    Mir scheint, QT hat sich nicht so richtig Mühe gegeben. Im Hinterkopf wusste er wohl, daß sein Name und die der bekannten Schauspieler für einen Erfolg reichen würden.

  43. anna

    “Es soll tatsächlich noch Leute geben, die nicht wissen um was es in dem Film geht. ”
    Ha, ich musste so lachen. Letztens habe ich beim Rumschalten noch mitbekommen, dass eine Sprecherin bei taff (oder so) meinte, es ginge ja “um einen judenabschlachtenden Offizier, gespielt von Brad Pitt”. Ehrm.. ja.

  44. Sebastian Rooks

    Eine Sache an dem Film hat mich besonders interessiert (evtl. Spoiler!):
    Die Darstellung der Deutschen… Trotz der Premisse (Jüdisches Killerkommando das alle Deutschen als Nazis sieht und abschlachtet) ist das eigentlich ganz gut gelungen. Was mich stört ist aber z.B. die Szene mit dem Deutschen der den Baseballschläger abkriegt. Im Grunde ist die Szene wirklich sehr stark, der Typ wirkt sympatisch, man fühlt mit ihm und kann nachvollziehen das er seine Kameraden nicht verraten will. Und selbst Tarantino sagte in einem Interview das er hier den Zuschauer zum Nachdenken bzw. “zweifeln” an den Methoden der Basterds bringen wollte. Trotzdem frage ich mich wieso Tarantino dann diesen Spruch von “Jew Dogs” bzw. Judenschweinen gebracht hat, den der Deutsche klischeehaft vor seinem Tod noch absondert. Manche werden hier vielleicht sagen keine große Sache, aber das ist eben wieder genau so eine Szene wo der Mord an dem Typen praktisch legitimiert wird und gezeigt wird das er eben doch nur ein Nazi ist und den Tod “verdient” hat. Etwas ähnliches sah ich bei dem Deutschen der Vater geworden ist in der Bar, auch er darf vor seinem Tod noch ein paar Beleidigungen an Frau Hammersmark richten.

    Findet ihr nicht auch das dadurch die Szenen etwas entkräftet werden? Oder interpretiere ich da zuviel rein? Die Weinsteins sind ja selbst jüdischer Abstammung, und ich kann mir auch nicht vorstellen das die Tarantino 70 Mio. $ in die Hand drücken, vorallem in ihrer jetzigen Finanzsituation, ohne ein paar Auflagen?

    Ansonsten war der Film nicht schlecht, Tarantino schaft es wirklich sich jeder konkreten Deutung oder Aussage zu erwehren, beide Seiten sind mal ziemlich übertrieben, mal ambivalent. Der Film war sehr schnell vorbei, die Schauspieler gefielen mir alle sehr gut (ausser Diane Kruger, aber ihre finale Szene war genial). Von den Basterds hätte ich gerne mehr gesehen, vielleicht hätte man 1-2 Flashbacks einbauen können, wo man die Basterds in Aktion sieht und die Charaktere etwas besser kennenlernt. Auch das Ende habe ich grotesker erwartet.

  45. Steve S

    Hmm gestern gesehen und für gut befunden, bei reviews sind sehr gut und stimmen grösstenteils mit meinem empfinden überein.

    Geniale momente aber auch elende längen wie eben die Barszene.

    Die Brutalität hätte mir auch etwas weniger plastisch getaugt da ist wohl manchmal weniger mehr, naja zumindest einigen schien das ja im Kino gut gefallen zu haben dem gejohle nach beim Skalpieren z.b.

    Persönlich machen mir solche leute ja angst da die Basterds in der szene keinen deut besser waren als ihre gefangenen die teilweise ja ganz normale wehrmachtssoldaten zu sein schienen.

    Übrigens… bin ich der einzige der bei Diane Krüger immer den eindruck hatte das die grad ne 9Live call in moderation macht?

  46. Mozzerino

    Also ich muss leider sagen, für mich ist INGLOURIOUS BASTERDS der offiziell erste Fehltritte in der Tarantino-Filmographie.
    Totaler Reinfall.
    Christoph Waltz ist super, ihm kann man wirklich nichts vorwerfen, er holt aus der Sache raus, was rauszuholen war. Wenn es einen positiven Punkt gibt, dann ihn.
    Das babylonische Sprachgewirr fand ich auch richtig originell, ich kann mir gar nicht vorstellen wie der Film synchronisiert funktionieren soll.
    Das wars aber auch schon.
    Der Rest ist eine vorhersebahre, viel zu lange, gähnend langweilige Laberklamotte mit größtenteils zweidimensionalen Charakteren und lahmen Performances.
    Ich könnte jetzt hier ewig lange schreiben, was mich alles genervt hat, aber das würden vermutlich nicht viele Leute lesen wollen.
    Wer aber diskutieren will, ich bin bereit.
    Von mir gibts für INGLOURIOUS BASTERDS 2 von 5 Sternen und das ist schon großzügig.

  47. arealfake

    Einfach ein genialer Film der Spass macht, anders ist, und vor allem trotz ca. 2,5 Stunden nicht langweilt. Leider viel zu kurz, und die Szene mit dem Füller wurde offensichtlich auch gekürzt, zumindest sollte die Szene ja laut ersten Berichten aus Cannes wesentlich länger gewesen sein.

    mal eine Kritik zu den Kritiken hier…
    Das Review von Nilz ist sehr schön zu lesen ohne pseudointellektuelles geschwafel wie das leider Hr. Batzman ständig von sich gibt. Wer so ein nettes Review wie Nilz schreibt dem kann man auch das “nicht gefallen” von Death Proof verzeihen, ist ja auch eine Frage des Geschmacks.

    Bei Batzman kann man eigentlich nur noch eins sagen bzw. schreiben, geh nach hause man … mach einen Job den du kannst anstatt einen auf Filmkritiker zu machen. Schmeiss endlich dein Fremdwörter Buch weg, oder lerne, dich mit mit einfachen deutschen Sätzen auszudrücken. Anstatt mit deinem ge-POSE deine inkompetenz zu überspielen, du nervst wie Sau mit deiner “schmiererei”.

    Wer in Death Proof scheinbar nur “Nackte Füsse” und zu lange Dialoge gesehen hat disquaulifiziert sich direkt selbst als Kritiker und will sich wohl ganz nebenbei seinen Fussfetisch nicht eingestehen.
    Ist nichts persönliches, mag sein das du nett bist aber bei deinen Texten bekommt man einfach Lust deinen Skalp einzufordern.

    Jetzt fehlt noch das Review von Rene, der zwar bekanntlich null Plan von sci-fi hat aber wenigstens ein echter Film-Nerd ist der Tarantino versteht und zu schätzen weiss.

  48. freeminder

    Hey mal kurz was anderes. In Amerika, lief in vielen Kinos vor den Basterds, der erste Teaser von Inception. Da der Film bei uns am selben Wochenende startete, lief er vielleicht auch bei uns. In der Vorstellung in der ich war jedenfalls nicht. Erbitte um Rückmeldung falls ihn jemand gesehen hat.

