Wo Schatten ist, da muss auch Licht sein und in der Tat war 2009 rückblickend ein gutes Jahr für Kinofans. Viele mit Skepsis erwartete Filme überraschten positiv, Blockbuster bewiesen, dass man sein Hirn im Kino ruhig auch mal anlassen darf und kleine Indiefilme eroberten unsere Herzen. It was a very good year, in der Tat.
Hier also jetzt die Filme die uns in diesem Jahr am Besten gefallen haben.
Batzmans Liste
Bester Herzschmerz des Jahres (500) Days of Summer und Adventureland
Was für eine smarte, liebenswert-bittere Liebesgeschichte hier erzählt wird. Neben der starken Besetzung mit dem immer sehenswerten Joseph Gordon-Levitt und der entzückend-ungirliehaften Zooey Deschanel überzeugt hier auch das Zeitsprung-Gimmick, denn die fragmentierte Erzählweise ermöglicht hier tatsächlich die Beziehung der beiden mit anderen Augen zu sehen. Ernüchternd und ehrlich und doch nicht depressiv, ein schöner Film.
Das gleiche gilt für Adventureland in dem Jesse Eisenberg als Alter-Ego von Greg Mottola seinen prägendsten Sommer als Angestellter eines Vergnügungsparks erleben darf. Zwischen Nostalgie und Ernüchterung, Falco und Fahrgeschäften entsteht ein liebevoller, witziger und anrührender Blick auf erste echte Liebe und den schmerzhaften Schritten zum Erwachsenwerden. Achja und Kristen Stewart darf zeigen, das sie eine respektable Schauspielerin ist und nicht nur maulig in die Gegend starren kann.
Bester Fun-Horror: Zombieland und Doghouse
Ein extrem mainstreamiger, witziger Zombiefilm, in dem Zombies eigentlich nur eine Nebenrolle spielen. Nicht wirklich wichtig, aber verdammt unterhaltsam und mit einer erstklassigen Besetzung und dem wohl schönesten Cameo des Jahres. Nicht so smart wie Shaun of the Dead aber in Zeiten dummer Folterfilme und ausgelutschter Sequels eine willkommene Abwechslung. Nut up, or shut up!
Der andere Splatter-Spaß des Jahres kam aus dem Lande Shauns. Der bösartig-klamaukige Kampf der Geschlechter, die letzte Schlacht zwischen Couch-Kartoffeln und Zombie-Furien ist als überdrehte, sehr unkorrekte Satire ein wirklicher Hit des Fantasy Filmfests und sicher nicht nur für gepflegte Herrenrunden geeignet.
Größte Entdeckung: Telstar
Joe Meeks war ein genialer Musikproduzent im Großbritanien der frühen 60er Jahre. Er entwickelte skurrile Aufnahmetechniken die das Business für immer revolutionierten. Obwohl er keine Noten konnte und halbtaub war, komponierte er dutzende Hits und den Mega-Erfolg “Telstar”. Doch Meeks war wie viele Genies auch reichlich geisteskrank. Chronisch depressiv, neigte zu Gewaltausbrüchen, nahm Drogen, bedrohte seine Musiker mit Waffen und glaubte Phil Spector wolle ihm seine Geheimnisse stehlen. Ach ja und schwul war er auch noch, was damals auf der Insel noch unter Strafe stand. Viele Stars, wie der Deep Purple Gitarrist Richie Blackmoore oder Hendrix-Bandmitglied Mitch Mitchell haben bei Meeks als Sessionmusiker angefangen.
Einen so witzigen und anrührenden Film über eine so sperrige und nicht wirklich sympathische Figur wie den legendären Musikproduzenten Joe Meeks zu drehen, der soviel Talent, Wahnsinn, Exzentrik und Paranoia in sich vereinte, das schaffen wohl wirklich nur die Briten. Con O’Neil liefert ein furios-vielschichtige Performance als genial-gestörter Meeks, während Kevin Spacey wohltuend zurückhaltend seinen Geschäftspartner und die ins leere rufende Stimme der Vernunft gibt.
