“Can I have another? Can I have another cup of coffee, please? “
Originaltitel: A Nightmare on Elm Street
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Samuel Bayer
Buch: Wesley Strick, Eric Heisserer
Darsteller: Jackie Earle Haley, Rooney Mara, Kyle Gallner, Katie Cassidy, Thomas Dekker




Batzman




Jet Strajker
Der durch einen Akt von Selbstjustiz von einem Eltern-Mob hingerichtet Kinderschänder Freddy Krueger erscheint Teenies in ihren Träumen und will sie umbringen. Die Teenies finden das doof und überlegen, was sie dagegen tun können.
Another Year, another shitty Platinum Dunes-Remake. Es ist durchaus ermüdend, sich immer wieder durch die ebenso geleckt- wie gelangweilt heruntergekurbelten Leichenschändungen gestandener Horrorklassiker zu gucken. Denn Samuel Bayer – und seine Drehbuchautoren – haben natürlich ebensowenig Gespür für eine wirklich inspirierte Neu-Konzeption der genialen Pop-Ikone Freddy Krueger, wie es die anderen Video-Clip-Regisseure hatten, die aus unerfindlichen Gründen immer wieder aufs Kino losgelassen werden. Wie Kollege Marcus Nispel gebricht es Bayer an der Fähigkeit irgendeine Empathie für seine Figuren zu entwickeln, noch tatsächliche Spannung jenseits abgedroschener Buh-Momente zu erzeugen.
Der Verleih tat gut daran, die Tagline des Films “Never Sleep Again” zu nennen – denn die Werbezeile des Wes Cravens Original “Don’t fall asleep” hätte wohl noch mehr hämische Kommentare erzeugt, angesichts des völligen Fehlens jeglichen Grusels in diesem abgestandener-Kamillentee-schalen Neuaufguss, der sich in bemitleidenswerter Verzweiflung wenn ihm so gar nichts mehr einfällt an Shot-for-Shot-Imitation des alten Films versucht, ohne ihm auch nur im Mindesten das Wasser reichen zu können.
Es tut weh einen respektablen und keineswegs schlechten Schauspieler wie Jackie Earle Haley zu sehen, der sich sichtlich abmüht der Rolle ein paar Facetten abzugewinnen und dabei durch die Inszenierung und strunzöde Dramaturgie immer wieder ausgebremst wird. Da sein Make-Up ein totaler Griff ins Klo ist und er aussieht wie eine Mischung aus einem Zombie und einem Gummiebärchen das zuviel Sonne abbekommen hat, macht es ihm auch nicht leichter. Es erklärt aber viel grundlegendes: Die Macher haben die Qualitäten des Originals – und selbst den der schwächeren Sequels – nie kapiert. Selbst “Freddys Finale” ist im Vergleich zu diesem Stinker noch ein Ausbund an Spaß und originellen Einfällen.
Freddys Motivation, der eigentliche Hintergrund seiner Taten vor seinem Tod, wurde früher bewusst immer vage gehalten. Freddy war ein Kindermörder, aber nicht das Abziehbild eines pädophilen Monsters, als das er jetzt hier erscheint. Craven bezog eindeutig Stellung für die unverstandenen Teenager, indem er die Kinder die Erbschuld ihrer Eltern ausbaden ließ. Die Eltern waren es, die ihre Kinder nicht ernst nahmen, die ihnen immer wieder ihre Ohnmacht vor Augen führten, weil sie keine wirkliche Kontrolle über ihr Leben besaßen. Eltern entscheiden wo die Kinder wohnen, mit wem sie Umgang haben dürfen, was sie unternehmen und was sie nicht dürfen. Eltern sind bisweilen unehrlich und treffen Entscheidungen, die später das Leben ihrer Kinder tangieren, wenn nicht gar zerstören können. Craven ließ bewussten Interpretationsspielraum und bot dem jugendlichen Horrorfilmpublikum viel Identifikationsfläche an.
