Küss den Frosch (Review)

18 Comments

“I suppose you want a kiss.”

Originaltitel: The Princess and the Frog
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Ron Clements, John Musker
★★★½☆ Jet Strajker
★★★★☆ Batzman

PrincessandtheFrogPosterNachdem Disneys Animationsschmiede Ende der 90er Jahre in eine finanzielle und vor allem kreative Schaffenskrise rutschte, die viele billige Sequels zu hauseigenen Meisterwerken für den Videomarkt und nur noch einige wenige Kinofilme von durchwachsenem Erfolg mit sich brachte, sah man sich auch angesichts der immer populäreren Animation aus dem Computer gezwungen, den klassischen Zeichentrickfilm aufzugeben.

Gegen die CG-Tricksereien von DreamWorks und Co. wollte sich Disney jedoch nie so wirklich durchsetzen, und so überrascht es nicht, dass sich das Studio nach dem Einkauf des Quasi-Konkurrenten Pixar nun wieder auf jenes Handwerk berufen wissen möchte, mit dem es jahrzehntelang Filmgeschichte schrieb. John Lasseters erster Amtshandlung, alle Direct-to-Video-Fortsetzungen einzustellen, folgte sogleich die zweite: Die Produktion eines neuen klassischen Zeichentrickfilms, eines Musicals.

In der Geschichte von „Küss den Frosch“ verschlägt es Tiana, die erste afroamerikanische Prinzessin des Disney-Universums in die Sümpfe Louisianas, wo sie gemeinsam mit Prinz Naveen alles unternimmt, um wieder ein Mensch zu werden – die hübsche Kellnerin, noch eine Prinzessin in spe, ist nach einem Kuss des verwandelten Traumprinzen genau wie er zum Frosch mutiert. Als quakendes Pärchen wider Willen lernen sie tapfere Wegbegleiter kennen, entkommen dem bösen Fluch des Voodoo-Magiers Dr. Facilier und landen nach einigen Hindernissen natürlich doch noch in ihren richtigen Armen. Die Handlung derlei Märchen ist so unbedingt vorhersehbar wie zweitrangig, denn natürlich wissen Ron Clemens und John Musker, ihrerseits etablierte Disney-Hasen, dass die altmodische Animation, quirlige Sidekicks und eingängige Musicalnummern die Trümpfe ihres Zeichentrickfilms bilden.

„Küss den Frosch“ ideologisch durch die Mangel zu nehmen, erscheint bei einem Traditionsunternehmen überholter Wertvorstellungen wie Disney gewiss müßig. So gewinnt der Film weder durch seine erstmalige Besetzung einer schwarzen Prinzessin in der Hauptrolle, wie er durch den hinreichenden Gebrauch entsprechender Südstaatenklischees verlieren mag. Er ist schlicht als vergnügliche Einladung zu nostalgischen Erinnerungen zu verstehen: Ganz offensiv knüpft der Film an die Magic Moments der Disney-Geschichte an, mit einer wundervollen Jazz-Musik von Randy Newman.

Die Animation überrascht dabei mehr als einmal, besonders in der herausragenden Dinner-Sequenz im Art-Deco-Stil. Nicht so fein und detailliert wie in den frühen Produktionen des Studios zwar, aber auch weitaus weniger klobig und grob als die Arbeiten der späten 80er und frühen 90er Jahre. Dass die Zeichner dabei nicht gänzlich auf die Unterstützung des Computers verzichten konnten, verrät indes jedoch auch einiges über die allzu betonte Rückbesinnung auf den klassischen Trickfilm.

Batzman Batzman meint:

Ich mag Disney-Filme. Okay, ich stehe eher auf die Jungs-Filme wie “Aladdin”, “König der Löwen” oder “Die Hexe und der Zaubrer” als auf “Arielle” und “Die Schöne und das Biest”. Aber trotz der bekannten Kritik am Konzern und der perfekten Vermarktung, fällt es schwer zu übersehen, das sie über die Jahre verdammt viele gute Filme gemacht haben. Nur ihre ureigenste Domäne, die Zeichentrickfilme hatten zuletzt deutlich geschwächelt. Während Pixar Hit auf Hit produzierte, enttäuschten die Disney-Hausprodukte nicht nur finanziell. Nach “Atlantis”, “Der Schatzplanet”, “Bärenbrüder” und den eher lustlosen Kühen, war es dringend Zeit sich wieder auf die Stärken des klassischen Zeichentrickfilme zu besinnen. Die radikale Entscheidung nur noch CGI-Filme zu produzieren war sicherlich unklug, aber vielleicht auch ein heilsamer Schock. Zum einen entstand dabei eine eigene, durchaus kreative CGI-Animationsabteilung die mit “Meet the Robinsons” einen sehr gelungenen Film abgeliefert hat (Und “Chicken Little” ist auch ganz okay), zum anderen sorgte die Versöhnung mit PIXAR dafür, das sich John Lasseter selbst für die Rückkehr des gezeichneten Animationsfilms stark machte.

