Kurzkritiken: G-Force, Lippels Traum, Die Noobs, Die Vorstadtkrokodile (Review)

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Eine neue Woche eine neue Runde Kurzkritiken, von all jenen Filmen, die ich auch noch gesehen habe, für die aber die Zeit fehlt sie in epischer Länge abzuhandeln. Nachdem es das letzte Mal den Fokus Horror gab, widme ich mich dieses Mal vier Kinder- und Jugendfilmen die grad in Kinos und auf DVD zu sehen sind.

Heute dabei: G-Force – Agenten mit Biss +++ Lippels Traum +++ Die Noobs – Klein aber gemein +++ Die Vorstadtkrokodile

G-Force – Agenten mit Biss – USA 2009
★★★☆☆

Ein geheimes Regierungsprojekt hat extrem smarte Meerschweinchen als Special-Agents trainiert, die versuchen sollen der Verschwörung eines Großindustriellen der Küchengeärte herstellt auf die Schliche zu kommen. Doch nach einer unauthorisierten Aktion werden sie zu Rodents Non Grata und müssen sich auf eigene Faust durchschlagen…

Jerry Bruckheimer produzierte für Disney diese kühne Mischung aus Mission Impossible und Alvin und die Chipmunks. Promis wie Sam Rockwell, Penélope Cruz, Steve Buscemi oder Nicolas Cage leihen den CGI-Fellbällen, die in einer realen Umgebeung agieren ihre Stimmen – zumindest im Original. Auf Deutsch sind Leute wie Wigald Boning zu hören. Die menschliche Cast ist weniger prominent und erlebt ihre besten Momente wenn der göttliche Bill Nighy losgelassen wird, der hier den undurchsichtigen Industriellen spielt. Nighy ist einer der Schauspieler die eine Parkuhr spielen könnten und immer noch großartig wären und ehrlich gesagt verlangt seine Rolle hier wenig mehr von ihm.

Der Film ist nicht wirklich schlecht, nur unglaublich belanglos. Die vergessenswerte Story, die sehr gradlinig und mit wenig Wendungen erzählt wird, ist übliches Sonntag-Nachmittags-Futter. Den flachen Charakteren kann auch das 3D leider keine Tiefe verleihen und irgendwie bleibt die Geschichte gefühlt unter ihren Möglichkeiten. Regisseur Hoyt Yeatman, der normalerweise als FX-Spezi für Bruckheimer arbeitet, versteht sich deutlich besser auf Effekte, als auf dramaturgische Stringenz und emotionale Inszenierung. Die Meerschweinchen sind nett anzusehen, die Action ist durchaus schick (insbesondere die Eingangsszene macht einiges her), aber alles bleibt zu brav, zu vorhersehbar und zu harmlos um wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Für Kids okay, um sie am Samstagnachmittag ruhigzustellen, aber nichts was man sich als Erwachsener zwingend ansehen muss.

Lippels Traum – Deutschland 2009
★★½☆☆

Der kleine Phillip, genannt Lippel flüchtet sich aus der unerfreulichen Realität in eine Traumwelt aus dem Morgenland. Dort muss er sich zusammen mit einem Paar Königskinder den Attacken der bösen Hofzauberin erwehren, die selbst danach strebt das Königreich zu beherrschen.

Aufwendige, mit Moritz Bleibtreu und Anke Engelke hochkarätig besetzte, aber auch sehr betuliche und eindimensionale Verfilmung des Kinderbuchklassiker, dessen Story mehr als einmal an den Zauberer von Oz erinnert, ohne je dessen Niveau zu erreichen.

Die Erwachsenen Stars genießen es sichtlich mal breit spielen zu dürfen, die Kinder sind sympathisch aber nicht immer überzeugend. Kamera und Ausstattung wissen hingegen zu beeindrucken und schaffen große Bilder. Leider ist die Story selbst etwas altbacken und weitgehend überraschungsfrei, so dass ich mich eher eine 80er Jahre Serie erinnert fühlte, als an einen modernen Kinderfilm, der seine Figuren und ihre Probleme ernster nimmt und weniger klischeehaft ausführt. Etwas mehr Mut und Originalität hätte dem Ganzen, das der Erstverfilmung von 1991 wenig hinzufügt, sehr gut getan.

Die Noobs – Klein aber gemein – USA 2009
★★★☆☆

Eine Gruppe Kinder entdeckt im gemieteten Ferienhaus eine Horde von Außerirdischen auf dem Dachboden, die nichts weniger planen, als die Welt zu übernehmen. Natürlich glaubt den Kids niemand und so müssen sie alleine den Kampf gegen die “Aliens in the attic” aufnehmen…

Wenn man sich den extrem bekloppten deutschen Titel mal wegdenkt, bleibt ein anspruchsloser Spaß, in dem sich wohl nur Kinder so richtig amüsieren werden. Die Tricks, die Story, das alles ist nicht wirklich originell, aber dennoch solide gemacht und durchaus dynamisch in Szene gesetzt. Die Kids sind einigermaßen sympathisch und spielen akzeptabel, die Tricks sind eher auf Fernsehniveau und die meisten Lacher wird wohl der ferngesteuerte Boyfriend der ältesten Tochter bekommen, der hier für den Slapstick sorgen darf, wenn er sich mit der ebenfalls ferngesteuerten Oma einen Martial-Arts-Fight liefern darf.

