Jerry Cotton (Review)

22 Comments

“Wo seid ihr meine Freunde…?”

Originaltitel: Jerry Cotton
Herstellungsland: Deutschland 2010
Regie: Cyrill Boss / Philipp Stennert
Buch: Boss, Stennert. Andreas Gaw
Darsteller: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Mónica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch, Joram Voelklein, Jürgen Tarrach, Janek Rieke, Herbert Knaup, Moritz Bleibtreu

★★½☆☆

Jerry Cotton (Christian Tramitz), der beste Mann des FBI soll den Mord an einem dubiosen Unterwelt Sammy Serrano (Moritz Bleibtreu) aufklären. Er ist gar nicht begeistert, als ihm nach dem schweren Unfall seines letzten Partners, der ebenso übereifrige wie unerfahrene Phil Decker (Christian Ulmen) zur Seite gestellt wird. Doch das ist nur das geringste seiner Probleme…

Cottons Jerry, in dem Christian Tramitz markant posend auf den Spuren George Naders wandelt, bleibt leider ein eher halbgares Vergnügen. Viel Potential, musikalische Referenzen auf die legendäre Original-Musik von Peter Thomas und ein sehr gelungenes Intro trösten leider nur bedingt über den insgesamt sehr durchwachsenen Gesamteindruck weg.

Das Drehbuch bietet schon einige gute Gags, doch das Timing sowohl in Spiel als auch Schnitt hängt ständig durch. Immer verweilt die Kamera einen Tick zu lange auf der Action und viel zu oft scheinen die Darsteller Lachpausen zu lassen, anstatt die Dialoge einfach schnell und natürlich abzuliefern. Was Stennert und Boss beim zweiten Teil von Der Wixxer und in wenigen Folgen der Pro7-Märchenstunde noch gelang, mit todernster Miene extrem alberne Scherze zu servieren, gleitet hier leider oft in die Regionen des unwitzigen TV-Klamauks ab, bei dem nach Gags schonmal das Pointengesicht aufgesetzt werden darf.

Die Optik schwankt ebenfalls zwischen gelungenen Einfällen und Bildern die trotz des unzweifelhaften Aufwandes doch irgendwie “klein” wirken. Natürlich könnte man das als Referenz auf die alten Filme lesen, denn auch dieser Jerry Cotton entstand wie sein 60er Jahre Vorgänger hauptsächlich in Deutschland und nicht in New York, viel näher liegt aber die Interpretation, das die beiden Regisseure sich einfach mit dem ganz großen Kinobild doch ein wenig schwer tun (ein Umstand der sich ebenfalls bereits in Neues vom Wixxer abzeichnete).

Die Chemie zwischen Tramitz und Ulmen braucht ebenfalls um in die Gänge zu kommen, zu unterschiedlich sind ihre Herangehensweisen, zu unterschiedlich ihr komödiantischer Ansatz. Ulmen spielt als Cottons Standard-Partner Decker (der in der Romanserie eine lange Tradition hat, dort allerdings kein reiner Comic-Relief ist) im wesentlichen seine Doktor Psycho Rolle weiter (mit einem Hauch Pastewka und Herbst), während Tramitz weder konsequent den Straight Guy, noch die Karikatur gibt und diesen Cotton deswegen etwas unfokussiert wirken lässt. Das Ulmen dann teilweise ins grotesk, chargierende geht und in seinen ebenso bizarren wie künstlich-aussehenden Masken dann vollends ins Blödsinnige driftet, lässt zudem mit dem schalen Geschmack zurück, das ein derart sympathischer und talentierter Kerl wie Ulmen, der in “Mein neuer Freund” wirkliche Kabinettstückchen ablieferte, sich hier gerade ziemlich zum Affen macht.

Das die Story auch genausogut als Vorlage für “Der Wixxer III” dienen könnte, macht es nicht einfacher, denn offiziell versucht “Jerry Cotton” ja keine Parodie zu sein, sondern eine humorvolle Neuinterpretation der Serie.

