Kurzkritiken: The Orphan, Dorfpunks, Bangkok Love Story, Dream a little dream, Amityville Horror 3D (Review)

4 Comments

Die Kurzreviews der Woche, diesmal mit:

The Orphan +++ Dorfpunks +++ Dream a little dream +++ Bangkok Love Story +++ Amityville Horror 3D

The Orphan – USA 2009
★★★½☆

Ein junges Paar entschließt sich nach einer Fehlgeburt ein Mädchen zu adoptieren. Die 11jr Esther ist auch scheinbar die Traumkandidatin, hochintelligent, künstlerisch talentiert und ein wahrer Schatz von einer Mädchen. Sie versteht sich auch sofort blendend mit der tauben Tochter des Paares. Nur mit deren Sohn wird sie nicht so recht warm…

The “Orphan” ist ein insgesamt gelungener, wenn auch nicht sehr origineller Vertreter des “Fiese Kinder”-Subgenres, dessen durchaus konventionelle Story durch gute schauspielerische Leistungen, nachvollziehbare Figuren und eine solide Inszenierung wettgemacht wird, die härtemässig doch über dem liegt, was kindlichen Bösewichten normalerweise im Film zugemutet wird.

Die grade mal 11jr Isabelle Fuhrman liefert eine furiose Leistung, als hyperintelligente und boshaft-brachiale Esther, die der liebenswerten Familie das Leben nach und nach zur Hölle macht. Das Ende ist erahnbar, aber nicht zu plump vorbereitet. Regisseur Jaume Collet-Serra hat sich nach dem eher mässigen “House of Wax” eindeutig gesteigert.

Dorfpunks – Deutschland 2009
★★★½☆

Anfang der 80er. Auf dem Dorf ist nichts los. Eine Gruppe Jungs beschließt es den großen Idolen nachzutun und eine Punk-Band zu gründen. Doch wie soll man Punk sein, wenn nebenbei die Ausbildung wartet? Lockere Verfilmung des autobiographischen Erfolgsromanes von Rocko Schamoni

Liebenswerter Ausschnitt des Landlebens, wie es wohl nicht nur in den 80ern war. Jugendliche zwischen Ausbruch und Resignation, Wohlstandsrevoluzzer mit “…denn sie wissen nicht was sie tun”-Anklängen. Die sympathische Besetzung bringt die ganze Ungelenkheit, die Naivität aber auch die Melancholie rüber, die dieser verfilmten Jugenderinnerungen Rocko Schamonis innewohnt. Nicht zwingend ein großes, befriedigendes Ganzes, als kleine Skizze eines Sommers – ehe das endgültige Erwachsenwerden ansteht. Zwischen Flucht, Versöhnung, Ausbildung, Bauernhof und Universität. Hauptdarsteller Cecil Renner ist dabei eine kleine Entdeckung, dem es gelingt als Rockos Alter Ego die Story auch Emotional nachvollziehbar zu verankern.


Dream a little dream – USA 1989

★★★½☆

Bobby und Dinger sind Kumpels. Coole Geeks, aber nicht grade die beliebtesten an ihrer Schule. Doch ihrer beider Leben wird auf den Kopf gestellt, als der rüstige Rentner Coleman durch ein Meditationsexperiment plötzlich in Bobbys Körper landet.

Die späten 80er erlebten eine Fülle von Body-Switch-Komödien. “Solo für 2″, “Big”, “Ich bin du”, “Wie der Vater, so der Sohn”, “Freaky Friday” usw. Da schien es nur folgerichtig das damalige Backfisch-Dreamteam Corey Haim und Corey Feldman, das durch The Lost Boys bekannt geworden war und die Titelseiten jeder Teeniegazette zwischen L.A. und Singapur zierte, eine ausserkörperliche Erfahrung machen zu lassen, ehe sie sich mit Alk und anderen Drogen die Karriere ganz real versauten.

Zu meiner Überraschung ist der Film der dabei herauskam gar nicht so schlecht, denn er konzentriert sich mehr auf seine Geschichte, als auf The Two Coreys. Feldman ist die Hauptrolle und darf abwechselnd cool sein und einen 80jr Mann channeln und Haim ist sein getreuer Sidekick, der sporadisch dazustößt. Wirklich interessant ist dabei, neben den wirklich abgefahrenen 80er Frisuren und Klamotten (mein Gott sahen die alle schwul aus damals), die exzellente Besetzung der Nebenrollen. Jason Robards, Harry Dean Stanton, Meredith Salenger und Piper Laurie heben den Film mit viel Spielfreude über das normale Teeniefilm-Niveau und schaffen es auch die dramatischeren Momente glaubwürdig zu halten.
Vom Geist steht dieser Film Cocoon näher als American Pie, denn es geht um mehr als nur den möglichst baldigen Vollzug des jugendfreien Beischlafs. Es geht um Alter, Liebe und universelle Themen wie Selbstvertrauen und Erwachsenwerden.
Kein Meisterwerk, aber eine schicke Zeitkapsel in die 80er, in der alles noch etwas naiver und unverdorbener wirkte. Auch wenn die Protagonsten eine ganz schöne Kodderschnauze haben.
Und wer will nicht Corey Feldman sehen, wie er als Michael Jackson Look-Alike mit den furchtbarsten Haaren der Filmgeschichte seine Liebste erobert?

