Now, let’s all watch as Mr. Talbot in fact does not transform into this wolf creature, shall we?
Originaltitel: The Wolfman
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Joe Johnston
Darsteller: Benicio del Toro, Anthony Hopkins, Emily Blunt, Hugo Weaving, Geraldine Chaplin




Renington




Batzman
Ben Talbot verschwindet, weshalb seine Frau Gwen Conliffe einen Brief an den in Amerika theaterspielenden Bruder, Lawrence Talbot, schickt, der daraufhin zurückkehrt, um das Verschwinden zu untersuchen. Kaum zuhause angekommen findet er Gwen als Witwe und den Bruder tot vor. Genau der war Unterhändler der in der Nähe campierenden Zigeuner und ein bei Ben gefundener Ring deutet auf sie als Spur hin.
Als Talbot die Spur im Camp der Zigeuner untersucht und von Wahrsagerin Maleva über einen Fluch aufgeklärt wird, überfällt ein Werwolf das Lager und metzelt einige Dorfeinwohner zu Brei. Talbot verfolgt das Vieh, das einem Jungen nachjagt, wird selbstverständlich überfallen und gebissen, bevor der Werwolf von den Dorfeinwohnern verjagt wird. Die Wunde heilt unnätürlich schnell, was erstes Mißtrauen von Inspektor Francis Aberline nach sich zieht, der Mond naht, und Tel Toro findet seinen Vater in einer Gruft mit Anschnalldings, in der selbiger sich einschliest und den tranformierenden Lawrence seinem Schicksal überlässt. Nach der ersten Verwandlung wird Talbot in die Klapse gesteckt, gefoltert und vorgeführt, als der Mond reinscheint transformiert Del Tero in The Wolfman und metzelt die Profs.
Schwieriger Film für mich. Das Original habe ich weit über 20 mal gesehen und der Werwolf ist einer der drei Ur-Horror-Archetypen neben Dracula und Frankenstein: The Wolfman, seit 1941 nicht mehr neuverfilmt, nun also das Remake des Ur-Films einer der Ur-Horrormythen. Kurz gesagt: Meine Erwartungen waren nicht grade niedrig, trotz der schon im Vorfeld bekannt gewordenen Schwierigkeiten bei der Produktion.
Zunächst sollte Mark Romanek die Regie übernehmen, der schmiss allerdings Anfang 2008 das Handtuch wegen kreativer Differenzen, woraufhin Joe Johnston (Jumanji, The Rocketeer, Jurassic Park III) übernahm. Rick Baker sollte die Transformations-Szene übernehmen, dann wieder doch nicht, zunächst sollte Danny Elfman den Soundtrack beisteuern, dann doch nicht, dann wieder doch, das Script wurde drölf mal umgeschrieben, es wurden einige Action-Szenen nachgedreht und man kann sich nur ausmalen, was da hinter den Kulissen los war. Die Vorzeichen standen alles andere als gut für The Wolfman. Und das merkt man dem fertigen Film leider an.
Der Film beginnt bleiernd schwer und bleibt auch so. Alles sehr bedeutungsschwanger inszeniert und alles steuert immer auf die unvermeidliche Tragödie zu, alle Charaktere im Film sind immer griesgrämig und finster und schmeißen sich grimmige One-Liner wie „Sometimes the monsters hunt you“ an die Köpfe, wirkliche Tiefe bieten sie dabei aber nicht.
Denn wegen der übermächtigen Tragödie sind die Figuren dermaßen schwermütig überzeichnet, dass sie keine wirkliche Identifikation anbieten. Die Schauspieler sind zwar durch die Bank gut, das Casting auch (Del Toro gibt einen guten Lon Chaney, Jr., der mit seinem Fluch hadert, Anthony Hopkins hat seinen Spaß am diabolischen Vater, Hugo „Agent Smith“ Weaving ist ein hervorragender Scotland Yard-Inspektor und Emily Blunt ist auch dabei, bleibt aber blaß), aber die Trägödie ist so allgegenwärtig, dass die Figuren eindimensional bleiben. Die agieren dafür aber in einem wunderbar gotischen Production-Design.
Wolfman hat wirklich schicke Bilder, die am Ende auch das beste am Film sind, denn kommen wir zu dem Punkt, der wirklich interessiert: Die Transformationsszenen sind gut getrickst, wirken plausibel und auch der umgeknickste Mittelfinger sah im Kino besser aus, als im Trailer und dass ich das Character-Design mag, hatte ich an anderer Stelle hier schonmal diskutiert. Es gibt noch mehr gutes zu sagen:
Wolfman bedient sich bei den richigen Vorbildern: Beim Original sowieso, dessen Geschichte er mindestens um das Doppelte erweitert, darüber hinaus aber auch bei „The Curse of the Werewolf“ und dem Finale von „American Werewolf in London“. Hier macht der Film an einigen Stellen einiges richtig. Die Transformationsszene im Hörsaal der Klinik schrammt knapp am modernen Klassiker vorbei und überhaupt: Jedesmal, wenn der Wolf im Bild ist, brennt die Luft. Hier ist der Film schnell inszeniert und erfreulich heftig für einen Mainstream-Horrorfilm. Da fliegen durchaus Arme und Beine durch die Luft und es liegen Innereien herum. Wörtlich. Gut so.
Das gothische Set ist sehr schön eingefangen, die Bilder im Wald sind schick, die Animation des Wolfman auf seltsam-gute Art ungelenk, der Film bietet sogar den ein oder anderen unerwarteten Schock. Dabei ist er allerdings seltsam geschnitten und die Rückblenden, in denen sich Talbot an schicksalhafte Momente aus seiner Familiengeschichte erinnert, wirken seltsam deplatziert. Man merkt, dass der Film umgeschnitten und -geschrieben wurde, was zu einem holprigen Erzählrythmus geführt hat, der nicht stört, aber auffällt und schließlich mündet „The Wolfman“ in ein beinahe (aber eben nur beinahe) albernes Finale, das dann viel zu schnell endet, dabei aber durchaus packend inszeniert ist.
Am Ende bleibt ein insgesamt guter Mainstream-Horrorfilm mit Mut zu Gore, der nicht der Klassiker wie sein Vorgänger, aber ein gefälliges Genre-Update mit den richtigen Vorbildern ist, der durchaus gekonnt aus alten Hammer Goth-Streifen zitiert und diese visuell updated und der sich für Genrefans durchaus auch im Kino lohnt. (Und gemessen daran, dass der letzte Versuch der Re-Animation von Universals Wolfsmenschen „Van Helsing“ hieß, ist „The Wolfman“ durchaus ein Fortschritt in der neueren Geschichte der Universal Monster Legacy.)

