Kurzreviews: Verblendung, Telstar, Good, 12 and Holding (Review)

Heute im Kurzreview: Verblendung +++ Telstar +++ Das Ende der Unschuld – 12 and Holding +++ Good

Verblendung – Dänemark / Schweden 2008
***

Der durch Verrat juristisch in Ungnade gefallene Enthüllungsjournalist Blomkvist wird von einem zurückgezogen lebenden Industriellen gebeten ein lange zurückliegendes Familiengeheimnis aufzuklären.

Cluedo auf Schwedisch. War es der Nazi-Opa mit dem Jagdgewehr im Roten Salon? Oder die verschwundene Tochter mit dem Schlachtermesser in der Waldeslichtung?

Die gut besetzte Bestseller-Verfilmung macht das beste aus der arg konstruierten Story, die in ihrem Hang zum Exzess durchaus exploitationhafte Züge hat. Starke intensive Momente, die meist mit Lisbeth zu tun haben (allen voran die einführende Nebenhandlung mit einem ekligen Amts-Vormund) stehen vielen gemütlich, gemächlichen Szenen gegenüber.

Die “Fremder ermittelt im Dorf”-Situation haben wir schon spannender umgesetzt gesehen und auch die Identität des Mörders lässt sich – mangels anderer Personen die ausführlicher vorgestellt werden – schon sehr zu Beginn erraten. Die eigentliche Motivation der handelnden Personen bleibt schwammig und wenig greifbar. Große Charakterstudien liegen dem Film nicht, der seine Figuren meist mit zwei-drei groben Pinselstrichen zeichnet und dem im Laufe der Handlung auch wenig hinzufügt.

Als netter TV-Krimi mit gemütlicher Spannung und nicht übermässig logischer Story ist der Film sehr unterhaltsam. Für den großen Kinokrimi fehlt es dann doch etwas an Originalität und wirklichem Nervenkitzel. Und irgendwie wäre es doch spannender gewesen, den großen Wirtschaftskrimi – der hier nur Beiwerk ist – oder Lisbeths Story ausführlicher zu schildern, als diesen klassischen Krimi mit Agatha Christie Anklängen.

Telstar – The Joe Meeks Story – UK 2009
****

Joe Meeks war ein genialer Musikproduzent im Großbritanien der frühen 60er Jahre. Er entwickelte skurrile Aufnahmetechniken die das Business für immer revolutionierten. Obwohl er keine Noten konnte und halbtaub war, komponierte er dutzende Hits und den Mega-Erfolg “Telstar”. Doch Meeks war wie viele Genies auch reichlich geisteskrank. Chronisch depressiv, neigte zu Gewaltausbrüchen, nahm Drogen, bedrohte seine Musiker mit Waffen und glaubte Phil Spector wolle ihm seine Geheimnisse stehlen. Ach ja und schwul war er auch noch, was damals auf der Insel noch unter Strafe stand. Viele Stars, wie der Deep Purple Gitarrist Richie Blackmoore oder Hendrix-Bandmitglied Mitch Mitchell haben bei Meeks als Sessionmusiker angefangen.

Einen so witzigen und anrührenden Film über eine so sperrige und nicht wirklich sympathische Figur wie den legendären Musikproduzenten Joe Meeks zu drehen, der soviel Talent, Wahnsinn, Exzentrik und Paranoia in sich vereinte, das schaffen wohl wirklich nur die Briten. Con O’Neil liefert ein furios-vielschichtige Performance als genial-gestörter Meeks, während Kevin Spacey wohltuend zurückhaltend seinen Geschäftspartner und die ins leere rufende Stimme der Vernunft gibt.
Wer sich ein bißchen für Popgeschichte interessiert und wem “Radio Rock Revolution” zu kuschliger Wohlfühlspaß war, der sollte sich diesen schrägen Seitenblick auf einen verkanntes Genie dringend ansehen.

Das Ende der Unschuld – 12 and Holding – UK 2005
***½

Jeff und Kenny sind typische Bullies. Bei einem ihrer “Scherze” stirbt ein Junge, ein anderer wird schwer verletzt. Beide landen im Jugendknast. Der überlebende Zwillingsbruder des verstorbenen Jungen empfindet anfänglich nur Hass und schwört seinen Bruder zu rächen. Er besucht die beiden Jungen regelmäßig im Knast, verspricht ihnen sie zu töten, sollten sie je wieder raus kommen.

