Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (Review)

15 Comments

“You don’t have a lucky crack pipe?”

Originaltitel: The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Nicolas Cage, Eva Mendes, Val Kilmer, Xzibit, Jennifer Coolidge, Fairuza Balk, Brad Dourif, Shawn Hatosy, Denzel Whitaker, Shea Whigham
★★★★☆ Jet Strajker
★★★½☆ Batzman

Die Ankündigung war kurios genug: Ein Remake des Abel-Ferrara-Films “Bad Lieutenant” von Werner Herzog mit Nicolas Cage und Eva Mendes in den Hauptrollen. So kurios eigentlich, dass man dahinter nur ein ausgeklügeltes Marketing- und letztlich auch Autorenfilmkonzept vermuten musste. Natürlich ist Herzogs jüngste Regiearbeit eine entsprechend komische Cop-Thriller-Variation, die sich im ausgeprägten Bewusstsein ihrer absurden, trashigen und sanft subversiven Qualitäten durch Genre- und Hollywoodklischees tänzelt, einer eigenen Logik folgt und der Frage nach Ernsthaftigkeit dabei stets elegant ausweicht. In “Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans” (!) inszeniert Herzog edgy und unbekümmert aus reiner Intuition an nahezu allem vorbei, was innerhalb des Genres oder der vagen Vorlage von Relevanz wäre. Es ist ein ausnahmslos köstlicher Film.

Worum es hier inhaltlich geht ist absolut irrelevant, die Geschichte ist fad, löchrig und unglaubwürdig, sie entspricht außerdem grob dem konventionellen Verlauf konventioneller Thriller. Und so hangelt sich Nicolas Cage als ‚Cop ohne Gewissen’ durch einen wirren detektivischen Korruptionsdschungel, an dem Herzog keinerlei Interesse bekundet. Statt stringent, schlüssig und spannungsorientiert zu erzählen, kümmert sich der Regisseur mehr um die Ausgestaltung eines bestimmten Vibes, einer – natürlich – spirituellen Energie, die er in New Orleans verortet sieht. Wenn ihm der kriminalistische Plot seines eigenen Films also selbst zu langweilig, bunt oder konfus erscheint, filmt er ein handlungsrelevantes Ermittlungsgespräch im Büro beispielsweise aus der verzerrten Untersicht zweier Leguane, und auch durch die Schnauze eines riesigen Alligators beobachtet Herzog das Geschehen einmal. Das ist in seinem völligen Verzicht auf die Konventionen eines solchen Films zumeist urkomisch und unbedingt konsequent, immerhin folgt “Bad Lieutenant” einem ständig zugekoksten Titelantihelden – in jeder Beziehung komplett off.

So etwas ist weniger als Remake oder Neuinterpretation zu fassen, wenn überhaupt, dann hat Herzog eine Art Fortsetzung, Ergänzung oder augenzwinkernden Nachzügler geschaffen. Am Ehesten funktioniert der Film in solch einem Rahmen noch als sinnstiftender Beleg für den unnützen Zweck eines Remakes, als Verballhornung des Irrtums, ein Film müsse noch einmal aufgelegt oder modernisiert werden. Dem ist nur mit überlegener Ironie entgegen zu halten, und vermutlich hat Herzog deshalb die schnarchige Eva Mendes, die in Dutzenden solcher Filme die ewig passive und letztlich schlimmster Misogynie entsprungene Möchtegern-Femme-Fatale geben musste, und den mittlerweile auf A-Trash-, diversen Adaptionen und Rip-Offs abonnierten Nicolas Cage besetzt. In den Standardrollen ihres beschränkten Œuvres werden sie nun gegen den Strich gebürstet, ob in- oder außerhalb des gewitzten Herzog-Konzepts bleibt allerdings offen. Gut vorstellbar, dass Cage womöglich tatsächlich mit aller Mühe einen abgehalfterten Polizisten, statt völlig losgelöst gegen seine Rollenklischees anspielt. Es ist seine beste Performance seit Jahren.

Ob Herzog ihn mit seiner changierenden Darstellung, die in nahezu jeder Szene den Ton wechselt, nun zum neuen Kinski hochstilisieren oder ihn als dessen Parodie anzulegen versucht – es ist genauso ein Rätsel wie die anzunehmende Metaebene des Films. Dass das alles ein vergnügliches Späßchen ist, dafür spricht sicher schon die verdächtig inszeniert erscheinende Debatte im Vorfeld: Ferrara schimpfte böse über die Ankündigung eines “Bad Lieutenant”-Remakes, woraufhin Herzog beteuerte, weder ihn, noch seinen Originalfilm gesehen zu haben. Alles eine große Koketterie. Wahrscheinlich. So lange dieser Film jedoch als Komödie funktioniert, mag das alles nur verzichtbare Spekulation sein: Werner Herzogs “Bad Lieutenant” ist dieser Tage der schönste Ulkfilm aus Hollywood.

Batzman Batzman meint:

Ein unglaublich trashiger Nicolas Cage darf hier mal wieder zeigen, das er doch noch Unterhaltungswert besitzt. Nicht als ernsthafter Schauspieler, aber als grandios grimmassierende Karikatur. Mit dem Ferrara-Klassiker, der sich ja eher auf gedämpft-brütende Stimmung verließ, hat das Ganze natürlich außer dem Titel nicht viel zu tun.

