-”Never get behind old people. Their bodies are littered with hidden metal and they never seem to appreciate how little time they have left. Bingo, Asians. They pack light, travel efficiently, and they have a thing for slip on shoes. Gotta love ‘em.”
-”That’s racist.”
-”I’m like my mother, I stereotype. It’s faster.”
Originaltitel: Up in the Air
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Jason Reitman & Sheldon Turner
Darsteller: Vera Farmiga, George Clooney, Jason Bateman, Anna Kendrick, Melanie Lynskey, Danny McBride





Ryan Bingham (Clooney) ist ein rastloser Geselle. Sein Leben besteht aus Flügen und Reisen und Rauswürfen. Er arbeitet für eine Firma, die sich als Kündigungs-Manager verstehen. Er wird gerufen, wenn die Chefs der Firma nicht wissen, wie sie sich ihrer Angestellten stilvoll und human entledigen sollen.
Wenn er gerade niemanden feuert, hält er Motivationsvorträge darüber, das es sich leichter lebt, wenn man sich an nichts bindet und träumt davon endlich die zehn Millionmarke seiner Vielflieger-Meilen zu knacken – etwas das bisher nur 9 Menschen geschafft haben. Sein sorgsam organisiertes Leben gerät durcheinander, als er die selbstbewusste Karrierefrau Alex (Vera Farmiga) kennenlernt und bald darauf eine junge Kollegin (Anna Kendrick) versucht Ryans Firma effizienter zu gestalten und alle herum jettenden Mitarbeiter zukünftig per Videocall aus der Zentrale arbeiten zu lassen.
Es fällt schwer Jason Reitman-Filme nicht irgendwie zu mögen. Sie sind so fluffig, süffig und von einer baiserartigen Leichtigkeit, die es schwer macht ihnen etwas übel zu nehmen. Zudem geben sie sich regelmäßig den Anschein irgendwie doch ein wichtiges Thema zu umkreisen. Bei “Thank you for smoking” war es die dubiose Welt der Spin-Doctors, bei “Juno” ging es um Teenie-Schwangerschaften und “Up in the Air” scheint oberflächlich von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu handeln. Authentische semidokumentarische Interviews mit tatsächlich gefeuerten Menschen, die wie die Couple-Testimonials aus “Harry und Sally” in den Film gestreut sind, vermitteln den Eindruck: We care, we feel for you.
Doch natürlich ist die Auseinandersetzung mit den Folgen von Arbeitslosigkeit nur neckische Garnitur, denn letztlich wird eine klassische Geschichte von einem Mann erzählt, der es geschafft hat sich davon zu überzeugen, das er kein klassisches Familienleben braucht und der dann durch einige einschneidende Erlebnisse diese Sichtweise zu hinterfragen beginnt. Clooney learns to love.
In der Besetzung der Hauptrollen liegt dann auch die Stärke des Films, denn “Up in the Air” fliegt fast ausschließlich auf Clooneys-Charme und der Chemie die zwischen ihm und Vera Farmiga besteht, Anna Kendrick – die unerfahrene, selbstbewusste Kollegin die noch viel zu lernen hat, wird von den beiden fast wie eine Tochter behandelt und verhindert so ein gequälte Dreiecksgeschichte.
SPOILER AHEAD
Clooney schafft es aus einem eigentlich herzlosen Bastard, der einem höchst zweifelhaften Job nachgeht, eine sympathische Figur zu machen (indem er einfach George Clooney spielt und sich auf sein Killer-Smile verlässt) und findet in Farmiga ein Gegenstück das ihm gewachsen ist. Kein Mädchen, sondern eine gestandene Frau. Ihr Zusammenspiel bietet die besten und stärksten Momente des Films, denn hier wird erwachsenes Flirten gezeigt, weitab von der üblichen neurotischen Nerdarie oder dummem Machogebaggere, das Hollywood ansonsten gerne zeigt. Zusammen mit den Episoden um Ryans Schwester ergibt sich hier eine nette Geschichte, eines im Grunde ganz netten, abgeklärten Kerls, dessen Leben aus den Fugen gerät, weil er sich auf Veränderung einzulassen beginnt.