Und “Küss den Frosch” ist ein wirklich gelungener Auftakt, für die Renaissance des Disney-Animationsfilms. Selbst wenn man Marketing-Geschwurbel und die übliche leicht religiöse Disney-Verklärung, die den Konzern immer umgibt, abzieht, bleibt ein im besten Sinne altmodisches Märchen, das bewusst die Stärken von “Susi und Strolch”, über “Dschungelbuch” bis zu “Aristocats” kanalisiert und mit unglaublicher Detailfreude auf die Leinwand bringt.

Die Story ist simpel, es ist klar das es ein Happy End geben wird und auch die Sidekicks, wie der knubbelige Aligator Lous, der oftmals an Balu erinnert, stehen in der Tradition des Hauses. Das nicht alles superoriginär ist: Verzeihlich. Das Disney nach dem sie mit Rassismusvorwürfen u.a. bei Aladdin und König der Löwen konfrontiert waren, überaus politisch korrekt taktiert und dennoch gern in die Klischeekiste greift, auch egal. Denn der Film versprüht eine altmodische Herzlichkeit, eine Animationsfreude und einen Drive, der ihn nicht nur optisch zu einem Erlebnis macht. Auch wenn ich, genau wie Kollege Jet, gern auf diverse Computer-Elemente wie Spielkarten, Zeitungen oder Plakate verzichten würde, stören sie mich nicht genug, als das ich dem Film deswegen Abzüge geben möchte.

Zeichentrick ist ein teures Unterfangen und die Lokalisierbarkeit solcher Filme wird durch die digitalen Elemente enorm erleichtert, wenn Texte im Film einfach in die jeweilige Landessprache gesetzt werden können, ohne das alles neu gezeichnet werden muß. Das es völlig handgemacht schöner aussähe ist leider genauso richtig, aber die Zeiten eines “Dornröschen”, in denen fast 10 Jahre an einem 70mm-Zeichentrickepos gearbeitet werden kann, sind leider vorbei. Gemessen an seiner Produktionszeit, sieht “Küss den Frosch” verdammt gut aus und lässt was die Animationsgüte angeht die Konkurrenz ziemlich alt aussehen. Die eingängige Musik von Randy Newman, der hier mal mehr Gas gibt als bei seinen PIXAR-Songs, hat echte Ohrwurmqualitäten und ist selbst auf deutsch erträglich, auch wenn ich eindeutig die US-Fassung bevorzuge. Roger Cicero und Cassandra Steen sind ganz ordentliche Sänger, die Schauspielerei haben beide aber nicht erfunden. Dafür steht Jazzlegende Bill Ramsey seinem US-Vorbild kaum nach und Marianne Rosenberg erweist sich für Mama Odie als echter Glücksgriff.

Ebenso schick wie die Songs sind die wunderschönen Hintergrundgemälde und das Charakterdesign, das hier selbst in Kleinstrollen gelungen ist. Wer beim Anblick des Hillbilly-Glühwürmchens Ray, des kugeligen Louis oder der geschundenen Mietzekatze am Anfang (die verdammt an ein Aristocat erinnert) nicht zumindest ein bißchen grinsen muß, hat mit Zeichentrick vermutlich gar nichts am Hut. Und Doktor Facilier ist eine durchaus faszinierende Neuschöpfung, als Bösewicht, der vollkommen auf die fremde Hilfe seiner Freunde “from the other side” angewiesen ist. Nicht ganz Malefica, aber einer Bösen Königin durchaus ebenbürtig.

Wenn “Küss den Frosch” Erfolg hat, dürfte er den Grundstein legen, für weitere Zeichentrickfilme, die neben den Werken von PIXAR und der hauseigenen CGI-Animationsabteilung ihren festen Platz im Disney-Universum verdient hätten. Ich drück mal die Daumen und hoffe der Film wird sein Publikum finden und nicht wie Coraline, District 9 oder Oben enden.
Sonst verliere ich nämlich wirklich langsam den Glauben an die deutschen Zuschauer.

In : Review

About the author

Rajko Burchardt mein es gut mit den Menschen. Die Spielwiese des Bayerischen Rundfunks nannte ihn vielleicht auch deshalb "einen der bekanntesten Entertainment-Blogger Deutschlands".