Wer sich ein bißchen für Popgeschichte interessiert und wem “Radio Rock Revolution” zu kuschliger Wohlfühlspaß war, der sollte sich diesen schrägen Seitenblick auf einen verkanntes Genie dringend ansehen.
Bewegendster Film des Jahres: Milk
Gus van Sant drehte das süffige Biopic mit dem überragenden Sean Penn in der Rolle des schwulen Bürgerrechtlers und Politikers Harvey Milk. Gnadenlos mainstreamig und doch bewegend und wahrhaftig ließ er einen Schlüsselmoment der jüngeren US-Geschichte wieder auferstehen ohne moralinsauer zu dozieren. Mit James Franco, Josh Brolin, Emile Hirsch und dem HSM-Maskotchen Lucas Grabeel standen dabei beeindruckende Schauspieler vor der Kamera, die dafür sorgten, dass der Film nie zu einer Sean Penn-Soloshow verkommen konnte.
Bester mürrischer Alter Sack in einem Film: Gran Torino und Oben
Zwei völlig unterschiedliche Filme, die dennoch ihr Herz am rechten Fleck tragen. Pixar lieferte mit Oben ihren bisher besten Film ab, der sich weniger auf “Ach wie süss”-Dramturgie verließ, sondern bis zum Ende eine melancholische Note beibehielt.
Und Clint Eastwood, DER große alte Humpel Hollywoods, trat noch einmal vor die Kamera um eine Art Senioren-Dirty Harry zu geben, der nicht nur mit der sensiblen Darstellung der Hmong-Community sondern auch mit seinem überraschenden Ende überzeugte. Keine schlechte Leistung für jemanden der kurz zuvor schon mit Der Fremde Sohn ein respektables und beeindruckendes True-Crime-Drama abgeliefert hatte.
Bester Film den keiner gesehen hat: Boy A
Der Anfang der Vergebungsfrage. Ein sperriger Ansatz für einen Unterhaltungsfilm: Kann einem jungen Mann vergeben werden, der als Junge ein Kind tötete? Boy A nähert sich des komplexen Themas mit ebenso komplexen Ansätzen, die nicht verharmlosen und unbequeme Fragen zurücklassen. Er bezieht keine klare Stellung sondern fordert heraus. Das er dabei noch hochspannend, exzellent gespielt und zum Teil sehr anrührend ist, macht diesen kleinen britischen Film – der schon 2007 gedreht wurde aber erst 2009 in unsere Kinos kam – zu einer echten Empfehlung.
Guilty Pleasure des Jahres: 2012
Natürlich war dieser Rückfall in die Zeiten des 70er Jahre Katastrophenfilms unglaublich cheesy. Aber weil Roland Emmerich die Zerstörung des Planeten mit soviel ironischer Verve und optischer Wucht inszenierte, das ganze nie so 100% ernst nimmt und die ersten 15 Minuten wirklich zum opulentesten gehören, was das Effektkino heute zu bieten hat, gebe ich zu: Ich hab mich bei dem Film verdammt amüsiert. Auch wenn die letzte halbe Stunde reichlich pathetisch und überflüssig war.
Kiff-Ersatz des Jahres: Taking Woodstock
Ang Lee inszenierte ein idealisiertes Woodstock, einen Ort der mehr der Erinnerung an ein Ereignis als der Realität zu verdanken hatte. Aus nassen, kalten, verfrorenen Menschenmassen wurde hier wieder ein Idee von friedlichem Zusammenleben, einer Zeitkapsel der Menschheit wie sie sich selbst gerne sehen würde. Ohne den Anspruch ein wirklich wahrhaftiges Making of Woodstock zu erzählen, inszenierte er ein fluffig-schwebendes Companion-Piece zum legendären Doku-Film, das eine der schönsten LSD-Szenen der jüngeren Kinogeschichte enthält und in seiner von kleinen, düsteren Seitenhieben durchzogenen Vignetten-Technik eine Geschichte ums verspätete Erwachsenwerden und diesen einen Moment, vor dem Verlust der Unschuld erzählt. Taking Woodstock ist dabei so unverschämt relaxed und layed back, das es schwerfällt ihm seine naive Sichtweise wirklich zu verübeln.
