Die Zeit ist knapp und das Wochenende schon wieder halb vorbei. Hier also wieder ein paar Kurzreviews zu den Filmen, die ich die letzten Woche gesehen habe.
Heute dabei: Friendship! +++ Same Same But Different +++ Surrogates – Mein zweites Ich +++ Fame +++ Der Informant!
Friendship! – Deutschland 2010





Tom und Veit (Schweighöfer und Mücke), zwei Jungs aus der DDR machen sich kurz nach dem Mauerfall auf den Weg nach San Francisco. Weil das Geld aber zunächst nur bis New York reicht, steht ihnen ein turbulenter Road Trip bevor, bei dem sie Land und Leute tatsächlich hautnah kennenlernen.
Keine Woche scheint zu vergehen, ohne einen neuen Film nach einem Drehbuch von Oliver Ziegenbalg. Das ist jedoch keineswegs schlecht, denn nach 13 Semester, liefert er auch mit diesem amüsanten Road Movie wieder unkrampfige Kinounterhaltung, abseits der typischen deutschen Beziehungskomödie. Denn auch wenn es natürlich diverse amouröse Verwicklungen gibt, steht hier die Freundschaft von Tom und Veit im Mittelpunkt der Handlung.
Dabei beweist sich die Besetzung als Glücksfall, denn ohne die stimmige Chemie zwischen Schweighöfer und Mücke, fiele es bisweilen wohl schwerer den mal mehr, mal weniger subtilen Episoden auf ihrem Trip durch die Vereinigten Staaten zu folgen. Und auch wenn der abrupte dramatische Twist am Ende, nach dem fluffig-lockeren Tonfall des restlichen Films nicht so 100% gelungen scheint, bleibt ein gut getimter und auch in den Nebenrollen sympathisch besetzer Streifen, der nur in Ausnahmefällen etwas an die Mini-Serie “Wilder Westen inklusive” und “Out of Rosenheim” erinnert.
Same Same But Different – Deutschland 2010





Ben (David Kross) will sich zusammen mit einem Kumpel eigentlich nur die Hörner abstoßen und Party machen, als er nach Phnom Penh reist. Das ändert sich, als er durch ein Mißverständnis mit Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) im Bett landet und erst am nächsten Morgen merkt, das sie als Bardame arbeitet und Geld für die Nacht erwartet. Es bleibt nicht bei dieser einen Begegnung. Ben verliebt sich und steht plötzlich mitten in der harten Realität einer Beziehung zu einer jungen Frau, aus einer Kultur von der er zunächst so gar keine Ahnung hat…
Buck wagt sich nach Knallhart abermals auf neues Terrain. Nach der Brutalität deutscher Großstädte erzählt er hier eine schwierige Liebesgeschichte, deren Protagonisten sich gegen alle Widrigkeiten, Zweifel und Ängste durchkämpfen. In der wahren Geschichte des Benjamin Prüfer basierende Story, findet Buck dabei eine spannende Vorlage, die er in überraschende und teilweise ungewöhnliche Bilder umsetzt, die es schaffen den Kulturschock, aber auch die Faszination Bens für Sreykeo und ihr Land deutlich zu machen. Insbesondere Apinya Sakuljaroensuk verleiht ihrer Rolle viel Eigenständigkeit, wenn sie zwischen Zuneigung und Skepsis, abgeklärter Nüchternheit und Naivität die Annäherung an Ben sucht.
Souverän und ohne falschen Pathos inszeniert Buck auch Sreykeos Krankheit. Wenn Ben erfährt das sie HIV-positiv ist, hilft die nüchterne, pragmatische Herangehensweise, die Realität dieses Umstandes besser nachzuvollziehen und lässt Ben gleichzeitig als Figur wachsen. Wenn er auf der Straße einen geschwätzigen Ex-Schulkameraden trifft, der ihm ungefragt seine Karriereplanung ausführt und dann fragt “Und was machst du?”, dann hat es etwas bitteres, aber auch entwaffnendes, wenn Ben nur mit “Ich hab grad nen AIDS-Test machen lassen” antwortet.
Die sorgfältig ausgewählte, mitunter verstörend lärmende Musik unterstreicht die Stimmungen dabei trefflich, auch wenn sie bisweilen für genausoviel Iritationen sorgt, wie die kambodschanische Lebensrealität.
Einziger Wermutstropfen, der dem Film jedoch nicht zu sehr schadet, ist Hauptdarsteller David Kross, dessen Ausdrucksreichtum bisweilen doch zu wünschen übrig lässt. Zwar nicht ganz so hölzern wie in Krabat, mangelt es ihm auch hier einfach an Varianz und Tiefe. Zu oft scheint er sich drauf zu verlassen, das er gut aussieht und sich mit buddhistischer Milde durch alle Szenen hindurchlächelt. Ein paar emotionale Szenen, etwa in einer Auseinandersetzung mit einer Ärztin, lassen Potential erkennen, das jedoch nie so recht ausgereizt wird.
Das schadet dem Film nicht sehr, auch wenn sich mir die Frage aufgedrängt hat, ob ein wandlungsfähigerer Darsteller das insgesamt erfreuliche Ganze nicht noch besser gemacht hätte.
Surrogates – Mein zweites Ich (Surrogates) – USA 2009