Nicht nur mit den Teenies und vor allem mit Nancy – sondern durchaus auch mit den Antagonisten Freddy, der als dunkles anarchistisches Element durchaus seinen Reiz hatte. Robert Englunds Freddy ist kein sabbernder Pädobär, dem schon in der Stimme das Sperma von den Lippen perlt und der sich auf Polaroids von kleinen Mädchen einen runterholt. Er ist ein böser Dämon, der wie alle guten Bösewichte seit Goethes Mephisto, Spaß an seiner Arbeit hat. Freddy war bei allen Scheusslichkeiten immer von einer enormen Freude an seinem Tun besessen – eine Eigenschaft die Haleys Krueger leider trotz einiger auf “cool” getrimmten (und teilweise geklauten) Sprüche nicht gelingen mag. Es mag mit an der unpassenden Maske liegen, die weniger auf Stilisierung, als auf Ekel abzielt, dass dieser Freddy – wie der ganze Film ein hochgradig ödes und freudloses Spektakel ist. Haley gibt sich Mühe, doch seine Stimme dröhnt monoton, wo sie sarkastisch, ironisch, verspielt und diabolisch sein müsste. So wenig wie man dem neuen Krueger abnimmt ein oberflächlich toller Spielkamerad für die Kinder an seiner Schule gewesen zu sein (und ist es tatsächlich eine Simpsons-Referenz, das Krueger hier nicht Kraftwerksarbeiter sondern Groundskeeper an einer Schule ist?), so wenig nimmt man ihm ab, dass er wirklich Spaß an seinem jetzigen bösen Tun hat. Er ist näher am Metzel-Langweiler Jason, als an Englund, dessen differenziertes und wuchtiges Spiel erst im Direktvergleich wirklich in seiner vollen Leistung wertzuschätzen ist. Wo schon der Austausch der Machetenschwinger hinter der Jason-Maske negativ spürbar war, wird das Fehlen des Mannes der Freddy war, zu einer Katastrophe. Doch der Fehler steckt im unverstandenen Konzept – Haley ist nur der Unglücksrabe, der die Misere ausbaden darf und sich dabei nach Kräften müht der Rolle würdig zu sein.
Doch neben Freddy funktioniert auch das Traumkonstrukt nicht, denn in ihrem Bemühen den Film “düsterer und realistischer und härter” zu machen – was anscheinend die einzigen drei Worte sind, die man seit ca. 5 Jahren braucht um auch wirklich den letzten Kack finanziert zu bekommen – verzichten Bayer und seine Drehbuchautoren darauf das surreale Moment des Konzepts auch nur im Ansatz auszureizen. Cravens Nightmare war eine Offenbarung, weil er sich als einziger traute dem abgedroschenen 80er-Jahre-Slasher eine phantastische Komponente hinzuzufügen. Er wollte keinen Exploitation-Slasher über sexuell mißbrauchte Kinder drehen, die sich lernen ihrem Kindheitstraume zu stellen – er spielte vielschichtig mit adoleszenten Ängsten. Erwachende Sexualität, Schulangst, Angst vor dem Alleinsein kurz: Teen-Angst fand seine phantastische Entsprechung in der Traum-Realität in der Telefone leckten, Arme ins unendliche wuchsen und die Umgebung in ständiger Veränderung begriffen war.
Der neue Nightmare könnte auch ohne die Traumsequenzen auskommen, denn sie sind stinklangweilige Abziehbilder – zusammengebastelt im immer gleichen Stakkato-Schnitt-Stil, in dem jeder neue Horror-Film daher kommt. Selbst wenn der Film sich direkt beim Original bedient – etwa bei Freddys Abbild, welches sich durch die Tapete manifestiert – bleibt es belangloses CGI-Gequäke. Weil es nicht fühlbar ist. Weil es künstlich aussieht und das Bild selbst einfach nicht zu verblüffen mag, weil es mies getimed ist und letztlich auch, weil uns die Figuren herzlich egal sind.
Wo früher fröhliche Teenager im Angesicht des Schreckens langsam zusammenbrachen, je deutlicher sie den Phantasmagorien Kruegers ausgesetzt waren, da stacksen heute bleiche Figuren durch den Film, die schon von Anfang an aussehen wie die Nacht der lebenden Emo-Toten. Auch wenn Rooney Mara als Nancy und Kyle Gallner keine schlechten Schauspieler sind, ihre Figuren durchlaufen leider keine Entwicklung. Gallner sieht den kompletten Film aus, wie frisch vom Haken genommen und Nancy spielt sowieso erst ab der Hälfte wirklich mit und hat bis dahin verpasst, einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die anderen Teenies sterben entweder im Off oder so unspektakulär gleichförmig, dass schnell deutlich wird, wie wenig die Drehbuchschreiber mit Krueger und seinen kreativen Mordmotiven anzufangen wissen. Wahrscheinlich halten sie es für gewagt und “edgy” aus Krueger einen Pädo zu machen und Nancy am Ende eine “oh mein Gott ich bin mißbraucht worden”-Nummer zuzumuten, die letztlich den Eltern und ihrer Selbstjustiu nachträglich recht gibt – wie der Film generell wenig Verständnis für seine jugendlichen Protagonisten mitbringt. Er ist näher an den Eltern, die in jedem GTA-Spieler einen zukünftigen Amokläufer sehen und generell an eine Welt voller Gefahren glauben, die nur durch stärkere Verbote und die harte Hand im Zaum gehalten werden darf. Da passt es dann auch, dass Pädo-Freddy immer noch Spät-Teenager-Nancy flach legen will – die wie immer in US-Filmen von einer 25jährigen gespielt wird. Das ist Kinderschänder-Hysterie aus der Eltern-Sicht – keine Spur mehr von unverstandenen Jugendlichen, die mit den Tücken des Erwachsenwerdens hadern.