Die Love & Peace-Traumblase platzte nur wenige Monate später auf dem furchtbaren Altamont-Festival – und doch birgt es einen besonderen Reiz, sich dieses Denkmal an die kollektive popkulturelle Erinnerung anzuschauen, ehe man sich in der Realität wieder mit den ganzen abgewrackten, angepassten Alt-86ern herumärgern darf. Für einen Moment hätte alles irgendwie cool sein können.
Fun-Film des Jahres: Crank 2: High Voltage
Unverschämter Megatrash in einer referenzdichten Hyperbildsprache die ihresgleichen sucht. Kein Film ist näher am Videospiel als diese abgefahrene Geschichte vom unkaputtbaren Auftragskiller. Von Godzilla zu GTA, von Jerry Springer zu Duke Nukem – Crank ist krank und macht verdammt viel Spaß. Oder Kopfweh, je nachdem wie empfindlich Augen und Magen sind.
TV-Serien des Jahres: Glee und Misfits
Zwei Serien die unterschiedlicher nicht sein können, sorgten in diesem Jahr bei mir für Freude. Während die dritte Staffel der Serie SKINS eher enttäuschte, erblickten kurz vor Jahresende die MISFITS das Licht der britischen Bildschirme. Eine Gruppe von Unterschichts-Jugendlichen, die bei der Ableistung ihrer Sozialstunden in ein Unwetter geraten und danach langsam feststellen müssen, das sie Superkräfte haben. Diese britische Antwort auf HEROES überzeugt durch garstige Bodenständigkeit, unverschämte Dialoge und überraschende Wendungen die so gar nicht ins Schema F klassischer Superheldenstories passen wollen. Sehr sehenswert.
GLEE ist ebenfalls eine Antwort – und zwar die TV-Replik auf Disneys diverse Musical-Filme. Doch statt hübschen Teenies mit Luxusproblemen geht es im schulischen Glee-Club härter zur Sache. Ungewollte Schwangerschaften, Drogen, Psychosen, Selbstmorde, sexueller Mißbrauch, Mobbing, Eheprobleme und die wohl fieseste Cheerleader-Trainerin der Welt dominieren die schrille und selbstironische Welt dieser All-Singing-All-Dancing-Musical-Serie, die in den USA bereits kultisch verehrt wird und dafür sorgte, das sich wohl niemand mehr erinnern kann, wer eigentlich dieser Zac Efron war.
Und noch eine Serie muss erwähnt werden: DOCTOR WHO geht nach einem Jahr mit wenigen Specials in die nächste Runde. Das bedeutet der geniale David Tennant ist nicht länger “The Doctor” – er verabschiedete sich in einem furiosen Finale in einem zweiteiligen Special und wir können uns auf den 11. Doktor freuen. Ich bin sehr gespannt.
Fieser Bastard des Jahres: Christoph Waltz in Inglourious Basterds
Auch wenn der Film von QT unglaubliche Längen hatte und ich ihn als ganzes nicht so richtig gelungen finde: Christoph Waltz ist als Nazi-Ermittler Hans Landa zurecht bejubelt und vielfach geehrt worden. Denn er macht aus Tarantinos Vorlage einen der faszinierendsten Schurken des Kinojahres, intelligent, charmant, skrupellos und humorvoll. Er alleine hebt den Film weit über den Durchschnitt und bleibt nachhaltig in Erinnerung, wenn all die anderen Darsteller längst vergessen sind.
Beste Adaption: Wo die wilden Kerle wohnen
Kurz vor Jahresende nochmal eine echte Überraschung. Spike Jonze liefert eine inspirierte und konsequent eigensinnige Verfilmung des brillanten Kinderbuchklassikers ab. Wenigstens einmal waren die Gerüchte um eine ins Schlingern geratene Produktion nicht gerechtfertigt.
Wie schon bei der Vorlage ist das Ganze tatsächlich eher für Erwachsene geeignet, die das Wesen der Kindheit erinnern und nachvollziehen wollen, als für die lieben Kleinen selbst. Von der Musik, über die riesigen Figuren mit ihren feinfühlig animierten Gesichtern bis zum absolut anrührenden Max Records in der Hauptrolle, ist dieser Film ein depressiv-melancholisches Mood-Movie, das trotz seiner fragmentarischen, assoziativen Gechichte und ohne konsequente Handlung und Dramaturgie noch lange nachwirkt und zum neuerlichen Sehen einlädt.