Herzog erzählt ein überhöhte Geschichte vor dem Hintergrund des Post-Katharina New Orelans, voller epischer Figuren, die direkt aus einer Pulp-Novelle entsprungen scheinen. Das macht alles nicht viel Sinn und hat mit einer glaubhaften Story auch nicht viel am Hut, ist aber zweifelsohne auf eine verdrehte Art recht unterhaltsam. Cage als bekokster Hampelmann mit haluzinierten Leguanen sprechen zu sehen, ist alleine den Film wert. Herzog, weird wie immer.

In : Review

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Rajko Burchardt mein es gut mit den Menschen. Die Spielwiese des Bayerischen Rundfunks nannte ihn vielleicht auch deshalb "einen der bekanntesten Entertainment-Blogger Deutschlands".

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  • Gerrit

    Den Schauspielern Dummheit zu unterstellen zeugt von einem nicht unerheblichen Maß an Arroganz. Mir ist zudem nicht ganz klar geworden, was an dem Film so toll sein soll.

    Scheint wohl eine Art Farce im Stil von “Big Lebowski” zu sein oder was darf aus der Formulierung “edgy und unbekümmert aus reiner Intuition an nahezu allem vorbei” schließen? – Das Zitat trifft in gewisser Weise auch auf dein Review zu.

  • Anmerkungsmann

    Ich finds auch doof den Film so zu behandeln und auf das Brechen von Konventionen zu subsumieren, ihn dabei als großen Scherz zu bezeichnen. Kino funktioniert nicht ohne Konventionen und auch dieser Film folgt ihnen (auch in Hollywood gängigen). Er ist abgesehen von einigen wenigen Szenen nicht wirklich “edgy”, mal abgesehen von erwähnten Leguanen und den Szenen im Haus des Dealers.
    So wie du hier über Herzog, Cage und Mendes mutmaßt, möchte man ja meinen du warst dabei. Woher willst du wissen, dass Herzog dass nur als Witz bezeichnet? Der macht doch schon lange nichts lustiges mehr.

  • flatterratte

    Wer bist Du, und was hast Du mit Jet gemacht?

    Nee, mal im Ernst: Sehr schönes Review. Macht Lust auf den Film, ohne ihn in den Himmel zu loben.

  • Hell-G

    Bloß nicht auf deutsch schauen. Dann nämlich ist er um 30% weniger komisch. Was wiederum gut ist. Irgendwie.

  • Pingback: Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen: Kinostart, Trailer, Review und so | Lieutanent, Fuenf, Lieutenant, Herzogs | Serien-Load.de

  • http://cheesesteakjim.blogspot.com/ CheeseSteakJim

    Ich versteh’ die Kritik nicht, sry.

  • ScheichHabib

    Die Kritik kann man auch nur verstehen wenn man den Film gesehen hat. Man wird die ganze Zeit das Gefühl nicht los, das Cage hier nur aufgrund seiner (youtube sei dank) neuen Trash Popularität besetzt wurde, so spielt er hier. Wer den Zusammenschnitt der Best Worse Moments aus “Wicker Man” kennt und mag, der darf sich freuen, den hier ist JEDE Szene mit Cage so urkomisch und übertrieben das es Absicht sein muss. Ob sich Cage dessen bewusst war weiss man natürlich nicht, ich denke aber schon. UNd lustig gemeint ist der Film GANZ sicher, das wird spätestens in den Szenen mit Breakdance tanzenden Seelen und den (mit Handkamera und deshalb deplatziert wirkenden) Leguanen deutlich.

  • Kiran

    Danke für das gute Review! Da ich als heimlicher Cag-Fan(nun nicht mehr) sowieso fast jeden seiner Filme sehe, steht dieser auf meiner Must-See-List :D

  • GunGrave

    … wow – der erste Absatz hat mich schon überzeugt… wohl doch ein Fall fürs Kino! Danke!

  • KodyMonstah

    Köstlich, einfach nur köstlich. So hab ich Nicolas Cage noch nie gesehen. Nun werd’ ich mir wohl doch mal “Leaving Las Vegas” und ein paar Herzog/Kinski-Happen geben…

  • Pingback: konkatenation.de

  • bale

    wow, kann dem review nur beipflichten! eine absolute sause. zuerst musste ich auch dreimal überlegen, ob cage das überhaupt mitbekommt wie ihm hier geschieht.

    mein lieblings-chara im film ist eindeutig der “whoooOOooaaa BIG MISTAKE!!” guy =)

    großartiges ende, mit cage vor dem fischtank wie er einfach nach langem vorlauf losprustet.

  • Pingback: Kurzreviews: My Son, My Son, What Have Ye Done / Triangle / Descent 2 / Greenberg / The Loved Ones / Die Horde / Harry Brown / The Town (Review) | Die Fünf Filmfreunde

  • mr_wulf

    du hast nicht ernsthaft “edgy” benutzt ?!

    das sagt eigentlich schon alles….

  • mr.bungle

    ein cage film eben. ich steh so sehr auf den Typen, dass ich mir den smurfs Film ansehen würde, wenn Cage als Gargamel drin vorkäme.
    und zu Bad Lieutenant: muss unbedingt einen song schreiben, bei dem der satz “you gotta shoot me twice cuz my soul is still dancing” vorkommt.

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    Part of the cast of Avengers: Age of Ultron.

    07/27/14

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    unamusedsloth:

    No CAPES!

    07/25/14

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    strikerhercules:

    » Because only Vin Diesel could ever be ridiculously nerdy enough to attend the UK world premiere red carpet for Guardians of the Galaxy wearing a “I am Groot” t-shirt and walking on stilts

    07/25/14

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    Eeeewwwww

    07/24/14


  • Ohgott Transformers!


    07/12/14