Es bleibt am Ende schwierig: Viele gute Ideen, viel unverkennbare Liebe zum Detail, zur Serie und guter Wille, einige gut geschriebene Gags kontrastieren mit dem in deutschen Komödien scheinbar unvermeidlichen Cameo-Overkill, dem schlappen Timing und der oft durchhängenden Spannungskurve, so dass am Ende eher der Eindruck zurückbleibt eine überlange Bully & Rick oder Tramitz & Friends-Folge gesehen zu haben, als einen eigenständigen Spielfilm.

Mal wieder: Schade.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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22 Comments

  1. Peter

    Die Anwendung von “das” und “dass” ist eigentlich so einfach…

  2. Mike

    Schöne Review, ziemlich genau so hab ich mir den Film auch vorgestellt… da kann ich mir das Kinogeld wohl sparen.
    Nebenbei: So sprachlich schön und teils elegant Deine Reviews zu lesen sind – mit dem “das” vs. “dass” tust Du Dir manchmal etwas schwer. Allein oben hast Du drei Mal die falsche Variante gewählt, das wirkt dann nicht aus einem Guss. Schade.

  3. Kiran

    Bei dem Namen “Cruz” auf dem Poster soll man wohl an Penelope denken :D

  4. Hans

    @Kiran:
    Es ist immerhin die Schwester von ihr, also wäre das gar nicht so daneben.

    Ansonsten kommt der Film in diesem Review noch besser weg als in den meisten anderen (nicht-werbenden) Reviews.

  5. Johnny

    dass, das, dass, das, dass, das, dass, das…

    Ist Euch bewusst, dass es ein ‘DASS’ mit DOPPEL-S gibt? Falls ja, dann guckt mal hier, wann man es verwendet: http://www.das-dass.de/

    Ich bin ja nun wirklich kein Rechtschreib-Fanatiker, aber einfachste Grammatik darf man doch von Redakteuren erwarten?

  6. Ivor Bigbotty

    Da man das dass im Gesprochenen auch nicht von dem das ohne zweites s unterscheiden kann, kann es nicht so wichtig sein =)

  7. Batzman

    An dieser Stelle zitiere ich immer gern Bruce Willis der mal schrieb: Proofreading is for pussies.

  8. Anmerkungsmann

    Ganz einfach: wenn man es das “das” nach dem Komma mit “welche(s)” ersetzen kann, hat es ein s, wenn das nicht geht, hat es zwei.

  9. Anmerkungsmann

    ähm, ohne “es”…

  10. Tino

    Ein Kommentar zu das/dass hätte völlig gereicht, aber anscheinend geilen sich manche Leser gern an solchen Kleinigkeiten auf.

    Vielen Dank für das Review… hat mir eine Menge Eintrittsgeld gespart. Schätze, ich werde es eventuell mal anschaun, wenn es auf Pro7 am Sonntag umd 20:15 zur Primetime kommt.
    Schade das wir Deutschen selten den Spagat zwischen Komödie und einer guten Dramaturgie hinbekommen.
    Mir fallen da spontan wenige gute Filme ein…Soloalbum z.B.

  11. Anubiz

    naja, als ich den Trailer das erste mal sah bzw nur von den Darstellern hörte, war der Film für mich gelaufen

    les ab und an nen Cotton, da brauch ich davon keine Wixxer-style parodie (die dann nichmal eine sein will lol)

  12. Spit1

    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  13. Mischa

    Batzman, wer austeilen kann muss auch einstecken können. Sprich: Als Kritiker würde dir ein bisschen mehr Kritikfähigkeit gut zu Gesicht stehen, wenn du auf – für jemanden der vom Schreiben lebt – wirklich ärgerliche Rechtschreibfehler aufmerksam gemacht wirst ;)

  14. Batzman

    Das Kommasetzung und das/dass-Fehler in den Texten vorkommen steht doch sogar auf meiner Profilseite, insofern sind die ausgedehnten Hinweise überflüssig, because I don’t give a shit.

    Kritik nehme ich bei inhaltlichen Dingen an und diskutiere darüber, nicht bei über Rechtsschreib-Beckmessereien. Da gibt es nichts zu diskutieren.

  15. stb247

    Sorry Batzman.

    Es gibt coole Säue und es gibt Kinderkacke.