Erwähnt werden muß in dieser Rubrik natürlich auch Watchmen – Die Wächter, der die schwierige Vorlage in fast sklavischer Detailtreue auf die Leinwand brachte. Das war zwar nicht sehr inspiriert, aber auf jeden Fall besser als jeder andere Superhelden oder Comicfilm in diesem Jahr.
Bester Animationsfilm des Jahres: Coraline
Henry Selick lieferte mit dieser düsteren Verfilmung eines Neil Gaiman Jugendbuches nicht nur den Beweis, das er sich endgültig von Tim Burton emanzipiert hat, sondern überdies auch einen der optisch beeindruckensten 3D-Filme dieses an 3D-Streifen nicht eben armen Jahres abliefert. Voller verschrobener kleiner Einfälle, mit unglaublicher Detailverliebtheit, Witz, Chuzpe und tollen Sprechern ist diese dunkle Fabel ein Film dessen Bilderwelt deutlich vor Augen führt, das die klassische Puppenanimation immer noch locker gegen CGI-Bilder anstinken kann und ihr in einigen Bereichen immer noch überlegen ist.
Generell war 2009 ein gutes Jahr für Animationsfilme: Disney startete mit Bolt – Ein Hund für alle Fälle und endete mit Küss den Frosch, Monsters vs. Aliens und Planet 51 boten gefällige Unterhaltung und Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen war ebenfalls einen Blick wert.
Bester SciFi-Film des Jahres: District 9
Neill Blomkamp und Peter Jackson sorgten mit diesem nur 30 Mio$ teuren Actionfilm für einen rasanten, halbsmarten Ausflug in eine alternative Realität, der geschickt seine Rassismus-Parabel und bekannte Elemente von RoboCop, die Die Fliege, Brazil und der Serie *Alien Nation” vermengte und zu einem überaus unterhaltsamen neuen Ganzen machte. Sharlto Copley ist zudem der Beste und ungewöhnlichste Actionheld des Jahres, dessen Robosuit-Battle den von Avatar ziemlich alt aussehen lässt.
Schauspielerisch ist sicher auch Moon mit Sam Rockwell ein Performance-Highlight des Jahres, auch wenn die Story extrem vorhersehbar und wenig originell ist.
Jet Strajkers Top Ten 2010
10. (500) Days of Summer (Marc Webb)
… ist wohl so etwas wie die Ehrenrettung der Romantic Comedy und trotz vieler nicht immer treffsicherer Popreferenzen und selbstgefälliger Indie-Attitüden herzerfrischend, sympathisch und mitreißend. Die außerordentlichen Regieeinfälle und ideenreiche Inszenierung haben das Sehen auf jeden Fall zu einem Vergnügen gemacht.
9. Coraline (Henry Selick)
Fantasievolle Ode an die Kindheit, zugleich aber auch gespenstisches Bild einer Heranwachsenden, die von Einsamkeit und Vernachlässigung bedroht wird. Mit seiner Entscheidung, das 3D-Format für die Tiefe des Bildes zu nutzen, statt dem Zuschauer permanent Dinge ins Gesicht zu schmeißen, zudem der bisher reifste aller neuerlichen 3D-Filme.
8. Boy A (John Crowley)
Ein ungemein intensiver englischer Independent-Film, der nach seiner Premiere auf der Berlinale 2007 dieses Jahr glücklicherweise noch den Weg in unsere Kinos schaffte. Im Stile Ken Loachs erzählt „Boy A“ eine schwierige moralische Geschichte über einen delinquenten Jugendlichen am Rande der Gesellschaft.
7. Zombieland (Ruben Fleischer)
Eine Zombiekomödie mit Tiefgang. Horrorfilme, die Sentimentalitäten nicht scheuen, sind leider immer noch eine (gern gesehene) Ausnahme. Hat überdies den besten Cameo seit Ewigkeiten zu bieten.