Batzman meint zum Unrated-Cut des Films:
Angesichts der tollen Ausstattung und ehrenwerten Besetzung ist es schon eine rechte Schande, wie unausgegoren und schlecht dieser Film mit seiner problemgeplagten Produktionsgeschichte leider ist. Dabei beginnt es so hoffnungsvoll und weckt in der Tat Erinnerungen an klassischen Horror, aus einer Zeit vor dem hyperkinetischen Schnitt und dem digitalen Monsterinferno.
Doch je weiter der Film sich der unweigerlichen Transformation nähert, desto mehr rutscht er ins Lächerliche und Langweilige. Die Hoffnung mit ordentlich Splatter-Szenen fehlende Spannung zu ersetzen, geht auch hier mal wieder nach hinten los. Zumal viele der digitalen Metzeleien, die in der Unrated-Fassung nochmal aufgejazzt wurden – mal wieder halb so überzeugend aussehen, wie eine Zwischensequenz aus einem Resident Evil Game.
Und bitte was soll dieses Wolfsman-Design? Wenn man sich ansonsten schon so weit vom Original entfernt, das es nicht mal mehr aus der Ferne winken kann, dann wäre es doch ein leichtes gewesen auch dem Wolfsman endlich einen anständigen Look zu verpassen, der in irgendeiner glaubwürdigen Relation zu der von ihm angerichteten Verheerung steht. Hier wird jedoch nur aus einem Benicio DelToro mit Moe Stooges-Gedächnis-Frisur ein Wesen das ausschaut wie Kurt Beck nach einem Wochenende am Ballermann. Ein bißchen eklig vielleicht, aber nicht wirklich gruselig.
Dem Gegenüber steht ein Anthony Hopkins, dem man auch gleich ein Schild “Ich bin der sinistre Bösewicht” hätte umhängen können, so plump wie seine Figur inszeniert wird. Sir Anthony mümmelt sich zudem extrem gelangweilt und monoton durch seine Texte, die er mit dem Selben Enthusiasmus vorträgt, der sonst der Lektüre von Beiblättern zur Anlage C der Einkommensteuererklärung vorbehalten ist. Das sich in seinem Gesicht mittlerweile weniger abspielt als in dem vom Ottfried Fischer, lässt fast vergessen, das dieser Mann im Schweigen der Lämmer mal einen der eindrucksvollsten Schurken aller Zeiten erschaffen hat. Deutlicher kann ein Schauspieler nicht machen, wie sehr er beim Dreh an den Gehaltsscheck gedacht hat.
Wenn der Wolf Man im letzten Akt dann wie weiland Spider-Man über die Londoner Dächer hüpft, hat sich jede Hoiffnung doch noch einen guten Film geliefert zu bekommen, schon lange verabschiedet. Was – wenn man die katastrophale von mehrfachem Personalwechsel geplagte Produktionsgeschichte kennt – zwar nicht verwunderlich, aber doch schade ist. Denn einige Bilder sind wirklich großartig und die anfängliche Atmosphäre verspricht auch so vieles, was der Film dann leider zugunsten dummer Effekte und plakativer Wolfsrangeleien mit unnützem Splatter zuschanden reitet. Das ist kein Howling, das ist einfach zum Heulen.
- Renington Steele •
- Februar 12th, 2010 •
- 28 Kommentare










































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