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Ganz ehrlich: Vampire sind öde. Okay vielleicht nicht so langweilig wie Mumien – nichts ist so ungruselig wie eine schlechtgelaunte Mullbinde – aber dennoch ziemlich öde.
Zumindest die meisten. Denn mehr als jedes andere Monster haben Vampire die Macher und das Publikum herausgefordert sie zu romantisieren, zu vermenschlichen, in ihnen keine echte Bedrohung sondern irgendein erotisches Ideal zu sehen. Vampire verführen ihre Opfer meistens, bis diese ihnen willig die Schlagader entblößen und darum betteln endlich gefi- gebissen zu werden. Es ist ja nicht so, als hätte Twilight den Trend ausgelöst. Schon zu Bela Lugosis Zeiten schwärmten die Girlies, die damals noch Backfische genannte wurden, für die erotische Ausstrahlung des bissigen Ungarn und schickten ihm Liebesbriefe und Unterwäsche.
Dracula erschien immer als der bessere Liebhaber, der neben den gepflegten Umgangsformen das Verlangen nach Exotik und Leidenschaft befriedigte. Dagegen konnte der brave Freund oder Ehemann nur abstinken, selbst wenn er sich extra in den Tigertanga oder die lustige Büx mit dem Elefantenrüssel zwängt. Vampire sind sexy.
Was ja alles schön und gut ist, aber eben nicht wirklich gruselig und sie als Protagonisten eines Horrorfillms ziemlich untauglich macht. Es fehlt einfach die Bedrohung, das Unerwartete, der Schock, das im wahrsten Sinne des Wortes Monströse. Denn selbst wenn Vampire mal nicht als erotische Knatterbüchsen im edlen Zwirn dargestellt werden, präsentieren die Filmemacher sie wenigstens als leidende, melancholische Grübelottos die ja soooo darunter leiden nicht sterben zu können. Wo der erste Nosferatu noch ein echtes Monster war, dem ich auch heute ungern im Dunkeln begegnen würde, war Herzogs Nosferatu in der Form von Klaus Kinski schon längst der weltschmerzschwere Leidensmann, der den Tod als Erlösung herbeisehnt. Jaja der Tod der ist ein Abgrund, tausend Nächte tief…
Wie soll ein Film unheimlich wirken, wenn das Monster entweder gefickt oder bedauert werden soll? Ein Werwolf leidet auch an seinem Fluch, ist aber dennoch ein richtiges Monster das aus seinen Opfer Hackfleisch macht und sie frisst und nicht stundenlang Gedichte aufsagt, herumphilosophiert oder sich bemüht geistreich und charmant zu sein. Werwolf-Sex ist wild und animalisch geil (siehe ->The Howling oder American Werwolf), während Vampire eher für Kuschelsex, langes Vorspiel und hinterher ausführlich drüber reden stehen.
Tarantino hat Recht, wenn er beklagte, das Vampire immer mehr zu weichgespülten Frauenverstehern werden, anstatt echten Horror zu verbreiten. Und das liegt an den Filmemachern, nicht am grundlegenden Konzept.
Vampire sind Untote die das Blut der Lebenden trinken und sie oftmals dadurch umbringen, bisweilen auch zu einem der ihren machen. Nirgendwo steht geschrieben, dass sie geföhnte Langweiler sein müssen, die den ganzen Tag nur darüber nachdenken, wie sie sich das Bluttrinken abgewöhnen können um bloß niemandem zu nahe zu treten. Es wird Zeit das dies auch im Horrorfilm mal wieder erkannt wird, statt die Bande immer weiter zu romantisieren und zu verkitschen, wie das in True Blood oder den Vampire Diarys derzeit schon wieder geschieht. Buffy hat Vampire gepfählt und sie immer als echte Bedrohung angesehen, selbst wenn sie mit Angel und Spike herumgemacht hat. Die Blutsauger blieben eine echte Bedrohung und Gefahr mit mörderischem Potential. Spike hat hunderte von Menschen umgebracht und sich auch erst für Buffy interessiert, als er einen Chip im Kopf hatte, der ihn zwang seine gewaltätigen Impulse im Zaum zu halten.