In der Zukunft leben die Menschen weltweit nicht mehr selbst, sondern nur noch durch lebensgroße Roboterdoubles, die perfekt aussehen und sich bequem von Zuhause steuern lassen. Schwierig wird es nur, als jemand eine Möglichkeit findet diese Surrogates mitsamt den an sie angeschlossenen echten Menschen umzubringen. FBI-Agent Tom Greer (Bruce Willis) soll die Sache aufklären…
Woran liegt es eigentlich, dass die ganzen High-Concept-Filme erzählerisch oft so jämmerlich versagen? Wie in anderen Fällen, hat auch Surrogates eine ganz interessante Grundidee. Doch leider schafft der Film es nie, das Konzept der Surrogates wirklich plausibel zu erklären. Und warum Bruce Willis sich, wenn er die Wahl hat einen perfekten Körper auszusuchen ausgerechnet einen Bruce-Bot mit dem hässlichsten blonden Fiffi jenseits von Wolfgang Joop aussucht, wird wohl auch sein Geheimnis bleiben.
Zugegeben, bis auf das Mördertoupet von Willis, ist der artifizielle Look der Surrogates optisch schon sehr überzeugend gelöst und verleiht den Robo-Ichsen einen beunruhigend irrealen Unterton. Die ersten Minuten des Streifens machen auch noch Spaß und selbst eine hanebüchene Verfolgungsjagd bei dem der Bruce-Bot in die Ent-Surrogatisierte Zone der Technikfeinde eindringt, hat ihre unterhaltsamen Momente.
Das Problem des extrem kurzen Films ist leider, dass er aus seiner Geschichte so gar nichts macht. Mit 88min erweckt er den Eindruck viele Handlungsstränge im Schnitt eingebüßt zu haben und das verbliebene Storyskelett bietet dann aber auch so gar keine Überraschungen mehr und nutzt die sich anbietenden moralphilosophischen, wie praktischen Fragen die sich aus dem Surrogate-Konzept ergeben so gar nicht.
Sowohl Willis als auch James Cromwell (der nur einer von vielen Gründen ist, warum der Film wie ein halbgarer I, Robot-Nachklapp wirkt) bleiben chronisch unterfordert und spielen sich bestenfalls routiniert durch Mostows lustlose Inszenierung, die mehr als einmal wünschen lässt, das Alex Proxas diese Comic-Adaption betreut hätte, anstatt mit Knowing sein eigenes Krippenspiel an die Wand zu fahren.
Fame (Fame) – USA 2009





Teenies versuchen ihr Glück an der New York School of Performing Arts…
Gesichtsloses Remake, das so kalkuliert und glattgehobelt daherkommt, das es sich schon während des Betrachtens im Nichts auflöst. Optisch auf TV-Niveau mit belanglos aufgepoppter HipHop-Musik zugekleistert, bleiben die hübschen MTV-Gesichter genauso ecken- und kantenlos, wie die 08/15-Choreographien. Weder die Probleme der Fame-Kidster noch die Leidenschaft für Tanz oder Schauspiel sind hier real oder mitreißend.
Bestach das Original durch Charakterköpfe und raue Dynamik bleibt hier nur Hochglanzgeblubber mit Darstellern deren größtes Problem es ist, wenn sie sie in irgendeiner Szene mal nicht “stylish” aussehen.
In einer Zeit in der die Serie GLEE im TV genial vormacht, wieviel Potential in der Grundidee steckt, überrascht dieses Remake nur durch seine absolute Mutlosigkeit. Jede Staffel DSDS ist mitreißender als dieses lausige Cash-In, das wohl nur realisiert wurde, weil die Macher sich irgendwie an den HSM-Hype dranhängen wollten.
Der Informant (The Informant!) – USA 2009





Marc Whiteacre (Matt Damon) nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau. Das entwickelt sich nach und nach zum Problem, denn er ist der Hauptzeuge, der dem FBI helfen soll einen großangelegten Preisabsprache-Skandal in der Lebensmittelindustrie aufzudecken.
Auch wenn die einzelnen Elemente dieser fabulösen Lügengeschichte sehr schön sind, leidet die gut gespielte Story immer wieder an Durchhängern. Denn statt aus dem tolldreisten Stück das Maximum rauszuholen, verliert sich Soderbergh in vielen Nebensächlichkeiten, vergisst dabei seiner Hauptfigur und dessen Familie ein echtes Innenleben zu geben und macht es damit unnötig schwierig sich für diese zu interessieren – zumal das Millieu des Schwindels jetzt nicht gerade dazu angetan ist, große Emotionen zu wecken. Ob der echte Whiteacre nun ein amerikanischer Held ist, der zu hart bestraft wurde oder ein pathologischer Lügner, der in erster Linie an seinen Vorteil dachte – lässt der Film angenehm offen.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Januar 25th, 2010 •
- 22 Kommentare
- Schlagwörter: Bruce Willis, david kross, Detlev Buck, fame, friendship, Matt Damon, Matthias Schweighöfer, Review, Same Same But Different, Surrogates, The Informant
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