“You feel pretty stupid, when you realize that all those street-lunatics proclaiming “The End is nigh” were basicly right….”
Originaltitel: 2012
Herstellungsland: Kanada/USA 2009
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Harald Kloser & Roland Emmerich
Darsteller: John Cusack, Amanda Peet, Chiwetel Ejiofor, Thandie Newton, Oliver Platt, Danny Glover, Woody Harrelson





Die Sonne hat Schluckauf und schickt schlechtgelaunte Neutrinos gen Erde, wodurch sich der Erdkern aufheizt und die Welt mit Katastrophen beglückt. Die Regierung hat zwar einen Plan, doch als der Doomsday schneller vor der Tür steht als erwartet, kämpft die Menschheit und der Schriftsteller Jackson Curtis mit seiner Familie ums überleben…
Was Roland Emmerich hier abliefert ist nicht weniger, als ein völlig überdrehtes “Best-of Desaster-Movie”. Es geht um die kindliche Freude an der totalen Destruktion, die liebevoll und visuell durchaus inspiriert vollzogen wird. Plausibilität ist dabei nur bedingt gefragt, wer es wagt die wacklige interne Logik des Spektakels zu hinterfragen, hat wohl wenig Probleme damit, jede Sekunde von 2012 effektiv auseinander zu nehmen. Als cheesiger Big-Budget-B-Movie, dessen Erklärungen genauso naiv sind, wie die der Monster- und Katastrophenfilme der 50er und 70er Jahre, funktioniert er dennoch erstaunlich gut.
Das überrascht, denn originell ist die Story und ihr Ablauf nun wahrlich nicht. Emmerich und sein Kumpel und Drehbuchautor Kloser destilieren hier die Essenz klischeehafter Actionsituationen. Die waghalsige und optisch wirklich beeindruckende Flucht aus L.A., das buchstäblich hinter den widerwilligen Helden im Nichts versinkt, ist so over-the-top, zitiert so viele Einzelkatastrophenmomente anderer Filme, das er alleine durch diese dreiste Anhäufung zu einem eigenen kleinen Kunstwerk wird, das völlig für sich stehen kann.
Auch wenn die weiteren Szenen nicht ganz an diese Flucht heran reichen, macht es doch Spaß der Welt beim Untergang zuzusehen. Vulkanausbrüche, Sturmfluten, Erdbeben, Feuersbrünste, Steinschläge – Emmerich fährt alles auf, außer der Küchenspüle, um das Publikum in seinen effektiv inszenierten Katastrophenreigen zu ziehen.
Das diese Taktik funktioniert und die Zuschauer ausreichend Interesse für die Katastrophenopfer mitbringen, liegt an den fast gemächlichen ersten 20 Minuten, in denen von kleinen Andeutungen bis zum Ausbruch, die Vorstellung der wichtigsten Charaktere abgehandelt wird. Cusack verlässt sich auf seine leicht nerdige Grundsympathie, Oliver Platt spielt den Regierungsbeamten mit erfrischender Ambivalenz, die nie ins ganz platt bösartige abgleitet, Chiwetel Ejiofor ist als wandelndes Gewissen ebenfalls grundsympathisch, Woody Harrelson transzendiert den gemeinen Straßenirren ins IMAX-Format und Frau und Kinder und die anderen Nebenrollen erfüllen ebenfalls ihren Zweck. Wir mögen und kennen die Figuren, ehe es zum großen Knall kommt. Da ist es verzeihlich, wenn keiner von ihnen tatsächlich Tiefgang besitzt und auch ihre Charakterwandlungen eher leichte Variationen ihres initialen Eindrucks darstellen.
Angenehm überdies, dass Emmerich nicht nur die Kamera still hält und sparsam mit wackligen Nahaufnahmen umgeht (im Gegensatz zu vielen anderen modernen Actionfilmen also tatsächlich zu erkennen und nachzuvollziehen ist, was gerade passiert), sondern er sich auch jegliche Militärglorifizierung, Waffen- und Kriegsmaschinenpornografie verkneift, die die Werke seiner Kollegen oft so unansehbar machen. Hier reichen die Naturkatastrophen, es bedarf nicht noch großer Ballereien um die Zuschauer im Angesicht des Weltenendes bei der Stange zu halten.
Was der Film nicht kann, ist ernsthaftes Drama. Wie weiland im “Flammenden Inferno”, beim “Untergang der Poseidon” oder in “Erdbeben” bleibt der Film auf ironischer Distanz, die die Zuschauer zwar interessiert, aber nicht wirklich involviert hält. It’s the end of the world as we know it, and I feel fine. Es hat etwas komisches, wenn Woody Harrelson den Vulkan anheult oder John Cusack in eine Erdspalte rutscht, aus der er – das wissen wir – ganz sicher im letzten Moment wieder auftauchen wird. Es gehört zum Steno des Desaster-Genres, das solche Situationen entstehen – aber es gehört ebenso dazu, dass die Zuschauer wissen welche Rollen garantiert überleben und welche den Opfertod sterben werden. Da ist 2012, trotz der apokalyptischen Dimensionen des Unheils, doch nur eine harmlose Achterbahnfahrt, die sogar hinter dem “politischen Tiefgang” von “Day after tomorrow” zurückbleibt. Die Welt geht unter, aber spürbar wird das Ganze nicht, der Tod von Milliarden Menschen ist – so paradox es klingt – nicht Thema des Films. It’s silly silly fun – der sich jede politische, sozialkritische aber auch religiöse Propaganda verkneift. Außer kleinen Seitenhieben auf Rom.
“Organisierte Religion ist was das dir auf den Kopf fällt”, sagte der Drehbuchautor Kloser neulich im Gespräch nach dem Preview, im Hinblick auf den einstürzenden Vatikan der Papst und Gläubige gleich mitplattwalzt. Die Apokalypse kommt nicht von Gott, noch wird er uns retten. Hilf dir selbst, scheint die einzige Botschaft zu sein, die der Film soufliert.
Das versöhnliche Ende, das – nach einigen Irrungen und Wirrungen die etwas straffer erzählt werden könnten und einige Längen haben – der Fernsehserie den Weg ebnet, könnte 2012 zum teuersten Pilotfilm der Geschichte machen, der gleichzeitig die Messlatte für alle kommenden Disastermovies so hoch legt, das es spontan schwerfällt sich eine Steigerung dieses Katastrophen-Kompendiums vorzustellen. Der Film macht Spaß, aber er übersättigt an Spektakel auch dermaßen, das sich ein wenig das Gefühl einstellt eine Familienpackung Haribo-aufgefuttert zu haben. Noch ein Vulkanausbruch, noch eine ins Meer rutschende Großstadt, noch ein Flugzeugträger der das Weiße Haus plattmacht, muss dann für die nächsten Jahre wirklich nicht mehr sein.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- November 12th, 2009 •
- 80 Kommentare
- Schlagwörter: 2012, disaster, john cusack, Review, Roland Emmerich










































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