    Deine Verweigerung der korrekten deutschen Schreibweise ist leider in letztere Kategorie einzuordnen. Profilseite hin oder her.

  16. Batzman

    Entweder du liest meine Sachen oder nicht. Ganz einfach. Wenn dein Hirn wegen eines S zuviel oder zuwenig einer Argumentation nicht folgen kann oder will ist das letztlich dein Problem.

  17. GunGrave

    … nette Review – trifft ziemlich genau auch meine Meinung, DASS ist der Wahrheit.

  18. stb247

    @16

    Also deine Arroganz geht mir ganz schön auf die Nerven. Nur weil du hier ab und zu mal was schreibst, bist du noch lange nicht der King.

    Zu einem Blog gehört auch Kritikfähigkeit. Eine Eigenschaft, die ich dir nach diesen Kommentaren hier einfach direkt mal abspreche. Verstehen kann ich das nicht ganz. Zumal es ja auch nicht das erste Mal ist, dass euren Lesern ein paar Schreibfehler aufgefallen sind. Wieso gleich Beleidigungen raushauen?

    Ich schreibe auch ab und zu Filmkritiken für ne Internetseite, die lese ich aber noch ein paar mal bevor ich sie ins Netz stelle. Ich dachte, das gehört zum guten Ton. Zumal du dich in deinem Profil als Redakteur outest. Aber ist schon klar, der Deutsche trennt wie immer schön zwischen Arbeit und Freizeit.

  19. Batzman

    @stb247

    Was willst du eigentlich? Ich bin nicht beleidigend geworden sondern hab dir gesagt es steht dir frei meine Sachen zu lesen oder nicht. Wenn ich hier jeden Text nochmal solange redigiere bis er fehlerfrei ist, würde es nochmal eine Menge zeit kosten, die ich nicht habe.

    In einer großen Redaktion gibts dafür im besten Fall ne Schlussredaktion, die sowas erledigt, aber die haben kleinere Internetseiten und Blogs eben nicht. Ich hab einen extrem vollen Arbeitstag und zwacke nebenbei die Zeit ab, hier noch recht ausführliche und argumentative Reviews zu schreiben was inkl. Recherche einige Stunden in Anspruch nimmt und bin immer bereit die inhaltlichen Punkte der Reviews zu diskutieren.

    Tut mir leid, wenn du nicht damit leben kannst, wenn ich da nicht noch Stunden ins Proofreading stecke, aber es wird einfach nicht besser dadurch, wenn irgendwelche Beckmesser hier jeden Fehler und jedes fehlende Komma monieren. Wenn es ganz derbe Fehler gibt, falsche Links oder auch mal Satzfragmente die manchmal von Überarbeitungen eines langen Textes überbleiben und Leser darauf hinweisen, dann bastele ich das raus, aber es gibt einfach nur eine bestimme Menge Zeit die ich in die Sachen investieren kann und will.

    Entweder du nimmst die Texte so wie sie sind oder eben nicht, ich weiß nicht was man da groß rumdiskutieren muss oder wo die Kritikfähigkeit ins Spiel kommen soll oder was du dir erhoffst, wenn du statt über den Film oder die Kritik am Film stundenlang über das/dass Fehler rumlamentierst.

    Du hast meine Ansicht dazu bekommen: Ich weiß um diese Fehler und sie werden auch in Zukunft passieren, solange wir hier keinen Schlussredakteur haben der alle Texte ad hoc gegenliest – was nie passieren wird, wie ich das sehe.

  20. stb247

    Haha, dass das so ausartet muss wohl an der späten Stunde liegen und war keinesfalls böswillig geplant.

    Ich habe mich nur gewundert, wie man so vehement eine “I don’t give a shit”- Attitüde aufrecht halten kann, speziell wenn man den ganzen Tag anders im Job arbeitet. Und das hat mich hier tatsächlich gestört, nicht dein Text.

    Und sorry, in meinen Augen ist ein Satz wie du ihn in Nr. 16 schreibst durchaus beleidigend. Aber wie gesagt, da könnte ich auch ob der späten Stunde überregaiert haben.

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    Whoever created this: thank you!!

    Haha! Well done!

    11/27/14

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    That lightsaber sound lol


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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14