6. City of Borders (Yun Suh)
Regisseurin Yun Suh begleitet in diesem Dokumentarfilm fünf völlig unterschiedliche Menschen, die sich alle regelmäßig in der einzig queeren Bar Jerusalems einfinden. Sie nutzt die heilige “Stadt der Grenzen” dabei für eine ebenso spannende wie geistreiche Meditation über den Nahostkonflikt, die Rechte von Minderheiten und religiösen Fundamentalismus. Sie hat dafür facettenreiche Menschen gefunden, die Unfassbares zu berichten wissen, und die diesen logistisch unheimlich kompliziert inszenierten Film zu einem enorm wertvollen Diskussionsbeitrag machen.
5. The Wrestler (Darren Aronofsky)
Mickey Rourke ist alles, was der konventionell und vorhersehbar gestrickte Film zu bieten hat. Diese Leistung jedoch ist jede Sekunde auf der Leinwand ein Ereignis. Wo das „Rocky“-Reboot an aufgesetzter Milieutreue und Testosteronpathos krankte, nimmt Darren Aronofsky in seinem „Wrestler“ in ungeschminkten Bildern die Kehrseite einer kuriosen Subkultur ins Visier. Ein Film voller Würde und Aufrichtigkeit.
4. Revolutionary Road (Sam Mendes)
Meisterhafte Studie einer Beziehung, zugleich punktgenaues Bild der konservativen 50er Jahre und demaskierendes Panorama einer trügerischen Kleinstadt. Nach „American Beauty“ hat Sam Mendes ein weiteres Mal seine Fähigkeiten im klassischen Melodram unter Beweis gestellt. Und Kate Winslet und Leonardo DiCaprio spielen sich dabei gegenseitig an die Wand.
3. The Hurt Locker (Kathryn Bigelow)
Der bisher einzige aller zeitgenössischen Kriegsfilme, der durch seinen Verzicht auf gängige Inszenierungsmittel am Ehetesten ein Gefühl für die Unübersichtlichkeit und Komplexität einer so unfassbaren Größe wie Krieg vermittelt. Kathryn Bigelows famoses Regie-Comeback.
2. Antichrist (Lars von Trier)
Verstörend, aber vor allem wahrhaftig berichtet von Trier in ästhetisch geradezu originären Bildern von den qualvollen Schattenseiten einer Beziehung. Ein 100%ig intuitiver Film, der zu Deutungen verleiten mag, in seinem Kern aber womöglich gar nicht allzu ernst gemeint ist. Bestechend.
1. Milk (Gus Van Sant)
Brillant ausgestaltetes Biopic über die entscheidenden Jahre des ersten schwulen Stadtrats der Vereinigten Staaten, Harvey Milk. Dustin Lance Blacks faktenreiches und oscarprämiertes Drehbuch setzt „Good Will Hunting“-Regisseur Gus Van Sant als kraftvolles, enorm versiertes Mainstream-Drama um. Der visuelle Ideenreichtum in der Rekonstruktion des politischen und gesellschaftlichen Zeitgeists ist atemberaubend, und nicht zuletzt lebt “Milk“ Film von Sean Penn in der Rolle seines Lebens. Mit Abstand der eindrucksvollste und nachhaltigste Film des Jahres.
0½. Synecdoche, New York (Charlie Kaufman)
Meisterwerk.
Punkt.
Auch gut: Retouches (Georges Schwizgebel), Drifter (Sebastian Heidinger), Christoph Schlingensief – Die Piloten (Christoph Schlingensief, Cordula Kablitz-Post), Zum Vergleich (Harun Farocki), Das Ende des Schweins ist der Anfang der Wurst (John Edward Heys), Gevald (Netalie Braun), Punisher: War Zone (Lexi Alexander), Changeling (Clint Eastwood), Mesrine: L’instinct de mort (Public Enemy No. 1) (Jean-François Richet), Drag Me to Hell (Sam Raimi), Taking Woodstock (Ang Lee), Partly Cloudy (Peter Sohn), Orphan (Jaume Collet-Serra), The Princess and the Frog (Ron Clements, John Musker), Bolt (Byron Howard, Chris Williams), High Life (Gary Yates), Gran Torino (Clint Eastwood), Queer Sarajevo Festival 2008 (Masa Hilcisin, Cazim Dervisevic), Duplicity (Tony Gilroy), Star Trek (J.J. Abrams), Away We Go (Sam Mendes)
Mal Sehen hat auch tolle Filme gesehen:
Die Kommentare aus den schlimmsten Filmen 2009 haben mir mal wieder eins gezeigt: Viele halten Filme für eine Art Ersatzreligion und wenn es möglich wäre, würde jeder auf dem Scheiterhaufen brennen, der etwas gegen “ihre” Filme sagt. Aber die Sonne scheint ja auch für Meckerköppe und die sieht so aus:
Ich fange gleich mal mit dem besten Film 2009, ach des letzten Jahrzehnts an! Was sage ich da: Aller Zeiten!
