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Und hier noch zwei Filme, die ich jetzt erst sehen konnte, auch wenn sie schon eine Weile laufen:

Drachenzähmen leicht gemacht (How to train your dragon) – USA 2010
★★★½☆

Der junge Wikingersohn Hicks (Jay Baruchel) ist anders als die raubauzigen Bewohner der kleinen Insel Berk. Schmächtig, schlacksig und nicht gerade mutig benutzt er lieber den Kopf als die Fäuste. Statt wie alle anderen gegen die Drachenplage zu kämpfen, freundet er sich mit einem verletzten Drachen an und lernt langsam die Kreatur zu respektieren und sie nicht als Feind zu begreifen.
Was nur solange gut geht, bis die anderen Wikinger herausfinden, warum Hicks urplötzlich vom Schwächling zum Drachenbändiger mutiert…

Dreamworks liefert hier eine überraschend effektive und spannende Story ab, die nach einem ziemlich lahmen Start immer mehr an Fahrt gewinnt und in einem actiongeladenen und gerade in 3D sehr effektiven Finale mündet, dass optisch zu überzeugen weiß und erzählerisch zumindest solide daherkommt. Regisseur Peter Hastings (dessen furchtbaren Country Bears-Film ich lieber ganz schnell vergesse) erzählt sowas wie Wickie mit Eiern. Das Grundsetting ist dem Bully-Film durchaus ähnlich, nur ist der Emo-Bubi Hicks der wesentlich liebenswertere Charakter, dem Jay Baruchel (der Hicks optisch mal so gar nicht ähnelt) eine charmant-linkische Stimme leiht.

Natürlich kaspert der Film sich brav durch die üblichen Stationen, die so eine Geschichte nunmal hat (inkl. des typischen Vater/Sohn-Konflikts und eines “Du bist nicht mehr mein Sohn”-Moments, der schnell bedauert wird), aber er macht es mit viel Sympathie für die Figuren und schafft es der zu Beginn an eine Siedler-Cut-Szene erinnernde Optik überraschendes Eigenleben zu verleihen. Etwas weniger Training und etwas mehr Wumms zu Beginn wären vielleicht nicht schlecht gewesen, aber das ist vielleicht auch schon etwas viel verlangt, von einem Film der “How to train your dragon” heißt.

Doch, der Film macht Spaß und kann auch in 3D empfohlen werden. Alleine der Schlusskampf lohnt die blöde Brille auf der Nase.

Soul Kitchen – Deutschland 2010
★★★½☆

Restaurantbesitzer Zinos (Adam Bousdoukos) hat wenig Glück. Seine Freundin geht nach Shanghai, der Laden läuft schlecht, die Bandscheibe ist im Eimer, sein Knacki-Bruder braucht nen Job, Finanz- und Gesundheitsamt geben sich die Klinke in die Hand und der schmierige Immobilienspekulant Neumann (Wotan Wilke Möhring) will das Restaurant übernehmen um es abzureißen.

Fatih Akin bleibt mit “Soul Kitchen” etwas unter dem Nährwert seines eigenen “Gegen die Wand” und erzählt hier eine flapsige Hamburg-Geschichte. Mehr “Kebab Connection” als “Chiko” geht es in “Soul Kitchen” bei allem Drama überraschend leichtfüßig zu. Die Story ist derbe zurechtkonstruiert und wirkt stellenweise auch etwas überladen mit ihren Nebenhandlungen und den skurrilen Figuren, die oft wie gut abgehangene Klischee-Kauze wirken.

Das der Film mit seinem groovigen Soundtrack dennoch eine ganze Menge Spaß macht, liegt an der schieren Energie und Spielfreude des Ensembles, dass die Unwahrscheinlichkeiten und Holperigkeiten der Geschichte fast vergessen macht. Das ist spaßiges, gesundes Mainstream-Kino, das es hierzulande noch zu selten gibt und dem gerade deswegen Erfolg zu wünschen ist.

2 Trackbacks

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18 Kommentare

  1. Bei “Drachenzähmen…” fehlt die Sternwertung – Absicht?

    Kommentar #1 von Dominik Jungowski am 09.04.2010 um 03:18 Uhr

  2. Nee Uhrzeit ;)

    Kommentar #2 von Batzman am 09.04.2010 um 03:37 Uhr

  3. “Soul Kitchen” scheint mir hier deutlich überbewertet!
    Irgendwie ist das ein total überflüssiger Film – nach dem gucken dachte ich nur “was sollte das!?!?!?”.
    Die im Vorspann groß erwähnten Filmförderungen hätte man auch für was vernünftiges einsetzen können.