Das die Chose auch optisch nur Einheitsbrei ist, versteht sich nach all dem fast von selbst. Der neue Nightmare hat kein einziges gutes Bild anzubieten, wenn man von der ikonographischen Silhouette Kruegers absieht, die zumindest solange funktioniert, ehe man diesem geschmorten Zombie-Na’vi (wie Kollege Angry Joe es so schön formulierte) ins Gesicht guckt. Sich langsam aufbauender Schrecken, die beständige Ungewissheit was Traum und was Realität ist. Das Gefühl der Machtlosigkeit, ja das grundlegend Alptraumhafte ist hier dummer Schnitzelware gewichen, die nichtmal sonderlich blutig, geschweige denn interessant umgesetzt wurde.
Was uns wohl nicht vor einem Sequel bewahren wird, denn die Massen rennen in dieses Remake, wie in die vorherigen Totalausfälle von Platinum Dunes und geben diesen filmischen Steuerberatern damit auch noch recht.
Vielleicht kommen ja wenigstens alle alten Nightmare-Teile jetzt auch auf BD raus, dann hätte dieses öde Ärgerniss wenigstens irgendetwas gutes.
Wer doch ins Kino geht, dem rate ich dringend vorher ein paar Hallo-Wach-Pillen einzuschmeißen. Denn das wahre Monster ist diesmal nicht Freddy sondern Morpheus.
Jet Strajker meint:
“Don’t fall asleep!”. Die Tagline von Wes Cravens bizarrem, klugen, bahnbrechenden Independent-Klassiker “A Nightmare On Elm Street” erscheint angesichts seiner jüngsten Neubearbeitung in einem völlig anderen Licht: Der Film, ein sterbenslangweiliger und bemerkenswert dümmlicher Alptraumgarant, ist weit entfernt von den vergleichsweise ambitioniert wirkenden Remakes selbiger Produktionsfirma unter Ägide des Fetischästheten Michael Bay, und angesichts der Fallhöhe auch geradezu unverschämt in seiner rücksichtslosen Demontage des Originals. Erschreckend einfalls-, lust- und belanglos übt sich nun der nächste einer Reihe völlig uninteressanter Werbefilmer in Nachstellung, ohne dem hinreichend bekannten Plot neue Wendungen, Schliffe oder gar frische Ideen abgewinnen zu wollen. Im konsequenten Zertrampeln des einst so vitalen, sich immer wieder neu erfindenden Franchises löst der Film nicht einmal die Minimalerwartung ein, sein höheres Budget für die fantasievolle Aus- und Neugestaltung von Traumszenen aufzuwenden.
Stattdessen konzentriert er sich auf konzeptionelle Änderungen gegenüber der Vorlage, indem er Freddy Krueger (grauenhaftes Neudesign!) nicht länger zum Kindermörder, sondern –Schänder erklärt (ein dürftiges Zugeständnis an politische Korrektheit), und den Traumkiller auch nicht mehr als Racheengel einer verdrängten Schuld begreifen möchte: Freddy rächt sich nicht für die bürgerliche Selbstjustiz der Eltern, er rächt sich für den Verrat ihrer Kinder – womit der Film Cravens fatalistisches Familienbild gegen die x-te Konventionssoße eintauscht und in seinem Verzicht auf Wagemut letztlich den armseligen Tiefpunkt einer nicht enden wollenden Remakeflut bildet. Wenn New Line Cinema hier seinem größten Helden den künstlerischen Todesstoß verpasst, wünscht man sich nichts lieber, als lediglich schlecht zu träumen.
Mehr fällt mir zu diesem Mumpitz nicht ein.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Mai 20th, 2010 •
- 20 Kommentare
- Schlagwörter: Horror, Nightmare On Elm Street, Remake, Review, Wes Craven
-
http://gefangenendilemma.blog.de/ loser
-
http://www.insidemovie.de hash
-
doc
-
http://www.splattermovies.blog.de Andreas Port
-
http://- chris
-
Onkel Chop
-
http://www.splattermovies.blog.de Andreas Port
-
Hell-G
-
http://spieleschloss.de Mam – Goku
-
Tino
-
http://geniusjoe.spreadshirt.de The Director
-
bale
-
Björn
-
Stefan
-
stefan
-
Father_Frost
-
Hell-G
-
blabla
-
Binding
-
http://keine Leonidas









