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  • TopF

    klingt klasse :P

  • GunGrave

    … klingt interessant – werd ich mal als Kinobesuch einplanen. ^_^

  • GunGrave

    … schöne Review… das bewegt mich dazu ins Kino zu gehen.

  • TopF

    vier sterne von batzman … ö.ö
    jätz binn ick abä baff

  • Schwarzmaler

    @TopF. … und das ganz ohne Zombies.

  • http://blog.glotzkind.de/ Björn

    Batzman wird weich auf seine alten Tage, eindeutig ;D

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Weich nicht, aber sentimental! ;)

  • Christian

    batzman lebt doch in seelischer Dissonanz, beim nächsten Mal gibts wieder nen veriss vom allerfeinsten

  • Svennö

    Ganz schön groß angelegte Werbekampagne…

  • Hell-G

    @Svennö:

    war das ein Wink mit dem subversiven Zaunpfahl weil Batz den Flick gut bewertet hat?

    Ich glaub’, er könnte gut damit leben, nicht mehr von Disney & Co. zu Premieren eingeladen zu werden…

  • phylthia

    Ich werde mir den Film im Rahmen eines Mädelsabends ansehen, und freu mich drauf, auch wenn ich eigentlich auch immer eher der Jungsfraktion angehörte was meine Lieblingsdisney Charaktere und Filme angeht (Fantasia, König der Löwen, Aladin und Lilo & Stitch).

    Von dem was ich bisher so sah gefiel mir Dr. Facilier sehr gut, und hat gute Chancen meinem Bisherigem Lieblingsbösewicht den Rang abzulaufen.
    Das ist jedenfalls der erste Disneyfilm seit Mulan und Lilo & Stitch den ich im Kino gesehen habe /sehen werde.

  • Ashari

    Das meint ihr alle jetzt nicht ernst, oder?
    Batzman, ist das irgendeine komplizierte Ironie?
    Oder Nostalgiehormone?

    Ich bin jetzt Mitte 30 und natürlich mit vielen der klassischen
    Disneyfilme aufgewachsen und ich fand die meisten schon als Kind grausam kitschig. Ganz besonders diejenigen mit Musical-Einlagen!

    Na gut, das Dschungelbuch ist trotz Singsang cool, Taran und der Zauberkessel fand ich als Zehnjähriger im Kino geil (Der hatte Skeletarmeen!) und Fantasia finde ich jetzt zumindest interessant, aber mit den meisten Disneymurks konnte ich weder als Kind, noch jetzt, irgendwas anfangen.

    Bin leicht geschockt…

  • http://julietta.nanosleep.de Julia

    Dem Bericht kann ich nur zustimmen! Wir waren gestern in dem Film und hoch erfreut. Ein wirklich feiner Film. (Und zum Glück findet Ray seine Evangeline.)

  • genervt

    Wenn ich mir vorstelle, daß die noch in zwanzig Jahren wabbernde, glitzernde, in jeder Hinsicht zweidimensionale Musicals mit Sidekick und simpler Story produzieren… Null Weiterentwicklung, wirklich NULL. Disney mutiert zum trällernden Zombie. Und wann lernen sie endlich, 2D und 3D vernünftig zu verbinden?

  • http://www.moviepilot.de Oli

    Die Bewertung hätten sogar die Mayas vorausgesehen.

  • http://www.palastmagazin.de chris kurz

    …also was disney abliefert ist schwach! ghiblifilme wie “mein nachbar totoro” oder jüngst “ponyo” hauen so ziemlich jede disneyschmonzette in die pfanne UND unterhalten erwachsene auf exzellente art und weise.
    leider kennt diese filme fast keiner…
    disney macht bloss kinderfilm!

  • alex

    Ich versteh gar nicht warum “Bärenbrüder” bei den misslungenen
    Filmen mit aufgezählt wird.
    Ich finde das der erste Teil von Bärenbrüder wohl einer der besten klassischen Zeichentrickfilme der vergangenen Jahre von Disney war!
    Der magelnde Erfolg muss wohl daran liegen, dass Disney hier einmal nicht zu den Klichees von der “großen Liebe” und dem “Bösewicht”
    gegriffen hat.

  • WeißesKaninchen

    Mal ganz vereinfachend gesagt: Süßer Film. Irgendwie fühlt man sich in fast jeder Szene an andere Disney-Filme erinnert (und manchmal mußte ich auch TNBC denken…), was aber nicht wirklich stört.
    Gut, im Vergleich würde ich mir wohl Totoro oder Kiki öfter ansehen, aber wenn man Disneyfilme mag -und auch einen Kinderfilm erwartet- wird man hier wohl nicht derbe enttäuscht.

    P.S.: Jep, alex möchte ich recht geben. ;)

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