    “Kebab Connection” mit “abgehangenen Klischee-Kauzen” trifft es wohl.
    Wofür die Sterne vergeben wurden kann ich nicht nachvollziehen.

    Kommentar #3 von ufomuschi am 09.04.2010 um 09:57 Uhr

  4. Ich empfand Soul Kitchen großes Kino. Nicht wegen der teilweise albernen Slapstickeinlagen oder der konstruierten Geschichte, sondern wegen der Spielfreude aller Charaktere aber vor allem wegen des unvergleichlichen Rhythmus des Films. Das schaffen nicht viele deutsche Filme… Absolute Giganten fiele mir da noch ein.

    Kommentar #4 von Gerrit am 09.04.2010 um 10:05 Uhr

  5. Soul Kitchen = super!

    Aber mal off topic:
    Es ist zwar nur der Werbebanner unter diesem Artikel. Aber der Spike Jonze Kurzfilm “I’m here’, der da zu sehen ist, ist großes Kino. Wieso nicht mal vorstellen und richtig verlinken?

    Kommentar #5 von Claas am 09.04.2010 um 11:35 Uhr

  6. “Drachenzähmen leicht gemacht” empfand ich als einen der besten 3D-Filme, die ich bisher gesehen hab, weil das 3D nicht wirklich aufgesetzt wirkte sondern ganz natürlich rüberkam. Nebenbei ein ganz toller Film, der sicher auch gefahrlos mit Kindern geschaut werden kann.

    Kommentar #6 von Stadtschreier am 09.04.2010 um 12:25 Uhr

  7. Nach der Vorstellung im Cinema München meinte ein etwa zehnjähriger Junge begeistert zu seiner Mutter: “This movie really makes you wanna have a dragon!”
    Nuff said.

    Kommentar #7 von Sims Alabim am 09.04.2010 um 13:00 Uhr

  8. Die Drachen hab ich noch nicht gesehen, aber Soul Kitchen war schon ziemlich cool und witzig. Sicher kein “Gegen die Wand”, aber das war auch nicht die Absicht von Fatih Akin. Der Film ist öfter als ein “neuer Heimatfilm” bezeichnet worden, was allerdings auch Blödsinn ist. Akin hat einfach seine Lieblingsschauspieler zusammengetrommelt und die hatten alle miteinander viel Spaß bei einer etwas schrägen Story.

    Kommentar #8 von Turtle am 09.04.2010 um 14:23 Uhr

  9. Nur dreieinhalb Sterne für “Soul Kitchen”? Mich habt ihr damit als Leser verloren …

    Kommentar #9 von Schwanenmeister am 10.04.2010 um 00:35 Uhr

  10. Soul Kitchen hab ich hier bei uns im Programmkino mit ner guten Freundin gesehen und vor, während und nach dem Film lecker Bierchen zusammengetrunken und dabei viel Spass gehabt. Natürlich kein Meisterwerk, aber ein Film bei dem ich rausgegangengen bin und mich irgendwie einfach “gut” gefühlt habe und nix daran zu meckern hatte. Ein Film, der das ist was er sein will: Gute Unterhaltung. Nicht mehr, nicht weniger.

    Kommentar #10 von Patrick Electric am 10.04.2010 um 02:07 Uhr

  11. Beide Filme für mich etwas unterbewertet. :-) Vier Sterne wären schon in Ordnung. Beide zeichnet ein netter, etwas schräger Humor aus.

    Kommentar #11 von Florian am 10.04.2010 um 23:03 Uhr

  12. soulkitchen ist völlig überbewertet. mich hat er schwer enttäuscht…und vorallem hatte er potenzial und wäre auch schon durch das weglassen einiger szenen bedeutend besser geworden.