  49. justus_jonas

    Wer im Kino bei Gewaltszenen lacht, der findet meist einfach nur keine andere adäquate Reaktion, bzw. nutzt dieses Lachen als Flucht. Gleiches passiert oft auch bei besonders expliziten Sexszenen. Da hilft das Lachen darüber hinweg und ist oft nur der einzige Ausweg das Gesehene nicht zu nah an sich ran zu lassen.

  50. Bateman

    @Batzman:

    Im Gegensatz zu arealfake versuch ichs mal mit konstruktiver Kritik: ich lese auch manchmal Absätze von dir, wo es so wirkt als würdest du zu sehr den so genannten “etablierten” Filmkritikern nacheifern, die oft nur aufgeblasenes Gewäsch bieten. Es wirkt, als würdest du lieber noch ein Satzlabyrinth konstruieren, damit der Text aufwendiger ist, als ihn sinnvoll und simpel zu halten. Ich finde es grundsätzlich gut, eine stellenweise “hochgestochene” Sprache zu verwenden, aber manchmal übertreibst du es. Schreib weniger als Printschnösel, und mehr als ehrlicher, geradliniger Onlinekommentator.

    @Arealfake:

    “Rene, der zwar bekanntlich null Plan von sci-fi hat”

    Und du hast null Plan von Genres, oder kannst du mir sagen was das science bei Basterds sein soll?

  51. Bateman

    @Justus Jonas und all:

    Da du von Sexszenen sprichst, ich wüsste mal gern was ihr davon haltet: in Basterds gibt es ja nur eine “Sexszene”, als eine Sekunde lang Göbbels und seine “Übersetzerin” eingeblendet werden. Das hat mich extrem irritiert. Nicht die Szene selbst, sondern viel mehr der Umstand, dass sie die einzige Szene ihrer Art ist. Wenn der Drehbuchschreiber sich schon dafür entscheidet, das zu zeigen, warum nur bei Göbbels? Hätte sich doch bestimmt auch bei anderen Personen angeboten. Und damn, zur Visualisierung der angeblichen Liebe zwischen Shoshanna und ihrem Marcel hätte ruhig eine erotische Szene eingebaut werden können. Nicht nur weil Melanie Laurent geil ist :-), sondern weil die zwei im gesamten Film nie etwas machen, das ihre Liebe zueinander zeigt.

    Ach ja und was haltet ihr von Samuel Jacksons voice-overn? Irgendwie auch unnötig und random.

  52. arealfake

    @Bateman
    nix, das war ein insider den der Rene schon versteht und dich nix angeht also halt dich einfach raus.

  53. Nilz N Burger

    liebe leute, nur weil das hier die kommentare zu einem tarantino film sind, müssen wir ja nicht gleich die contenance verlieren. also bitte. manchmal zusammenreissen und nochmal gegenchecken, bevor man auf “senden” drückt. gut. weiter gehts:

    @arealfake: schön, das du mir das nicht-gefallen von “death proof” verzeihst, aber lege ich in obigem text nicht ziemlich detailliert dar, warum ich den so SUPER finde? oder bin ich jetzt doof und habe mich falsch ausgedrückt? höh? steh ich auf dem schlauch?
    desweiteren schreibt batz nunmal so, wie er schreibt. das ist sehr reflektiert und mühsam. ich schreibe meistens direkt wenn ich aus dem film komme, das ist dann weniger reflektiert, aber genauso mühsam..;) bei 5 verschiedenen autoren hat halt jeder seinen stil. und es ist ja nicht so, als wenn batz erst seit gestern so schreiben würde. ich hatte zumindest noch nie ein problem mit seinen texten. die sind eben gefeilt, nicht solche rough cuts wie z.b. von mir.

    @bateman: die goebbels-sexszene ist ja eher gedacht um ihn als “tier” da stehen zu lassen. die soll ja nicht erotisch sein. zwischen shosanna und marcel braucht es keine intimitäten-szene, deren beziehung wird behauptet (und mit marcels selbstopferung beim filmverbrennen ja auch bestätigt) und das reicht. wichtiger ist ja die liebe von fredrick zu shosanna. das ist die zentrale liebesgeschichte in dem film (vermutlich deswegen fanden das auch alle so langweilig, weil sie eben in einem tarantino keine liebesgeschichte erwarten – ich fand das groß).

  54. oldi

    Man war der Film gut! Verdammt gut! Keine Längen, Top Spannung, Wahnsinns Dialoge, Wahnsinns Schauspieler. Da gabs wirklich nix zu mängeln. 5/5

    Na ja und wem Death Proof zu langweilig war, sollte sich vielleicht an Van-Damme-Fime halten. 5/5

  55. Peter

    Der Film ist unnötig brutal (die Baseballschlägerszene ist widerlich), er ist sehr langatmig (warum dauert die erste Szene im Bauernhaus 20 Minuten?) und außer Herrn Waltz’ Leistung sind die Schauspieler ziemlich schlecht.

  56. Maik

    Also ich fand IB auch sehr gelungen, obwohl ich im Vorfeld Angst hatte, dass QT es nicht mehr bringt. Aber er bringt es! Klar, es ist ein nicht immer leicht bekömmlicher Brocken, aber das macht es auch aus. Und dass Brad Pitt neben einem Christoph Waltz wie eine querschnittsgelähmte Rollstuhlzwergin wirkt, hätte ich nie gedacht!

    Achja, Batz: Bowie wurde in die 40er geworfen! ;)

    Und allgemein mögt ihr das “dass” wohl immer noch nicht.

  57. Batzman

    @Bateman

    In der Regel schreibe ich hier nicht anders als in meinem Blog oder bei moviepilot und selbst gesprochen drücke ich mich oft ähnlich aus – das ist kein Nacheifern von irgendwem, dazu schreibe ich zu lange Texte, als das ich mich da noch damit abmühe micht mit irgendjemandem messen zu wollen. Würde ich auf seriöse Print-Schreibe wert legen, müsste ich hierzulande auf sehr viele meine flapsigen Formulierungen – die sich auch im obigen Text finden – verzichten. Aber das ist mir ziemlich egal. Dennoch mache ich mir vor einem Review meine Gedanken und schreibe meist nicht aus dem Bauch heraus, sondern mit etwas Abstand – wenn das Printschnösel ist – dann sei es so.

    Verglichen mit Leuten wie Seeßlen sind meine Sachen aber insgesamt noch sehr simpel geschrieben. Das Tarantino-Review hat genau einen komplizierteren Absatz, der danach aber auch nochmal verdeutlicht wird – der Rest des Textes enthält weder ungewöhnliche Fremdworte, noch hochkomplexen Satzkonstruktionen – und selbst der eine zugegeben etwas schwurbelig-klingende Absatz sollte beim zweiten Lesen klar werden. Tarantinos Meta-Meta-Ansatz braucht diese Aussage, um die Kritik deutlich zu machen.