Ich habe das Buch geliebt und tue es noch immer. Als ich hörte, dass jemand einen Film über Max und seine Freunde drehen wollte, habe ich es ignoriert und als blödes Gerücht abgetan. Wer wäre so blöd einen Film über eine so kurze Geschichte zu drehen. Dann kamen die Poster und ich horchte auf. Wenig später tauchte der erste Trailer auf, mit Arcade Fires “Wake Up”, eines meiner absoluten Lieblingslieder und da war es um mich geschehen! Ich freute mich so sehr auf den Film, dass ich mir sogar Dave Eggers Buch kaufte, auf das der Film letztendlich beruht (quasi der Film zum Buch zum Buch). Der Film berührte in jeder Sekunde und ich gestehe, ganz ohne Scham, dass mir in den letzten Minuten die eine oder andere Träne die Wange hinunterlief. Und das ist mir im Kino noch nie passiert.
Überaschung des Jahres
Mit Abstand die größte Überaschung des Jahres hatte mir Danny Boyle beschert. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Film, das in Indien spielt und sogar eine Bollywood-Einlage hat, mich dermaßen fesseln würde. Die Mischung aus Musik/Bild/Schauspieler war zu Recht oscarwürdig und ist seitdem zu einer meiner Lieblingsfilme geworden. ich war schon nach dem ersten Mal gefesselt, aber als ich mir den Film noch ein zweites und drittes Mal ansah, lachte, schluckte und wütete ich immernoch. Das muss man erstmal schaffen.
Beste Science-Fiction-Doku 2009
Wackelige Handkameras sollten inzwischen nur noch müdes Kopfschütteln hervorrufen, aber ich versuche es trotzdem immer wieder. Das letzte Mal, als ich das Gefühl hatte, dass Kamera genau so sein muss, war bei The Blair Witch Project. Nur dieses Mal kam noch eine gut erzählte Geschichte und ein Hauptdarsteller, der so perfekt auf die Rolle passte, dass ich mich fragte, wie der Typ jemals eine andere Rolle ausfüllen sollte. Bis ich sah, wie er wirklich ausschaut. Guter Typ, der Sharlto Copley.
Beste Fortsetzung des Jahres
Ich mag es, wenn es bummst. Eigentlich müsste ich den Michael-Bay-Fanclub anführen, so sehr stehe ich auf granatenmäßige Explosionen, gut gemachte Prügeleien und Stürze aus hundert Meter Höhe. Wenn das Ganze auch noch schön düster aufgezogen wird, haben wir einen Sieger! So war das auch bei Terminator – die Erlösung. Selten hat eine Fortsetzung so die Kurze gekriegt, wie die Terminator Trilogie (der dritte Teil wird gekonnt ignoriert). Christian Bale ist nicht unbedingt der vielfältigste Schauspieler, aber wenn er spielt, dann aufs Maul! Mit dem vierten dritten Teil der Kampfroboter-Saga wurde wieder ein Science Fiction ganz nach meinem Geschmack auf den Markt geworden.
