“I wanna talk about how bad you make this room look. I never knew what a dump it was until you came in here.”
Originaltitel: Crazy Heart
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Scott Cooper
Darsteller: Jeff Bridges, Maggie Gyllenhaal, Colin Farrell, Robert Duvall, Beth Grant, Sarah Jane Morris, Tom Bower, Luce Rains





Crazy Heart. Mit einer verbraucht klingenden, tiefen rauen Stimme besingt Ryan Bingham im Titelsong dieses Films das Schicksal der einstigen Musiklegende Bad Blake: “Your body aches’ / Playing your guitar and sweating out the hate / The days and the nights all feel the same / Whiskey has been a thorn in your side / and it doesn’t forget / the highway that calls for your heart inside”.
Man sieht Blake als abgehalfterten Countrysänger von Bar zu Bar torkeln, jede Nacht spielt er seine Hits aus vergangenen Tagen vor kleinem Publikum. Sein Stolz aus besseren Zeiten scheint ungebrochen, erst wenn er sich vor Hinterausgängen übergeben und anschließend erniedrigende Telefongespräche mit seinem Manager führen muss verdeutlichen sich Demut und Enttäuschung über ein Leben, das irgendwann in eine falsche Richtung ausgeschlagen ist. Dem Alkohol verfallen, lebt Blake ein Leben aus dem Koffer, zwischen Highway und Truckstop, zwischen kleinen Gigs und der Erinnerung an jene Zeit, in der er ausverkaufte Konzerte vor tausenden Zuschauern spielte.
Jeff Bridges ist Bad Blake. Er IST dieser süffige Sänger mit der abgeschabten Gitarre, der alternde Country-Star mit der rauen Schale und dem weichen Kern. Würde er mit dieser Rolle nicht den Oscar nach 40 eindrucksvollen Jahren im Filmgeschäft nun endlich sicher in der Tasche haben, man müsste ein weiteres Mal ernsthaft beklagen, warum einer der brillantesten, subtilsten, wandlungsfähigsten, charismatischsten, meistunterschätzten amerikanischen Schauspieler noch immer als so etwas wie ein Geheimtipp gehandelt wird. Bridges hat viele ikonische Figuren interpretiert oder ganz gewöhnliche zu Ikonen hochgespielt – Bad Blake nun ist mit Sicherheit eine von ihnen. Es ist sein Film, jede Minute, jede Einstellung. “Crazy Heart” ist ganz auf Bridges zugeschnitten. Aber, und das ist einer der wesentlichen Unterschiede zum durchaus vergleichbaren “The Wrestler”, er spielt lediglich eine Rolle, er evoziert keine autobiographischen Verbindungen und stellt auch keine Nähe zu ihnen her. Es ist kein Comeback-Film und auch kein Aufmerksammachen auf einen der größten lebenden Schauspieler, es ist nur eine Rolle, die präzise, glaubhaft und authentisch erscheint.
“Crazy Heart” kann es sich mit seinem überragenden Hauptdarsteller deshalb leisten, ein konventionell erzählter, überschaubarer und mitunter durchaus Klischee beladener Film zu sein. Vielleicht muss er das sogar, um Raum für Bridges zu schaffen. Die Geschichte nämlich, nun ja, man hat sie schon einige Male erzählt bekommen, am Ähnlichsten noch in “Tender Mercies” mit Robert Duvall, der hier wohl nicht zufällig als Produzent und Nebendarsteller fungiert. Es ist das einfach gehaltene, gradlinige, klassische Konzept eines heruntergewirtschafteten Mannes, der sich durch die Kraft einer Frau wieder aufrappelt. Maggie Gyllenhaal spielt diese Frau, eine lokale Journalistin, die sich in den deutlich älteren Sänger verliebt. Der enorme Altersunterschied gehört ebenso wie die mitunter etwas sehr komprimierte Läuterung des Alkoholikers Blake zu den weniger plausibleren Elementen im Drehbuch des Regiedebütanten Scott Cooper, der ansonsten einen soliden Job macht und sich immerhin das Vertrauen eines erfahrenen Altstars wie Bridges zu erarbeiten wusste.
Es bleibt ein Film, der sein Herz am rechten Fleck, der wirklich so etwas wie eine Seele hat. Der mit Gyllenhaal und besonders Colin Farrell als ungleich erfolgreicherem Countrysänger auch in den Nebenrollen wunderbar besetzt ist. Und der mit herzzerreißenden Songs aus der Feder von Stephen Bruton und T-Bone Burnett eine leidenschaftliche Qualität besitzt. Das hier ist Musik, die in Verbindung mit den Bildern des Films nichts vorgibt, sondern wirklich zu wissen scheint, was ihre wehmütigen Texte und sanften Gitarrenklänge behaupten.