  58. sbstn

    @Batzman:
    Problematisch ist an dem Absatz nur, dass Du ihn nicht belegst. Wenn Du an Hand von Beispielen verdeutlichen würdest, inwiefern es sich um bspw. “Nazis als Zitat eines zitierten Zitats” handelt (zum Beispiel durch die Angabe von Tarantinos Referenzen), könnten Verständnisprobleme vermieden werden.
    Siehe Nilz’ , der Tarantinos Meta-Meta-Kino durch die Aussage “Martin Wuttke gibt einen amüsanten Klischee-Hitler, der ein wenig zu sehr angelegt ist, als wenn Bruno Ganz Charlie Chaplin spielt, der Hitler spielt.” durchaus anschaulich, aber weniger elaboriert darstellt.

  59. Arno Nym

    So, habe den Film gerade gesehen und ich kann beide Rezensionen nachvollziehen. Aus Nilz schreibt der Tarantino-Fanboy, der ich auch bin, Batzman betrachtet das ganze ein wenig distanzierter und hat eigentlich mit allen Aussagen Recht. Wie man den Film findet hat dann wohl damit zu tun ob man einzelne Punkte als Kritikpunkt sieht, oder wie sehr sie einen stören.
    Mich stören die z.B. von Batzman kritisierten Längen, die zweifelsohne vorhanden sind nicht, weil ich Tarantinos Figuren einfach gerne beim Reden zuhöre.

    Wirklich gestört haben mich aber auch nur die Szenen aus “Stolz der Nation” und die absolut grässliche Diane Kruger. Die Frau ist der erste Fehlcast, den ich bei QT gesehen habe… und dann solch einer. Na ja, vermutlich haben ihm ihre Füße gefallen… ;)

  60. tempek

    Nur kurz in den Ring geworfen:
    Don Vito Corleone a.k.a. Aldo Raine & Tony Montana meets Sgt. Donny Donowitz…

    Doch das am Rande.
    Ich hatte eine Menge Spass mit dem Film.
    Das liegt nicht nur an der Rolle des ausgezeichneten Christoph Waltz und des groß aufspielenden August Diehl, sondern ist dem gesamten deutsch sprachigen Cast geschuldet. Wer hätte zum Beispiel gedacht das Till Schweiger sich derart von “Kommisar Rex” (Gedeon Burkhard) den Schneid abkaufen lässt…?

    Jetzt fehlt nur noch der von Tarantino inszenierte Bond und er kann sich getrost in den Ruhestand begeben.

  61. Hades

    @sbstn danke dafür, hab ich mich “unterwegs” auch gefragt, aber den gedanken nicht weiter verfolgt/ so richtig fassen können. ;)

  62. Arno Nym

    @tempek: Dann aber mit Waltz als Bösewicht!

  63. Tino

    Der Film ist mit ca. 150 Minuten kein Leichtgewicht, aber ich muß zugeben, dass dieser Zeitraum für mich noch nie so schnell verging.
    Cristopher Waltz war einfach genial, seine Szenen bestachen durch soviel Spielwitz und Facettenreichtum. Besser hätte man diesen Part nicht besetzen können. Ich kann mich an kaum Film erinnern, bei dem ich einen Schauspieler mit solch einer Begeisterung verfolgt habe.

    Auch Mélanie Lauren konnte mich überzeugen, eine der wenigen Personen, denen Tarantino im Film eine Entwicklung zugestanden hat.

    Und hier greift genau mein größter Kritikpunkt. Die eigentlichen Basterds ziehen einen eben nicht in den Bann. Die Charaktere werden mit einer Ausnahme nicht vorgestellt. Welcher Antrieb, welche Geschichte bringt sie dazu diese Taten zu begehen. Irgendwie wird einem dadurch ihr Schicksal egal. “hmm, drei von denen tot, aha, ok…weiter im text”
    Zumindestens den Charakter von Brad Pitt hätte man wesentlich mehr Tiefe verleihen müssen, um emotional eine Bindung zu ihm aufzubauen und ihn als ernsthaften Gegenspieler vom “Judenjäger” wahrzunehmen. Da stimmt ich Batz Kritik im vollen Umfang zu.
    Schauspielerisch hat Brad Pitt definitiv das Potential dazu.

    Und was Hollywood an Diane Kruger für einen Narren gefressen hat, versteh ich bis heut nicht. Ihre eindimensionale Darstellung zieht sich durch alle Ihre Filme, schlechte Mimik, furchtbare Tonalität und hölzerne Laientheaterattituden. Sie spielte Ihre Charakter gewohnt blass (Till Schweiger ebenso).

    Richtig enttäuscht hat mich aber die Darstellung des Hitlers. Ohne Christopher Waltz /Mélanie Lauren wäre der Film dadurch einfach nur noch in die Grotteske abgerutscht.

    Trotz dieser Kritikpunkte hat mich der Film gefesselt. Wundervolle Dialoge, teilweise geniale Kammerspielmomente und interessante Handlungsstränge. Ein absolutes Muss für jeden Filmliebhaber.

  64. Nico

    Ich fand den Film nicht so prall. Waltz war der Film, sonst wär ich rausgegangen. Und Tarantino hat den europäischen Cast nicht selbst gemacht, sondern jemanden geschickt. Also Sorry, Tarantinos Leistung ist zu vernachlässigen. Er soll Rodriguez und den Coens die Füße lecken.

  65. Bootie

    ich versteh nicht ganz die immer wieder aufkommende frage, warum der film nach den basterds benannt wurde. sind sie nicht einfach ein “macguffin”? dienen sie nicht lediglich dazu die handlung auszulösen und voranzutreiben?

    und ist inglourious basterds nicht auch an “der clou” mit redford angelegt?

  66. Christian

    für mich ein meisterwerk! imo hinken alle vergleiche zu tarantinos vorhergehenden filmen, denn mit IG hat er sich mehr aufgehalst, als in allen bisherigen filmen zusammen – meine kritikpunkte sind die grosse diskrepanz zwischen waltz und allen anderen(liegt imo am skript und nicht an den schauspielern) und das Ende – und den propaganda-film sehe ich eindeutig als “WWII Trash film” zitat

  67. Binding

    @ Nilz: Was meinst Du denn genau damit, dass “Planet Terror” “schlecht gemacht” war? Im Gegensatz zu Tarantino, der mit “Death Proof” (den ich trotzdem auch klasse finde) seinen üblichen Hochglanz-Trash abgeliefert hat, ist Rodriguez’ Beitrag doch viel näher am Grindhouse-Style – gerade weil er ganz bewusst so schlecht gemacht ist. Abgesehen davon hat er doch auch echt einen Heidenspaß gemacht. Nur als Zombie-Film ist er irgendwie scheiße.