Eine weitere Überaschung 2009
Damit hätte ich nicht gerechnet. Der Trailer sah stumpf aus und überhaupt ganz abgegriffen. Irgendwann lag ich an einem Sonntag faul in meiner Sofakuhle und dachte über die Filme nach, die die Kleine nie mit mir anschauen würde. Der perfekte Zeitpunkt mir irgendeinen Scheiß anzuschauen, der sonst nur Augenrollen erntet. Da kam natürlich nur Hangover in Frage! Ich sollte mich aber irren, denn der Film war ganz nebenbei so charmant und gleichzeitig witzig, dass ich seitdem versuche die Kleine davon zu überzeugen ihn mit mir anzuschauen, um ein ungefähres Bild meines eigenen Junggesellenabschiedes zu bekommen. Ok, Mike Tyson kam nicht drin vor und ich habe noch alle Zähne beisammen. Außerdem ging ich nicht verloren, aber immerhin kann ich mich an so gut wie nichts erinnern, außer, dass ich mir zwei Stripperinnen aussuchen durften, die (so empfand ich es zumindest in dem Zustand) aussahen wie Sarah Chalke und Christina Ricci!
Nilz N. Burgers Powerliste
Okay. Meine Topfilme des Jahres. Überraschenderweise wird man hier einiges finden, was in der Flopliste der anderen zu sehen ist, aber, Überraschung für einige: Wir sind ja auch 5 verschiedene Menschen. Das muss man sich mal vorstellen! Los gehts:
Terminator 4 – Die Erlösung

Ich weiss gar nicht was ihr alle habt? Ich fand das war ein super Film. Aber, das muss man vermutlich dazu sagen: Ich bin jetzt kein die-hard-Terminator-Fan. Ich mochte die ersten Beiden, fand den dritten unterirdisch doof und war jetzt mit diesem ganzen Endzeitszenario im vierten total zufrieden. Ich fand den Kampf gegen den Riesenroboter an der Tankstelle spannend, fand das Terminator-Cameo am Ende ganz gelungen und war sonst auch spannungsmässig mehr als unterhalten, an dem Freitagabend, an dem ich den Film im Kino gesehen habe. Es ist ja nicht so, als wenn ich Mörderansprüche stellen würde. Die Handlung war in sich stimmig, ob es da jetzt Ungereimtheiten im Terminatoruniversum gibt könnte mir egaler nicht sein. 4 Filme von 3 Regisseuren mit wasweißich wievielen Autoren: Da kann eine gewisse Kontinuität schonmal ins Stocken geraten. A propos Stock: Den könnten sich die Terminator Fans auch mal aus dem Hintern ziehen. Der Film war spannend, hatte Roboter, John Connor und die nötige Portion Coolness. Für mehr steht das Franchise doch eh nicht.
Wie das Leben so spielt

Der dritte (wenn wir “Spanglish” mitrechnen vierte) “ernste” Sandler-Film, auch wenn alle Segel auf Komödie gesetzt sind: Da wäre eben Adam Sandler und so ziemlich sämtliche Kollegen wie Seth Rogen oder Sarah Silverman, Regie führte Judd Apatow, auch nicht gerade ein Drama-Regisseur und alles spielt in der Comedy-Szene. Und dennoch: Hier geht es um etwas Elementares. Um Freundschaft, um Liebe und um das Leben. Sandler spielt ein reiches Arschloch, das mit Menschen wie mit Waren umspringt und als er die Diagnose erfährt, das er wegen einer seltenen Blutkrankheit bald sterben muss, verdunkeln sich die Wolken über seinem Kopf noch mehr. Aber er sieht ein, das er viel verpasst hat und versucht einiges wieder gerade zu biegen. Als er dann erfährt, das die experimentelle Medikation gewirkt hat und er wieder geheilt ist, rechnet man eigentlich mit dem klassisch cheesy “Ich liebe euch alle!”-Wiedergeburtsscheiss. Aber eben der kommt gerade nicht. Ein toller Film, schon alleine deswegen, weil Jason Schwartzman mitspielt und man weiss ja: Filme mit dem sind automatisch gut. Hier stimmt aber auch noch der Soundtrack, die Stimmung und die Tatsache, das das Buch an einer gewissen Stelle plötzlich ganz nah bleibt. Sehr zur Überraschung des Zuschauers. Ich würde meinen: Ich habe hier Apatows “Magnolia” gesehen.
