Away we go – Auf nach Irgendwo (Review)

4 Comments

-“What’s wrong with a stroller?”
-“I LOVE my babies. Why would I want to PUSH them away from me?”

Originaltitel: Away We Go
Herstellungsland: Großbritannien / USA 2009
Regie: Sam Mendes
Darsteller: John Krasinski, Maya Rudolph, Carmen Ejogo, Catherine O’Hara, Jeff Daniels, Allison Janney

★★★½☆

Awaywego_poster

Das junge Paar Verona De Tessant (Maya Rudolph) und Burt Farlander (John Krasinski) erwartet sein erstes Kind. Bisher wohnten sie in einem kleinen Kaff, aber als ihnen ihre einzigen Verwandten, Burts Eltern, eröffnen das sie nach Antwerpen ziehen, beginnen sie über ihr Leben nachzudenken. Sind sie Versager, weil sie schon über 30 sind und immer noch nicht genau wissen, was sie mit dem Leben anfangen sollen?

Sie beschließen etwas von der Welt zu sehen um zu überlegen, wo sie einen Neuanfang wagen wollen. Eine Reise die sie quer durch Amerika führt und ihnen deutlich macht, das auch ihre erfolgreicheren Freunde, alles andere beneidesnwerte Musterfamilien sind…

Nach dem starbesetzten Drama-Brocken “Revolutionary Road”, der die Abgründe der Ehe bis in die finstersten Ecken ausleuchtete, hat sich Sam Mendes hier bewusst eine Fingerübung in Leichtigkeit verschrieben. Auch wenn in der Story eine gewisse Grundmelancholie mitschwingt, ist “Away we go” in erster Linie eine sympathische-fluffige Komödie ohne allzu großen Tiefgang. Krasinski und Rudolph geben ein ungewöhnlich durchschnittliches Paar, abseits jeden Glamours ab, das sich erst nach und nach durch seinen liebenswerten Humor und seine entwaffnende Ehrlichkeit die Zuneigung der Zuschauer erarbeitet.

Denn so wie Verona und Burt anfänglich an ihnen zweifeln, bedarf auch der Zuschauer der Konfrontation mit den anderen Pärchen, die sie über den Film hinweg besuchen, um zu verstehen, wer die wirklichen “fuck-ups” sind. Mit gemütlichem Tempo nimmt Mendes uns mit auf diesen Road-Trip der die Straße ausspart und nur die Zielorte zeigt. Die Freunde und Bekannte entpuppen sich alle als viel beschädigter, als die beiden verlorenen Eltern in Spe es je sein könnten.

Ob Ex-Arbeitskollegen ihre Kinder vor aller Augen demütigen, andere angesichts eines Kinderwagens ausflippen oder wieder andere bei “Meine Lieder, meine Träume” immer das Ende abschalten, weil sie den Kindern keine bösen Nazis zumuten wollen, der Film führt uns ein Panoptikum skurriler, bösartiger und bemitleidendswerter Figuren vor, gegen die unser Paar dann doch wieder gewinnt. Begleitet von der sehr angenehmen Musik des Singer/Songwriters Alexi Murdoch, tingeln wir durch Amerika und entdecken: “Es könnte alles noch viel schlimmer sein”.

Auch wenn die Geschichte sehr episodenhaft wirkt und einzelne Erlebnisse nicht immer zwingend und fast klamaukhaft erscheinen, bekommt der Film letztlich immer wieder Kurve und schafft es auch mit trockenem, depremierendem Witz und skurrilen Ideen diesen Road- und Selbstfindungstrip des jungen Paares in Szene zu setzen.
Nicht zu kitschig, aber durchaus Gefühlvoll und warmherzig findet Sam Mendes oft erstaunlich originelle Bilder um die emotionale Situation seiner Protagonisten einzufangen.

Ein großer Film ist das fragmentarische Ganze dabei nicht, aber schönes Wohlfühlkino für Zwischendurch. Ein versöhnlicher Blick auf Zweierbeziehungen, Neuanfänge und das kleine Glück der Familie.

Und das ist ja auch schon eine Ganze Menge.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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4 Comments

  1. juliaL49

    Sehr schön zusammen gefasst :) Besonders die Musik war wirklich fantastisch!

  2. GunGrave

    … danke für die ausführliche Kritik… dann werd ich wohl mal nen Blick reinwerfen.

  3. Heini

    Habe den Film letzte Woche dank Freikarten von Moviepilot gesehen und war auch recht angetan. „Wohlfühlkino für Zwischendurch” trifft es wirklich ganz gut.

    Ein bisschen gestört haben mich manchmal die krassen Wechsel zwischen Klamauk und Melancholie. Da schmeißt man sich gerade halb weg vor lachen, da muss Burt gleich mit schlechten Nachrichten daherkommen.

    Aber im Vergleich zu Carriers, den ich paar Tage vorher gesehen hatte, war das hier ein absolutes Meisterwerk ;)

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14