Review

Die Friseuse (Review)

Standard, 16. 2. 2010, Mal Sehen (Malcolm Bunge), 20 Kommentare

Ist hier eener dick?

Originaltitel: Die Friseuse
Herstellungsland: Deutschland 2010
Regie: Doris Dörrie
Darsteller: Gabriela Maria Schmeide, Rolf Zacher, Ill-Young Kim

[rating:4]

Bevor ich jetzt mit diesem Review beginne, lasst mich erst einmal eine Sache klarstellen: Bis vor einer Woche hatte ich nichts von diesem Film gehört. Am letzten Freitag wurde ich dann in „Valentinstag“ genötigt, einem Film, über den ich nicht schreiben werde, weil ich ihn erst in der Therapie verarbeiten möchte. Allerdings kam vor dem Film der Trailer zu Doris Dörries Film über eine dicke Friseuse, die sich unbedingt selbstständig machen möchte. Vielleicht war es die Angst vor dem bevorstehenden Film, vielleicht auch rückblickend der einzig laute Lacher, den ich an dem Abend von mir gegeben habe, der mich neugierig machte. Zuhause schaute ich mir den Trailer nochmal an und über zwei Minuten lächelte ich am Stück. Kein dümmliches Grinsen, kein Mitleidsschmunzler, sondern ein leichtes Lächeln umspielte meine Lippen. Ungefähr so, als wäre man jemand wirklich nettes begegnet.

Und es bleibt nicht nur beim Trailer so! Bis auf kurze Ausnahmen war der ganze Film ein liebenswürdiger, netter Mensch, der sich im Park die Zeit genommen hat meine Laune aufzubessern. Glaubt mir, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich a) mal einen Doris Dörrie Film schauen und b) den Film hier rezensieren würde.

Kommen wir zur halb wahren Geschichte, um eine arbeitslosen Friseuse, bevor ich wieder so doof zu lächeln beginne:

Kathi ist der grenzenlosen Bürokratie Deutschlands ausgeliefert, als sie sich dem Arbeitsamt hingibt, der ihr eine Stelle besorgen soll. Eine gescheiterte Bewerbung später kommt sie an einem frisch geschlossenen asiatischen Restaurant vorbei. Sofort geht ihr ein Licht auf: Sie macht sich selbstständig! Nur leider fehlt ihr das Geld, um die Miete und Kaution vorzuschießen und so verdient sie sich nebenbei etwas als mobile Friseuse und Menschenschmugglerin.

Kathis Laune ist nicht totzukriegen. Sogar wenn sie melanchonisch wird, lächelt sie gänsehauterregend und wenn doch Tränen fließen, ist es nur eine Frage von Minuten, bevor sie sich zusammenreißt und beschließt die Welt umzukrempeln, damit ihre Pläne in Erfüllung gehen. Nicht einmal die Diagnose MS (Multipler Sklerose) kann ihre Laune lange trüben. Dabei ist es keine aufgesetzte, nervige gute Laune, sondern natürliche Lebensfreude. Die Szenerie in Berlin-Marzhan tut ihr übriges, um die Atmosphäre zu perfektionieren. Gestellt ist nichts und wer schonmal in der Gegend war, weiß, dass Spaß das letzte ist, was man dort zu erwarten hat. Das macht Kathi König aber mal so gar nichts aus und so strahlt die gute Frau Gabriela Maria Schmeide aka Kathi König einfach die Betonfassaden weg!

Dass Doris Dörrie vielleicht auch ein kleines bisschen provozieren wollte, würde ich jetzt mal nicht von der Hand weisen. Entweder das, oder sie hat sich wirklich nichts dabei gedacht, als sie die Hauptdarstellerin mehrfach nackt über die enorme Leinwand huschen ließ. Aber selbst als man denkt: „OhGottOhGottOhGott! Das ist…viel!“ muss man lächeln (nicht grinsen!).

So, und jetzt nochmal der Trailer, gute Laune schöpfen und dann aber ab an die Arbeit!

Die Friseuse bei Youtube

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20 Kommentare

  • Reply Ken Loach-Hasser 16. 2. 2010 at 14:17

    Sieht okay aus – aber an welcher Stelle im Trailer war denn der Lacher versteckt?

  • Reply Mal Sehen 16. 2. 2010 at 14:25

    Bei der toten Omi musste ich doch laut lachen!

    Bin ich jetzt ein schlechter Mensch..?