The Hangover

Die Erwachsenen-Version von “Ey Mann, wo ist mein Auto?”. Läuft schön rund und macht sehr viel Spass. Sicher kein Film für die Ewigkeit, aber von nun an eine gute Referenz für Lost-People-Komödien. Da hat der Autor seine Hausaufgaben gemacht. Das Cast stimmt auch und schien seinen Spass zu haben. Wenn auch Cooper für meinen Teil etwas zu sehr darauf bedacht ist, immer schön cool rüberzukommen und er deswegen seine Kollegen manchmal ins Leere laufen lässt. Aber der Film geht mehr als klar. Definitiv eine der besten amerikanischen Mainstream-Komödien im Kinojahr 2009. Den Zahnarzt find ich am Besten…:) (P.S.: Ich finde es in der Tat etwas hahnebüchen dem Film Rassismus und vor allem Frauenhass vorzuwerfen…gehts noch? Da muss man den schon sehr hassen wollen um dem sowas vorzuwerfen – und anderen nicht…)
Willkommen bei den Sch´tis

Ich tu mich ja gerne schwer mit europäischem Kino, vor allem dem französichen. Aber der Film ist wirklich eines meiner Highlights des Jahres. Da ist alles so schön freundlich und angenehm, aber gleichzeitig auch irrsinnig lustig und böse, das ist schon ganz große Komödienkunst, die man da sieht (ohne zu künstlerisch zu sein oder sein zu wollen). Aber ganz abgesehen von dem hervorragenden Film, über den sich selbst meine Tochter beömmeln konnte, sei an dieser Stelle auch noch die Arbeit der Synchronisation gelobt: Mein Schulfranzösisch würde wohl kaum reichen, um diesen Film im Original zu sehen, noch dazu weil es im Grossteil um einen speziellen Dialekt geht. In der Synchro haben sie es geschafft, einen neuen Dialekt zu “erfinden” anstatt einfach nur bestehende zu variieren. Da ist jemand mit superviel Sorgfalt an die Übersetzung gegangen, und es funktioniert ganz grossartig. Meinen Respect! Wer den noch nicht gesehen hat: Un-be-dingt nachholen! Must-see!
Gran Torino

Wow. Er kann es also doch noch. Filme machen, die mich berühren, anstatt nur noch Filme zu machen, die berühren sollen und mich kalt lassen. Ich verneige mich vor Clint Eastwood, der hier eine eigentlich ganz kleine Geschichte erzählt, ja, es ist fast ein Kammerspiel. Aber mit so viel Leidenschaft, Würde und Verve..Der Film ist der Abschied von “Dirty Harry”, obwohl seine Figur ganz anders heisst. Aber er redet, atmet und lebt Callahan in jeder Szene. Der Hammer. Hat mich in den Kinosessel geblasen. DAS ist definitiv ein Film für die Ewigkeit.
Inglorious Basterds

BÄM! Tarantino beweist wieder, das er mehr kann als sich selbst zu kopieren. Was er mir ja schon Eindrucksvoll mit seinem grandiosen “Death Proof” bewiesen hat, spielt er bei den Basterds nochmal umso mehr aus. Und wagt sich auf für ihn bislang unbetretenes Terrain, wie zum Beispiel eine Liebesgeschichte. Und das allerbeste: Es funktioniert! Dieser Film hat alles, was man sich nur wünschen kann. Und beweist wieder einmal mehr: Niemand kann Dialoge/Monologe so schreiben, wie Tarantino. Für mich einer seiner besten Filme. Ich bin gespannt was als nächstes kommt.
Ausserdem war 2009 mein Jahr der Serien: Die zweite Hammerstaffel von “Flight Of The Conchords“, die grossartige Serie “Eastbound and down” sowie das fantastische “Glee” haben mir bewiesen: Ja, Serien sind das neue Kino. Oder so.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Januar 5th, 2010 •
- 58 Kommentare
- Schlagwörter: 2009, Best of the Year, Lists
































































Pingback: links for 2010-01-06 « TV… und so