    @ justus_jonas: Was Du zum Lachen über Gewalt sagst, trifft oftmals zu. Aber man kann doch durchaus auch im Sinne von Unterhaltung über Gewalt lachen! Die Gehirn-aufs-Rückfenster-Szene in “Pulp Fiction” ist zum Beispiel trotz allem definitiv witzig, und es gibt ja auch ein ganzes Genre namens Fun-Splatter (stellvertretend sei hier nur Jacksons grandiose Zombie-Komödie “Braindead” erwähnt), das sogar auf dieser Zuschauer-Haltung aufbaut.

  68. Lars

    Ich habe den Film am Wochenende gesehen und kann nur jedem raten ihn UMBEDINGT in English zu sehen. Alleine der Dialeckt von Brad Pitt (Südstaaten) ist Göttlich. Da im Film eh jeder die Sprache spricht die seinem Charakter entspricht besteht also auch der Englische Film zur Hälfte aus Deutsch und so macht auch die Scene in der Bar mehr sinn.

  69. fridge

    Hab ich eigentlich als einziger über Landas Pfeife im Bauernhaus gelacht?

  70. einGast

    @fridge: nö, hab ich auch :) (und mit mir das gesamte publikum)

  71. Bateman

    @Fridge:

    Ich hoffe du meinst Lachen und nicht Auslachen? Weil bei mir hat auch das ganze Kino über die Pfeife geschmunzelt, fand es also witzig (im Gegensatz zu lächerlich). Bei nem andern Charakter wäre die Pfeife vielleicht fehl am Platz, aber der Landa legt halt Wert auf seinen Auftritt.

  72. Tim Bums

    @nilz:

    wieso bekommt pulp fiction denn keine 5 sterne von dir? ich steh zwar mehr auf das 10 sterne-system, aber würde ich in 5 sterne denken, dann würde ich pulp fiction die sofort geben( anders als beim 10 sterne-system..). ich glaube jedenfalls nicht dass tarantino jemals einen besseren film als pf machen wird.

  73. Nilz N Burger

    @tim bums: ja, pulp fiction ist ein super film und der war super wichtig, zu der zeit in der er kam, weil tarantino damit den dialog ins kino zurückgebracht hat. no doubt. aaaaaaber: der bleibt auch relativ steig in seinen formalismen gefangen. ich finde die wenigsten figuren wirklich plastisch, sondern eher plastik. es geht darum die zeitsprünge richtig zu setzen, das zerpflückt aber die story so. also man merkt pf definitiv tarantinos genius an, aber er kann es eben noch nicht voll ausspielen. 3,5 bis 4 sterne. meiner meinung nach.

  74. Metfred

    Heiter, hingerissen, interessiert und wohl erstmals in einem Tarantino-Film gelegentlich sogar gespannt habe ich den Film mehr verfolgt, statt nur gesehen und werde mir sicherlich einen Nachschlag gönnen. Vor allem die aasige Bosheit des Ledergestapo-Manns (der beim Kartenspiel in der Bar, mag er heißen, wie er will) hatte es mir angetan. Schade, dass unsere Schauspieler meist nur in von Rundfunkräten abgenickten Drehbüchern agieren dürfen. Ich war platt, was für ein Spiel Leute entfesseln können, die ich bislang nur auf Omafernsehen beschränkt sah.

    @ Batzman
    Die Verschnaufpause, die du deinen Sinnen vor der Kritik gönnst, macht sich wieder bezahlt. Zwar verliert sie das Unvermittelte, wird teilweise auch etwas lau (Wieso gibt es keinen Bonus für die unheimlich attraktive Kinobetreiberin? Schreibt auch ruhig mal etwas heterosexueller.), aber dafür bringst du etwas, was das wieder auswetzt: Urteilskriterien. Schön, auch einmal etwas über die Disziplin der Spielleitung lesen zu können. Mag altblicken klingen, aber in den besten Momenten liest es sich sogar lehrreich.
    Nur deine ständigen – gerade wegen des ständigen – Verweise auf andere Filme gefallen mir selten. Stilistisch ungeschickt platziert, lassen sie den Text zu bemüht wirken und die schiere Häufigkeit ergibt dann echtes Internet, wenngleich etwas verschraubter formuliert. Klingt oft wie “Kunden, die diesen Film gesehen haben, würden auch …”

  75. Bateman

    @Metfred:

    “Schade, dass unsere Schauspieler meist nur in von Rundfunkräten abgenickten Drehbüchern agieren dürfen.”

    Wow, das hat mir zu Denken gegeben. Ich schau bei weitem zu wenig deutsches Kino/TV, aber kann mir gut vorstellen dass die Verrücktheit eines Tarantino diesen Leuten richtig gut getan hat. Interessant!

  76. Fzmkr

    brad pit in seiner schlechtesten rolle,unglaublich unkluger und verrohender slapstick für die unterschicht. auf dem rücken des holocaust, der völkerverständigung und der aufarbeitung der kriegsfolgen wird unter dem deckmantel einer übertriebenen kriegsfilm-parodie mit billigen klischees und bunter symbolik nach besucherquoten geheischt.

    der massenmörder-detektiv darf mit hakenkreuz auf der stirn in amerika weiterleben, weil er tausende leben gerettet hat – ein symbol verquerer amerikanischer logik, der deal als zeichen käuflicher gerechtigkeit. das verbot der gleichheit im unrecht hätte irgendwann im film verarbeitet werden müssen, wenn auch nur andeutungsweise. der comic splatter, der kill bill rechtfertigen mag, ist bei ib nicht erkennbar.

    der film ist schlicht beleidigend, insbesondere mehrere juden im konzert einen holocaust anrichten zu lassen und den mit “jewish revenge” zu untertiteln grenzt an volksverhetzung.

  77. Nico

    Man kann’s auch absolut überinterpretieren, wie mein werter Vorposter das definitiv getan hat.

    Setzen, sechs.

  78. Binding

    Einige US-Kritiker haben das ja ähnlich gesehen, und ich kann das sogar auch ganz gut nachvollziehen. Aber es handelt sich eben nicht um einen bierernsten Kriegsfilm, sondern es ist ein modernes Pop-Märchen a la Tarantino – und durch diese Folie muss man es dann auch betrachten. Wer es anders sieht, hat Entscheidendes falsch verstanden.

  79. Frank

    Auch ich habe mir inzwischen (Gestern), als langjähriger QT-Verehrer, IG angesehen und muss sagen, ich habe gemischte Gefühle.

    Außer Frage steht die Glanzleistung von Christoph Waltz, der hier wirklich jeden anderen Akteur sprichwörtlich an die Wand spielt. Einfach nur Weltklasse, meiner Meinung nach und für diesen Film einfach nur DER Stützpfeiler.

    Die Meinung über angesprochene Eindimensionalität von Till Schweiger und von Diane Kruger kann ich nicht teilen. Im Gegenteil, Till Scheiger als Pulverfass mit brennender Lunte (bitte nicht bildlich sehen) fand ich besonders in der Barszene klasse.
    Diane Kruger hat IMO gerade durch die…ich nenne es mal Farblosigkeit…die Rolle ausgefüllt. Man möge mir verzeihen “hübsch und blond, aber wenig IQ” und genau so passt es.