  • Reply Kiran 16. 2. 2010 at 14:28

    Oh man…ich dachte gerade schon der http://de.wikipedia.org/wiki/Kim_Jong-il
    würde in dem Film mitspielen. Aber NEIN!

  • Reply Butters 16. 2. 2010 at 15:15

    hehe – ging mir genau so

  • Reply Schwarzmaler 16. 2. 2010 at 15:32

    Das ist doch mal eine Werd-ich-mir-anschauen-Empfehlung.

  • Reply jAnsen 16. 2. 2010 at 15:45

    ohne die aufgesetzte „dv-home-video-wir-sind-ja-sowas-von-live-dabei“ optik würde mir der sehr charmante trailer noch besser gefallen.
    aber hochwertig geschossene filme will ja in deutschland scheinbar niemand machen…

  • Reply Mal Sehen 16. 2. 2010 at 15:49

    Ja, im Trailer ist mir das jetzt auch nochmal aufgefallen. Im Film nicht ein einziges Mal. Aber ich weiß was du meinst..

  • Reply Biedermann 16. 2. 2010 at 16:26

    Bah, so ein anbiedernder Trailer allein schon, da spürt man ja 2 Minuten lang permanent, wie man von der Seite mit dem Ellenbogen angestupst wird, weil wir ja so lustig sind. Nudge Nudge in Reinkultur ist das, aber doch kein guter Film.

  • Reply Mal Sehen 16. 2. 2010 at 16:30

    Das hätte ich auch gedacht, aber wenn man erstmal in dem Film sitzt, wird man eines besseren belehrt! Mir kannst du glauben – ich hasse eben solche Filme, wie du sie beschreibst, aber der da gehört nicht dazu.

  • Reply Dr.Seltsam 16. 2. 2010 at 16:38

    Doris Dörrie dreht einfach gute Filme. „Nackt“ fand ich gut, „Hanami“ auch, „Bin ich schön“ und „keiner liebt mich“ verwechsel ich immer. Einen davon fand ich doof.. den anderen aber dafür bezaubernd. Jedenfalls schaue ich mir lieber nen Film von Dörrie an… als nen deutschen Roadmovie wie „Friendship“… meine Fresse kann einem der Schweighöfer auf den Arsch gehen.

    ;)

  • Reply Gerrit 16. 2. 2010 at 17:35

    Der wird im Ausland unter dem Titel „Fatty-go-lucky“ vermarktet.
    Sorry, der musste raus :-)

  • Reply Kiran 16. 2. 2010 at 20:48

    ARRRGGHHH….und warum zum Teufel müssen die dann diese Gypsy-Mukke im Trailer laufen lassen. Wertet dat den Film so international auf jetze oder wie?

  • Reply panzi 17. 2. 2010 at 4:49

    Vom Trailer her wirkts wie ein typisscher Elfi Eschke Film.

    Und bei dem Title müsste der Soundtrack eigentlich von die Ärzte sein. :P

  • Reply Gerrit 17. 2. 2010 at 9:06

    Die erste Szene im Film erinnert mich stark an einige meiner Kollegen.

  • Reply CheeseSteakJim 17. 2. 2010 at 11:44

    Naaaaaajaaaaaaaa =/

  • Reply GunGrave 17. 2. 2010 at 12:43

    … der Trailer fängt langweilig an und steigert sich dann enorm… die Oma… frisieren nicht frittieren… ^_^ … auf DVD sicherlich mal … so fürs Kino nix!

  • Reply random hero 17. 2. 2010 at 16:02

    Gypsy-Mucke? Mann, das ist doch ein fettes Lied. Und zwar von Labrassbanda aus dem bayrischten Bayern vom bayerischen Meer dem Chiemsee.
    Und ja, die Musik wertet den Film definitiv auf!

  • Reply Andi 17. 2. 2010 at 17:00

    Hmm, dein Humor scheint wirklich sehr speziell zu sein… Aber schön zu sehen, daß Rolf Zacher, der alte Sack, immer noch im Geschäft ist. :D

  • Reply Der Conny ihr Pony – Hü! Hü! Hü! Pony, Hü! | Die Fünf Filmfreunde 20. 2. 2010 at 21:36

    […] Conny ihr Pony – Hü! Hü! Hü! Pony, Hü! Als ich letztens Die Friseuse in der Sneak schaute, kam vorher noch ein Kurzfilm, wie das bei den Sneaks dort Tradition sind. […]

  • Reply marielle 21. 2. 2010 at 22:30

    beim anderen trailer wird etwas albern wie bei „hairspray“ rumgetanzt – da ist dieser schon besser.

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