Bangkok Love Story – Thailand 2007
★★½☆☆

Ein Mafiakiller mit moralischen Grundsätzen und gestörtem Familienverhältnis, gerät wider Willen in eine Beziehung zu seinem letzten Opfer.

Oh the Drama! Was diese beiden ungleichen Liebenden leiden und schmachten müssen, geht wirklich auf keine Kuhhaut. Oft regnet es und es wird geschossen, gedroht, sinniert und bedeutungsschwanger in die Gegend geschaut. Der kleine Bruder ist HIV-Positiv, der große Bruder ein Auftragskiller mit moralischen Bedenken, der sich in seinen letzten Hit verliebt, dies aber nicht zugeben will.

Die grandiose Kameraarbeit und die soliden Schauspieler lassen vergessen, wie schmalzig das Ganze über weite Strecken ist und wenn der Chormusik orgasmierende Soundtrack am Ende ein letztes Mal aufschluchzt weiß man: Ja, so dramatisch und unstern bedräut kann nur wahre Liebe unter Männern sein. Den Film kann man übrigens auf Grund seiner ausufernden Zeitlupenszenen auch prima im schnellen Vorlauf sehen ohne etwas zu verpassen.

Amityville Horror 3D – USA 1983
★½☆☆☆

Eine weitere Familie zieht ins verfluchte Haus und erlebt Geister die Kadautz machen.

Der Fluch des dritten Teils, der unbedingt 3D sein mußte um noch irgendeine alte Sau ins Kino zu locken. Doch was beim “Weißen Hai” und “Freitag dem 13.” schon ziemlich in die Hose ging, ist auch im zweiten Sequel der Spukhaus-Story eher anstrengend, als spannend. Zumal selbst der erste Teil nur mit zwei zugedrückten Augen als passabler Film durchgeht.

Es ist Epix anzurechnen, das sie auch obskure Horrorkleinode auf DVD herausbringen und in diesem Fall sogar die 3D-Version optional zur Ansicht anbieten. Doch trotz beigelegter Brille bleibt dieser Film ziemlich flach und der einzige echte Horror dürften die brennenden und tränenden Augen sein, wenn man sich das Ganze tatsächlich bis zum Schluß in der leidlich plastischen Fehlfarbenfassungen anschaut. Und auch wenn ständig irgendwas nach vorne ins Bild poppt, Käfer herumsurren und Ballons kreiseln – das Ganze ist halb so spannend wie eine Dose Schnibbelbohnen zu öffnen.

Absolute Amityville-Fans und Kompletisten von 80er Horror dürfen sich aber freuen, auch diese Lücke in ihrer Sammlung schließen zu können.

In : DVD, Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • dlb

    Ui, dann muss ich mir “Dorfpunks” wohl doch noch ansehen, wenn der hier so gut abschneidet. Hast Du auch “Soloalbum” gesehen? Ein recht ähnliches Buch und eins meiner Favoriten, aber neben “Fleisch ist mein Gemüse” eine ganz grässliche Verfilmung. Ist “Dorfpunks” da mal eine Ausnahme oder fandest Du die beiden obigen Verfilmungen auch gelungen?

  • http://filmblog-der-13te.de Laura

    Außer Orphan habe ich noch keinen dieser Filme gesehen und muss euch gleich mal verbessern, denn die kleine Esther ist 9 und nicht 11.
    Aber ich kann auch nicht ganz zustimmen, denn wenn diese Wendung nicht originell war, was dann? Damit hat man nun wirklich absolut nicht gerechnet…
    Eindeutig einer der besten Filme in dem “”Böses Kind” Subgenre” seit langer Zeit.

  • GunGrave

    … hmm OK überzeugt… Orphan, Dorfpunks und AH 3D werd ich wohl guggn – Der Rest zieht an meinem Geschmack vorbei! ^_^

  • Stevie

    Schön, dass es “Dream a little Dream” jetzt endlich auch hierzulande auf DVD gibt. Der Film ist ein kleiner Geheimtipp für Leute, die etwas ungewöhnlichere Filme mögen und viel für die 80er übrig haben ;). Der Streifen gehört schon seit Jahren zu meinen Lieblingsfilmen, vor allem wegen der interessanten Inszenierung und der wirklich großartigen Musikauswahl. Abgesehen davon halte ich Feldman tatsächlich für ein wenig unterschätzt, denn auch wenn er jetzt nicht unbedingt ein Charakterdarsteller sein mag, ist er doch ein durchaus anständiger Schauspieler, der sich nicht verstecken muss. Wer den Film nicht kennt, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren.

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