    Etwas schwer fand ich es, mich mit Daniel Brühl als Frederik und mit Martin Wuttke anzufreunden. Der eine für meinen Geschmack zu blass und der andere viel zu überzeichnet.

    Brad Pitt fand ich in der Szene im Kino mit Christoph Waltz bei der itaienischen Sprachprobe (auch einfach nur genial) noch am besten. Ich denke, das sagt schon alles und was die anderen IG’s angeht, da hätte QT viel mehr draus machen können..

    Ich finde es schwierig, diesen Film zu bewerten, zum einen ist es ganz klar ein QT, zum anderen fehlt es aber auch an eben diesem. Der rote Faden ist im Vergleich zu seinen anderen Werken sehr dünn, die Geschichte um die geflohene Shosanna verliert sich wegen der Parallelhandlung um die IG’s- oder eben andersherum. Hier wäre eine “richtige” Verbindung meiner Meinung nach wesentlich besser gewesen. Desweiteren hätte QT auf die Führerriege einschl. “Himself” auch verzichten können und besser die Story auf den “wahren Bösewicht” Hans Landa ausrichten können.

    Zu der Gewaltdarstellung kann ich nur sagen, es handelt sich hier um einen QT-Film und hier darf man auch nichts anderes erwarten. Zweifelhaft finde ich allerdings die Freigabe ab 16 Jahren! Da frage ich mich wirklich, nach welchen Kriterien hier bewertet wurde.

    Ich könnte noch Seiten füllen über pro und kontra, aber vieles wurde auch bereits schon geschrieben, also von mir 3,5 Punkte im direkten Vergleich zu z.B. Pulp Fiction der für mich immer noch der beste QT ist.
    MfG

  80. Binding

    @ Frank: Du meinst, eine 18er-Freigabe wäre passender gewesen??? 16 ist genau richtig, finde ich. Mit einer schärferen Einstufung hätte sich die FSK selbst disqualifiziert, weil es wesentlich brutalere 16er-Beispiele gibt, die aber gleichzeitig als Film insgesamt viel minderwertiger sind. Die Gewalt spielt über die gesamte Lauflänge verteilt doch sogar eine recht marginale Rolle und ist meiner Meinung nach auch notwendig, um zu verhindern, dass der Film als Komödie missverstanden wird. Ich habe ihn heute bereits zum zweiten Mal gesehen und muss sagen, dass er dabei noch gewinnt. Inzwischen betrachte ich ihn als auf allen Ebenen nahezu perfektes cineastisches Meisterwerk. Dass Tarantino seine eigene Version des Weltkrieg-Endes vorlegt und sich gerade nicht nur auf Landa und die Basterds versteift, ist für mich ebenfalls ein genialer Schachzug, der den Film noch besser macht, als er ohnehin schon ist. Und mit der feisten Überzeichnung der Nazis (vor allem auf die Goebbels-Darstellung trifft das zu) bin ich auch sehr zufrieden, weil es schauspielerische Glanzstücke sind und die faschistischen Massenmörder als total lächerliche Witzfiguren demaskiert – eine sehr sympathische Haltung, die ernsthaften Darstellungen wie in “Der Untergang” und “Opeartion Walküre” unbedingt vorzuziehen ist, weil sie hilft, auf Ehrfurcht basierende Nazi-Mythen zu zerstören.

  81. Christian

    Ich bin einig mit denen, die den Film beeindruckend finden und schauspielerische Einzelleistungen loben, natürlich insbesondere bei Christoph Waltz, aber auch die Szene in der Kellertaverne und die im Cafehaus zwischen Landa und Shosanna. Tatsächlich hat mich der Film in Atem gehalten durch seine unterhaltende, filmische Kunst. Bedenklich aber, welche Inhalte vermittelt werden, wie ein Teil des Publikums im Herzen Berlins gröhlt vor Lachen, wenn Hakenkreuze in Stirnen geritzt und deutschen Soldaten die Kopfhaut abgeschnitten wurde, fast ebenso wie Hitler und Goebbels, wenn Fredrick Zoller alliierten Soldaten um alliierten Soldaten abknallt.
    Ich kann nachvollziehen, dass man 70 Jahre nach Beginn des zweiten Weltkrieges meint, ausreichend Distanz zu den Verbrechen der Nationalsozialisten zu haben, um diese Zeit nur als historische Kulisse zu wählen. Aber der Film scheint mir ein Besipiel dafür zu sein, dass es diese Distanz noch nicht gibt, nicht so wie wie zwischen Asterix und Obelix und der wirklichen Römerzeit. Was will dieser Film: dass wir über die Nazis lachen? Dass wir auf Äquidistanz gehen zu einem lächerlichen Hitler, peinlichen Goebbels, eindimensional “tapferen Deutschen” wie Fredrick Zoller oder der deutsche Soldat, den der “Bärenjude” zu menschlichem Brei zerstört, und einem ebenso feingeistigen wie gewissenlosen Hans Landa auf der einen Seite – und den brutalen, gewaltgeilen und zynischen jüdischen Racheengeln der Inglorious Basterds auf der anderen Seite?
    Eines kann er leider gar nicht – aufzeigen, wie ein Mensch wie Hans Landa zu dem geworden ist, was er im Film darstellt, wie er als privater Mensch ist. Warum Til Schweigers Figur oder der “Bärenjude” zum Racheengel geworden sind – aus reiner Lust an der Gewalt?
    Inglorious Basterds ist für mich ein warnendes Beispiel, wie man mit mit filmischer Kunst und schaupielerischer Brillanz, gemischt mit dem Ansprechen niederer Instinkte einem teilweise schon ahnungslos gewordenen Publikum problematische, ja vielleicht sogar gefährliche Inhalte vermitteln kann.

  82. Binding

    @ Christian: Ich kann die Bedenken nachvollziehen. Aber es kann doch nicht wirklich das Problem der Filmemacher sein, wenn das Publikum Defizite hat oder dämlich ist. Denn dann würde es keine Kunst mehr geben und nur noch Selbstzensur herrschen. Wie ein Film von den Zuschauern aufgenommen und verarbeitet wird, entzieht sich nach der Veröffentlichung ohnehin dem Einfluss der Macher – jeder Mensch wird andere Schlüsse daraus ziehen.

    Und nehmen wir doch mal “Der Untergang” und “Operation Walküre”: In dem einen Film wird Hitler quasi als “Mensch wie du und ich” porträtiert und den Zuschauern noch nicht einmal sein jämmerliches Ende direkt gezeigt, während in dem anderen überhaupt keine Rolle spielt, dass Stauffenberg ja selbst überzeugter Nazi war. Ich frage lieber erst gar nicht, was so etwas in den Köpfen der Zuschauer bewirkt.

  83. GunGrave

    Völlig überbewerteter Film von Tarantino… zu langatmig… durchschnittlicher Soundtrack… jedoch exzellente deutsche Schauspieler!