Was für einen Kinderfilm überrascht, ist der martialische Grundton, der auch schon den “Race to Witch Mountain” zu einem gespaltenen Vergnügen machte. Action für Kids ist ja nichts schlimmes, aber früher wurde dann doch irgendwie nicht so verbissen gekämpft wie in diesen Filmen. Aber wahrscheinlich sind die Rangen heutzutage einfach härter im Nehmen und halten Ethik eh für etwas gegen das man Aspirin nimmt. Ein netter Sonntagsnachmittagsspaß bleibt das ganze dennoch, auch wenn es völlig reicht ihn sich auf DVD oder im TV anzusehen.

Die Vorstadtkrokodile – Deutschland 2009
★★★½☆

Hannes hat es grade geschafft in die Bande der Vorstadtkrokodile aufgenommen zu werden, als er es sich auch fast wieder verscherzt. Denn er versucht den querschnittsgelähmten Kai mit in die Gruppe zu bringen, dessen Anruf bei der Feuerwehr ihm das Leben gerettet hat, als er drohte vom Dach zu stürzen. Die anderen haben so gar keinen Bock auf den “Spasti”. Das ändert sich erst, als Kai wichtige Informationen anbieten kann, die Hinweise auf eine rücksichtslose Diebesbande gibt, die seit Monaten die Gegend unsicher machen…

Die Macher liefern hier eine überraschend gelungene Aktualisierung des 70er Jahre Kultfilms, dessen Titelthema “Amada Mio more mio”, mir auch nach 20 Jahren noch im Ohr klingt. Auch wenn die jungen Darsteller abseits der Hauptfiguren Hannes und Kai nicht alle überzeugen können, merkt man doch den Spaß und den Respekt vor der Vorlage, der den Film trotz einiger moderner Mätzchen nicht zu einer flachen Übung in jugendlicher Coolness verkommen lässt.

Jacob Matschenz als Bösewicht ist leider nicht ganz so bedrohlich, wie Martin Semmelrogge damals und Axel Stein karikiert seine Rolle ein wenig zu heftig, aber ab davon sind die Erwachsenen Rollen trefflich besetzt. Besonders Nora Tschirner als Hannes Mutter und Maria Schrader und Smudo als Kais Eltern geben den Figuren die nötige Tiefe, die sie brauchen um auch in den tragischeren Momenten mitzufiebern.

Optisch kann das ganze auf ganzer Linie überzeugen, der Look und die Kameraarbeit lassen echtes Kinofeeling aufkommen – was grade bei deutschen Kinderfilmproduktionen keine Selbstverständlichkeit ist (wie ein Blick auf den Trailer der gruseligen TKKG-Filme beweist). Bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung es schafft die Qualitäten des ersten Teils beizubehalten.

In : DVD, Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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8 Comments

  1. GunGrave

    … Vorstadtkrokodile werde ich wohl nicht guggn… aber Noobs und G-Force sind gute, solide Unterhaltung auch für Ältere!… den 4. Film im Bunde kenn ich nicht… will ich wohl auch nicht kennenlernen! ^_^

  2. jensscholz

    Vorstadtkrokodile hat mich extrem positiv überrascht – auch mein kleiner (11) war sehr begeistert von dem Film.
    Allerdings fand ich gerade die Nebenrollen der Gang besser als die Hauptrolle Hannes. Sehr erfreulich war die realistische Darstellung und der souveräne Umgang (keine erhobenen Zeigefinger oder unrealistischen Erweckungserlebnisse) mit den ganz normalen kindlichen Vorurteilen, die Erwachsenen ja schnell mal peinlich sein können.
    Auch Smudo als Vater, der mit einer tragischen Schuld leben muss ist überraschend großartig. Gefreut hab ich mich über die modernisierte Reprise des alten Titeltracks im Abspann.

  3. Kit Latura

    Toll, dass ihr euch auch den seriöseren Filmen widmet, aber wo bleibt die Review zu “Pandorum”? ;)

  4. Batzman

    @Kit

    Pandorum hatte keine PV in Originalfassung und läuft derzeit in Berlin auch nur synchronisiert, daher werd ich den wohl erst sehen, wenn er auf DVD rauskommt, da ich generell keine synchronisierten Filme reviewe.

  5. TOPF

    “Die Meerschweinchen sind nett anzusehen, die Action ist durchaus schick (insbesondere die Eingangsszene macht einiges her), aber alles bleibt zu brav, zu vorhersehbar und zu harmlos um wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen.”

    lol, da dacht ich sofort an eine gore-variante XDDDD

  6. ufomuschi

    ich habe inzwischen auch G-Force gesehen – leider die deutsche fassung!
    es ist durchaus ein netter film geworden (vergleichbar mit BOLT) aber die deutschen sprecher sind teilweise mal wieder elendig schlecht und haben den nager-agenten den biss völlig genommen!

    gibt es eigentlich schon eine e-pedition gegen solche synchrosünden?
    fänd ich jedenfalls wesentlich wichtiger als z.b. die uwe-boll-pedition.

  7. daniel

    kommt eigentlich noch eine review zu stieg larssons “verblendung”?

  8. StarWars - General

    G-Force ist für unsereins zwar langweillig und wenig aufregend, da die Story eh unglaubwürdig ist. Für Kinder ist der Film jedoch ein Hit, da Kinder vor allem auf die kuscheligen Hauptdarsteller des Films stehen. Daneben fand ich allerdings die sexistischen Anspielungen im Film, verdammt noch mal, was haben die in einem Kinderfilm verloren?

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Fünf Facefreunde
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    jurassiraptor:

    fromdirectorstevenspielberg:

    Whoever created this: thank you!!

    Haha! Well done!

    11/27/14

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14