Das ihm am Ende ernüchternden, bittersüssen Ende die Wandlung zum herzensguten Familienmenschen doch versagt bleibt und sich der Kreis damit schließt, das er in seinen alten Trott zurückkehrt, ist eine hübsch-gezimmerte Wendung, die den Film vor dem ganz großen Schmalztopf rettet, den er ein-zwei Male leicht touchiert.
Reitman erzählt altmodische Geschichten, die er nur hier und da mit modischen Elementen aufpeppt. Er kokettiert mit Anspruch, gibt sich dann letztlich aber doch mit Warmherzigkeit zufrieden und ist damit Frank Capra eindeutig näher als Ken Loach. Das zeigt sich auch stilistisch in einer Inszenierung, die solide ihre Story ins Bild rückt ohne durch Verspieltheiten und Manirismen aufzufallen. Weder harscher Realismus noch übermäßig glossig, lässt Reitman seinem Leading Man die Chance zu glänzen und sympathisch den George zu geben – und die Kamera steht eben auch gerade im Zimmer, so wie sie das bei TV-Filmen oft auch tut.
Da fällt es nur bisweilen auf, das die ganze “Leute feuern”-Storyline wenig mehr als ein Aufhänger ist um Clooney learns to love, bzw to commit, voranzutreiben. Davon lässt man sich aber gerne ablenken, solange die Dialoge blubbersprudelnd einlullen und die romantische Seele in uns allen irgendwie doch hofft, dass der bindungsgestörte Ryan doch noch erkennt, das die wahre Liebe irgendwo auf ihn wartet. Das die Metapher von Ryans Motivatons-Vorträgen dabei in etwa so subtil ist, wie ein Schlag ins Gesicht mit einem nassen Lappen, fällt zwar auf, wirkt aber irgendwie auch altmodisch beruhigend.
Das der Film sehr ernste Themen nimmt und zu Staffage degradiert und dafür sogar noch echte Menschen instrumentalisiert, fällt vielleicht auch erst im Abgang auf, wenn man ein wenig über die doch etwas mutlose Simplizität der Story nachdenkt. Es ist Teil von Reitmans Erfolg (der sich auch in den Oscarnominierungen bemerkbar macht) das er es schafft diese Filme um trendige Themen zu drehen, die irgendwie als “edgy” wahrgenommen werden und doch in ihrem Kern so glatt, konsensfähig und brav sind, das sich wirklich niemand an ihnen stören mag.
Die Attitüde seiner Figuren mag mit dem Code des “Frechen” schäkern, ob nun in “Thank you for smoking” schwarze Witze gerissen werden, in “Juno” ein Backfisch unkorrekt kesse Reden schwingt oder Clooney in “Up in the Air” politisch unkorrektes über Flugpassagiere und menschliche Beziehungen sagt – am Ende ist der Status Quo gesichert. Die Spin Doktoren sind ja im Grunde ganz coole Hunde, die nur wissen wie man “das Spiel” richtig spielt. Juno wird zum Pin-Up-Girl der Pro-Life-Bewegung und George entdeckt, wie wichtig die klassischen familiären Werte sind und ist bereit endlich seßhaft zu werden (was ihm ja dankenswerter Weise dann erspart bleibt, denn Clooney wirkt in der anfänglichen “Ich brauche niemanden”-Attitüde sehr viel mehr mit sich im Einklang, als bei der gewzungen warmherzigen Familienidylle in die ihn der dritte Akt manövriert).
Reitman fordert nicht heraus, serviert leckere Häppchen in einem Film der etwa soviel soziales Gewissen hat wie das Regenwaldsaufen von Günther Jauch.
Und dem kann man ja irgendwie auch nicht wirklich böse sein.
PS: Ein schöner deutscher Titel wäre doch vielleicht Ryan Air gewesen, oder?
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Februar 4th, 2010 •
- 24 Kommentare
- Schlagwörter: Awards, George Clooney, Jason Reitman, Review










































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