  84. burns

    So. Endlich mal die IB angeschaut. Nachdem ich Tarantino längere Zeit den Rücken gekehrt hatte (mir waren die letzten Filme zu sehr in Selbsthommage – Gewaltballette, handlungsfrei – hängengeblieben), hatte ich mich nun überreden lassen.
    Der Film unterhält und hat seine Längen. Ähnlich wie beim letzten Almodovar, der ebenfalls machen kann was er will (und so mit “Zerrissene Umarmungen” einfach nur ein gut funktionierendes Melodram mit einigen gruselig schlechten Szenen und vielen Längen hingelegt hat), hätte ich mir hier einen Produzenten gewünscht, der gesagt hätte: “Hör ma, Junge, dat wird zu lang, dat geht auch schneller, wa?”
    Das Problem von 81.) kann ich schon auch verstehen. Da macht jemand Pop-Kino und “bedient” sich beim Thema 3. Reich. Das ist nicht nur einfach mal wegzuatmen – das hat schon so seine Probleme, und war EIN Grund, warum ich mir den Film nach dem allerersten Trailer ums Verrecken nicht anschauen wollte.
    Trotzdem ist er – für einen Pop-Regisseur, nichts Anderes ist Tarantino – sehr ambitioniert. Es wird völlig aufgegeben, dem Zuschauer zu sagen, wo er seine Sympathie hin verteilen soll.
    Und auch, wenn die Shosanna-Story das emotionale Identifikations-Zentrum, das warme Herz des Films ist: Wenn am Schluss riesige Mengen Filmrollen verbrannt werden sollen (siehe Bücherverbrennung) zugunsten eines Massenmords (siehe Genozid an den Juden), dann wird hier irgendetwas ziemlich ad absurdum geführt.
    Ob Tarantino das DARF – ist gar nicht mal so interessant. Mich hat es auf jeden Fall beschäftigt.
    Hier werden Haltungen in Frage gestellt. Gerade wenn man bedenkt, wer überlegt und wer draufgeht, ist der Film ja alles andere als konventionell.
    Klar: Viele Szenen sind zu lang.
    Schön ist das dann, wenn es eine geradezu unangenehme Spannung provoziert (siehe in der Kneipe mit Diehl), weil sich Tarantino Zeit lässt, hier auf den “Showdown” hinzuentwickeln (wie in der Einleitungsszene).
    Ansonsten hätte hier mal ein Produzent gerne mal was einwenden dürfen.

    Vor allem bei Diane Kruger!!! Mein Gott, ich frage mich ja schon JAAHREEELANG, wie diese Frau zu ihren Rollen kommt. Aber hier:
    Das geht ja über PEINLICHSTES Laientheater nicht hinaus. Mir blieb der Mund offenstehen. Die kricht da Geld für!
    Kann mir jemand helfen:
    Bin ICH doof — oder der Rest der Welt?…

    Bei einem Film, bei dem sogar Brühl seine beste Leistung seit “Das weiße Rauschen” liefert (mit Waltz fange ich jetzt nicht nochmal an, da kann man sich nur anschließen) und alle anderen deutschen Schauspieler (Diehl: Boah, Groth: Jawoll, Berkel: Ha!, etc.) eine wirklich schöne Arbeit abliefern – wie geht denn das?…

    Filmmusik: Iiiija. Ein bissl zu gewollt. Der “Für Elise”-Anklang zu Beginn, wenn das deutsche Kultur-Herren-Geschlecht anrollt, ist da mit der Western-Muggen-Kombination noch am lustigsten.

    Auf jeden Fall ein Film, den man anschauen kann. Mich hat er mit QT wieder ein stückweit versöhnt. Er hat auf jeden Fall etwas ausprobiert. Das muss man nicht mögen. Aber man kann es respektieren.

  85. SchönerDenken » Für eine Handvoll Reichsmark

    [...] Lächeln.” Und die Fünf Filmfreunde finden, dass Tarantino mehr geschafft hat, als das Genre Nazifilm aus der Betroffenheitsecke zu holen. Christian Hellwig ist ebenfalls begeistert von Landa/Waltz: “Paradestück in Tarantinos [...]

  86. Stefan

    Meiner Meinung nach ist “Inglourious Basterds” der bisher schlechteste Film Tarentinos. Die teilweise unmenschlich brutalen Szenen sind in meinen Augen mehr als fehl am Platz. Es fehlt jegliche Ästhetik der Gewalt, die Tarentino in vorherigen Werken so eindrucksvoll erzeugt hat. Vielmehr verkommt “Inglourious Basterds” zu einer bis zur Abartigkeit gesteigerten Gewaltposse, ähnlich wie die “Hostel”-Reihe von Eli Roth. Langatmige und absolut einschläfernde Dialoge werden dann und wann von schauspielerischen Glanzleistungen (bspw.Christoph Waltz) und genialen Szenen (Kellerkneipen-Szene) unterbrochen, dann aber gleitet der Film wieder ab ins geistige Nirwana.
    QT hat seinen Stil, Geschichten zu erzählen, mehr als ausgelutscht und präsentiert keine erbaulichen neuen Ideen mehr. Was die schauspielerische Leistung von Brühl angeht, kann man sagen, dass er immer noch das Muttersöhnchen von nebenan ist und so gar nicht in sein Nazi-Uniform passt. Einfach Unglaubwürdig. Diane Krüger begießt sich auch nicht gerade mit Ruhm, ihren Stil kann man wohl nur als hölzern und monoton bezeichnen. Schweiger, naja, was soll man dazu noch sagen, guckt wie immer ziemlich böse in der Gegend rum und verkommt dadurch wie immer zum leicht dämlichen Unsympathen. Hollywood musste ihn halt irgendwie unterbringen, nachdem man ihn vom deutschen Filmmarkt geklaut hat.
    Alles in allem hinterlässt der Film mehr Unbehagen als Begeisterung, zu sehr überwiegen pervers abartige Momente. Aber darauf muss man sich bei QT in Zukunft wohl einstellen.

  87. Okarola

    @Stefan: Seh ich ganz genauso. Geschmackloser, menschenverachtender Mist war das.