Der Beweis:
- Jet Strajker •
- März 3rd, 2010 •
- 14 Kommentare
- Schlagwörter: Crazy Heart, Drama, Jeff Bridges, Music, Review
3 Trackbacks
- 04.03.2010 - Kinostart: Männer die auf Ziegen starren, Crazy Heart, Alice im Wunderland, .. [...]
- 08.03.2010 - Oscar-Nachlese 2010 | Die Fünf Filmfreunde
- 22.10.2010 - Crazy Heart | Metatrash


















Ach …. ich freu mich auf den Film!
Kommentar #1 von Marcus am 03.03.2010 um 12:48 Uhr
“Jeff Bridges ist Bad Blake”
Also Jeff Bridges ist in erster Linie der Dude, Mann!
Kommentar #2 von Dax am 03.03.2010 um 13:22 Uhr
Danke!!! Endlich mal ein tolles Review OHNE Spoiler… Sowas geht nämlich tatsächlich auch. Und man kann sich auch wirklich noch auf den Film freuen. A+
Kommentar #3 von Ced am 03.03.2010 um 13:28 Uhr
Interessant, dass an dieser Stelle mal die Clichéebeladene Handlung und die große Vorhersehbarkeit runtergespielt werden, weil da jemand eine gute schauspielerische Leistung abliefert. Mit gut meine ich: Bad Blake ist der Dude in traurig, was schwer zu spielen ist, aber für jemaden wie Jeff Bridges dann eben wieder doch nicht so. Ihm dafür tolles Schauspiel zu attestieren zeigt in erster Linie, wie wohl man sich bei dieser Art Filmcharakter fühlt.
Ich glaube, das war der Film in erster Linie für mich: Ein Wohlfühlfilm, für den man sich nachher nicht vorwerfen lassen muss, auf Kitsch zu stehen. ‘Cause it’s got Jeff Bridges in it.
Kommentar #4 von killknopf am 03.03.2010 um 16:56 Uhr
@Ced:
Full Ack!
Kommentar #5 von Irreversibel am 03.03.2010 um 20:11 Uhr
Jepp! Ich mochte den auch!
Kommentar #6 von Cathrin am 05.03.2010 um 10:50 Uhr
Wohlfühlfilm! Das ist das Wort!
Kann den Soundtrack zum Film übrigens nur empfehlen, auch wenn das sonst nicht direkt meine Schiene ist. Bridges’ Songs sind einfach lässig und cool und kommen ohne den Film und in voller länger super lässig rüber!
Kommentar #7 von dlb am 07.03.2010 um 22:08 Uhr
… liest sich gut – kommt noch dran!
Kommentar #8 von GunGrave am 08.03.2010 um 13:56 Uhr
Wohlfühlfilm? Also ich hab nur bis zum Ende durchgehalten ’cause it’s got Jeff Bridges in it.
Der Flim ist ungefähr so unterhaltsam und überraschend wie Kaffeetrinken mit der Verwandtschaft – alles tausend mal erlebt.
Kommentar #9 von peppone am 10.03.2010 um 03:25 Uhr
hat jemand von euch eine Ahnung ob es den Song “The Weary Kind” auch irgendwo von Colin Farrell zum download oder kauf gibt? Fand seine Stimme am Ende nämlich wirklich gut aber auf dem Soundtrack ist diese Version ja nicht drauf…
Kommentar #10 von Mario am 22.03.2010 um 15:40 Uhr
Habe den Film vor knapp 2 Wochen gesehen. Er hat mich so bewegt, dass ich die halbe Nacht nicht richtig schlafen konnte. Ich musste immer an das Schicksal des einsamen Bad Blakes denken…großartige Leistung von Bridges. Er macht sich die Rolle wirklich zu eigen. Auch die Liebesgeschichte wirkt sehr authentisch. Ich bin kein Ami und weiß daher nicht inwieweit die Story einem Klischee entspricht. Ich glaube Klischees machen nun mal einen großen Teil der Realität aus.
Ein wunderbarer Film. Kann ich nur jedem ans Herz legen.
Kommentar #11 von Vic am 20.10.2010 um 14:35 Uhr