Nachdem Jeff Selbstmord begeht, ändert sich das Klima. Der Beginn einer merkwürdig-widerwillige Freundschaft….

Ein deprimierend-treffliches Jugenddrama, das in seiner Aufarbeitung eines tragischen Unfalls konsequent auf den Abgrund zusteuert. Eine kleine, gut beobachtete Schuld-und-Sühne-Parabel, deren junge Akteure durch die Bank zu überzeugen wissen. Als Unterhaltungsfilm dennoch wenig geeignet, denn die Hoffnungslosigkeit der Story wird nur selten durch aufgebrochen und selbst scheinbar positive Entwicklungen werden am Ende auf den Kopf gestellt. Sehr schwere Kost, gut gemacht.

Good – USA 2008
**½

Deutschland in den 30er Jahren. Der Universitätsprofessor John Halder (Viggo Mortensen) hat ein Buch zum Thema Sterbehilfe geschrieben, geschrieben, das die Aufmerksamkeit der Nazis erregt hat. Sie sehen die Chance es für ihre Zwecke zu Nutzen. Widerstrebend lässt sich Halder auf seine Ehrenmitgliedschaft in der SS als Berater ein und verliert dabei immer mehr aus dem Blick wie die Bürgerrechte für die Juden – unter ihnen sein enger Freund, der Psychologe Maurice (Jason Isaacs) immer mehr beschnitten werden und auf welchem Weg sich Deutschland befindet.

Trotz der starken Besetzung bleibt diese Parabel auf die Feigheit des Einzelnen und die Verführung der Bequemlichkeit relativ kraftlos und entfaltet nie die emotionale, aber auch intellektuelle Schlagkraft die der Ausgangssituation innewohnt. Das pathetische Ende mag in der Theatervorlage funktioniert haben, wirkt im Kino aber doch ungesund übertrieben.

Anzeige

1 Trackback

  1. 05.01.2010 - Grandios: Die besten Filme 2009 | Die Fünf Filmfreunde

8 Kommentare

  1. VERBLENDUNG ist einer der besten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die guten Schauspieler, die mir bislang völlig unbekannt waren, und die bedrückende Story in der wunderschönen schwedischen Landschaft haben mich begeistert.
    Toller Film, von mir FÜNF Sterne :-)

  2. freu mich schon total auf 12 and Holding.
    laut amazon kommt die dvd am 19.11 raus.
    ich denke mal , dass ich mir die gleich abgreifen werde.
    hab von dem film zum ersten mal über das dvd magazin gehört.
    da stand :
    “ein kinderfilm für erwachsene! ” ^^
    i freu mir!

    Kommentar von heyb am 05.11.2009 um 09:01 Uhr
  3. Ich habe vor kurzem die drei Bücher von Stieg Larsson gelesen und war (wie alle anderen?) absolut begeistert. Auf dem Film hab ich mich auch gefreut, leider fehlt wirklich einiges von dem, was das Buch so interessant gemacht hat. Die ersten 300 Seiten werden ja nur nebenbei angeschnitten. :(

    Kommentar von ph0 am 05.11.2009 um 12:47 Uhr
  4. Das Buch ist im Gegensatz zum Film ein Hochgenuss! Der Film zu artig.

  5. von dem telstar-film hatte ich nichts gehört, danke für den tipp. interessanter artikel zu meeks auch hier:

    wortpong.wordpress.com/2009/10...

    Kommentar von Lomexx am 05.11.2009 um 15:54 Uhr
  6. Die drei Bücher von Larsson gehören zu dem Besten, was ich an Krimi in letzter Zeit gelesen habe.

    Der Film ist es leider nicht. Sehr brave Umsetzung der doch recht harten Romanvorlage, aus der man sicher eine ausgezeichnete Miniserie hätte machen können. Wenn man wunderschöne schwedische Landschaften sehen will, kann man sich besser Inga-Lindström-Verfilmungen im ZDF ansehen. Nicht. :-)

    Kommentar von kumi am 05.11.2009 um 16:08 Uhr
  7. Falls sich jemand bei Telstar an Knights of Cydonia von Muse erinnert fühlt: einer der Tornados ist Matt Bellamys Vater und KoC eine Hommage an ihn.

  8. … aaaah ja – danke. Ich werde woh lmal in einige Filme reinguggn!

    Kommentar von GunGrave am 09.11.2009 um 20:39 Uhr

Sag was!