  88. TOPF

    kann mir mal wer diesen satz erklärn?
    “Es ist die beabsichtigte völlige Bagatellisierung der Popikonographie des dritten Reiches, die die Nazis und Hitler weit aus dem Bereich der bequemen Bösewichte hollywoodscher Prägung, ins reine Abstraktum, als Formfleisch der reinen Leere von Tarantinos Versatzwelt, führt.”
    ich versteh da nur die hälfte XD
    respekt batzman, für einen solchen satz muss man schon etwas in sich verliebt sein,als dass man die leser,die weniger wortgewand sind wie du auch klar macht worum es geht.
    soviel zu meiner kritik zu dir, sorry musste sein.
    PS: und jetzt fang nicht an hier mit sowas wie “ich kann halt so schreiben und du nicht” gefasel an. das ist kein argument.
    sie es als konstruktive kritik deiner schreibweise,die weniger gebildete leute (zu denen ich leider zähle) nicht hundert prozentig verstehen kann.
    dein job ist es verständlich zu schreiben.. und nicht die eine hälfte dazu zu zwingen für wörter wie bagettalisierung googlen zu müssen.
    so genug der unbeliebt machenden einleitung XD

    ich fand den film genial, ich fand die barszene mit dem vater genial inzeniert, auch wenn till schweiger hier nicht wirklich den gewollten eindruck von ungeduld und wut präsentiern kann,was wohl an seiner schauspielerischen leistung liegen mag.dass die solang ausfällt stört mich nicht,ich fand nur die anleihe an reservoir dogs und pulp fiction als etwas zu offensichtlich
    (der film ablauf wurde in eine bar und szene gepresst, ohne bankraub.das mit PF verbinde ich mit dem endlosen dialog denvincents kollege -sry name vergessen- mit dem” bar”-räuber führt).

    die einzige länge die ich empfand, war die szene im cafè.
    der rest des filmes war genial.
    auch wenn mich mike myers maske unfreiwillig zum lachen gebracht hat.
    endlich mal ein film der auf alles scheißt.
    etwas grob ausgedrückt,aber so denke ich über den film.

    und death proof wird unterschätzt.
    der langatmige anfang hat seine vorteile.
    man ist einwenig sauer,auf das ereignis mit dem auto (ich spoiler hier mal nicht),sodass das ende doppelt soviel spaß macht, da man weiß,wie krank der stuntman ist und ihm seine eigene tat auf eine sadistische sarkastische art und weise wieder einholt.die barszene war wohl eine gewollte langatmige szene.
    aber irgendwie empfand ich den film nicht als grindhousefilm, sondern eher als einen typischen tarantino-film.
    deswegen hat er aus meiner sicht aus nicht ins grindhouse projekt gepasst.
    mfg topf

  89. Massa K

    Komme gerade aus dem Film, und auf 150 Spielminuten die wirklich schnell vergingen kamen nach meinem Gefühl ca. 5 min explizite Gewaltdarstellung vor.

    Ich sehe hier weder eine Komödie noch eine Gewalt-Orgie – Wurde aber ausgezeichnet unterhalten.

  90. JR

    Halte mich gerade in den USA auf und kam endlich dazu den Film anzugucken.

    Ich werd ihn mir wohl mindestens noch einmal ansehen müssen, um dann endgültig von den Vorerwartungen befreit den Film genießen zu dürfen. Damit tu ich mir nämlich immer immens schwer – mit meiner Erwartungshaltung :) – und bei einem Film, wo ich schon mit den Sätzen: “Den mußt du gesehen haben! – Walz ist genial – Schweiger farblos – alles grandios…”, reingeschickt werde, ist es doppelt so schwer.

    Mein noch beeindruckter Ersteindruck -> doch, den kann man schon gesehen haben.
    Es ist ein Film, wo ich auch am Tag danach noch darüber grübel.
    Meine Begleitung stieß sich besonders an der Baseballschlägerszene. Deutscher, integerer Offizier – und so. Auf der anderen Seite der widerstandskämpfende Jude. Dann kommt QT und kippt ein wohliges Helden-Monster-Bild.
    Macht nicht genau das diese Szene so genial?

    Zur Gewaltdarstellung ansich: Ich meine – ich kann auf die Darstellung verzichten, aber ich verurteile sie auch nicht. Sie ist ja nichts, was in einem Film, der in einem Krieg angesiedelt ist, nichts verloren hat; und ich sollte mir QT-Filme sowieso aussparen, hätte ich da ein Problem damit.

    @85/Stefan
    > Die teilweise unmenschlich brutalen Szenen sind in meinen Augen mehr als fehl am Platz. Es fehlt jegliche Ästhetik der Gewalt

    Und genau das seh ich andersrum. Die “Ästhetik der Gewalt” find ich vielleicht 1x als Stilmittel reizvoll. Mal was anderes. Aber ansonsten ist sie Fehl am Platz.

    Und schauspielerisch… fand ich alle entweder sehr gut, oder eben QT-like … doch möcht ich Diane Kruger hier noch erwähnen, da sie von euch viel bekrittelt wurde.
    Also ich sah sie noch nirgendwo anders – zumindest nichts was ich wüsste;
    ich weiß auch nicht, ob es in der D-Version anders wirkt — aber ich fand, dass sie wunderbar als blonder UFA-Star rüber kommt.

    Nun, grübel ich noch ein wenig weiter. Gestern ging ich aus dem Kino und meinte im ersten Reflektieren: 6.5 von 10. Inzwischen bin ich bei gefühlten 8.5. :)

  91. tony

    warum muss denn “stolz der nation” stimmig sein und so wie die filme die sonst gemacht wurden?
    wenn der rest sich auch nicht um fakten schert??? das versteh ich nicht..
    es ist doch eine fiktive story.. und es hätte auch einen Propaganda film geben können der so ausgefallen wäre..

  92. Binding

    @ tony: Na ja. Auch wenn der Inhalt des Films fiktiv ist, hat Tarantino dabei doch sehr genau auf Authentizität geachtet und sich zum Beispiel auch intensiv mit der NS-Geschichte der UFA beschäftigt. Vor diesem Hintergrund hat auch “Stolz der Nation” ins stimmige (ästhetisch-stilistische) Gesamtbild zu passen. Und deswegen hätte es ja auch tatsächlich einen Propaganda-Film geben können, der so ausgefallen wäre! Was bei “Stolz der Nation” nicht stimmig ist, ist der Fake-Trailer, der isoliert von “Inglourious Basterds” existiert – aber das ist wieder eine ganz andere Sache.

  93. Dennis

    Faszinierend empfand ich ebenfalls die Kellerbar-Episode – sie ist gleichberechtigt neben den Landa-Episoden einzuordenen und für mich einer der Eckpfeiler des Films – weil sie eben auch, jedenfalls für mich, typisch für Tarantinos Talent besteht, aus Dialogen greifbare Bedrohungen zu erzeugen und ich empfand sie daher als deutlich unangenehmer und stärker präsent als die viel beschworene Baseballschlägerszene, gerade weil sie nicht über plastische Bilder kommuniziert, sondern alleine aus der Situation heraus funktioniert.

  94. Charakterathlet

    Ich fand den Film Absoluten Schrott, den Film hätte man auch für den Kanal “Arte” drehen können, der Film wirkte für mich wie eine einfache Deutsche Produktion die für`s Abend Programm für paar Euro produziert wurde! Nur das da “Brad Pitt” mitspielte und Tarantino mitwirkte, na Super, bald kommt ein Lindenstrassen Film raus wo dann George Clooney mitspielt und…peng…..ein toller Film ?!?!? So langsam kann jeder der einen grossen Namen im Film Business hat einen Scheiss drehen und die Zuschauer denken dann automatisch :”wow der knaller”….blinde Welt!!!

