Drüben für moviepilot hab ich anläßlich des LOST-Themen-Weekends einen langen Text geschrieben, warum ich ganz froh bin, wenn LOST jetzt endlich endet. Hier ein Anteaser:
Wirtschaftskrise, Schuldenloch, Eurofalle – und dann hört auch noch Lost auf. Batzman verrät euch, warum das gar nicht so schlimm ist.
Ich geb zu, ich mochte Lost mal ziemlich gerne. Nach tausend Familienserien und Sitcoms, die halb so lustig sind wie Mario Barth, war LOST eine willkommene Ablenkung. Eine Serie, die mit gewaltigem Aufwand einen wahrlich furiosen Start hinlegte. TV, das wirklich nach Kino aussah und eine Menge Rätsel und scheinbar genial gestreute Hinweise, die alle auf ein mächtigeres, größeres Geheimnis hindeuteten.
Dazu – wie so oft in angelsächischen und so selten in deutschen Serien – eine wirklich talentierte Besetzung, die mehr konnte als nur rumstehen und gut aussehen. Die Idee mit den Flashbacks, die nach und nach Details über die Figuren enthüllten, war ebenso gelungen wie die Infohäppchen, die die Macher den Zuschauern gekonnt servierten. Ein Monster im Wald, vielleicht sogar ein Saurier? Ein Eisbär, der irgendwie mit den vielen Eisbärfiguren in Comics und Rückblenden zusammenhängen musste und ein Cliffhanger am Ende der ersten Staffel, der viel versprach.
Doch gleich eines der ersten Interviews mit dem Lost-Mastermind Damon Lindelof ließ Böses ahnen: Freimütig gab er damals zu, vom Erfolg der Serie überrascht worden zu sein, dass sie einen sehr vagen Handlungsbogen für ca. 3 Staffeln im Kopf hätten und er machte keinen Hehl draus, dass der Fortgang der Handlung eher von den Einschaltquoten und den Buchungen der Werbekunden, denn von einem wirklichen Masterplan abhinge. Den gäbe es nicht.
Ein ziemlicher Schlag ins Gesicht für all jene, die glaubten, aus den Puzzleteilen ließe sich etwas Sinnvolles herauslesen. All die Spekulationen und zum Teil wirklich inspirierten Theorien, die in Foren und Newsgroups gesponnen wurden, waren mit einem Mal für die Katz, eine richtige Lösung gab es nicht, denn keiner der Autoren wusste selbst, was die ganzen Andeutungen bedeuteten. Die Macher entwickelten die Serie im Gehen, was etwa so lustig ist wie mit Bilbo das alte Rätselspiel zu spielen. Was hab ich in meiner Tasche? Keine Ahnung, mein Schatz, ich hab nicht mal Hosen an.
Der unbedingte Zwang Lost entgegen der initialen Erwartung plötzlich für eine lange Laufzeit fit zu machen, führte zu einer desaströsen zweiten Staffel, in der etwa zwei Folgen tatsächlich relevante Handlung auf über 20 Episoden gestreckt wurden. Es passierte einfach nichts mehr, nachdem Locke den Hatch entdeckt hatte. Die Flashbacks wurden zu öden Pflichtübungen, die nichts substantiell Neues enthüllten, sondern in epischer Breite das wiederholten, was wir im Endeffekt doch schon wussten. Dazwischen gab es die Expedition der Woche, in der irgendwer aus dem Hatch auszog, um am Ende wieder zurückzukehren. Raus aussem Hatch, rinn innen Hatch. Das alte Rein-Raus-Spiel, wie Kollege Alex wohl sagen würde.
Alles zog sich wie Schmelzkäse, uninteressante Nebenfiguren, die für die Handlung völlig irrelevant waren, wurden ausführlichst durchdekliniert und auch gern mal aus der Serie geschrieben, weil ihre Schauspieler besoffen Auto fuhren und ihnen danach die Einreise nach Hawaii versagt blieb. War aber egal, denn sie spielten ja eh keine Rolle. Schwere Kindheit in Afrika, Drogendeals in Takatukaland, Walt quatscht rückwärts und Locke driftete in den religiösen Wahn ab – alles irgendwie egal. Warum passierten die Dinge? Darum. Es ging nicht mehr darum, eine gute spannende Story zu erzählen und eine in sich schlüssige Dramaturgie zu entwickeln, es galt Strecke zu machen. Im Zweifel erzählte man halt irgendetwas in einem Flashback, warf ein paar kryptische Momente in den Topf und vertraute darauf, dass die Zuschauer das schon fressen würden. Ohh…. so mysteriös. Oh so geheimnisvoll, was mag das alles nur bedeuten?
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Mai 23rd, 2010 •
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