“Hey, das ist doch nicht ihre Mauer!”
Herstellungsland: Deutschland/Österreich/Schweiz/China 2010
Regie: Peter Gersina
Buch: Thomas Brezina und Peter Gersina
Darsteller: Helena Siegmund-Schultze, Bruno Schubert, Justus Kammerer, Iris Berben, Stipe Erceg, Simon Schwarz, Nina Proll






Das Tiger Team Biggi, Patrick und Luk sind drei Kids aus Wien, die gemeinsam die rätselhaftesten Fälle lösen. Diesmal verschlägt es sie nach China, weil sie bei einer Freundin, die ein chinesisches Restaurant hat, einen Drachenschlüssel gefunden haben und herausfinden wollen, was es damit auf sich hat. Aber kaum in China angekommen, werden sie wegen dem Schlüssel gejagt von einer schrecklichen Frau namens Madame Q. Und sie erfahren das es nicht einen, sondern drei Drachenschlüssel gibt, die man braucht um den versteckten Palast des Kindkaisers im Berg der 1000 Drachen zu betreten. Dieser Kindkaiser soll im Besitz eines Elixiers der ewigen Jugend sein, das einem eben auch ewiges Leben schenkt. Und schon ist das Tiger Team mitten in einem brenzligen Fall in einem fremden Land. Werden sich die drei Kids gegen die Erwachsenen, die vor keinem noch so schmutzigen Trick zurpückschrecken, durchsetzten können?
Erstmal soviel: Ich bin schon zu alt um das “Tiger Team” gelesen zu haben. Das ist nämlich eigentlich eine Kinder/Jugendbuchreihe. In der es wohl in jedem Buch darum geht, selber mitzuraten und den Detektiven zu helfen, den jeweiligen Fall zu lösen (indem man Hinweise auf Bildern sucht, etc.). In Deutschland ist diese Serie wohl sehr erfolgreich und lustigerweise auch in China, wo sie mehr als die Harr POtter Bücher verkauft hat (WTF?!?!). Das zumindest erstmal die Infos, die ich von der Wikipedia hab (und die gar nicht mal so ausführlich sind). Nun, mir hätte die Serie als Kind wohl gefallen, ich mochte diese Geschichten wo man selber mitraten muss immer gern. Nun kommen wir aber zum Film (bei dem man, das kann ich schonmal verraten, nicht mitraten muss, zumindest wird man nicht dazu aufgefordert).
Das geht schon sehr schnell los mit dem Tiger Team. Die haben eine grosse Einsatzzentrale und vermutlich legt der FIlm am Anfang ein so grosses Tempo vor, damit man gar nicht darauf kommt solche Fragen zu stellen wie “Haben die eigentlich keine Eltern?”, “Müssen die nicht zur Schule?”, “Warum können die einfach so mit fremden Menschen nach China reisen?”. Und das ist durchaus ein Verdienst des Films: Man fragt sich das nicht wirklich und wenn, dann nur kurz. Man glaubt sehr schnell was da alles passiert und lässt sich auf die dicht gewobene Geschichte ein.
Dafür sorgt auch eine äusserst gelungene Besetzung. Die Kinder spielen alle drei relativ unnervig und überraschend authentisch, bis auf Luk, dem man in manchen Szenen die Regieanweisungen in der Gestik und Mimik ablesen kann, aber das geht trotzdem in Ordnung, da er der “Clown” der Truppe ist und somit als Figur sowieso prädestiniert zum overacting. Und die Kinder im Kino fandens lustig. Die äusserst fiese Madame Q wird gespielt von einer Iris Berben, die sich darauf eingelassen hat so fies und alt wie möglich auszusehen. Dadurch wirkt sie ein bisschen wie eine Realversion von Yzma, der fiesen Alten aus “Ein Königreich für ein Lama”. Nur ohne den lustigen Sidekick. Aber mit einer Menge Spass daran, einmal richtig hemmungslos fies und gemein spielen zu dürfen. Natürlich tappt auch sie manchmal in die Falle der Tournee-Theater-Overactings, wie sie einer solchen Figur in einem solchen Film innewohnt und passiert, wenn sie keine Regie hat, die da ganz genau drauf achtet. Die Verlockung eine gestandene Schauspielerin wie Frau Berben einfach mal “machen zu lassen” ist immer gross und läuft dann auf eben solche Momente hinaus. Die sind aber, zum Glück, sehr selten im Film. Am besten aber hat mir ihr Sohn gefallen, gespielt von Stipe Erceg. Ich find den ja eh gut, aber hier als fieser Typ, der auch nicht davor zurückschreckt Kinder zu bedrohen um zu kriegen was er will, da ist der wirklich brilliant. Punkt.