  95. Binding

    @ Charakterathlet: Vom Zielpublikum her (zumindest die eine Hälfte des Zielpublikums) liegst Du mit “Arte” gar nicht falsch. Und ein finanzieller Erfolg war es noch dazu – für was jetzt eher die andere Hälfte des Zielpublikums verantwortlich ist. Du scheinst zu letzterer Kategorie zu gehören, allerdings trotzdem noch nicht mal die unterhaltsamen Aspekte des Films zu erkennen. Herzliches Beileid. Und wenn deutsche TV-Produktion so ein Kaliber hätten, wäre es geradezu paradiesisch.

  96. Arnold

    Gestern im Pantoffelkino (RTL) gesehen. Es war nicht die erste Wahl des Abends, sodass ich erst später zugeschaltet habe, werde aber alle zukünftigen Wiederholungen meiden, wie die Pest. Der Film ist Scheiße bis zum Augen zukneifen, oder Rückwärts essen (wie manch anderer Tarantino Streifen auch, den man mit einmal auch einmal zuviel gesehen hat) und für Deutsche sowieso indiskutabel, deren versehrte, oder getötete Familienangehörige keine brillianten, hochgebildeten Wehrmachtsoffiziere und SS-Paladine, sondern einfache, ungefragt in diesen Schlamassel hineingezogene Landser waren. Dazu kann man als Deutscher nicht applaudieren. Sollen die Ausländer sich daran ergötzen und ihre ebenfalls vergangene Größe herbeiträumen, hierzulande hätte dieser Schinken nicht gezeigt werden brauchen. Die realen Chancen, den Massenmord damals aufzuhalten, wurden vorsätzlich vertan, stattdessen gibt es nun neue Hetze. Ich hatte so eine ungute Ahnung, als der Film anlief und fühle mich bestätigt.

  97. Harald

    Ich kann Arnold größtenteils zustimmen. Es ist unstrittig, daß Tarantino polarisiert, bei diesem Machwerk reiht sch jedoch eine Plattitüde an die andere. Cineasten, die noch in der qualitativ allerletzten Szene Diskussionspotential sehen, seien hiermit zu ihrem ureigenen Kosmos beglückwunscht. Es bedarf offensichtlich keines Tiefganges, um Euch glücklich zu machen. Ein lächerlicher Schweiger, ein blasser Brühl, ein untalentierter Pitt und als einziger Silberstreifen am Horizont Christoph Waltz – mehr ist es nicht und solch abgenutzten Nazi-Plattitüden wie “Kraut-Sandwich” oder “Bockwurst-Party” lassen auf einen guten Rest Infantilität Tarantino’s schließen. Wer um himmels Willen was auch immer in diesen Streifen hineininterpretieren will, kann das ja gerne unter Seinesgleichen tun. Und falls es diese selbst ernannten Kenner interessiert: ich habe eine Bekannte, die eine Nebenrolle in diesem Film bekam. Ihr Honorar betrug 1000 Euro. Sie spielt hauptsächlich in der Kinoszene, als der Tumult losbrach und hatte nach etlichen Takes blaue Flecke und Schürfwunden. Vertraglich musste sie zusichern, die Hauptprotagonisten nicht anzusprechen oder ihnen gar “fanmäßig” nachzuschauen (!!!). Verstöße gegen diese Vereinbarung waren mit Geldstrafen belegt. Schweiger und Konsorten trokelten des Abends stockbesoffen aus den hermetisch abgeriegelten Kneipen, der Jargon war allgemein unter aller Sau. Aber hey!! Es ist ein Tarantino-Film und da ist nicht nur jede Besetzung schon dazu verdammt heroisch zu sein!! Anstand, Respekt, Höflichkeit, Kollegialität? Meine Bekannte ist blond und kein Hungerhaken – genau das Ideal des kosmopolitischen Amerikaners für einen Nazi-Film. Tusch! In den USA funktioniert das wunderbar, denn genau dort trug sich auch jene Szene zu: im deutschen Sektor des EPCOT-Centers (gehört zu Disney Orlando) wurde meine Tochter während ihrer 1-jährigen Zugehörigkeit als Disney-Billigangestellte im Shop gefragt: gibt es die Deutsche Flagge auch in anderen Farben? Sie war schlagfertig genug zu anworten: da müssen Sie schon am See entlang nach Norwegen, die dürften noch welche vorrätig haben…..Noch Fragen?

  98. Binding

    Was bei der Vorbereitung, am Set, beim Drehen oder bei der Nachbearbeitung passiert ist, darf aus Sicht der Filmkritik keine Rolle bei der Beurteilung des Films spielen. Da zählt nur das vollendete Werk, das letztlich zu sehen ist – unabhängig von den Produktionsbedingungen (einzige Ausnahme: Snuff-Movies).

    Und zur peinlichen Deutschtümelei der beiden Vorredner: Solche Aussagen sind der beste Beweis dafür, dass Filme wie dieser bitter nötig sind. Dass es dabei unter anderem auch um Genre-Spielereien geht, ist Euch wohl egal? Meidet doch künftig lieber cineastische Zonen und schaut Euch gleich “Der Untergang” an, wo Onkel Adolf unser Mitleid erregen darf.

  99. stan

    Naja, Binding
    Klar, dass Snuff Movies da eine Ausnahme machen. Aber die einzige? Sofort fallen mir natürlich KZ-Häftlinge als Komparsen in Riefenstahl-Filmen ein…
    Da könnte eine interessante Diskussion entstehen. Darf man ein Sozialdrama von Michael Leigh oder Ken Loach nicht danach beurteilen, wie dort (vielleicht sonst arbeitslose) Komparsen behandelt werden?
    Ein Freund von mir war als Komparse bei einer TV Produktion. Stundenlang auf Bierbänken sitzen, während die für wichtige leute reservierten Stühle direkt daneben immer leer und unbenutzt waren. Als er sich auf einen setzte bekam er sofort Bescheid. Er ist dann nach Hause gegangen weil im das zu doof war. Seine Agentin sagte später: “Endlich hat das mal jemand gemacht”. ENDLICH! Das zeigt, dass Komparsen in aller Regel so behandelt werden.
    Ein Spielfilmdrama macht auf die miese Situation von Natvies im Amazonas aufmerksam. Ist es da nicht interessant zu wissen, wie das Filmteam mit dem Komparsen umgegangen ist? Und überhaupt: Wenn ein Filmteam in ein kleines Dorf einfällt: Gehen die da umsichtig vor, oder walzen die da durch, weil sie einen Drehplan einhalten müssen? Filmproduktion unterliegt den Produktionsbedingungen im Kapitalismus wie alles andere. Es gibt durchaus Filme, die sich daran messen lassen müssten, auch wenn jetzt IB nicht unbedingt dazu gehört (warum eigentlich nicht?)
    Ich habe das eben nur schnell niedergeschrieben, weil ich nicht viel Zeit habe, aber ich nehme an, Du merkst, worauf ich hinaus will. Vielleicht wäre es wirklich eine interessante Diskussion.

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