    Kommentar #12 von anna am 11.04.2010 um 20:16 Uhr

  13. Hm, ich hatte am Ende von Drachenzähmen eine kleine Sechsjährige an mir kleben, die sich an meinem Arm festhing. Also wenn die Kids etwas ängstlich sind, ist der Film nichts für sie. Ich finde nämlich den Enddrachen um ein paar Nummern zu groß geraten. Gerade weil die Animationen fast nicht mehr zu erkennen sind. Und das ganze noch in 3D? Das sollte so manchen bösen Traum bescheren.
    Aber ich persönlich fand ihn sehr witzig… LG Kaddi

    Kommentar #13 von Kaddi am 11.04.2010 um 23:21 Uhr

  14. Ich fand beide Filme super und find schade, dass sie hier so abgefrühstückt werden. Aber Film- (wie auch Musik- und Literatur-)kritiken bleiben etwas subjektives genau wie die Kunst an sich, das ist ja das Schöne dran.
    Vielleicht ist mein Geschmack also einfach mainstreamiger als der eure.
    Deshalb möchte ich hier nochmal anregen, diese Sternbewertungen endlich abzuschaffen und sie wenns sein muss durch hoch/runter-Daumen oder ein Ampelsystem zu ersetzen.

    Kommentar #14 von dopey am 17.04.2010 um 15:28 Uhr

  15. zu “drachenzähmen leicht gemacht” (SPOILER!!!):

    ich fand den film wahrlich großartig, besonders überraschend (“gut” ist hier etwas der falsche Ausdruck) fand ich,
    dass der Protagonist am Schluss eben nicht vollkommen unversehrt aus der ganzen Geschichte rauskommt, sondern ein Bein (oder zumindest einen Teil) verliert. Was ja an und für sich in dieser rauen Wikingergemeinde kein großes Ding ist, wenn man sich nur mal seinen “Schmied-Boss” anschaut, aber doch für einen solchen Film sehr ungewöhnlich ist.
    Irgendwie auch eine fast schon niedliche Anpassung des Jungen an den Drachen Ohnezahn, der ja auch eine Protese (und einen “Reiter”)benötigt, um richtig fliegen zu können. Diese Andeutung einer Symbiose zwischen den beiden empfand ich als eines der entscheidenden und schönsten Elemente des Films.

    Kommentar #15 von lottarules am 22.04.2010 um 13:11 Uhr

  16. @lottarules: Das ist meiner Nichte auch aufgefallen “….endlich mal ein Held, der nicht “nur“ ein paar Schrammen abbekommen hat…“

    Kommentar #16 von McT am 22.04.2010 um 14:27 Uhr

  17. Lilo & Stitch war genial: er war frisch, fröhlich und sehr innovativ: endlich bekam man einmal einen Disney-Charakter zu Gesicht, der nicht so verdammt verniedlicht wurde. Ich würde Lilo & Stitch neben Toy Story sogar als den besten Disney-Film aller Zeiten betrachten.

    Nur… so gut Lilo & Stitch war, so einfallslos, langweilig und langatmig ist “Drachenzähmen leicht gemacht”. Im Mittelpunkt steht (Oh Wunder) wieder einmal ein Versager-Typ, der in ein keckes, arroagantes und überhebliches Mädchen verliebt ist und sich die Anerkennung seines Vaters und seiner Kameraden verschaffen will. Eine typische 08/15 Geschichte eben. Gähn… Natürlich kriegt der Held die Kurve und das Mädchen…

    Verzeiht bitte, aber geht das nur mir oder werden die Filme aus Hollywood immer mieser? Das ist kein Scherz, ich bemerke einfach immer mehr, dass nur noch auf Effekte gesetzt wird. “Zeig dem Publikum so viele glitzernde Lichter und hirnlose Action wie möglich” könnte die Parole der Filmemacher lauten. Ich möchte mit dieser Bemerkung nicht altmodisch klingen, aber ich kann klar eine starke Abnahme der Qualität in nahezu allen Bereichen erkennen, sogar in der Animationsbranche.

    Kommentar #17 von Leonidas am 31.05.2010 um 21:21 Uhr

  18. Abnahme der Qualität? Wo denkst du hin? Es gab schon immer gute und schlechte Filme. Heute werdem die schlechten Filme einfach sehr viel besser vermarktet.

    Lilo & Stitch fand ich auch extrem gut. Die “billigeren” Filme von Disney waren immer besser. Schon komisch, was?

    Kommentar #18 von Elias am 05.07.2010 um 18:23 Uhr

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