Das gesamte Drumherum des Films ist überraschend gut. Es wurde viel auf Location in China (und Vietnam) gedreht, wofür man, ganz offensichtlich, ziemlich fähige Location Scouts hatte, weil das alles sehr unverbrauchte Bilder sind. Und was mir besonders positiv aufgefallen ist: Der Soundtrack. Fett orchestriert, sehr schön geschrieben. Was ein bisschen fehlte war ein durchgehendes Thema, so wie die Indiana Jones Musik, was dem Tiger Team so eine Hymne gegeben hätte, aber sonst: Immer sehr passend, sehr schön komponiert. Selten genug für einen deutschen Film. Das fand ich ziemlich gut. Genauso wie die klasse gefilmte und choreografierte Action. Hab ich selten so gesehen in einem hauptsächlich deutschen Kinderfilm. Schön, das das möglich ist! Da gabs nix zu meckern.
Nun die Nachteile: Das Buch. Ich kenne das Original Buch nicht. Desegen habe ich keinen Vergleich. Der Fall geht in Ordnung, der hat ein paar kleine Twists, nichts super-überraschendes, aber eben Twist genug um bei den Kids ein “Ach SOOO!” auszulösen. Hier hätte man vielleicht noch ein bisschen mehr wagen können, aber gut. Erstmal soll es ja funktionieren. Aber: Ich finde das Buch wird an vielen Stellen sehr bieder. Da hätte ich mir dann doch ein bisschen mehr gewünscht. Wenn zum Beispiel die drei Kids die Zentrale von Madame Q infiltrieren, dann ist das eine spannende Szene, die aber in ihrer Auflösung einfach so verpufft. Auch hätte man Madame Q noch saftiger machen können. Indem man ihr einen Sidekick gegeben hätte, der eben nicht so, wie ihr Sohn, genauso böse ist wie sie und genau das gleiche will, dadurch graben sich die beiden Figuren nämlich gegenseitig das Wasser ab. Auch die Tatsache, das sie Mutter und Sohn sind, wird nie richtig als As ausgespielt. Schade, hier hat man superviel Potential verschenkt, nur um straight die Geschichte durchzuerzählen. Das ist eh das Manko des Films: Man hält sich strikt an einen Faden, guckt nicht links und nicht rechts. Der Film wird so in einem durcherzählt. Wie gesagt: Ich glaube manchmal das man Kindern nicht mehr zutraut. Aber hey: Als WIR klein waren haben wir es auch geschafft, den Goonies zu folgen durch alle Handlungsstränge und die, die wir nicht mitbekommen haben, die haben wir dann eben später gecheckt. Trotzdem hat der Film uns unendlich Spass gemacht. Ich würde mir wünschen, das man das bei Kinderfilmen heutzutage, die ja ein ziemlich grosser Markt sind, auch wieder macht und wagt. Anstatt alles immer so pädagogisch wertvoll schmecken zu lassen.
Und, das sei noch angemerkt: Wenn ein wesentlicher Bestandteil der Bücher ist, das man selber miträt, dann lasst das doch bitte auch in den Film einfliessen! Ich weiss nicht genau wie, aber das hätte man ja machen können. Man könnte die Handlung unterbrechen und die Zuschauer zum mitraten auffordern. Da gäb es ja tausende Möglichkeiten. Und auch wenn das nicht gemacht wurde, weil man Angst hat die Leute dann zu sehr rauszureissen: Ich hatte das Gefühl, das das niemals angedacht war, in diesem Film. Was schade ist!
Somit bleibt mir aber zu sagen: Gut gemachter und brilliant besetzter Film, der meiner fast 9-jährigen Tochter Spass gemacht hat, der aber tatsächlich eigentlich fast nur auf ein junges Publikum zugeschnitten ist. Als Erwachsener kann man sich an dem Acting erfreuen und sich über die schönen Landschaften freuen. Wirklich mitgerissen wird man vermutlich eher nicht. Da hat der Film Potential verschenkt. Solide drei Sterne und noch genug Luft nach oben frei für die etwaigen Fortsetzungen.
P.S.: Die ganze Szene auf der chinesischen Mauer ist aber tatsächlich recht lustig.
- Nilz N Burger •
- Mai 11th, 2010 •
- 18 Kommentare
- Schlagwörter: Review, Tiger Team









































Pingback: Tweets die Tiger Team – Der Berg der 1000 Drachen (Review) | Die Fünf Filmfreunde erwähnt -- Topsy.com