Edward fängt wenns ernst wird an zu Glitzern und kämpft eher ungern, weil seine Frisur dabei durcheinander kommen könnte.
Was ist so schwer daran Vampire wirklich bedrohlich zu inszenieren? Wieso müssen selbst gestandene Regisseure wie Coppola eine verkitschte-opernhafte Verfilmung abliefern, die aussieht wie Rosamunde Pilcher die mal einen drauf machen will, mit einem Vampir dessen Schatten hinter ihm herumkaspert und dessen Frisur aussieht als wären mit Udo Walz mal wieder die Inspirationspartikel durchgegangen?
Ja, es mag in der Natur des Blutsaugers liegen, das er zu den intelligenten Monstern gehört und damit auch die Chance hat seine Opfer zu faszinieren, aber das sollte doch kein Freibrief sein wirklich jeden Anflug von Spannung und echter Bedrohung durch süssliche Kleinmädchenphantasien zu ersetzen. Near Dark – bezeichnenderweise von einer Frau inszeniert (Kathryn Bigelow) – hat vorgemacht wie eigensinnig brutal und bedrohlich Vampire sein können. Fright Night hatte bei allen Comedy-Elementen einen Horde von Vampiren die intelligent und sehr gefährlich waren. Selbst Kiefer Sutherland und Edward Hermann in Lost Boys funktionieren als verführerische, smarte und dennoch brutal sadistische Monster. Von den Mexican-Vampires in From Dusk Till Dawn ganz zu schweigen, die von Rodriguez und Tarantino bewusst als Gegengift zu Lestat, Dracula und all den anderen Kuschelsaugern entworfen wurden. Die Reaper in Blade 2 von DelToro waren ebenfalls ganz schicke Monster, genau wie der einzigartige “Martin” von Romero. Und auch Eli, in “So finster die Nacht”, wirkt bei aller Zuneigung zur Figur immer noch sehr unheimlich, wie ein Kampfhund der jederzeit ausrasten könnte und dann entsetzliches anstellt. Die Gewaltätigkeit und der unbedingte Wille alles zu tun um zu überleben ist in jeder Sekunde spürbar, selbst wenn sie mit ihrem kindlichen Straker-Ersatz zusammen das Bett teilt.
Doch alle diese guten Blutsauger sind leider in der Minderheit im Vergleich zu den lieben, nachdenklichen, sinnierenden, leidenden, biss- und blutlosen Vampirfiguren, die das Kino von Lugosi, über Christopher Lee, George Hamilton, Tom Cruise, Eddie Murphy bis zu Robert Pattinson bevölkern. Vampirfilme sind fast immer Chickflicks in denen mehr geliebt und gelitten als gestorben und geflüchtet wird. Von “Todd Browings Dracula” zu “John Badhams Dracula”, von “Begierde – The Hunger” bis “Interview mit einem Vampir”, von “Andy Warhols Dracula” bis “Liebe auf der ersten Biss”, von “Dracula jagt Mini-Mädchen” zu “Königin der Verdammten”, von “Die blutige Gräfin” zu “Twilight / New Moon”.
Dort wo pubertär-romantische Träume befriedigt werden hat der Grusel das Nachsehen. Die Opfer der Kuschelvampire könnten auch gleich zur Blutspende gehen und dabei Hedwig-Courths Mahler lesen. Das macht auch schwindelig und rechtfertigt die krausen Fantasien.
Aber bitte liebe Filmproduzenten: Macht Vampire endlich wieder unheimlich. Wir hatten genug Douchebag-Monster. Genauso wie ich keine rumjammernden Superhelden mehr sehen will, möchte ich keine knuddeligen Kein-Sex-Vor-Der-Ehe-Vampire mehr sehen.
Denn auch wenn die Viecher untot sind: Die Eier hat man ihnen ja wohl nicht abgeschnitten?
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- November 27th, 2009 •
- 43 Kommentare
- Schlagwörter: Buffy The Vampire Slayer, Horror, Joss Whedon, New Moon, Sarah Michelle Gellar, Series, The Vampire Diaries, Twilight, Vampire









































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